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Bundesliga

Bayerns Liga-Spaziergang geht weiter

Kai Butterweck | Montag, 17. Oktober 2011 7 Kommentare

Auch Hertha BSC konnte die Bayern nicht stoppen. Die Liga-Konkurrenz verzweifelt an der Spielkunst des Rekordmeisters. Außerdem: Einzelschicksal auf Schalke und ein denkwürdiger Nachmittag in Wolfsburg

Nach dem glanzvollen Heimsieg gegen Hertha BSC herrscht eitel Sonnenschein an der Säbener Straße. Carsten Eberts (SZ) schaut bereits nach vorne: „Die Bayern bemühten sich gar nicht, tiefere Erkenntnisse aus diesem lockerleichten Samstagnachmittag-Trainingskick zu ziehen. Sie sind in der Liga derzeit hochüberlegen, führen die Tabelle erstmals in dieser Saison mit fünf Punkten Vorsprung an, müssen Klubs wie Hertha BSC in der derzeitigen Verfassung nicht im Geringsten fürchten. Viel wichtiger erscheint indes die kommende Aufgabe in der Champions League – und so richteten sich die Augen bereits auf das dienstägliche Gipfeltreffen der Gruppe A in Neapel. Wer die Bundesliga nach Belieben diktiert und in der Champions League Spitzenteams wie Manchester City demütigt, muss auch in Neapel punkten, so die Logik.“

Herthas Innenverteidigung übte körperloses Spiel

Elisabeth Schlammerl (FAZ) amüsiert sich über die Anti-Aggressions-Allianz im Berliner Strafraum: „Die Münchner machten da weiter, wo sie im letzten Heimspiel vor der Länderspielpause aufgehört hatten, ließen die Berliner in den Anfangsminuten wie die Pappkameraden auf dem Trainingsplatz aussehen. Christian Lell erlebte im Duell mit Ribéry eine kleine Lehrstunde wie einst gegen Messi beim desaströsen Champions-League-Auftritt der Bayern in Barcelona 2008, und in der Mitte schien die Innenverteidigung körperloses Spiel zu üben.“

Julien Wolff und Uwe Brenner (Welt Online) lassen Zahlen sprechen: „Herthas komplette Unterlegenheit ließ sich nicht nur an den frühen Gegentreffern ablesen, sondern auch an den statistischen Daten. Nach einer Viertelstunde hatten sie nur 23 Prozent der Zweikämpfe für sich entschieden, in der ersten Halbzeit kamen sie nur auf 26 Prozent Ballbesitz (die 74 Prozent der Bayern bedeuteten Saisonrekord). Dass es dennoch nicht zu einem Debakel kam, war deshalb keineswegs einer Steigerung der Berliner geschuldet, sondern der fahrlässigen Chancenverwertung der Bayern. Thomas Müller, Boateng und Ribery hätten leicht noch erhöhen können.“

Die Münchner kreisen in ihrem eigenen Orbit

Dirk Graalmann (derwesten.de) stellt schon einmal den Sekt kalt: „Und so kreisen die Münchner, nachdem sie den Aufsteiger Hertha BSC beim 4:0 fachgerecht in alle Einzelteile zerlegt haben, in ihrem eigenen Orbit. Fünf Punkte Vorsprung nach neun Spieltagen, gut einem Viertel der Saison, sind in der Fußball-Bundesliga beileibe keine Lebensversicherung, keine Vorentscheidung, aber es fällt – weniger numerisch als in Anbetracht der Dominanz – zunehmend schwer, sich einen anderen deutschen Meister 2012 als den FC Bayern München vorzustellen.“

Michael Jahn (FR) bringt die Berliner auf den Boden der Tatsachen zurück: „Die wichtigste Erkenntnis für Hertha BSC  ist, dass sich die Mannschaft, die zuvor bei einigen Auswärts-Auftritten in Dortmund, Hannover und Bremen überzeugt und viel Lob eingeheimst hatte, derzeit mit einem FC Bayern nicht messen kann. Hertha muss die Punkte für den Klassenerhalt gegen andere Gegner holen, mit denen sich der Klub auf Augenhöhe wähnt. Nur dank der Bayern, die später Erbarmen zeigten , endete der peinliche Auftritt für Hertha nicht mit einem noch größeren Debakel. Der Aufsteiger musste erkennen, dass seine Innenverteidiger Mijatovic und auch Roman Hubnik bei Hochgeschwindigkeits-Fußball total überfordert sind, dass ein überdurchschnittlich begabter Mann wie Raffael eine Mannschaft in kritischer Lage nicht führen kann – und dass diesmal niemand in der Lage war, dem Team in der Not schnell Halt zu geben.“

Aufbau eines unnötigen Spannungsfeldes?

