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Bundesliga

Was erwartet uns in der neuen Bundesliga-Saison 2017/18?

Kai Butterweck | Dienstag, 11. Juli 2017 ohne Kommentar

Die neue Bundesliga-Saison 2017/18 rückt immer näher, die meisten Klubs haben bereits mit den Vorbereitungen für die kommende Spielzeit begonnen. Auch auf dem Transfermarkt tut sich derzeit einiges. Wir werfen einen Blick auf die neue Saison und geben einen Ausblick auf die Topfavoriten mit Blick auf die deutsche Meisterschaft

Nach der Bundesliga-Saison ist vor der Bundesliga-Saison! Knapp sechs Wochen, nachdem die Spielzeit 2016/17 beendet ist, richten sich die Blicke der Spieler und Vereine bereits wieder in die Zukunft. Auch bei den Fußballfans steigt so langsam, aber sicher die Vorfreude auf die neue Saison.

Wie vor jeder Saison stellt sich natürlich die Frage, wer ganz oben mitmischen wird und wer gegen den Abstieg spielen muss. Die Fußball-Bundesliga hat sich in den vergangenen Jahren zu einer europäischen Top-Liga entwickelt, in der jedes Team gegen jeden gewinnen kann. Bestes Beispiel hierfür ist die Entwicklung von RB Leipzig. Der Bundesliga-Debütant hat sich direkt in seinem ersten Jahr die Vizemeisterschaft gesichert und damit auch die Teilnahme an der UEFA Champions League. Etablierte Vereine wie der VfL Wolfsburg oder Bayer Leverkusen hingegen rutschten tief in den Tabellenkeller und standen kurz vor einem Abstieg in die 2. Liga. Es wird spannend zu sehen, was die Bundesliga-Saison 2017/18 zu bieten hat und ob es erneut so große Überraschungen geben wird wie in der Vorsaison. Unabhängig davon, welches Team am Ende welche Position innehat - spannend wird es auf jeden Fall.

Der FC Bayern ist nach wie vor der Titelfavorit Nr. 1

Der FC Bayern ist im deutschen Fußball bereits seit geraumer Zeit das Maß aller Dinge. In der abgelaufenen Saison sicherte man sich zum fünften Mal in Folge die deutsche Meisterschaft. Damit hat man einen weiteren bzw. neuen Rekord in der Bundesliga aufgestellt. Bemerkenswert ist vor allem die Tatsache, dass die Münchner 15 Punkte Vorsprung auf den Zweitplatzierten aus Leipzig hatten. Die Bayern dominieren die Liga aktuell wie kaum eine andere Mannschaft vor ihnen.

Mit Niklas Süle, Sebastian Rudy, Serge Gnabry und Corentin Tolisso haben die Bayern bisher auf dem Transfermarkt ordentlich zugeschlagen. Drei deutsche und ein französischer Nationalspieler werden kommende Saison den Kader erweitern. Durch das Karriereende von Xabi Alonso entsteht eine Lücke im zentralen Mittelfeld. Wer diese schließen wird, ist derzeit noch offen; durch die Neuverpflichtungen hat Trainer Carlo Ancelotti jedoch eine Vielzahl an Optionen. Sowohl Rudy als auch Tolisso könnten diese Rolle übernehmen. Der 22-jährige Franzose wechselte für 41,5 Millionen Euro von Olympique Lyon an die Säbener Straße und ist damit nicht nur der teuerste Transfer in der Geschichte des FC Bayern, sondern der gesamten Bundesliga-Historie. Vielen Fußballfans in Deutschland dürfe der Name kaum etwas sagen, in Frankreich hingegen wird Tolisso bereits als der neue Superstar gefeiert.

Mit viel Aufmerksamkeit wird auch die Frage verfolgt, wie es mit Serge Gnabry weitergeht, denn der offensive Mittelfeldspieler wird in München auf viel Konkurrenz treffen. Gerüchten zufolge sollen die Verantwortlichen über eine Leihe nachdenken, damit Gnabry mehr Spielzeiten erhält und sich weiterentwickeln kann. Dieses Modell haben die Bayern bereits erfolgreich bei Spielern wie Philipp Lahm und David Alaba angewandt.

