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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

11 Freundinnen

Aus der Traum – Deutschland verliert gegen Japan

Kai Butterweck | Montag, 11. Juli 2011 24 Kommentare

Das Team von Silvia Neid verabschiedet sich nach der Viertelfinal-Niederlage gegen Japan frühzeitig aus dem WM-Turnier. Die Presse beschäftigt sich intensiv mit vermeintlichen Gründen für das Scheitern

Michael Horeni (FAZ) bemitleidet das deutsche Team und taucht ein in eine große Leere: „Die Weltmeisterschaft sollte den Frauenfußball in neue Dimensionen befördern. Der dritte Titel der deutschen Frauen nacheinander war daher auch nicht das einzige unglaublich hohe Ziel, das nur mit höchster Anstrengung und einer guten Portion Glück erreicht werden kann. Der Triumph war in der Inszenierung immer schon eingepreist, er war sozusagen konstitutiv für das Gelingen des gesamten Vorhabens. Alles außer der deutschen Finalteilnahme war nicht vorgesehen in diesem Plan. Mit der Niederlage schon in der ersten K.o.-Runde ist nun eine Spekulationsblase geplatzt. Aus dem Sommermärchen ist so etwas wie das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern geworden. Die Kaiserinnen stehen ohne Kleidchen da. Mit dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft und der Leere, die sich nun auftut, zeigt sich, wie die Dimensionen im Frauenfußball bei dieser WM verrutscht sind. Viele sind Opfer dieser Überforderung geworden, weil die Show größer geworden ist, als ihre Hauptakteure sich das vorstellen konnten.“

Keine Pfiffe, keine Buhrufe, nur Staunen, Unglauben

Christian Spiller (Zeit Online) skizziert die Ohnmacht der Anwesenden: „Als die deutschen Spielerinnen sich nach der Partie zur Sache äußern mussten, wirkten sie nicht nur enttäuscht, sondern auch ein bisschen verwirrt. Monatelang hatten sie sich die auf dieses Turnier vorbereitet, immer das Finale in Frankfurt im Kopf. Dass sie schon im Viertelfinale ausscheiden könnten, in Wolfsburg, gegen Japan, mit 0:1 nach Verlängerung, hatte ihnen scheinbar niemand erzählt. Ähnlich apathisch wirkten auch die Zuschauer. Als der japanische Führungstreffer fiel, war es im ansonsten stimmungsvollen Wolfsburger WM-Stadion so ruhig, dass man die spitzen Jubelschreie der asiatischen Spielerinnen bis unters Tribünendach hören konnte. Nach dem Schlusspfiff gab es keine Pfiffe, keine Buhrufe, nur Staunen, Unglauben. Fast wirkte es, als warteten die deutschen Fans darauf, dass jeden Moment Kurt Felix, der ja jetzt Guido Cantz heißt, über die Absperrung hüpft und feixend aufklärt, dass das gesamte Stadion zur nächsten Folge Verstehen Sie Spaß? eingeladen sei.“

Claudio Catuogno (SZ) gewinnt der Niederlage etwas Positives ab: „Es wird sich jetzt in einer Art Schocktherapie erweisen, wie ernst es dem Land wirklich ist mit seiner neuen Liebe zum Frauenfußball. Dass der Weltmeister nicht jedes Mal Deutschland heißt, zeigt ja gerade, wie wettbewerbsfähig es im Frauenfußball inzwischen zugeht. Es ist, bei aller Enttäuschung, Ausweis einer neuen Qualität. Und bisher sieht es so aus, als ob das beim Konsumenten auch so angekommen ist. Auf die Fanmeilen gehen die Menschen bisweilen sogar trotz des Fußballs: wegen der Geselligkeit. Aber wer sich vor seinen Fernseher setzt, um sich Schweden-Australien oder England-Frankreich anzuschauen, dem darf man Interesse für die Sache unterstellen. Die Millionenquoten, die Übertragungen ohne deutsche Beteiligung bisher erzielten, sind ein ziemlich unbestechlicher Indikator.“

