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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Am Grünen Tisch

Zahlenspiele im Fußballstadion

Erik Meyer | Donnerstag, 22. November 2012 1 Kommentar

Was bedeutet die aktuelle Gewaltstatistik für die geplante Verschärfung von Sicherheitsmaßnahmen?

Die Polizei Nordrhein Westfalen hat den Jahresbericht Fußball für die Saison 2011/12 (PDF) vorgelegt. Spiegel Online hat sich diese Statistik der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZiS) vorgenommen, die als Beleg für eine dramatisch steigende Gewaltbereitschaft in deutschen Stadien herangezogen wird. „Doch bricht man die Ergebnisse auf relativierte Prozentzahlen herunter, ist ihnen die Schärfe schnell genommen: Der Teil der vorläufig fest- oder in Gewahrsam genommenen Fans liegt bei 0,039 Prozent und ist damit im Vergleich zum Vorjahr (0,035 Prozent) trotz des gleichzeitig gestiegenen Zuschauerdurchschnitts nur geringfügig höher. Ähnliches gilt für die Zahl der eingeleiteten Strafverfahren (von 0,031 auf 0,043 Prozent) und der Verletzten: Pro Spieltag gab es durchschnittlich weniger als 1,6 Verletzte. Wodurch oder von wem sie verletzt wurden, lässt die ZiS allerdings offen.“ Ergänzend wird die Antwort der ZiS auf einen Fragenkatalog von Spiegel Online dokumentiert, der die Unschärfe einiger Angaben belegt.

Und Spiegel Online hat auch ein Interview mit dem HSV-Ultra Philipp Markhardt geführt, der sich beim Bündnis „ProFans“ engagiert. Markhardt künfigt dabei Protestmaßnahmen gegen die geplante Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen an: „Genau, ab dem 14. Spieltag gibt es mindestens drei Spiele lang einen Stimmungsboykott von 12 Minuten und 12 Sekunden, weil am 12. Dezember die Entscheidung ist. Drei Spieltage Minimum. Und am 8. Dezember wird es einen bundesweiten Aktionstag geben.“

Lars Spannagel (Tagesspiegel) lässt sich hingegen von Ingo Rautenberg, dem Leiter der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze bei der Polizei Nordrhein-Westfalen, die neue Gewaltstatistik erklären: „In der letzten Saison war teilweise ein Einschreiten gegen große Personengruppen notwendig, um Gefahren für Sicherheit und Gesundheit von Unbeteiligten abzuwehren. Uns bereitet dabei große Sorge, dass sich friedliche Fans mit Gewalttätern solidarisieren und diese Gruppendynamik zu einem größeren Gefahrenpotenzial führt. Von diesen Situationen berichten uns die Kollegen immer wieder.“

Mit dem CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach hat Oliver Fritsch (Zeit Online) über Fußball, Ganzkörperkontrollen und Pyrotechnik gesprochen. Dabei zeigt sich der konservative Köln-Fan erstaunlich konziliant: „Außerdem sollten wir bei dieser Debatte nicht den Eindruck erwecken, als würden Fußballspiele auf Kosten der Steuerzahler ausgetragen. Die Vereine sind große Wirtschaftsunternehmen und zahlen wesentlich mehr Steuern, als sie Kosten durch Polizeieinsätze verursachen. Dessen ungeachtet ist es wichtig, dass sich die Vereine stärker an den Kosten der Fan-Arbeit beteiligen.“

Ordnungshüter sehen Rot

Passend zum Thema berichtet Patrick Krull (Welt) von den Vorbereitungen für das Frankenderby in Fürth. Im dortigen Amstblatt sei zu lesen, „was sich die Stadt Fürth da so alles für die Anhänger des 1. FC Nürnberg ausgedacht hat. So ist ‚vom 24. November 2012, 10 Uhr, bis 25. November 2012, 2 Uhr, allen Personen außerhalb von öffentlichen Verkehrsmitteln der Aufenthalt sowie das Betreten des Stadtgebiets Fürth innerhalb des in dem beigefügten Lageplan rot umrandeten Bereichs verboten‘. Nur zur Beruhigung: Fürther dürfen weiterhin in ihrer Stadt wohnen, aber bei Nürnbergern der Roten Bannmeile sehen die Fürther Ordnungshüter nun mal Rot.“

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Kommentare

1 Kommentar zu “Zahlenspiele im Fußballstadion”

  1. Manfred
    Donnerstag, 22. November 2012 um 19:29

    Hmmmh, ja, ich hätt da mal ne Frage an den Herrn Rautenberg, nämlich: dieses notwendige Einschreiten gegen große Personengruppen – waren die allermeisten Mitglieder dieser Gruppen grün bekleidet, trugen eventuell Helme auf dem Kopf und führten Schlagstöcke sowie durchsichtige Schutzschilder mit sich? Dafür, dass man speziell gegen diese Gruppendynamiker und mehr noch ihre Rädels- äääh, Anführer dringend was unternehmen muß, bin ich nämlich auch.

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