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Bundesliga

Revierderby – Lebensgefährliche Störfeuer

Kai Butterweck | Montag, 28. Oktober 2013 1 Kommentar

Leuchtraketen, Bengalos, Knallkörper: Eine Gruppe Dortmunder „Fans“ sorgt vor dem Anpfiff des Revierderbys für hässliche Szenen auf den Rängen der Veltins-Arena. Außerdem: Müde Bayern und starke Berliner

Vor dem Spiel zwischen Schalke und Dortmund, werden im Dortmunder Block mehrere Bengalos gezündet und wahllos auf die Nebentribünen geschossen. Manfred Hendriock (derwesten.de) zeigt sich nach dem Abpfiff enttäuscht von der Reaktion der Dortmunder Spieler: „Es wäre ein Zeichen der Vernunft gewesen, wenn die Dortmunder Spieler nach dem Abpfiff die demonstrative Distanz zu diesem Block gewahrt hätten. Doch dann, nach einigen Minuten, warfen die Spieler diese Vernunft über Bord und feierten doch noch vor ihrer Kurve den Derbysieg. Und ausgerechnet der vor dem Anpfiff noch so besonnene Weidenfeller gab am Ende den Vorturner. Da hatte er eine große Chance vertan.“

Vergangene Arbeiten mit Füßen getreten

Matthias Dersch (ruhrnachrichten.de) ist entsetzt: „Es hat in den vergangenen Monaten einige bemerkenswerte Aktionen von Fan- und Ultra-Gruppierungen gegeben. Sachlich führten sie ihre Argumente für das kontrollierte Abbrennen von Pyrotechnik vor, suchten den Dialog mit der DFL und stellten sich der – teils unberechtigten, teils berechtigten – Kritik. Das allzu verallgemeinernde und insgesamt doch recht schiefe Bild vom „bösen Ultra“ wurde dadurch ein Stück weit gerade gerückt. Ausschreitungen wie die am Samstag konterkarieren allerdings diese Bemühungen. Die 100 unter den 6000 mitgereisten BVB-Fans, die meinten, sich durch das Verschießen von Raketen, das Demolieren des Gästeblocks und das Lahmlegen eines Bahnhofes aufspielen zu müssen, haben die Arbeit dieser Initiativen mit Füßen getreten. Sie pflegen ihr Outlaw-Image und lassen sich auch durch ihre Ultra-Kollegen nicht kontrollieren.“

Auch Rafael Buschmann (Spiegel Online) schüttelt fassungslos den Kopf: „Auch beim Hinspiel in der vergangenen Saison kam es zu Scherereien, es gab Verletzte. Auch damals wurde Pyrotechnik im Stadion abgebrannt, allerdings von den Schalker Ultras. Und trotzdem hatten die Vorfälle beim aktuellen, dem 143. Revierderby, eine andere, abscheulichere Qualität. Denn diesmal wurden ganz gezielt Unbeteiligte angegriffen. Die Leuchtspurelemente, die aus dem BVB-Block abgeschossen wurden, fielen nämlich in die Schalker Sitzplatzbereiche. Dort nehmen Familien mit Kindern, Frauen und Rentner Platz. Unbeteiligte, Wehrlose, die lediglich ein Fußballspiel verfolgen wollen. Es ist schon obskur genug, dass Hooligans, aber auch einzelne Ultra-Gruppen, untereinander eine Art Kampfauftrag beim Fußball ausführen, sich gegenseitig quer durch die Stadt jagen, um einen Schal oder ein Trikot des Gegners zu erprügeln. Dass diese Gewalt sich nun auch gegen normale Fans richtet, hinterlässt mehr als ein Kopfschütteln.“

Deutliche qualitative Unterschiede

Oliver Müller (Welt Online) beschäftigt sich mit dem Geschehen auf dem Rasen: „Ob die Laufleistung, das Pressing, das Umschaltspiel oder die Passgenauigkeit – es gab über weite Strecken des Spiels kaum etwas, in dem Königsblau Schwarz-Gelb ebenbürtig war.  Wie die Dortmunder mit ihren blitzartigen Angriffen die Schalker Abwehrspieler wie Statisten aussehen ließen, verdeutlichte die qualitativen Unterschiede zwischen den beiden Teams.“

Peter Hess (FAZ) begleitet enttäuschte Schalker in die Kabine: „Das Ruhr-Derby endete mit einer bitteren Erkenntnis für die Königsblauen. Der FC Schalke 04 vermag auch an besseren Tagen den alten Rivalen Borussia Dortmund nicht ernsthaft zu gefährden. Die Mannschaft von Trainer Keller konnte sich keine großen Vorwürfe machen – und verlor doch 1:3. Spannend wurde es in dieser Begegnung nur in den Phasen, in denen die Dortmunder die Zügel locker ließen.“

Als haben sie zu lange in der Herbstsonne gelegen

In München ringt ein kollektiv ermüdeter Rekordmeister eine frech aufspielende Hauptstadt-Truppe nieder. Lisa Sonnabend (SZ) reibt sich die Augen: „Es war ein wenig ungewöhnlich, dass Pep Guardiola den humpelnden Robben nicht registriert hatte, obwohl kaum einer auf einem Fußballplatz so viel registriert wie der Katalane. Ein wenig ungewöhnlich waren auch die zwei frühen Auswechslungen – und die Tatsache: Eigentlich hätte Guardiola in den ersten 30 Minuten der Partie gegen Hertha BSC fast jeden Bayern-Spieler auswechseln können. An diesem Samstag wirkten die Fußball-Millionäre so matt und unkonzentriert, als haben sie zu lange in der Herbstsonne an der Isar gelegen.“

Marcel Reif (Tagesspiegel) klatscht Beifall in Richtung Berliner Trainerbank: „Luhukay ist so wenig Berlin, wie es sich gerade noch denken lässt. Ob sich Platz vier behaupten lässt, sei dahingestellt. Aber dass Luhukay der richtige Mann am richtigen Ort zum richtigen Zeitpunkt ist, das steht außer Frage. Er kam zu einem Zeitpunkt, an dem selbst Berlin die traditionelle Großspurigkeit der Hertha zu viel wurde, als die Hertha nervte mit Eskapaden und Ausflügen in den Irrsinn. Erinnert sich noch jemand an Babbel, Skibbe, Rehhagel, Funkel? Fast nicht mehr. Weil Luhukay einfach die Arbeit macht, die gemacht werden muss. Ruhig, sachlich, nüchtern analysierend.“

Jörn Meyn (Berliner Morgenpost) freut sich über die Entwicklung in Berlin: „Das unerwartet starke Auftreten der Herthaner in München legt den Verdacht nahe, dass der Aufsteiger endgültig in die Bundesliga hineingewachsen ist. Luhukay ist es gelungen, aus einer Ansammlung mittelmäßiger Profis eine unerschrockene Mannschaft zu formen, die an guten Tagen sogar die Granden der Spielklasse ein bisschen ärgern und – noch viel wichtiger – mit dem großen Rest zwischen Abstiegskampf und Europapokal mithalten kann.“

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Kommentare

1 Kommentar zu “Revierderby – Lebensgefährliche Störfeuer”

  1. #Link11: Es brennt wieder | Fokus Fussball
    Montag, 28. Oktober 2013 um 11:25

    […] Butterweck (Indirekter Freistoss) hat Reaktionen zum Revierderby und den Geschehnissen im Auswärtsblock […]

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