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Am Grünen Tisch

Wolfgang Niersbach – Der erste Abgang

Kai Butterweck | Mittwoch, 11. November 2015 1 Kommentar

Wolfgang Niersbach ist nicht mehr DFB-Präsident. Der oberste Mann im deutschen Fußball legt sein Amt nieder. Die Presse klatscht Beifall

Wolfgang Niersbach ist der erste Verantwortliche, der im Zuge der Hintergrundmachenschaften rund um die WM 2006 die politische Verantwortung übernimmt. Der DFB-Präsident tritt zurück. Michael Horeni (FAZ) applaudiert: „Der Rücktritt von Wolfgang Niersbach als DFB-Präsident war ein später, notwendiger und schließlich trotz aller Beharrungskraft unvermeidlicher Schritt. Nachdem die Handschrift des Präsidenten verriet, dass er von den Zahlungen an Louis-Dreyfus schon seit 2004 wissen musste und nicht, wie er mehrmals behauptete, erst seit diesem Sommer, brach die Verteidigungslinie des bestens mit der Profiszene vernetzten Fußballpräsidenten in sich zusammen.“

Der letzte aus der alten Garde ist weg

Thomas Kistner (SZ) winkt Franz Beckenbauer herbei: „Mit Niersbach ist der letzte aus der alten Garde weg, der ein Amt besaß. Das legt den Blick endgültig frei auf Franz Beckenbauer, jenen Mann, der am besten Auskunft geben könnte über den stillen Zweck einer Geldverschieberei, die mit jedem Tag ohne Erklärung dubioser wirkt.“

Johannes Kopp (taz) nimmt sich Wolfgang Niersbach zur Brust: „Zuletzt zeichnete das Umfeld von Niersbach und er selbst von sich das Bild des nützlichen Idioten. Er, der aufstrebende DFB-Funktionär, war da in etwas mit hineingezogen worden, das viel größer als er selbst war. Obwohl die Staatsanwaltschaft mittlerweile gegen ihn persönlich ermittelt, hat Niersbach die Traute, sich als selbstloses Unschuldslamm zu inszenieren, das mit seinem Abgang auch noch die Verantwortung anderer auf sich lädt.“

Niersbachs Verhalten in der Krise war verheerend

Armin Grasmuck (swp.de) schlägt ebenfalls zu: „Wolfgang Niersbach hatte es über Wochen versäumt, die massiven Vorwürfe, die im Zusammenhang mit der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 an Deutschland im Raum stehen, zu entkräften. Schwarze Kasse, Schmiergeld, Bestechung und Bestechlichkeit – Niersbach tat einfach so, als habe er keine Ahnung von alledem, sein Verhalten in der Krise war verheerend.“

Philipp Hofmeister (Hessenschau) hingegen findet warme Abschiedsworte: „Man konnte Niersbach zuletzt vieles vorwerfen. Eins aber nie: die fehlende Liebe zum Fußball. Und vielleicht ist dieser Rücktritt vom höchsten Amt des deutschen Fußballs so paradox es auch klingt, auch eben dieser Liebe zum Fußball geschuldet.“

Tobias Nordmann (n-tv.de) wundert sich: „Niersbach sagt zwar, er habe sich nichts vorzuwerfen. Er sagt, dass er von den Hintergründen der ungeklärten Zahlungsflüsse und einer schwarzen Kasse keine Kenntnisse hatte. Er sagt, er trete zurück, um das Präsidentenamt zu schützen. Und dann sagt er noch – ziemlich bemerkenswert in dem Kontext seiner Erklärung – er werde „nach seinem Rücktritt alles für eine umfassende Aufklärung der Vorgänge beitragen“. Gut, aber all das ist ihm nur möglich, in dem er von seinem Amt zurücktritt?“

Beckenbauer ließ Niersbach am ausgestreckten Arm verhungern

Lars Wallrodt (Welt) gibt die Hoffnung nicht auf: „Franz Beckenbauer ließ seinen Kumpel Niersbach am ausgestreckten Arm verhungern. Dürre Erklärungen gab er ab, ansonsten schwieg er. Das gilt ebenso für Günter Netzer, der als WM-Botschafter ebenfalls eng in die obskuren Geschäfte verwickelt gewesen sein soll. Niersbach Vorgänger Zwanziger hingegen hat sein Ziel erreicht. Er hat aus sicherer Distanz geschossen – und er hat getroffen. Doch nun wird sich wohl bald zeigen, ob er selbst ungeschoren davonkommt. Mit Niersbach ist eine Zielscheibe weggefallen. Möge der Weg nun frei sein für die komplette Aufklärung.

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Kommentare

1 Kommentar zu “Wolfgang Niersbach – Der erste Abgang”

  1. Pumukel
    Sonntag, 15. November 2015 um 23:00

    Niersbach: eine zuverlässige Natur, aber sowas von selbstherrlich, unlustig, arrogant, ein Gernegroß, furchtbar-ernst, aufgeblasen, in meinen Augen auch bei den Spielern unbeliebt! Sry Wolfgang, aber ist so.

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