Der Frauenfußball ist unberechenbarer geworden

Auch Markus Völker (taz.de) rückt den emotionalen Teil beiseite und freut sich über sportliche Ausgeglichenheit: „wir sehen die beste Frauenfußball-WM aller Zeiten. Vielen Teams ist ein Quantensprung gelungen: Australien, Frankreich, Äquatorial-Guinea und auch Japan. Die Sparringspartner von einst sind echte Gegner geworden. Einfach ans Glaskinn tippen, und schon fallen sie um – das geht heute nicht mehr. Natürlich kann der Weltranglistenzweite (Deutschland) verlieren gegen den Weltranglistenvierten (Japan). Hoffnungslose Außenseiter gibt es nicht mehr, die Underdogs fletschen die Zähne. Norwegen, der zweimalige Europameister und Olympiasieger von Sydney, kann in der Vorrunde rausfliegen. Und natürlich kann auch Deutschland, der siebenmalige Europameister, der zweimalige Weltmeister und Zweite der ewigen WM-Tabelle, verlieren gegen Japan. Das ist Teil der neuen Realität. Das ist vor allem: Fußball. Endlich! Denn Fußball ist auch: Wenn man nicht weiß, wie das Spiel ausgeht. Der Frauenfußball ist unberechenbarer geworden.“

Peter Ahrens (Spiegel Online) macht den Hype um die WM mitverantwortlich für das frühe Scheitern der deutschen Elf: „Das Team war den hohen Erwartungen nicht gewachsen. Auf die Dimension einer Heim-WM, auf die mediale Aufmerksamkeit schien das Team nicht angemessen vorbereitet. Viele Spielerinnen schienen über die Maßen beeindruckt von den großen Kulissen in den Stadien, von dem ganzen Drumherum. Dabei war dies vorhersehbar, der DFB hatte den Hype schließlich selbst angefacht. Der Verband wollte alles auf einmal: Er wollte das Turnier und die Spielerinnen perfekt vermarkten und gleichzeitig den maximalen sportlichen Erfolg. Das erste ist gelungen. Mit beidem war die Mannschaft überfordert. Neid hat zwar immer gewarnt, dass auch der Fall eintreten könne, dass die Elf bei dieser WM vorzeitig ausscheidet. Richtig daran geglaubt hat aber auch sie nicht.“

Silvia Neid verantwortet ein Turnier der spielerischen Armut

Oliver Fritsch (Zeit Online) geht mit der Bundestrainerin hart ins Gericht: „Silvia Neid verantwortet ein Turnier der spielerischen Armut. Zwar gewann ihr Team alle drei Vorrundenspiele, doch höherem Anspruch genügte nur der Sieg gegen Frankreich. Neid hatte das Team drei Monate zur Vorbereitung, der DFB hatte die Bundesliga viel früher als sonst beendet – ein Zustand für einen Trainer, von dem beispielsweise Joachim Löw nur träumen kann. Diese lange Zeit der Kasernierung verlangt eine kluge Menschenführung. Doch Neid gilt als überstreng und misstrauisch, sie pflegt eine Kultur der Kontrolle, vielleicht sogar der Angst. Kreativität kann sich nur schwer entfalten. Hat sich auch nur eine einzige Spielerin bei dieser WM weiterentwickelt?“

Alexandra Kraft und Klaus Bellstedt (stern.de) begleiten die deutsche Nationalmannschaft bei ihrer letzten Runde durchs Stadion: „Das Spruchband, das die deutsche Frauen-Nationalmannschaft nach ihrem Ausscheiden im WM-Viertelfinale gegen Japan in Wolfsburg durch das Stadion schleppte, sollte eigentlich erst viel später bei diesem Turnier zum Einsatz kommen. Nach dem gewonnenen Finale in Frankfurt am nächsten Sonntag zum Beispiel. Das wäre der ideale Zeitpunkt gewesen, sich bei den Fans zu bedanken und mit dem WM-Pokal im Gepäck in den Urlaub zu verabschieden. Wer auch immer sich beim DFB dafür entschieden hatte, das Plakat jetzt schon zu entfalten: Die Mannschaft wird diesen Offiziellen wohl für immer verteufeln. Es muss sich wie eine Strafe angefühlt haben, nach einer derartigen Enttäuschung so ein Sprüchlein durch ein halbleeres Stadion spazieren tragen zu müssen. Eine knappe Minute dauerte es, bis sie sich selbst erlösten. Ausgerechnet vor den Augen von DFB-Präsident Theo Zwanziger warfen die Spielerinnnen das Spruchband wie einen nassen Lappen auf den Rasen. Sie hatten jetzt wirklich Besseres zu tun. Weinen zum Beispiel.“

freistoss des tages

 