Uwe Bremer (Welt Online) wundert sich über seltsame Gepflogenheiten in Berlin: „Der Zusammenhalt war eine Stärke im Aufstiegsjahr und auch zu Beginn dieser Saison. Nun wird er aber ausgerechnet durch den Trainer auf den Prüfstand gestellt. So waren gestern beim Auslaufen alle Spieler da – außer den Münchenern. Das heißt, die Profis Lell, Kraft und Ottl liefen in der Heimat aus, während die anderen in Berlin unter Leitung von Co-Trainer Rainer Widmayer die vorgesehene Einheit absolvierten. Einzig der Trainer hatte sich selbst einen freien Tag bei der Familie in München spendiert – so etwas gibt es in Fußball-Deutschland nirgendwo anders. Realisieren der Trainer, und die, die ihn beraten, dass hier ein unnötiges Spannungsfeld aufgebaut wird?“

Sein Start war gut, doch dann fing er an zu wackeln

Schalke Torwart Ralf Fährmann wurde im Spiel gegen Kaiserslautern bereits nach einer halben Stunden unter die Dusche geschickt. Nils Lehnebach (Spiegel Online) beschäftigt sich mit dem Nachfolger von Manuel Neuer: „Für den 23-Jährigen war es der vorläufige negative Höhepunkt einer bisher wenig überzeugenden Saison. Zum ersten Mal hatte einer seiner Fehler dem Team Punkte gekostet. Schon bei den Erfolgen gegen Mainz, Freiburg und den Hamburger SV hatte er bei jeweils einem Gegentor gepatzt, seine Mannschaft diese Fehler aber wieder ausgebügelt. Nun war er für die erste Pleite unter Neu-Trainer Huub Stevens mitverantwortlich. Sein Start war gut, auch dank seiner Paraden feierte Schalke den Gewinn des Supercups gegen Erzrivale Borussia Dortmund. Doch anschließend wackelte Fährmann, immer wieder, ihm fehlt die Konstanz. Insbesondere beim Herauslaufen und im direkten Duell gegen den Stürmer hat er Probleme. Gegen Lauterns Kouemaha schätzte er die Situation falsch ein und kam zu spät aus seinem Kasten. Beim Erfolg gegen den Hamburger SV verkürzte er vor dem Gegentor von Mladen Petric den Winkel schlecht. Gegen Freiburg musste er den frühen Rückstand auf seine Kappe nehmen, als er unbedrängt einen Fehlpass spielte.“

Mehr Potenzial im Aufbauspiel als bisher

Der Sieg gegen Nürnberg verschafft den Wolfsburgern etwas Luft im Niemandsland der Tabelle. Peter Unfried (taz.de) lobt die Spieleröffnung der Mannen von Trainer Felix Magath: „Aus Wolfsburger Sicht ist der wichtigste Fortschritt der tabellarische: Mit dem dritten Heimsieg in Folge kann man sich genauso berechtigt nach oben orientieren wie nach unten. Spielerisch gibt es die bisher besten 45 Minuten zu vermelden, seit Trainer Felix Magath die Arbeit an einer seiner berühmten personellen Großbaustellen aufgenommen hat. Was nicht heißt, dass man auf hohem Niveau angekommen ist. Aber mit dem selbstbewussten, bulligen und effizienten Mandzukic und dem ballsicheren Dejagah plus dem venezuelanischen Dribbler Orozco erstmals über links offenbarte man deutlich mehr Potenzial im Aufbauspiel als bisher.“

