indirekter freistoss

Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Ball und Buchstabe

Meine Woche im Rückblick: Nicht alles gehorcht Angebot und Nachfrage

Oliver Fritsch | Montag, 28. Januar 2013 2 Kommentare

EuGH sagt: Fußball gehört ein Stück weit allen / Eilenbergers Thesenpferdchen von der Feminisierung des Fußballs läuft / Der Ossi Adler spricht manchen aus der Seele / Betsy Andreu, Zeugin gegen Armstrong

In dieser Woche entschied der Europäische Gerichtshof, dass es ein Recht auf kostenlose Kurzberichterstattung gibt. Etwas, das es ziemlich genauso auch in Deutschland gibt. Das finde ich richtig und wichtig, denn Pay-TV-Sender wie Sky wollen den Fußball gerne für viel Geld verkaufen. Sollen sie doch, wird mancher sagen. Aber dabei bliebe die Informationsfreiheit auf der Strecke – ein Gut, das übrigens die Gründerväter unserer Republik verankert haben. Artikel 5 des Grundgesetzes lautet: „Jeder hat das Recht, […] sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.“ Klingt banal, ist aber wichtig und weitsichtig gewesen. Auf deutschen Mattscheiben ändert sich nichts, aber das Urteil des EuGH hat eine große Reichweite.

Ich verstehe auch die Unternehmen, denn sie zahlen viel Geld für die Ware Fußball und müssen das refinanzieren. Aber es gibt eben zurecht einen Sockel, der sich dem freien Spiel zwischen Angebot und Nachfrage entzieht. Vermutlich ist das eine linke Position. In meinem Kommentar gehe ich auf die Rolle der Öffentlich-Rechtlichen ein. Ich finde, sie sollten mal genau nachrechnen, ob sie einen angemessenen Preis zahlen. Auf dem Porträtbild komme ich mir grauschläfiger vor als im Spiegel.

Witzig war das Stück über Wolfram Eilenbergers These von der Feminisierung des Fußballs durch Guardiola („Penetrationsarmut“), die er im Radio MDR und im Tagesspiegel ins Rennen geschickt hat. Eigentlich wollte ich nur für ein Puzzle-Stück in unserer Bundesliga-Vorschau mit ihm darüber reden, ich wollte wissen, welche Wirkung er erreicht hatte. Denn der Philosoph landete in der Bild-Zeitung. Dann wurde ein Interview draus. Irgendwie ist was dran, an dem, was er sagt. Irgendwie ist es auch schräg. Er schrieb mir nach der Veröffentlichung, dass er sich über das Bild und die Bildunterschrift gefreut habe, das wir von ihm zeigen.

Ein weiteres Kolumnengespräch mit René Adler, mit dem ich mich die Woche zuvor in Bahrenfeld zum Mittagessen traf. Diesmal spricht er über Willen und Siegermentalität. Wieder habe ich von jemandem gehört, dass ihm Adler aus der Seele spreche: von einem Tormann ostdeutscher Herkunft. Das galt ja schon für seine erste Kolumne im November („Meine Muttermilch ist aus dem Osten“). Ich glaube Adler, dass es eine ostdeutsche Identität gibt, die über eine regionale Färbung hinausgeht. Auch wenn diese These nicht mehrheitsfähig ist. Ostdeutsche und ihre Familien haben deutlich einschneidendere Brüche erlebt als wir in Wetzlar, Göppingen und Meppen.