Kommentare

24 Kommentare zu “Aus der Traum – Deutschland verliert gegen Japan”

  1. Keks
    Montag, 11. Juli 2011 um 12:50

    Hurra, da ist er wieder, der Quantensprung (= völlig unauffällige, kaum messbare Veränderung). Glückwunsch an die genannten Teams!

    So, und der Spiegel findet, dass der DFB einen Hype um die WM veranstaltet hat? Auch eine lustige Sicht der Dinge. Spiegel & Co. wurden also vom DFB gezwungen, gefühlte 42.000 WM-Artikel zu produzieren.

  2. schubbiaschwilli
    Montag, 11. Juli 2011 um 13:53

    Gude!
    „Die Presse beschäftigt sich intensiv mit vermeintlichen Gründen für das Scheitern“
    (…)
    „Viele sind Opfer dieser Überforderung geworden, weil die Show größer geworden ist, als ihre Hauptakteure sich das vorstellen konnten.“
    Wir werden ja sehen, ob es die Medien mal schaffen, ihre eigene Rolle zu reflektieren, Ansätze hätte man ja genug.
    Da ist zum einen die teilweise erbärmliche (Live-)Berichterstattung – Man braucht sich nur vorzustellen, wie Netzer das Spiel der Deutschen im Viertelfinale beurteilt hätte; beim Spiel England gegen Frankreich gab es Pfiffe, nachdem Einwürfe zur eigenen Mannschaft geworfen wurde, der Ball aber vorher zur Behandlung am Boden liegender Spieler in’s Aus gekickt wurde oder das theatralische Auftreten der fünfmaligen Weltfußballerin gestern, was im Stadion zu Recht mit Pfiffen quittiert wurde – Aber es ist ja alles Friede, Freude, Eierkuchen. Von teilweise haarsträubenden Fehlern mal abgesehen, die dann im Stil von ‚Menschen, Tiere, Sensationen‘ fast schon als Attraktion gepriesen wurden – Vielleicht sollte man daran erinnern, dass dies eine WM ist, an der auch Profis teilnehmen? Oder ist das doch kein Sport, sondern nur Unterhaltung oder gar ein Event – Muss ich das also alles gar nicht ernstnehmen?
    Man sollte sich auch einmal die Frage stellen, wer die Mannschaft stellt; teilweise wurden vorher schon Werbeikonen ausgedeutet, die die deutsche Mannschaft im Finale zum Sieg führen sollen – Was dann auch dankbar angenommen wurde.
    Und zum Schluß wird versucht, hier eine katastrophale Integrationspolitik der letzten Jahrzehnte durch ein paar Musterschüler in’s positive zu verklären – Wenn’s halt mit dem Schulabschluss nicht klappt wird man halt Fußballprofi. Oder sind das potemkinsche Dörfer?

    Gruß Schubbiaschwilli

  3. Ben
    Montag, 11. Juli 2011 um 15:56

    einfach nur peinlich aber wirklich

  4. OF
    Montag, 11. Juli 2011 um 17:15

    @Keks: Der Spiegel (Print) hat das Thema sehr klein gehalten. Oder seh ich das falsch?

  5. glibb
    Montag, 11. Juli 2011 um 17:33

    wenn man in der Liga im Schnitt vor knapp 1000 Leuten spielt, medial nur eine Randnotiz ist, und dann plötzlich vor 15 Millionen Fernsehzuschauern für das Sommermärchen 2.0 sorgen soll, ist es schon schwierig entspannt zu sein.
    Da fällt mir nur der große Weise des Fussballs O. Kahn ein :
    „Mit dem D R U C K umzugehen, musst du lernen.“