Boris Herrmann (SZ) freut sich über außergewöhnliche Geschehnisse: „Als nun am Samstag die Aufstellungen verlesen wurden und der Name Bjarne Thoelke fiel, da haben die Zuschauer in Wolfsburg applaudiert, wie sie seit den unbeschwerten Tagen mit Dzeko und Grafite selten applaudiert haben. Der VfL bietet seinen Fans in diesen Herbsttagen nicht allzu viel zum Identifizieren an – und schon gar nichts zum Vergöttern –, da kann ein Jungtalent mit Stallgeruch bereits große Gefühle auslösen, wenn er nur den Rasen betritt. Noch einmal also für die Geschichtsschreiber: Bjarne Thoelke, 19 Jahre jung, Innenverteidiger, A-Jugendmeister, hat am Samstag für den VfL durchgespielt. So außergewöhnlich war diese Begebenheit in Wolfsburg und Umgebung, dass zur Feier des Tages sogar mal die Fernzüge der Deutschen Bahn hielten und in dem nahe gelegenen Dörfchen Wahrenholz ein Spiel der örtlichen Frauenmannschaft verlegt wurde. Beim Bezirksligisten VfL Wahrenholz spielen Fenja und Svantje Thoelke, die Schwestern von Bjarne. Sie sollten die Gelegenheit bekommen, das historische Ereignis mit eigenen Augen zu verfolgen.“

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Kommentare

7 Kommentare zu “Bayerns Liga-Spaziergang geht weiter”

  1. mustard
    Montag, 17. Oktober 2011 um 09:02

    Die Meisterschaftsfrage in der Bundesliga wird dieses Jahr allem anschein nach sogar noch langweiliger verlaufen als in der droegen Primera Division oder der Premier League.

    Der Fussball in den grossen Ligen entwixkelt sich nicht zum Guten.

  2. woki04
    Montag, 17. Oktober 2011 um 11:44

    zum Aufreger bei S 04; wer
    nur Fernsehen gekuckt hat;
    bitte zurück halten; :-))

    Mein Text an den WDR2 –gestern- und nun etwas erweitert,

    vor allem Herren und deren Meinung

    und Äußerungen in Ri. S 04 !

    Ich finde es ungeheuerlich, dass Sie nun den S 04 als

    - anscheinenden Bösen Buben der BuLi – auserkoren haben !

    1. ich kann immer noch Auf Schalke gehen ohne dass ich um mein Leben bangen muss !

    2. d a s ist bei vielen anderen BuLi Vereinen weniger möglich, die stehen des

    Öfteren im Negativ Focus !

    3. warum , das fragt ihr euch anscheinend nicht beim Sender:

    warum hat man Herrn Merk überhaupt Auf Schalke auftreten lassen ?

    3a DAS war doch richtig provokativ ! ( Damit ihr die Presseleute euch, genau wie geschehen, über die Besten Fans der Welt “ künstlich aufregen konntet “ ?

    aber sicherlich nicht wiederholend sein musste !

    4. d a s fragten sich selbst die Polizisten

    die in (unserem Teil ) der Südkurve , in Höhe der Eckfahne, wo der Komm.Tisch statiniert war;

    ( Trib. X ) „aufliefen“ , das erste mal überhaupt in den 10 Jahren Arena !

    5. aber der S 04 ist ja beliebt bei Presse und jetzt Rundfunk

    für – mal eben Negatives – ;

    6. bin gespannt wann sich WDR 2 mal bei anderen BuLi Vereinen wiederholend,- aufregt – wenn sich die Fans „daneben“ benehmen ! ??

    Unterzeichner hat es persönlich erleben dürfen: die „lebensgefährlichen halbleere Dünnplastik Becher und Todbringenden Papierrollen “

    die geflogen sind; k e i n Mensch wurde verletzt, weil m.E., nicht möglich !

    Sonst hätte der Polizist/die Polizisten, der/die hinter mir stand/standen

    sicherlich eingegriffen !!!

    Herr Pistor, ich bin persönlich sehr enttäuscht von Ihnen ;

    Sie haben mehrfach, über den Sender,

    so getan als wenn Unruhen stattgefunden hätten, und das Wiederholend !

    Es werden mal wieder – alle – ( “Fans “ )

    auf den Scheiterhaufen, zum verbrennen, durch die Presse und jetzt WDR2, gebracht !

    Es war von meinem Standort, ( Sitzplatz ) nichts von harten Gegenständen zu erkennen.

    Die Becher und anscheinend anderes ? sind aus kurzen Distanzen geworfen worden.

    Und die „Berichterstatter“ sitzen weit entfernt und tuen so als wenn sie hautnah

    daneben sassen.

    Also, als Laie :

    schwere Körperverletzung, Vorsatz, da lacht jeder Anwalt drüber.

