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Genialität und Irrsinn

Kai Butterweck | Freitag, 2. Juli 2010 Kommentare deaktiviert für Genialität und Irrsinn

Diego Armando Maradona pendelte als Spieler zwischen Genie und Wahnsinn; die Presse wirft einen Blick zurück

Dirk Schümer (FAZ.net) erinnert an eine Zeit, in der der heutige argentinische Coach als aktiver Spieler eine ganze Stadt verzückte und an den vielleicht bittersten Moment seiner Karriere: „Wer weiß, wie das neapolitanische Drama ohne die Halbfinalniederlage Italiens gegen Argentinien bei der Heim-WM 1990 ausgegangen wäre. Im Endspiel gegen Deutschland pfiffen die Italiener Maradona aus; nach der Niederlage humpelte er mit Weinkrämpfen vom Feld. Von diesem Moment an hatte es sich Maradona mit der übergroßen Mehrheit im Land verscherzt. Mit dem Märchen der armen Südmetropole Neapel war es danach schnell vorbei. Polizeilich abgehörte Telefongespräche brachten – nach einem Muster, das in Italien immer noch gebräuchlich ist – Maradona mit Kokainbanden und einem Ring von Prostituierten in Verbindung. Die Ermittlungen und die Hetzkampagne trieben Maradona 1991 zur spektakulären Flucht außer Landes; er war als letzte Rettung im Besitz eines Diplomatenpasses von Argentinien gewesen. Noch im letzten Jahr beschlagnahmten italienische Steuerfahnder einen Brillantohrring Maradonas bei einer Kur in Meran, aber sonst scheinen alle Rechnungen nun beglichen. Bei seiner unverhofften zweiten Karrierechance als Argentiniens Nationaltrainer lässt der bald fünfzigjährige Maradona seinen charismatischen Irrsinn und seinen vulkanischen Charme nur mehr dosiert aufblitzen, wenngleich sein ausgebeulter Anzug immer noch etwas an die Mode im Neapel des Jahres 1988 erinnert.“

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