  6. Tim
    Montag, 11. Juli 2011 um 23:58

    @OF: Der Print-SPIEGEL hat das Thema sicherlich auch deshalb etwas kleiner gehalten, weil seine Leserschaft keine ausführliche Berichterstattung über diese Witz-Veranstaltung wünscht. Anders ist es mit der Online-Ausgabe, die über die Spiele sogar in der Headline aktuell berichtete. Besonders hervorgetan hat sich dabei wieder Peter Ahrens, von dem man immer den Eindruck hat, er wäre in der Sportredaktion gelandet, weil in anderen Ressorts, für die er vielleicht besser geeignet wäre, kein Platz mehr war. Seine ermüdenden Artikel, die zum großen Teil aus Versatzstücken anderer Publikationen bestehen, nerven. Obwohl er meines Wissen vor geraumer Zeit noch für den „Direkten Freistoß“ geschrieben hat und deshalb den Verantwortlichen des I.F. vielleicht bekannt oder freundschaftlich verbunden ist, halte ich es aus Qualitätsgründen dennoch für angebracht seine bescheidenen Artikel hier nicht mehr zu erwähnen. Im Wesentlichen entspricht Ahrens dem Bild, das sich Jens Weinreich von den Sportjournalisten in diesem Zusammenhang gemacht hat.

    http://www.allesaussersport.de/archiv/2011/07/08/screensport-am-wochenende-wer-will-nachschlag-von-deutschland-%e2%80%93-mexiko-haben/#comment-539050

  7. anderl
    Dienstag, 12. Juli 2011 um 02:47

    @oliverfritsch:
    es ist außerordentlich peinlich, dass bei ihrem Artikel in der Zeit in knapp 70 Zeilen nur einmal das Wort „Druck + überfrachtet“ vorkommt. Es wäre mal an der Zeit, diesen ganzen Medienhype selbstkritisch zu analysieren. Kann ja sein, dass Frau Neid Coachingfehler gemacht hat. Aber schon mal drüber nachgedacht, was der ganze Seelendruck da ausgelöst hat? Ob er sie vielleicht zu einem „Sicherheitscoaching“ getrieben hat?
    Es ist schon krass, wenn aus einem unbeachteten Sportler plötzlich ein Medienstar wird, dessen Drücken der Klospülung beobachtet und bewertet wird. Ob man will oder nicht: http://www.youtube.com/watch?v=W_pKmAThcZ0

  8. OF
    Dienstag, 12. Juli 2011 um 07:45

    Nein, Peter Ahrens hat nicht für den direkten freistoss geschrieben.

    @anderl: Wieso soll das peinlich? Es ging in dem Kommentar um Silvia Neid.

  9. anderl
    Dienstag, 12. Juli 2011 um 08:30

    @OF: Und Silvia Neid hat dieser ganze Medientsunami nicht getroffen?

  10. Nixwisser
    Dienstag, 12. Juli 2011 um 08:36

    Die Damen wollten raus aus der Nische und das ist ihnen geglückt. Auch sie haben die Erwartungen geschürt und das erzeugt selbstverständlich Druck. Aber Neid & Co. sind ja nicht von gestern, sie wußten, was sie taten und sie wußten auch ungefähr, was auf sie zukommen kann. Ohne Hype keine Kohle. Daß es Unterschiede in der Vorstellung und der Realität gibt, ist auch klar. Und daß jetzt von einigen der große Knüppel ausgepackt wird, dürfte auch niemanden überraschen.

    Im Spiel gegen Japan zeigten das deutsche Team mehrere Schwächen. Es hätte gereicht, nur eine davon, ein-, zweimal zu überwinden: den katastrophalen Abschluß. Die Japanerinnen waren nicht wirklich besser, aber wer keinen rein macht… Insofern geht das Aus in Ordnung. Was mich gewundert hat, war die fehlende Spritzigkeit im deutschen Team. Es dauerte zu lange, bis bei Anspielen endlich der Gang eingelegt war. Auf den ersten drei Metern verloren die Deutschen unglaublich viele Laufduelle und Zweikämpfe. Das fiel besonders gegen Nigeria und Japan auf. Imho ist das auf Fehler in der Vorbereitung zurückzuführen. Und das muß sich das Trainerteam vorwerfen lassen – wenigstens das.