    WAS Unterzeichner allerdings – alles – verurteilt !
    Mental, da kann man drüber streiten;
    da muss oft so manches nicht sein.
    aber auch Überall !
    GlückAuf

  3. Heffer
    Montag, 17. Oktober 2011 um 18:45

    „Die Meisterschaftsfrage in der Bundesliga wird dieses Jahr allem anschein nach sogar noch langweiliger verlaufen als in der droegen Primera Division oder der Premier League.“

    Das kann zwar dieses Jahr wirklich so sein, aber die Bayern sind auf jeden Fall so kulant und geben die Schale im Schnitt jedes zweite Jahr wieder her. Wenn man sich anschaut, welchen Abstand die Münchner zu den anderen Klubs haben – v.a. finanziell – geht das alles, was die Spannung angeht, ja noch in Ordnung, wie ich finde. Unschön wär hingegen eine Serie, wie sie zB Lyon mit ihren 7 Meisterschaften hingelegt hat.

  4. tafelrunde
    Montag, 17. Oktober 2011 um 22:45

    Es scheint doch offensichtlich. Der FCB ist angekommen. Angekommen in der Spitze des Fußballs, wie er nun schon seit geraumer Zeit vom spanischen FCB und der dortigen Nationalmannschaft zelebriert wird.

    Aber noch immer wird die Weiterentwicklung des Fußballs geflissentlich ignoriert. Von den sog. Sport-Journalisten, den sog. Experten (vulgo Ex-Spieler) und auch von den Fans.

    Der Top-Fußball heutiger Prägung, den übrigens auch und gerade die deutsche Elf unter Löw hervorragend repräsentiert, lebt von totaler Ballkontrolle, extremer Passsicherheit, optimaler Raumaufteilung, unnachgiebiger Balleroberung und selbstverständlich von genialen Momenten durch gleichermaßen geniale Spieler. Aber eben alles in dieser Art von Systemfußball. Und dies ist wohl offensichtlich nicht so einfach umzusetzen, sonst würden es ja mehr Teams machen.

    Slomka versucht dies, auch Tuchel, natürlich Klopp und sogar Schaaf probierts. Nur deren Spieler haben anscheinend nicht die dazu notwendige Klasse, um dies dauerhaft umzusetzen.

    Die Spieler der Bayern haben inzwischen eine dermaßige Sicherheit in ihrem Spiel, dass ihnen der Trainer nur noch die grobe Richtung vorgeben braucht, wenn überhaupt. Das erinnert an die glorreichen 70er, als auch die Mannschaft selbst die Taktik praktizierte, die zielführend war. Das war bei den damaligen Bayern so und auch bei der Nationalelf.

    Sieht man ein Bayern-Spiel dieser Tage, dann hat der Gegner, so gut er auch bis dahin war, überhaupt keine Chance überhaupt in die Zweikämpfe zu kommen. Wer erinnert sich nicht an die Spiele von Barca (gerade auch gegen ManUtd. im letzten CL Finale) oder den Spaniern gegen die Deutschen bei der EM und WM.

    Es gibt momentan eigentlich nur 4 Mannschaften auf dem Planeten, die wirklich on-top sind. Und das sind Barca, die spanische Elf, die deutsche Nationalmannschaft und eben die Bayern, Real mit Mourinho doktert noch umanand.

    Widerspruch – aber bitte fundiert – gerne erwünscht.

  5. Deutschlands ehrgeizige Sportblogger | sportinsider
    Montag, 17. Oktober 2011 um 23:19

    […] Fritsch sei abschließend erwähnt, Hartplatzheld und Gründer von indirekter-freistoss und dem kleinen Bruder direkter-freistoss. Auf seine Internetaktivitäten kam ich einst durch […]

  6. Dirk
    Dienstag, 18. Oktober 2011 um 09:59

    @Tafelrunde

    mag sein, für mich kommt die Einschätzung aber etwas zu früh. Zum Ankommen in der absoluten Spitze des Fußballs muss man nicht nur im Herbst gut spielen, sondern auch im Frühjahr gewinnen … und lass Bayern gegen Neapel unglücklich verlieren und dann steht das Weiterkommen in der CL auf der Kippe.

  7. mustard
    Dienstag, 18. Oktober 2011 um 12:13

    Waren die Bayern nicht vor kurzem erst an der Spitze, als sie es bis ins CL-Finale geschafft haben? Davon war allerdings sehr schnell nichts mehr uebrig.

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