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Bei Union herrscht eitel Freude, in Rostock ein Familienclan

Frank Baade | Dienstag, 20. April 2010 1 Kommentar

Union Berlin feiert seinen Klassenerhalt und plant mit kleinem Geld die Zukunft, beim abtiegsbedrohten Rostock greift nicht erst jetzt eine merkwürdige Form von Kurzsichtigkeit bei der Personalauswahl um sich

Union Berlin besiegt den FC St. Pauli mit 2:1, die Spieler feiern den nur rechnerisch noch gefährdeten Klassenerhalt, der Klub plant wie alle Gesicherten in dieser Zeit den nächsten Kader.

Im Tagesspiegel berichtet Katrin Schulze: „Der Blick richtet sich beim 1. FC Union ganz offensichtlich nach vorne: Schon vor dem Samstagsspiel konnte man den Eindruck gewinnen, dass sich Union mehr mit der Zukunft als mit der Gegenwart beschäftigt. Da wurde mit der Firma Ufa ein neuer Vermarkter präsentiert, und da wurden erste Neuverpflichtungen für die nächste Saison bekannt. Die brauchen die Köpenicker auch. Denn ihren 10. Rang nach 31 Spieltagen haben sie dem von Euphorie getragenen Saisonbeginn zu verdanken, während sie in der Rückrunde doch arg ins Straucheln gerieten und oft spielerische Mängel offenbarten. Nicht umsonst sagt Unions Aufsichtsratschef Antonio Hurtado, dass der Klub sich verstärken müsse.“ Die finanziellen Mittel seien „bei den Berlinern trotz vermehrter Einnahmen nämlich immer noch begrenzt.“

In Rostock meidet man personelle Innovationen

Hansa Rostock dagegen fällt auf den Relegationsplatz und muss nun eventuell mit der dritten Liga rechnen, wofür die Voraussetzungen bei geringeren Einnahmen ungünstig wären. Ronny Blaschke (Berliner Zeitung) blickt hinter die Kulissen der ewig gleichen Handelnden: „Trainer Andreas Zachhuber wurde von seinem Assistenten Thomas Finck beerbt. Dem fehlte die Lizenz, also folgte ihm Hansas Torwarttrainer Marco Kostmann. Der blasse Vorstandschef Dirk Grabow wurde zum Rücktritt gedrängt, darf aber als Finanzchef weiter werkeln. Manager ist René Rydlewicz. Er hat in der glorreichen Zeit schöne Freistoßtore für Hansa erzielt. Dass er mit der Rotlichtszene in Verbindung gebracht wurde, dass er seinen Trainingsalltag nicht immer ernst genommen hat, dass ihm Erfahrung in Betriebswirtschaft und Management fehlte, spielt scheinbar keine Rolle.“

Blaschke wundert sich: „Ob die Telefonanlage der Geschäftsstelle nur auf Ortsgespräche programmiert ist? Wie sonst ist zu erklären, dass die Rostocker oft auf alte Familienangehörige zurückgreifen und personelle Innovation wie kaum ein anderer Klub meiden?“ Für einen rechtzeitig greifenden Umbruch sei es längst zu spät: „Hansa muss die Gehälter von vier entlassenen Führungskräften zahlen, von zwei Trainern, einem Manager, einem Marketingchef. In dieser Spielzeit wird das Defizit bei zwei Millionen Euro liegen. Die Verbindlichkeiten betragen 6,5 Millionen.“ Lizenzprobleme könnten drohen. „Vorstandschef Jörg Hempel wird nach der Saison aufhören, der Aufsichtsrat muss einen neuen Vorstand bestellen. Die Chaostage werden weiter gehen.“

Kommentare

1 Kommentar zu “Bei Union herrscht eitel Freude, in Rostock ein Familienclan”

  1. Peter Glock
    Mittwoch, 21. April 2010 um 12:53

    Ja, in Rostock ist der Fussball eben immer noc schön romantisch die gute alte Vereinsmeierei! Ist doch schön! Denn während sich Union Berlin klammheimlich kommerzialisiert, bleibt Rostock ein ganz normaler Verein.
    Das ist doch was für die Romantiker! Und bald kann sich die Hansa in die glorreiche Reihe der Traditionsvereine einreihen, die ihr Dasein in den unteren Ligen fristen.

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