  11. mustard
    Dienstag, 12. Juli 2011 um 08:40

    Wenn die Damen den Medienrummel nicht verkraften, dann haetten sie mit dem Verband vielleicht ausmachen sollen, dass man die ganze Veranstaltung nicht so hoch haengt. Man haette vielleicht auch selbst den Ball ein bischen flach halten koennen und selbst weniger Medienpraesenz forcieren, z.B. die Fernsehspots wo fuer Zuschauer geworben und vom Titel gesprochen wird.

    Wenn der Frauenfussball aus der Amateurecke rausmoechte wird er die Medienaufmerksamkeit alerdings brauchen, um Sponsoren und Zuschauer anzulocken.

    Die Ausredensuche nimmt inzwischen teilweise bizarre Zuege an.

    Persoenlich glaube ich auch nicht, das es am Medienrummel lag. Frauen koennen damit genau so gut umgehen wie die Maenner. Eher sind die Spielerinnen schlecht eingestellt und gefuehrt worden, sonst haetten sie das vielleicht in positive Energie kanalisieren koennen. So wie es im vielbeschworenen Sommermaerchen passiert ist.

  12. OF
    Dienstag, 12. Juli 2011 um 08:42

    Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, worauf Sie hinauswollen. Der Text ist ein Kommentar, muss sich also auf ein Thema beschränken.

    Ich bin der Meinung, diese Trainerin hat viel falsch gemacht. Und ich habe mit einigen Leuten aus der Bundesliga gesprochen, die sie noch viel härter beurteilen.

  13. anderl
    Dienstag, 12. Juli 2011 um 09:38

    @OF et al
    Akzeptiert, dass sie nur über Neid schreiben wollten.

    Ich meine aber, dass wer über Frau Neid bei dieser Frauen-WM schreibt, folgendes nicht außer Acht lassen sollte (da es unmittelbar zusammenhängt):

    Der Medienhype spielt eine extrem wichtige Rolle. Man kann es gerne herunterspielen oder vereinfachend sagen, dass Frauen dies ja genauso aushielten wie Männer. Aber scheitern nicht sehr viele Männer an dem Medienhype, der schon seit Ewigkeiten um den Männerfussball gemacht wird? An dem Erwartungsdruck des Umfeldes, der durch die öffentliche Aufmerksamkeit noch tausendfach erhöht wird? Und der dann nichts mehr mit der intrinsischen Lust am Fussball spielen und dem Gewinnenwollen zu tun hat?
    Bei den Männern kristallisieren sich da schon in den späten Jugendjahren die Widerstandsfähigsten raus. Noch mal viele scheitern am Übergang in das Profilager. Und wieder scheitern dann einige, wenn sie drin sind. Und das hat viel mit dem DRUCK zu tun.
    Die Frauen sind ihm in dieser Größenordnung zum ersten Mal begegnet.
    Und selbst wenn sie es so wollten, dann haben sie ganz bestimmt nicht gewusst, was da auf sie zukommt. Erinnern sie sich an die Worte von Birgit Prinz? „Das hatte was von einer Hetzjagd.“ Bei den Männern wäre sie als „Weichei“ vom Platz gejagt werden, weil das „eben das Business ist“. Da redet Frau Neid ganz putzig offen von den psychischen Problemen der Birgit Prinz und die Presse zerreisst sie, da sie Prinz „demontiert“ habe.
    Fällt denn niemandem auf, dass die ihren gemütlich-familiären Stil weiter gepflegt haben, in dem es auch mal in Ordnung ist, wenn etwas mal nicht klappt?
    Der überhaupt nicht auf den rustikalen Medienstil des Männerfussballs ausgerichtet ist?

    Ich will damit keine Rechtfertigung der Arbeit Neids und des gesamten Teamauftritts verfassen. Das kann ich gar nicht. Wer aber eine ehrliche Analyse des gesamten Ereignisses erstellen will und nicht nur eine Sündenziege in die Wüste jagen will, der muss auch die Umstände betrachten.

