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Nachtschicht in Dortmund

Oliver Fritsch | Montag, 15. April 2013 Kommentare deaktiviert für Nachtschicht in Dortmund

Der Fall Onnukogu und Rassismus im Amateurfußball / Drama in der Champions League und der kalte Reporter / Schweinsteiger im dichten Verkehr

Ein bedrückendes Gespräch habe ich letzte Woche mit Ikenna Onukogu (Hertha Hamborn) geführt, einem nigerianischen Tormann, der in einem Bezirksligaspiel in Bottrop rassistisch beleidigt worden sein soll. Daraufhin bewarf er seine Peiniger mit einer Flasche. Vor dem Sportgericht konnte er den Rassismus allerdings nicht beweisen. Angeblich gab es Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit. Folge: Sperre für Onukogu.

Zur Wahrheitsfindung über den Hergang am Sportplatz konnte ich auch nach mehreren Telefonaten nichts Entscheidendes beitragen. Es gibt einfach unterschiedliche Aussagen. Immerhin so viel: Onukogu ist zutiefst verzweifelt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er mir das vorgespielt hat, was er mir für unser Telefonat erzählt hat. Am Ende hab ich ihm angeboten, dass ich versuche, den Kontakt zu Kevin-Prince Boateng herzustellen. Mal sehen.

Was sich aber durch Gespräche mit Prozessbeobachtern zu bestätigen scheint: Sportgerichte sind für solch heikle Fragen nicht unbedingt geeignet, wie ich Wochen zuvor geschrieben hatte. Eine Sperre lässt jedenfalls Fingerspitzengefühl vermissen. Es war etwa gar nicht strittig, dass Onukogu beleidigt wurde, halt nur nicht mit rassistischen Begriffen. Es gab auch andere Indizien, die darauf schließen ließen, dass es kein normales Fußballspiel war. Onukogus Verein und er haben nun einen Offenen Brief verfasst, darin mitgeteilt, dass sie keine Berufung einlegen und zum Kampf gegen Rassismus im Amateurfußball aufgerufen.

 

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Am Dienstag durfte in Dortmund beim Sieg gegen Málaga Drama schauen. Das sind die Tage, die einen den Job lieben lassen. Obwohl ich den Moment gar nicht genießen konnte. Als Reporter fühlt sich das kalt an. Geht zumindest mir so. Ist halt ein Job. Mein Werk wurde ganz gut geklickt, es war am Mittwoch um 10 Uhr auf der Seite. Heißt: Nachtschicht, keine drei Stunden Schlaf. Ich versuche ja mehr als einen 1:0-Bericht abzuliefern, der sich aus dem Ärmel schütteln lässt. Champions League ist nun mal anstrengend, ich will ja auch ins Halbfinale.

Die Dortmunder machten auf mich einen nervösen Eindruck, aber es war nicht nur das. Irgendwie fehlte ihnen die letzte Power. Nicht das beste Zeichen für das Halbfinale, denn von von der Power leben sie doch. Fußball paradox: Felipe Santana, der Matchwinner, machte beim 2:2 und 3:2 eigentlich alles falsch.

 

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Zum beeindruckenden Bayernsieg in Turin so viel: Ich sehe mich in meinem Urteil über Bastian Schweinsteiger bestätigt. In der zweiten Halbzeit, als er Platz und Zeit hatte, war er stark, an beiden Toren beteiligt. In der ersten Halbzeit schnürte Juve mit Tempo die Räume um ihn ein. Da war seine Fehlerquote enorm hoch. Kaum ein anderer Bayern- oder deutscher Nationalspieler verliert im dichten Verkehr so an Qualität wie Schweinsteiger.

Der Hunger der Leser nach Champions League musste am Donnerstag gestillt werden. Also ein Kommentar über die Stärke der Deutschen. Neu ist ja eigentlich nur der Dortmunder Aufschwung. Ich denke, dass Dortmund auch künftig in der Champions League eine Rolle spielen wird. Bayern ja sowieso. Für die anderen Bundesligisten habe ich allerdings wenig Hoffnung.

Ich will mal tippen: Real Madrid besiegt im Endspiel Bayern München.

Weil es schon etwas zurückliegt, drei Stücke der Chronistenpflicht wegen:

    Kommentar zur Bayern-Meisterschaft: „Mit Glanz und Geld zurück an die Macht“
    Portrait Mario Mandžukić nach dem Hinspiel gegen Juventus
    Portrait Claudio Pizarro beim 9:2 gegen den HSV

Über Mario Gomez hatte ich mich schon vor vier Wochen ausgelassen. Den Bayern-Sturm hab ich also durch.

 

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