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Bundesliga

Mitchell Weiser – Ein Wahl-Berliner geht in die Luft

Kai Butterweck | Dienstag, 14. März 2017 1 Kommentar

Im Spiel gegen Borussia Dortmund entfacht der Berliner Rückkehrer Mitchell Weiser eine neue Schwalben-Diskussion. Die Presse riecht Lunte

Der Fall Mitchell Weiser hat die Gemüter am Wochenende erhitzt. Hanna Raif (merkur.de) erzürnt sich: „Dass der Berliner von Ousmane Dembéle am Knöchel getroffen wurde, steht außer Frage – und die Gelbe Karte gegen den BVB-Spieler geht auch vollkommen in Ordnung. Was jedoch nicht in Ordnung geht, ist, wenn Weiser – noch dazu mit Verzögerung – noch mal abhebt, theatralisch am Boden kullert, dabei auf den Referee schielt und im Nachgang auch noch sagt: „Ich mache nur das, was er auch immer macht.“ Die einzige Absicht des ehemaligen Bayern-Profis war es, eine höhere Bestrafung für den Gegner zu erzielen. Als Spieler kann man es ja mal versuchen – denn mehr als Gelb gibt es für das Verhalten, das eigentlich den Kern des schönen Spiels infrage stellt, ja eh nicht. Und genau da liegt das Problem.“

Auch Peter Penders (FAZ) regt sich auf: „Wenn der Fußball dieses Übel aber irgendwann ausmerzen will, würde nur eine Verschärfung im Regelwerk helfen, nämlich die Einstufung als grobe Unsportlichkeit, die sie in Wahrheit ja auch immer ist. Ja, Weiser ist gefoult worden, und wie die Fernsehbilder auch zeigten, wohl eher unabsichtlich, weil Dembélé wegrutschte. Alles, was folgte, war ein Täuschungsversuch. Und wir sollten auch aufhören, alle zu loben, die nicht zu solchen Mitteln greifen. Es muss einfach normal werden.“

Peinliche Belege für Respektlosigkeit und Egoismus

Peter Müller (waz.de) hat ebenfalls Schaum vorm Mund: „Es stimmt übrigens, dass auch Ousmane Dembélé nach Fouls an ihm schon mal einen Kringel zu viel drehte. Mitchell Weiser aber hat maßlos übertrieben – und damit einen schäbigen Trend fortgesetzt: Auch die Schwalben des Leipzigers Timo Werner und des Schalkers Franco Di Santo waren peinliche Belege für Egoismus und Respektlosigkeit. Ja, der Profifußball ist ein Geschäft, und ja, unter Druck sind Überreaktionen möglich. Aber ist es deshalb wirklich so naiv, für gegenseitige Wertschätzung zu plädieren?“

Ralf Mittmann (südkurier.de) ist sich unsicher: „Der Berliner würde wohl sagen: Det war keene Schwalbe, allenfalls ’ne halbe. Aber eine (echte) nächste kommt bestimmt. Das wird sich nur ändern, wenn Täuschungsversuche empfindlich bestraft werden. Der Nachweis dürfte mit der Einführung des Videobeweises ab der kommenden Saison einfacher werden, aber ein Fall Mitchell Weiser wäre auch in Zukunft knifflig, wie die Spuren auf seinem Knöchel beweisen.“

Philipp Köster (stern.de) nimmt’s mit Humor: „Schwalben haben ja immer auch eine sehr humorige, unterhaltsame Note. Wenn gestandene Spieler nach leichten Wischern durchs Gesicht oder harmlosen Trikotzupfern wie von der Axt gefällt zu Boden sinken und sich wild schreiend an den Kopf greifen, ist das ebenso erheiternd wie Kicker, die eben noch regungslos auf dem Boden liegen und auf den Abtransport in die Aussegnungshalle warten, plötzlich aber quicklebendig wieder aufspringen, weil der Schiedsrichter nicht gepfiffen hat.“

Glatt Rot für Dembele

Der zunächst mit dem Finger wedelnde Marcel Reif rudert im Interview mit sport1.de zurück: „Am Sonntagabend hat mir jemand einen Link zukommen lassen, über den ich die Szene in der Großaufnahme anschauen konnte. Da war auch für mich deutlich zu erkennen, dass Dembele Weiser massiv tritt und auch trifft. Auf Basis dieser Perspektive wäre für mich glatt Rot für Dembele wegen einer üblen Tätlichkeit korrekt gewesen, dazu Gelb für Weiser wegen Ballwegschlagens. Darüber hinaus kann man über eine weitere Gelbe Karte wegen übertriebener Theatralik diskutieren, die Weiser ja auch selbst eingeräumt hat. Es tut mir leid, ich habe die Szene im Doppelpass nicht richtig beurteilt und deshalb möchte ich mich bei Mitchell Weiser entsprechend entschuldigen.“

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Kommentare

1 Kommentar zu “Mitchell Weiser – Ein Wahl-Berliner geht in die Luft”

  1. Charly
    Dienstag, 14. März 2017 um 20:19

    >> Auch die Schwalben des Leipzigers Timo Werner und des Schalkers Franco Di Santo waren peinliche Belege für Egoismus und Respektlosigkeit. <<

    Stimmt. Wie auch weiland A.Möllers Flugshow.
    Nur: Das waren eiskalte Betrugsversuche.

    Anders bei Weiser. Hier geht es um die Reaktion, nachdem man gefoult wurde und um die Frage, wieviele Überschläge, Schrauben und Umdrehungen der feinfühligen Öffentlichkeit zugemutet werden dürfen.

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