    PS@OF: Sie sagen, dass viele Leute aus der Bundesliga sie noch viel härter kritisieren. 1. Ich hoffe, aus der Frauenbundesliga 😉
    2. Den Verlierer kritisiert man gerne hart und ausgiebig. (Niemand kritisiert die Spanier dafür, dass sie mit einem Toreschnitt von 1,14:0,25 Weltmeister der Herren geworden sind, auch wenn man bestimmt was daran kritteln könnte;-)

  14. anderl
    Dienstag, 12. Juli 2011 um 09:48

    PS:
    Möchte da noch einmal auf diesen Zeitartikel vom Dezember letzten Jahres verweisen, in dem das Ganze Ausmass der neuen Herausforderung für den Damen-Fussballsport hingewiesen wurde. Die Herren kennen das, sobald sie einen Profivertrag unterschrieben haben…

    http://www.zeit.de/sport/2010-12/frauenfussball-wm2011-event-barbie/komplettansicht

  15. anderl
    Dienstag, 12. Juli 2011 um 10:00

    ompf! Entschuldigt bitte die Schreibfehler in Beitrag #14 🙁

  16. mustard
    Dienstag, 12. Juli 2011 um 10:45

    Das Druck-Argument wird immer wieder vorgebracht ist. Sicher gibt es auch Spielerinnen, die damit ein Problem gehabt haben. Das es sich aber um einen entscheidenden Faktor gehandelt hat kann ich nicht sehen.

    Vielleicht einmal von den Amerikanerinnen abgesehen duerfte es keine Mannschaft gewoehnt sein, vor einem grossen Publikum zu spielen, wie es dies bei der WM gab. Trotzdem hatten andere Mannschaften wohl keine so grossen Probleme damit.

    Auch duerften viele Spielerinnen schoen oefters vor grossem Publikum gespielt haben, ob bei frueheren Finals internationaler Turniere, beim DFB-Pokal bis vor kurzem in Berlin, bei den CL-Finalen, wo auch immer.

    Die deutsche U17-NM hat auch gerade in Mexiko Platz 3 erreicht. Das Finale (ohne die Deutschen) wurde vor 105k Leuten gespielt, das Spiel um Platz 3 (mit Deutschland) hatte glaube ich 70k Zuschauer und entsprechende Stimmung. Obwohl die Jungs sicherlich deutlich unerfahrener und deutlich unprofessioneller sind als die Frauen-NM haben sie ihre Sache ganz gut gemacht

    Den Druck der Oeffentlchkeit kann man auch ausblenden oder positiv verarbeiten. Wenn die Spielerinnen samt Leitung das nicht schaffen haetten sie sich Hilfe heranholen muessen. Wenn sie es wirklich nicht hinbekommen haben muessen sie sich das vorwerfen lassen.

    Uebermaessige Kritik an der NM und an Neid habe ich auch nicht gesehen. Bis zum verlorenen Halbfinale gab es doch kaum Kritik, sondern hauptsaechlich (von Nichtjournalisten immer wieder kritisierte) Lobhudelei. Das Japan-Gegentor z.B. wurde von KMH als unhaltbar bezeichnet. Um nur ein Beispiel zu geben.

    Prinz wurde kritisiert, aber sie hat auch wirklich schlecht gespielt.

    Und fuer die Prinz-Aussage gab es schliesslich auch viel Lob zu lesen – ‚Seht her wie authentisch und ehrlich die Frauen nur sind, ganz anders als die Maenner!.

    Ich erwarte auch von Frauen, das sie berechtigte Kritik aushalten. Alles andere waere sexistisch.

    Und schliesslich schreibt die Presse viel Muell – jeder, der ab und zu eine Zeitung aufschlaegt, weiss das. Wer damit nicht klar kommt sollte besser nicht einen Platz in der Oeffentlichkeit suchen.

  17. Dirk
    Dienstag, 12. Juli 2011 um 10:46

    Der Bericht von OF ist zwar „hart“ formuliert, ich finde ihn aber wichtig, da er im Gegensatz zu den meisten anderen Berichten erklärt, WARUM das Spiel der deutschen Mannschaft nicht geklappt hat (ob OF Recht hat, weiß keiner genau; mir erscheint der Erklärungsansatz aber nicht abwegig).

    Gleichzeitig stimme ich anderl zu, dass der neuartige externe Druck nicht unterschätzt werden darf. Ich glaube, dass man sich das von außen gar nicht vorstellen kann und dass eine angemessene theoretische/simulierte Vorbereitung darauf nicht möglich ist (so etwas muss durchlebt werden).

