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Vorteil Nürnberg, Hoffenheims neues Gesicht, letzte Chance Hansa

Jan-Carl Ronnecker | Freitag, 14. Mai 2010 Kommentare deaktiviert für Vorteil Nürnberg, Hoffenheims neues Gesicht, letzte Chance Hansa

Der 1. FC Nürnberg gewinnt das erste Relegationsspiel gegen Augsburg, Ernst Tanner neuer Manager in Hoffenheim, Rangnick verlängert, Hansa droht im Chaos zu versinken

Der Bundesligasechzehnte Nürnberg dominiert das erste Relegationshinspiel gegen den Zweitligadritten Augsburg im eigenen Stadion über weite Strecken und gewinnt 1:0.

„Nach sieben Abstiegen aus der ersten Liga ist den ‚Clubberern‘ ganz schwindlig, wenn sie nach unten schauen – in den Abgrund der Zweitklassigkeit“, beobachtet Roland Zorn (FAZ) – Und diese Unsicherheit sei dann auch auf dem Rasen zu erkennen gewesen. Früh „vermischten sich die Nürnberger Aktionen mit Hektik und Nervosität. Es entwickelte sich eine eher zweitklassige Auseinandersetzung, die der Bedeutung dieser K.o.-Begegnungen entsprach: reich an Eifer und Kampfgeist, reich auch an Fouls, aber arm an klaren Aktionen und an kalter Entschlossenheit vor dem Tor.“ Christian Eiglers spätes Tor sieht Zorn noch nicht als Vorentscheidung: „Ein Siegtreffer, der im Relegationskampf noch nicht der Triumph, sondern lediglich ein kleiner Vorteil ist.“

Das führt dazu, dass beide Seiten diesem Ergebnis auch Positives abgewinnen können und damit Jürgen Schmieder (SZ) verwirren: „Wer am Donnerstagabend in der Mixed Zone des Nürnberger Stadions stand, der wusste nicht genau, auf welcher Art Veranstaltung er sich befand: beim obligatorischen Interviewreigen nach Fußballspielen oder doch vielmehr bei der Nachbetrachtung von Politikern zweier Volksparteien, nachdem sie die erste Hochrechnung gelesen hatten. ‚Wir wollten kein Tor kassieren und mindestens eines schießen, das ist uns gelungen – deshalb fahren wir zuversichtlich nach Augsburg‘, hieß es unisono aus den Mündern der Nürnberger Spieler.“ Und auch Trainer Dieter Hecking sieht den Club jetzt als Favoriten, wenngleich denkbar knapp: „Aus der 50:50-Chance haben wir nun ein 51:49 gemacht.“ Auf der anderen Seite verweisen die Augsburger Spieler auf die immer noch intakten Chancen im Rückspiel vor heimischer Kulisse: „Augsburgs Chef-Wahlkämpfer Simon Jentzsch mobilisierte das Volk (‚Am Sonntag werden uns 27.000 Menschen im Stadion anfeuern‘) und versuchte sich wie schon so oft im Understatement: ‚Was haben wir denn zu verlieren?‘ Irgendwie wollte ihm der neutrale Beobachter in diesem Moment zurufen: Den Aufstieg in die Bundesliga, lieber Simon.“

Hoffenheim mit altem Trainer und neuem Manager

Nach dem Abgang von Jan Schindelmeiser verlängert Ralf Rangnick in Hoffenheim und bekommt einen neuen „Manager für den sportlichen Bereich“ zur Seite gestellt, der ihm gegenüber jedoch nicht mehr weisungsbefugt ist.

„Es handelt sich dabei um Ernst Tanner, der sich in der Szene einen Ruf wie Donnerhall erarbeitet hat, weil er bis 2009 bei 1860 München Talente am Fließband förderte, ehe ihn die Hoffenheimer lockten.“ stellt Jan Christian Müller (FR) den neuen Mann vor. Dieser werde wieder „eher die Rolle des Zuarbeiters für den Trainer einnehmen. Ein angesichts der Entwicklung sichtlich erleichterter Mäzen Dietmar Hopp legte am Donnerstag allerdings Wert darauf, dass die Personalie Tanner nicht Rangnicks Vorschlag gewesen sei, sondern seiner.“ Diese Personalentscheidung zeuge „mindestens von diplomatischem Geschick wie auch Rangnicks Selbstkritik: Es sei gut, ‚wenn wir wieder zu mehr Bescheidenheit zurückkehren‘, beschied er mit Nachdruck. Das will der Trainer gemeinsam mit Tanner nun vor allem dadurch schaffen, dass er die Erwartungen zurückschraubt und auf millionenschwere Neuverpflichtungen verzichtet. Stattdessen sollen, ganz im Sinne von Hopp, junge deutsche Talente gelockt werden.“

Im Interview mit Moritz Kielbassa (SZ) äußert sich Rangnick persönlich zu den Gründen für seine Vertragsverlängerung und weist die Vermutung zurück, dass er de facto die Position eines Teammanagers englischer Prägung anstrebe: „Ein Magath-Modell war nie meine Absicht, sonst hätte ich Jan nicht 2006 ins Boot geholt. […] Es gab Gedanken über externe und interne Lösungen. Herr Hopp und ich haben uns letztendlich auf eine starke interne Lösung verständigt. Und das ist gut so.“ Diese Lösung sei optimal, besonders im Hinblick auf den Strategiewechsel der bei der zukünftigen Zusammenstellung des Teams anstehe: „Ernst ist eine Idealbesetzung. Unter seiner Leitung machte 1860 die beste Jugendarbeit in Deutschland. […] Ernst wird Transfers abwickeln und stark ins Scouting eingebunden sein. Er als Manager, das passt genau zu unserem Vorhaben, wieder mehr auf junge Talente, wenn möglich gerne deutschsprachige, zu setzen.“

Kogge in Seenot

Für den Verein, der in den letzten 20 Jahren das Flaggschiff des ostdeutschen Profifußballs war, geht es in der Zweitligarelegation um alles: „Rostock hat zwei allerletzte Chancen, um nach einer völlig schrägen Saison das Schlimmste zu verhindern“, schreibt Kerstin Hebeler im Tagesspiegel. Allerdings rumore es in dieser Situation, in der alle Energie auf Sportliche gerichtet sein müßte, an allen Ecken und Enden. In Rostock scheine „seit längerer Zeit einiges auseinander zu fallen, und zwar nichts weniger als der Verein. Ein Abstieg würde für den mit rund neun Millionen Euro verschuldeten Klub voraussichtlich den Abschied aus dem Profifußball für lange Zeit bedeuten. Nicht nur, dass der Etat auf 7,5 Millionen Euro geschrumpft werden müsste: Nur etwa eine Handvoll Spieler hat derzeit Verträge für die 3. Liga, Leistungsträger stehen vor dem Absprung.“

Dazu ist auch in der Vereinsspitze vieles im Ungewissen: „Im Sommer tritt ein neuer Vorstand an, die lokalen Medien haben die ehemaligen Hansa-Spieler Stefan Beinlich, René Schneider und Martin Pieckenhagen ins Gespräch gebracht“, blickt Ronny Blaschke in der Berliner Zeitung in die Zukunft. Wo der FC Hansa dann spielt, entscheidet sich ab heute Abend.

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