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Internationaler Fußball

Glasgow Rangers haben neue Gegner

Erik Meyer | Mittwoch, 15. Februar 2012 2 Kommentare

Die Schotten sehen sich mit einem Schuldenberg sowie der Steuerbehörde konfrontiert. Das Derby gegen Celtic Glasgow droht zu Verschwinden.

Neben der Champions-League gibt es ein weiteres Thema jenseits der Bundesliga, das in den Medien breit behandelt wird.
Ralf Sotscheck
(taz) hat sich ein Bild vor Ort gemacht: „Der Fußballclub Glasgow Rangers steht vor der Pleite. Der schottische Meister hat am Montag bei einem Gericht in Edinburgh das Insolvenzverfahren eingeleitet. Es bleiben dem Verein zehn Tage Zeit, um zu entscheiden, ob man den nächsten Schritt geht und einen Konkursverwalter bestellt. Dann würden Rangers automatisch zehn Punkte abgezogen. Die Meisterschaft wäre entschieden, da der Lokalrivale Celtic Glasgow dann 14 Punkte Vorsprung hätte.“

Christian Zaschke (SZ) meldet sich aus London: „Vielleicht hatten die Verantwortlichen der Glasgow Rangers gedacht, mit den Steuerbehörden ebenso leichtes Spiel zu haben wie mit den stets überforderten Gegnern in der schottischen Premier League. Einzig der Stadtrivale Celtic kann es mit den Rangers aufnehmen, die anderen Teams sind so freundlich, die Liga ein wenig aufzufüllen. (…) Doch die britische Steuerbehörde (HM Revenue and Customs) erweist sich als hartnäckiger, unnachgiebiger und überraschend aktiver Gegner.“

Die NZZ denkt über mögliche Konsequenzen nach: „Das Verschwinden der Rangers und des traditionsreichen Glasgower «Old Firm»-Derbys wäre für Celtic und die schottische Liga ein herber Schlag. 397-mal haben die beiden Teams gegeneinander gespielt. Die Rangers haben 158-mal gewonnen, Celtic 143-mal.“

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Kommentare

2 Kommentare zu “Glasgow Rangers haben neue Gegner”

  1. Hukl
    Samstag, 18. Februar 2012 um 15:47

    Jetzt aber mal im Klartext:

    Wenn die Steuerbehörden in Deutschland genauso unnachgiebig und hartnäckig wären, wie gerade bei dem schottischen Traditionsverein Glasgow Rangers gegenwärtig geschehen, würden wir uns vielleicht in Kürze eventuell lediglich über eine stark veränderte Tabelle der 1. Bundesliga erfreuen dürfen, die mit Mannschaften der 2. und 3. Bundesliga sowie noch ein paar wenig übrig gebliebene Regionalliga-Vereine (wie z. B. RB Leipzig) aus der Not aufgestockt wurden!

    Wie in der Wirtschaft, wo die meisten Städte und Gemeinden im Land gerade noch Geld für Futter der hoch über den Dächern kreisenden Pleite-Geier haben und auf dringend wichtige städtebauliche Maßnahmen verzichten müssen, sieht es doch in den meistens gähnend leeren Kassen dieser Fußballvereine aus.

    Obwohl die Kosten für Fehleinkäufe scheinbar wichtiger Trainer, Spieler und andere Mitglieder sowie die Gewinn-Prämien für aktuelle Kicker, die im Verhältnis zur Wirtschaft jeweils ein viel zu hohes Gehalt haben dürften, erst dann richtig weh tun, wenn die angestrebten Ziele und damit zukünftig erhoffte Mehreinnahmen ausbleiben.

    Somit stehen viele Vereine längst nicht mehr auf eigenen finanziell gut fundamentierten Füßen und leben überwiegend nur von Pump, der aber von den jährlichen Kontrollen des DFB in Frankfurt leider immer wieder übersehen wird.

    Es kann doch nicht sein, dass unter diesen Umständen in der oberen Klassen die Lizenzen ständig weiter erteilt werden und die Vereine trotz hoher Verschuldung Neuverpflichtungen tätigen können, obwohl hier und da noch Trainer oder Spieler zu bezahlen sind, die längst das Weite gesucht haben! In den unteren Ligen (ab Oberliga) haben sich die spannenden Kämpfe um den Klassenerhalt meistens schon vor der Winterpause erledigt, weil sich Vereine von selbst aus finanziellen Gründen zurückziehen mussten und sich dadurch die Abstiegsfrage von selbst vorzeitig klärte..

    Längst sind es nur noch Ausnahmen, wo die Zuschauer in den Städten die Entwicklung ihrer Spieler von den Schülern an bis zu den „Großen“ verfolgen können.

    Heute heuern Manager und Vermittler „Fußball-Zeitarbeiter“ mit völlig überzogenen und unnormal hohen Millionenverträgen an, die auch mal schnell leihweise wieder verliehen werden können, sollten sie nicht so einschlagen. Mulifunktionär Magath hat bekanntlich in dieser Saison mit seinen fortlaufenden internationalen Einkäufen einen traurigen Rekord aufgestellt. Alle Heimvereine müssen bei ihren Spielen z.B. den Wolfsburger Gästen jeweils gleich zwei Parkplätze für Busse zur Verfügung stellen, weil neben dem überfüllten Transportgefährt für die Spieler noch ein Begleitbus für die verschiedenen Dolmetscher notwendig ist. Wo soll denn das noch hinführen!?

    Der Autor dieser Zeilen war mit vielen anderen Sportinteressierten gestern Abend Gast bei einem beeindruckenden Vortrag in einer großen Kurklinik speziell zum Thema Fußballweltmeisterschaft 1954 in Bern. Der Inhaber des wohl kleinsten, mittlerweile fernsehbekannten, Fußballmuseums in Deutschland, das im Thüringer Örtchen Tabarz steht, hat mit tollen Filmdokumenten und persönlichen Begegnungen viele Jahre danach, wie z.B. mit seinem echten Vorbild, Ottmar Walter, als einer der drei noch lebenden Weltmeister, der heute allerdings mit einer schweren Alzheimer-Erkrankung in einem Alten- und Pflegeheim lebt, dargestellt, mit welchen einfachen Zuwendungen die damals bejubelten Spieler zufrieden und glücklich waren.

    Wie auch unter http://www.fußballzeitreise.de zu sehen ist, sammelte dieser M.Wedow nicht nur Souvenirs von Größen des Fußballs aus Ost und West vorwiegend aus der Vergangenheit, sondern übermittelt seinen Gästen Eindrücke von per-sönlichen Gesprächen, die er vor Ort bei den Prominenten sammelte und dabei die Rolle des immer mehr sich anhäufenden Geldes in den Hintergrund rücken ließ. Es wäre schön, wenn aus dem Fußball wieder das wird, was er einmal war! Dann dürfte das Wort „Insolvenz“, das z.B. gegenwärtig in Schottland aktuell ist, in dieser Sportart keinen Platz mehr finden.

  2. lateral
    Samstag, 18. Februar 2012 um 17:47

    @Hukl: Danke für den sehr lesenswerten Meinungsbeitrag! Ich gebe Ihnen Recht, dieser Aspekt hätte in diesem Zusammenhang ruhig thematisiert werden können. Allerdings beschreiben Sie eine Utopie, die sich kaum erfüllen lässt. Die „guten alten Zeiten“ werden, falls es sie jemals gab, nicht zurückkommen.

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