    Umso wichtiger wäre es gewesen, auf ein stabiles Fundament zurückgreifen zu können, an dem man sich in schwierigen Situationen „festhalten“ kann. Aber diese Basis war nicht vorhanden:

    -keine bessere Fitness
    -keine Automatismen im Spiel (außer vielleicht lange Bälle wild nach vorne oder Freistöße/Ecken)
    -keine Führungsspieler in der Mannschaft (Prinz wird während! der WM aussortiert)
    -keine Strategie, wie kompakte Defensivreihen spielerisch geöffnet werden können

    Dafür sehe ich in erster Linie das Team der Trainerinnen/Trainer in der Verantwortung.

    Ob nun Bajramaj ihr Leistungsniveau hauptsächlich wegen Fr. Neid oder wegen ihrer Medienrollen nicht erreicht hat, lässt sich ja nicht klären. Aber dass man diese Spielerin gegen Japan 120 Minuten auf der Bank lässt, ist für mich nicht ansatzweise nachvollziehbar – in einer Partie, in der spielerisch fast nichts klappt und Überraschungsmomente und Kreativität fehlen.

  18. Shileno
    Dienstag, 12. Juli 2011 um 16:52

    @mustard: ich glaube nicht, dass sich „Druck“ auf die gefüllten Stadien bezieht. Die haben die Mädels auch 2007 in China gehabt. Aber eben nicht den ganzen Medienrummel, Werbetermine, etc.
    Vielleicht hat daran ja auch die Vorbereitung gelitten. Anstatt blöde Filmchen zu machen a la Zaubern mit Celia, hätte die Dame vielleicht mal ihre Ballanahme trainieren sollen.
    Was speziell das Japanspiel angeht, denke ich auch, dass Frau Neid sich verwechselt hat, aber es gab auch keine wirklich guten Lösungen. Der Haupfehler war vielleicht, zweimal die 6 zu wechseln, dadurch fehlten am Schluss Alternativen. Bajramaj hat weder in der Vorbereitung noch während der WM überzeugt (entgegen der Presselobhudeleien auch nicht im Frankreichspiel), Prinz war ausser Form und zu langsam und hatte auch schon in der Vorbereitung keine Torgefahr ausgestrahlt. Blieb Popp, die immerhin noch in der Vorbereitung einen Treffer nach dem anderen erzielt hatte. Hat Neid zu spät gewechselt? Einerseits ja, weil Popp so keine grosse Chance hatte, sich ins Spiel zu finden. Andererseits hatte Neid erst gerade bei den Engländerinnen gesehen, wie gefährlich es ist, im Verletzungsfall alle Wechsel schon vorgenommen zu haben. Dazu die drohende Blamage vor Augen. Keine einfache Situation. Vielleicht lernt sie ja daraus. Wer Welt- und Europameister geworden ist, kann nicht ganz doof sein, also sollte sie schon noch eine Chance bekommen.

  19. Dirk
    Dienstag, 12. Juli 2011 um 17:32

    @shileno

    woher kommt die Gewißheit, dass es auch keine wirklich guten Wechsel-Lösungen gab?

    A) Goeßling für Kulig. Spart einen späteren Wechsel auf der 6.

    B) Wenn Bresonik dann körperlich wegen Krankheit abbaut, hat man die Möglichkeit klassisch innerhalb des Systems zu wechseln (Schmidt) oder die Taktik umzustellen und z.B. die Doppelsechs aufzugeben und das offensive Mittelfeld zu stärken.

    C) Popp für Grings ist nicht durchdacht.
    Dies war im Spiel der erste Wechsel, um aktiv Änderungen herbeizuführen (die beiden vorherigen Wechsel waren reagierend auf Verletzung/Erschöpfung), dafür ist Minute 102 zu spät. Dann ist Grings als Knipserin insgesamt torgefährlicher und in diesem Spiel war sie zumindest nicht ganz so stolperig unterwegs wie Celia. Außerdem hat Popp in den vorherigen Spielen auch nicht überzeugt, Bajramaj kann aber wenigstens mal eine ausspielen oder einen überraschenden Pass spielen.