Auch wenn man bereits vier neue Spieler verpflichtet hat, dürften die Transferaktivitäten der Münchner noch nicht abgeschlossen sein. Vor allem für den Sturm benötigt man noch eine Alternative. Robert Lewandowski ist beim FCB nach wie vor der einzige echte Mittelstürmer. Die Bayern sind zu sehr abhängig von dem Polen, was man in der abgelaufenen Saison vor allem in der Champions League deutlich gesehen hat, als Lewandowski im Viertelfinale gegen Real Madrid angeschlagen war und für ein Spiel sogar komplett ausfiel.

Aber selbst wenn die Bayern keine weiteren Spieler mehr verpflichten sollten, geht man als klarer Titelfavorit in die neue Bundesliga-Saison. Carlo Ancelotti und sein Team sind erneut die Gejagten. Auch das Sportwetten-Portal Oddschecker sieht den FC Bayern ganz klar mit Abstand als den größten Titelanwärter, die Quote für den Gewinn der Meisterschaft beläuft sich auf 1,2. Wer sich die deutsche Meisterschaft sichern möchte, muss zunächst den FC Bayern besiegen bzw. hinter sich lassen. Dass dies nicht unmöglich ist, hat Borussia Dortmund 2011 und 2012 bewiesen. Bei den Bayern steht die UEFA Champions League kommende Saison vermutlich ein wenig mehr im Fokus. Nach dem Viertelfinal-Aus gegen Madrid in der letzten Saison möchten die Verantwortlichen in der Königklasse erneut voll angreifen.

Wie entwickelt sich der BVB unter Peter Bosz?

Während man in München den Kader gezielt an der einen oder anderen Stelle verstärkt, steht man im Dortmund aktuell vor einem kleinen „Mini-Umbruch.“ Mit der Entlassung von Thomas Tuchel wird sich aller Voraussicht nach auch die Spielphilosophie beim BVB ein wenig ändern. Neu-Trainer Peter Bosz wird mit Sicherheit den Schwarz-Gelben seine eigene Handschrift verpassen. Der 53-jährige hat mit dem Einzug ins Europa League-Finale mit Ajax Amsterdam in der jüngeren Vergangenheit große Erfolge gefeiert und möchte sich nun bei einem europäischen Top-Klub auf dem obersten Niveau beweisen.

Auf welche Spieler er dabei zurückgreifen wird und kann, ist derzeit noch offen. Wie in nahezu jedem Sommer droht der BVB auch dieses Mal einen Leistungsträger zu verlieren. In den Vorjahren waren dies Mats Hummels, Robert Lewandowski oder Ilkay Gündogan. Nun steht Pierre-Emerick Aubameyang kurz davor, Dortmund zu verlassen. Der Gabuner hat sich bisher nicht öffentlich dazu geäußert, der Wechselwunsch ist jedoch omnipräsent. Kurios ist dabei jedoch die Tatsache, dass Aubameyang im besten Fußballer-Alter von 28 Jahren vorrangig in Erwägung zieht, nach China zu wechseln. Zwar wurde der Stürmer auch mit zahlreichen europäischen Spitzenvereinen wie Real Madrid, Manchester City oder Paris Saint-Germain in Verbindung gebracht, diese scheinen jedoch nicht bereit zu sein, die geforderte Ablösesumme von 70 Millionen Euro zu bezahlen. In China hingegen sieht dies anders aus, dort möchte Tianjin Quanjian Aubameyang verpflichten und lässt sich auch nicht von dieser Summe abschrecken. Finanziell wäre der Verkauf ein echtes Topgeschäft, denn Aubameyang wechselte im Sommer 2013 für 13 Millionen Euro von St.-Étienne nach Dortmund. Mit einem Verkauf muss sich der BVB jedoch auf die Suche nach einem neuen Stürmer machen, was alles andere als einfach ist, auch wenn die Kasse prall gefüllt ist.

