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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Am Grünen Tisch

Geld schießt (keine) Tore

Erik Meyer | Mittwoch, 5. September 2012 2 Kommentare

Das deutsche Online-Debattenmagazin „The European“ beschäftigt sich in einem Dossier mit der Fiancial-Fairplay-Regelung der UEFA. Zu den Autoren zählen Dietmar Hopp und Hans-Joachim Watzke.

Der umstrittene Vereinsmäzen (vgl. z.B. die Berichterstattung von Zeit OnlineDietmar Hopp (Beitrag vom 27.8.2012) wünscht Platini prinzipiell viel Erfolg, wägt aber ab: „Sollte die Deutsche Fußball Liga (DFL) sich dazu entschließen, das FFP mit zum Maßstab bei der Lizenzierung für die Bundesligen zu machen, gibt es positive und negative Auswirkungen. Einen negativen Nebeneffekt sehe ich darin, dass es mit dieser Regelung keinem Verein mehr gelingen wird, aus einer Liga unterhalb der Profiligen, wozu ich auch die 3. Liga zähle, in die Bundesliga zu kommen, wie das die TSG 1899 Hoffenheim geschafft hat. (…) Positiv wäre in jedem Fall, dass alle Vereine, die sich durch ihren erreichten Tabellenplatz für die Europäischen Klub-Wettbewerbe qualifizieren, auch dort mitspielen dürften.“

Der Chefredakteur des österreichischen Magazins zur offensiven Erweiterung des Fußballhorizonts „ballesterer“, Jakob Rosenberg (Beitrag vom 28.8.2012), erklärt zunächst Hintergrund und Intention der Regelung. Er prognostiziert: „Schlupflöcher für eine Querfinanzierung lässt die UEFA auch dort, wo es keinen Markt gibt: bei öffentlichen Subventionen. Diese dürfen weiterhin als normale Einnahmen verbucht werden. Sollte ein prominenter Klub also vor UEFA-Lizenzproblemen stehen, wird wohl die Stunde von Politikern schlagen, die ihrem Klub mit Steuermitteln helfen wollen.“

Der Blogger (theoffside.com) Chris Giovani (Beitrag vom 29.8.2012) stellt FFP  in den Kontext übergreifender sportökonomischer Prozesse, mit denen die geplanten Beschränkungen relativiert werden könnten: „Der Schwerpunkt wird sich von der dominierenden Identität eines Fußballklubs hin zur Marke verschieben. Diese Entwicklung läuft bei einigen Vereinen schon seit längerer Zeit und wäre ohnehin unausweichlich – unabhängig davon, ob Platini einen europäischen Fußball ohne rote Zahlen oder gefühlsduselige Heinzelmännchen, die goldene Einhörner reiten, verspricht.“

Hans-Joachim Watzke (Vorsitzender der Geschäftsführung der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA) sieht in seinem Beitrag vom 30.8.2012, der mit einigen Analogien zur Euro-Krise glänzt, hohe Hürden bei der Realisierung der angestrebten Ziele: „Um diesen Bewusstseinswandel zu erreichen, muss die UEFA ihre Sanktionen kompromisslos anwenden, sonst ist Financial Fairplay nicht mehr als ein Marketingversprechen. Sie muss marktübliches Sponsoring von maßlosen Zuschüssen unterscheiden und sie muss komplizierte Konzernstrukturen, mit denen Vereine durch die Hintertür weiter alimentiert werden, durchschauen können. Vor allem aber muss sie den Mut haben, gegebenenfalls auch große Vereine aus der Champions League auszuschließen, wenn diese sich nicht an die Regeln halten.“

Mulitfunktionär Ansgar Schwenken (Vorstandsmitglied des VfL Bochum, Mitglied der Kommissionen Finanzen und Lizenzierung der DFL und als Vertreter des Ligaverbandes im Vorstand des DFB) wähnt in seinem Beitrag vom 31.8.2012 „Deutschland in der Pole Position“: „Dass die sportliche Konkurrenzsituation in der Bundesliga am ausgeglichensten ist, stärkt die Attraktivität der Bundesliga. Es zahlt sich aus, dass in Deutschland eine leistungsorientierte und nicht eine vereinsorientierte und damit eine solidarischere Verteilung der TV-Einnahmen vorgenommen wird. Die Schere zwischen finanzstarken und finanzschwachen Vereinen geht zwar auch hierzulande weiter auseinander, doch fast alle Clubs verfügen in der Regel über eine gesunde finanzielle Basis.“

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Kommentare

2 Kommentare zu “Geld schießt (keine) Tore”

  1. Die Blog- & Presseschau für Donnerstag, den 6.September 2012 | Fokus Fussball
    Donnerstag, 6. September 2012 um 10:05

    […] Der “Indirekter Freistoss” über ein Dossier des Debattenmagazins “The European”, das Financial-Fairplay-Regelung der UEFA. Zu den Autoren zählen Dietmar Hopp und Hans-Joachim Watzke: “Geld schießt (keine) Tore“ […]

  2. Dossier zum Financial Fairplay › Fußball im Kopf - Fortuna im Herzen
    Sonntag, 9. September 2012 um 18:06

    […] Erik Meyer von indirekter-freistoss.de hat auf seinem Blog ein Dossier des Debattenmagazins “The European” zusammengefasst. Darin geht es um die von der UEFA geplante Regelung Financial-Fairplay. Zur kommenden Saison 2013/2014 soll das europäische Reglement zur Klublizenzierung eingeführt werden. Welche Folgen zu erwarten sind und welche Schwächen FFP aktuell noch hat, wird u.a. von Dietmar Hopp und Hans-Joachim Watze dargelegt. >>Zum Artikel […]

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