  20. Biko
    Dienstag, 12. Juli 2011 um 17:54

    Tja das Ingame-coaching ist halt die Achillesferse beim deutschem Nationalfußball.
    Bei den Damen kommt momentan ein Rückfall in die Holperfußballzeiten dazu, englisch hoch und weit oder Angst fressen Seele auf.

    Und deshalb war das frühe Ausscheiden erwartbar und eigentlich doch nicht so überraschend nach den gezeigten Leistungen in der Vorrunde.

  21. Ulfert
    Dienstag, 12. Juli 2011 um 19:49

    Ich finde es peinlich, dass in einigen Beiträgen die Rede vom „Frauenfußball“ ist und dass dieser durch die Niederlage der deutschen Mannschaft einen Rückschlag erhalten hätte. Das Gegenteil ist imho der Fall: Endlich gewinnt mal wer anders, das kann „dem Frauenfußball“ (weltweit) nur gut tun.

  22. Ingrid
    Dienstag, 12. Juli 2011 um 22:13

    Da stimme ich Ulfert zu…

    Ich schaue mir nicht Fußball an, weil ich die Deutschen gewinnen sehen will sondern weil ich ein spannendes Spiel sehen will. Wenn dann die Deutschen gewinnen, ist gut, wenn nicht, ist es schade, aber kein „Beinbruch“…

    Wie sagte Ralf Itzel bei Eurosport: „Das spanndendste 0:0, das ich je gesehen habe“ oder so ähnlich.. bevor dann das Tor für die Japaner fiel…

    An das Spiel wird man sich länger erinnern, als wenn die Deutschen 3:0 gewonnen hätten…
    Mich hat das Spiel gefesselt und man hat mitgefiebert, so soll es doch sein… und nicht vielleicht bei einem 3:0 langsam langweilig werden…

    Ich sehe in dem Spiel eher einen Gewinn für den Frauenfußball… es müssen nicht immer die Deutschen gewinnen…

  23. Shileno
    Mittwoch, 13. Juli 2011 um 01:09

    @Dirk: bei A und B sind wir uns einig. Wobei die Frage ist, ob Bresonik nicht ganz hätte draussen bleiben sollen, wenn sie nicht ganz fit ist. Grings hätte ich auch nicht rausgenommen, immerhin sah es zu dem Zeitpunkt noch nach Elfmeterschiessen aus. Wahrscheinlich hätte wirklich Bajramaj am besten ins Spiel gepasst, aber eigentlich keine Einwechselspielerin hatte sich in den ersten drei Spielen aufgedrängt.

    @Ingrid: gut für den Frauenfussball? Jein. Sicher gut, dass nicht immer die Deutschen gewinnen (obwohl ich es ihnen bei ihrer eigenen WM gegönnt hätte, wenigstens ins Finale zu kommen), und im Schock des frühen Ausscheidens liegt sogar auch ein gute Chance für den deutschen Frauenfussball. Auch gut, dass das Team mit der besseren Technik gewonnen hat; wär schön, wenn dieser Aspekt wichtiger wird. Nicht so gut allerdings, dass das Team mit der Mauertaktik gewonnen hat; wär schade, wenn das Schule macht.

  24. Ulfert
    Mittwoch, 13. Juli 2011 um 07:45

    @Shileno: Endlich mal eine wirklich glaubwürdige Parallele zum Männerfußball: Auch dort kommen Mannschaften manchmal mit Mauertaktik und dem entscheidenden Tor durch, viel öfter aber nicht. Und warum sollte eine Mannschaft wie Japan, die zwar sehr gut spielen kann, aber dann hinten offen steht, ins offene Messer laufen? Wie schön dass auch Frauenmannschaften so taktisch variabel agieren können 😉

    Im Endeffekt gilt: Modern ist, was Erfolg hat (Rehagel?). Ob solch eine Taktik zum Turniersieg hilft werden wir sehen, heute abend geht es gegen Schweden. Auch im Männerfußball haben in den letzten Turnieren ja die unterschiedlichsten Taktikausprägungen gewonnen, wär toll wenn das bei den frauen auch so würde und nicht vorher ausrechenbar ist, wer gewinnt.

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