Neben Aubameyang stehen zudem hinter Spielern wie André Schürrle und Mario Götze, aber auch Marco Reus und Julian Weigl gewisse Fragezeichen. Die vier deutschen Nationalspieler haben sich in den vergangenen Monaten mit Formkrisen und Verletzungen herumgeplagt. Vor allem bei Mario Götze wird es spannend zu sehen, wann und in welcher Form er auf den Platz zurückkehrt. Durch eine Stoffwechselerkrankung musste dieser monatelang pausieren und ist erst vor kurzem wieder in das Training eingestiegen. Mit Julian Weigl und Marco Reus sind darüber hinaus zwei wichtige Spieler verletzt, beide werden große Teile der Sommervorbereitung verpassen und somit alles andere als topfit in die neue Saison starten. André Schürrle hingegen ist zwar nicht verletzt, aber der Weltmeister hat eine sehr durchwachsene Saison hinter sich und befindet sich bereits seit geraumer Zeit in einem „Formloch“. Unter Tuchel saß Schürrle zuletzt nur noch auf der Bank und kam als Edeljoker zum Einsatz. Solch eine Rolle möchte Schürrle in der kommenden Saison sicherlich nicht erneut einnehmen.

Der Anspruch beim BVB wird es sein, die Bayern zu jagen und sich erneut direkt für die UEFA Champions League zu qualifizieren. Darüber hinaus gilt es, Teams wie RB Leipzig und die TSG 1899 Hoffenheim auf Distanz zu halten. Dies ist in der vergangenen Saison nur mit viel Mühen gelungen.

Hoffenheim und Leipzig wollen weiterhin ganz oben mitmischen

Neben den Bayern und dem BVB werden sich kommende Saison die Blicke allen voran auch auf RB Leipzig und die TSG 1899 Hoffenheim richten. Die beiden Mannschaften gehören zweifelsfrei zu den größten Überraschungen der abgelaufenen Spielzeit. Vor allem Aufsteiger Leipzig hat die Liga mit seinem Tempofußball ordentlich aufgewirbelt. Die wenigsten hätten damit gerechnet, dass die Roten Bullen so schnell ganz oben mitmischen können.

Beide Teams werden kommende Saison europäisch spielen, Leipzig garantiert in der Königsklasse und Hoffenheim mindestens in der Europa League. Dadurch wird sich jedoch auch die Belastung für die beiden Verein deutlich verändern. Alle drei Tage ein Spiel auf höchstem Niveau zu bestreiten ist eine andere Herausforderung als „nur“ in der Bundesliga zu spielen. Viele Mannschaften sind bisher an diesem Vorhaben gescheitert und nach einem starken Bundesliga-Jahr wieder ins Tabellenmittelfeld bzw. sogar noch tiefer abgerutscht.

Positiv ist die Tatsache, dass sowohl in Hoffenheim als auch in Leipzig der Kader nicht zusammenbricht. Auch wenn Spieler wie Andrej Kramaric, Timo Werner und Naby Keita immer wieder mit einem Wechsel in Verbindung gebracht werden, rein finanziell haben es weder Hoffenheim noch Leipzig nötig, Leistungsträger zu verkaufen. Anders als bei RB gab es in Hoffenheim dennoch zwei Abgänge: Sebastian Rudy hat den Verein ablösefrei nach Auslauf seines Vertrages in Richtung FC Bayern verlassen und auch Niklas Süle wird zukünftig im Trikot des FCB auflaufen. Für TSG-Trainer Julian Nagelsmann wird es kein einfaches Unterfangen, diese beiden Spieler zu ersetzen. Mit Havard Nordtveit hat 1899 jedoch bereits auf dem Transfermarkt reagiert und einen alten Bekannten für das zentrale Mittelfeld verpflichtet. Der norwegische Nationalspieler stand früher bei Borussia Mönchengladbach unter Vertrag und kehrt nach nur einem Jahr bei West Ham United zurück in die Fußball-Bundesliga. Zudem hat man mit Justin Hoogma (Heracles Almelo) einen neuen Abwehrspieler verpflichtet. Der 19-jährige Niederländer ist jedoch eher ein Mann für die Zukunft als ein 1:1-Ersatz für Niklas Süle.

