indirekter freistoss

Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Bundesliga

Pep! Pep! Pep!

Kai Butterweck | Mittwoch, 26. Juni 2013 4 Kommentare

Die Ankunft des neuen Bayern-Trainers Pep Guardiola schlägt in der Presse hohe Wellen

Christian Spiller (Zeit Online) sitzt bei der Vorstellung des neuen Trainers in der ersten Reihe: „Für seinen neuen Trainer organisierte der FC Bayern die größte Pressekonferenz seiner Geschichte. 250 Journalisten aus elf Nationen waren vor Ort. Sechs Fernsehsender berichteten live, einige Online-Medien tickerten im Minutentakt, die Bild-Zeitung schlich sich am Sonntag sogar zu Guardiola ins Flugzeug, um herauszufinden, was er dort so macht. Er lernt deutsch, saß auf Sitz 4c und aß Fleischröllchen und Gemüse, so so. Man kann sich vorstellen, was Guardiola selbst von dem Rummel hält: Nicht viel. Dort oben auf dem Podium saß ein leiser, zurückhaltender, fast verletzlich wirkender Mann. Dass er umrahmt wurde von den eher hemdsärmeligen Bayern-Größen Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Matthias Sammer verstärkte diesen Eindruck nur.“

Als sei ein Regierungschef aus den Ferien zurückgeholt worden

Auch Stefan Osterhaus (NZZ Online) blickt gebannt aufs Podium: „Erstmals stellten die Münchner einen Trainer nicht an der Säbener Strasse vor, sondern im Stadion. Der Raum war gerade groß genug. Und da saß Josep Guardiola, der Mann, der mit dem FC Barcelona Maßstäbe gesetzt hat. Flankiert von Uli Hoeness, dem Präsidenten des FC Bayern, flankiert von Karl-Heinz Rummenigge, dem Vorstandschef. Und Matthias Sammer, dem Sportdirektor. Rummenigge, so heißt es, habe für die Präsentation extra seine Ferien unterbrochen. Das klang so bedeutungsschwanger, als sei ein Regierungschef aus den Ferien zurückgeholt worden, weil daheim das Wasser bis zum Hals steht.“

Dominik Bardow (Tagesspiegel) baut Druck auf: „Die Strategie Guardiolas, sich medial zu verweigern, hat hierzulande eher zu Hysterie als zu Ruhe geführt. Ursprünglich hatte er sich München auch als Arbeitsort ausgesucht, weil er glaubte, dort ungestörter arbeiten zu können als andernorts. Doch in der Wartezeit ist er verklärt worden zu einem Wunderwirker, einer, der mehr ist als ein Fußballtrainer. Diese Erwartungshaltung ist eigentlich die größte Hypothek, größer als die vielen Titel, die Bayern bereits ohne ihn gewonnen hat.“

Der dritte Versuch könnte nun sitzen

Christof Kneer (SZ) hat ein gutes Gefühl: „Wer Guardiola am Montag erlebt hat, ahnt, wofür die Experimente mit Klinsmann und van Gaal gut gewesen sein könnten – nicht nur, weil zur Beruhigung des aufgewühlten Klubs erstmal Jupp Heynckes heimgeholt wurde, der daraufhin all jene Titel einsammelte, als deren rechtmäßiger Besitzer sich van Gaal wähnt. Vor allem hat der FC Bayern beim zweimaligen Üben von Zukunft ein Gespür dafür entwickelt, wie Zukunft wirklich geht – der dritte Versuch, jener mit Guardiola, könnte nun sitzen.“

Peter Hess (FAZ) bedankt sich bei FC Barcelona: „Von seinem Talent und seiner Art gibt es nicht gerade Hunderte, aber Pep Guardiola ist längst nicht der Einzige. Was ihn einzigartig macht, ist sein Glück. Das Glück, dass der Verein, in dem er groß wurde und in dem er sich auskennt wie nirgendwo anders, ihm in einem Moment der Verzweiflung die Chance gab, seine Begabung zu entfalten. Mit 37 Jahren und der Trainererfahrung von einem Jahr mit der zweiten Mannschaft des FC Barcelona. Seine großartigen Erfolge in den folgenden vier Jahren mit seinem Heimatklub, in denen er 14 von 19 möglichen Titel sammelte, sollen nicht kleingeredet werden. Um sie zu erringen, war es aber nicht nötig, über Wasser zu wandeln, sondern einer Mannschaft dazu zu verhelfen, ihr überragendes Talent ganz auszuspielen.“

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Kommentare

4 Kommentare zu “Pep! Pep! Pep!”

  1. Pepino
    Mittwoch, 26. Juni 2013 um 11:16

    Was bitte ist ein „fast verletztlicher“ Mann, wie C. Spiller schreibt? Entweder er ist verletztlich oder er ist es nicht. Würde ich sagen.

    Und genauso geht es in allen Texten weiter: viel blabla. Nicht ganz so viel Substanz. Gab es nicht einen einzigen Pep-Text mit echten Neuigkeiten?

  2. MondoPrinte
    Mittwoch, 26. Juni 2013 um 11:46

    Gerade mit Blick auf Bardows Einlassungen entsteht bei mir der Eindruck, als ob es sich bei dieser Pressekonferenz um die öffentliche Vorbereitung einer gigantischen – ebenso öffentlichen – Hinrichtung gehandelt haben könnte.

  3. HUKL
    Samstag, 29. Juni 2013 um 16:08

    Bei diesem Theater wurden in mir Erinnerungen an die Begrüßung eines gewissen Herrn van Gaal wach, der sich damals auch kaum vor den fast schon anzüglichen Lobhudeleien, besonders des Bayern-Vorstandes, retten konnte! Wie sein Abschied aussah, dürfte jedem noch bekannt sein…….

    Mal sehen, wenn`s beim Neutrainer zum ersten Male schief läuft, und das kann nach den nicht mehr zu toppenden Erfolgen seines Vorgängers sehr, sehr schnellgehen! Dann könnten seine schnell angeeigneten Deutschkenntnisse für ihn eher ein Nachteil sein.

    So oder so wird (wie eigentlich in der Vergangenheit auch) jedes Spiel der Bayern
    eine „heiße Kiste“ der besonderen Art!

  4. Manfred
    Dienstag, 2. Juli 2013 um 10:18

    Noch sommerlöchriger geht kaum, oder? Was für eine Farce.

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