Und noch das Gespräch mit Gerald Asamoah über seine Erfahrung mit Rassismus. „Nicht alle Rassisten wefen Bananen.“ Es bleibt wohl ein aktuelles Thema, auch wenn ich Sepp Blatters Forderung nach Zwangsabstieg für Vereine, deren Fans rassistisch auffallen, für ein weiteres Ablenkungsmanöver halte. Ich wurde übrigens auf Twitter darauf hingewiesen, dass Asamoah auf dem Feld provoziere. Mir ist auch bekannt, dass man ihm in St. Pauli nachsagt, er habe es sich mit Teilen der Mannschaft verscherzt. Hätte ich vielleicht danach fragen sollen. [Ergänzung durch Millernroar in den Kommentaren: „All diese Pauli-Kultspieler, die nur Zweit-Liga-Niveau hatten und ihren Heldenstatus von einem Ex-Nationalspieler in Gefahr sahen, haben ihn von Anfang an aus purer Eifersucht und reinem Neid, ausgegrenzt.“]

Beim HSV war ich am Sonntagnachmittag, um für Zeit Online zu twittern. Das machen wir ein Mal pro Spieltag. Ich hab den HSV in dieser Saison ein paar Mal gesehen. Auch bei Siegen konnte die Mannschaft mich nie überzeugen. Diesmal war es immerhin spannend und stimmungsvoll. 3:2 gegen Bremen, ein guter Abschied aus Hamburg. Allerdings war der Verein, als ich im Jahr 2008 nach Hamburg zog, auch deutschlandweit eine Nummer. Bis dahin ist es noch ein Weg, denke ich.

Eine bemerkenswerte Frau kam in der SZ zu Wort: Betsy Andreu, die Frau von Frankie Andreu, einem ehemaligen Teamkameraden Lance Armstrongs. Im Jahr 1996 wurde Betsy Andreu Zeugin, wie Armstrong im Krankenhaus Doping zugab. Das gab sie zu Protokoll, wurde offenbar zu einer wichtigen Zeugin gegen Armstrong – zwischendurch aber von ihm gemobbt und bedroht. Im Interview mit Oprah Winfrey entschuldigte sich Armstrong viertelherzig und billig bei ihr.

In der SZ blickt sie zurück auf die Zeit, als ihr und ihrem Mann das Leben schwer gemacht wurde: „Ich wurde in den Medien erbarmungslos beschmutzt und verleumdet. Die Journalisten lauschten seinen Worten, als wären sie die letzte Wahrheit, fast niemand suchte den Kontakt mit mir. Bei den Leuten geriet ich durch all die Artikel in ein schlechtes Licht. Auch Frankies Angestellte lasen das.“

Über die Art der Bedrohung sagt sie: „Unsere E-Mail-Konten wurden gehackt, es gab böse Telefonanrufe. Ich hielt die Alarmanlage in unserem Haus die ganze Zeit eingeschaltet. Ständig sah ich über meine Schulter, wenn ich unterwegs war. Wir erstatteten auch Anzeigen bei der Polizei.“

Über Sheryl Crow, die Ex-Freundin Armstrongs, sagt Andreu: „Als seine Verlobte wusste sie doch sicher, was da abläuft. Sie hätte anderen Leuten helfen können, aber sie hält bis heute den Mund. Ich bin geschockt und beschämt darüber, welche schwache Rolle die Frauen in der ganzen Geschichte spielen. Es ist peinlich.“

Wer meinen persönlichen Newsletter (es gibt einen für den freistoss und einen für mich persönlich) bestellen möchte, trage sich bitte ein. Twitter gibts hier.

Kommentare

2 Kommentare zu “Meine Woche im Rückblick: Nicht alles gehorcht Angebot und Nachfrage”

  1. Millernroar
    Montag, 28. Januar 2013 um 11:49

    Interessanter Überblick!

    Wegen Asamoah und St Pauli hätten Sie nicht nachfragen brauchen: Nicht er hat es sich mit der Mannschaft verscherzt. All diese Pauli-Kultspieler, die nur Zweit-Liga-Niveau hatten und ihren Heldenstatus von einem Ex-Nationalspieler in Gefahr sahen, haben ihn von Anfang an aus purer Eifersucht und reinem Neid, ausgegrenzt.

  2. Oliver Fritsch
    Montag, 28. Januar 2013 um 23:02

    Danke für den Hinweis, ich hab das im Beitrag ergänzt.

  • Quellen

  • Blogroll

  • Kategorien

  • Ballschrank

123 queries. 0,620 seconds.