Auch Leipzig war bereits auf dem Transfermarkt erfolgreich und hat sich mit Bruma und Jean-Kevin Augustin zwei neue Offensivspieler gesichert. Die beiden wurden primär dazu geholt, um den Abgang von Davie Selke (Hertha BSC Berlin) zu kompensieren und die Qualität im Kader zu vergrößern. Bruma wurde für 12,5 Millionen Euro von Galatasaray Istanbul verpflichtet. Augustin wechselte für 13 Millionen Euro vom französischen Spitzenverein Paris Saint-Germain nach Leipzig. Mit Spielern wie Emil Forsberg oder Timo Werner haben die Verantwortlichen bei RB in der Vergangenheit in der Regel ein gutes Händchen gehabt, mit Spannung lässt sich beobachten, ob dies bei Bruma und Augustin ebenfalls der Fall sein wird.

Was passiert im Tabellenkeller der Bundesliga?

Mindestens genau mitreißend wie die Meisterschaftsfrage ist die Lage im Tabellenkeller der Fußball-Bundesliga, d.h. welche Teams werden gegen den Abstieg kämpfen und vor allem wen erwischt es am Ende tatsächlich.

Mit dem VfL Wolfsburg musste vergangene Saison der Vizemeister und DFB-Pokalsieger von 2015 in die Relegation. Die Wölfe haben sich dank zweier knapper 1:0-Siege gegen Eintracht Braunschweig am Ende durchgesetzt und den Klassenerhalt geschafft, dennoch zeigt dieses Beispiel, dass kein Verein davor sicher ist, in den Abstiegskampf zu geraten. Auch Bayer Leverkusen, der FC Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach fanden sich zwischenzeitlich in dieser Situation. Alle diese „etablierten“ Vereine haben den Anspruch, europäisch zu spielen und werden daher in der kommenden Saison sicherlich alles daran setzen, erneut oben anzugreifen.

Interessant wird es auch zu sehen, wie sich der FC Augsburg, der Hamburger SV oder der 1. FSV Mainz 05 präsentieren werden. Alle drei Klubs hatten große Probleme, die Klasse zu halten und werden sich sicherlich auch kommende Saison eher wieder im Tabellenkeller wiederfinden als auf den ersten sechs Plätzen.

Last but not least werfen wir noch einen Blick auf die beiden Aufsteiger. Sowohl Hannover 96 als auch der VfB Stuttgart feiern nach nur einem Jahr Abstinenz direkt ihr Comeback in der 1. Bundesliga. Beide Vereine haben eine glorreiche Historie und möchten den „Ausrutscher“ Abstieg so schnell wie möglich wieder wettmachen. Leipzig und Freiburg haben es in der vergangenen Saison vorgemacht, dass ein Aufsteiger nicht zwingend direkt wieder gegen den Abstieg spielen muss. Dennoch wird es für die Schwaben und Niedersachen eine Umstellung sein. In der abgelaufenen Saison waren beide Teams die großen Favoriten in der 2. Liga und haben souverän den Aufstieg gestemmt. Nun wird man die Rolle des Herausforderers annehmen müssen und sich gegen andere Vereine auf Augenhöhe zu beweisen.

Am 18. August startet die neue Bundesliga-Saison. Wie die deutsche Fußball-Liga DFL Ende Juni bekannt gab, wird der FC Bayern die neue Spielzeit mit einem Heimspiel gegen Bayer Leverkusen eröffnen. Doch bevor es in der Liga ernst wird, steht auch noch die 1. Runde im DFB-Pokal 2017/18 an. Vom 11. bis 14. August starten 64 Teams in die neue Pokal-Saison.

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