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Bundesliga

Jupp Heynckes – Der Freundschaftsdienstleister

Kai Butterweck | Dienstag, 10. Oktober 2017 ohne Kommentar

Bevor der FC Bayern im nächsten Sommer einen neuen Top-Trainer mit Perspektive präsentiert, übernimmt Alt-Meister Jupp Heynckes das Kommando an der Säbener Straße. Die Presse ist gespannt wie ein Flitzebogen

Bringt Jupp Heynckes den FC Bayern wieder zurück in die Erfolgsspur? Oliver Fritsch (Zeit Online) jongliert mitzahlreichen Fragezeichen: „Die vordergründige Frage ist nun, ob Heynckes, der deutsche Ancelotti, das sportliche Niveau heben kann. Doch wer weiß, vielleicht kann er es nicht mal halten, vielleicht hat Ancelotti noch das Schlimmste verhindert und seine Entlassung stellt sich als Fehler heraus. Die viel wichtigere ist ohnehin, ob der FC Bayern die Zeit nutzt, sich darüber klar zu werden, was er sein will: Will er sich einem starken Trainer verschreiben, wie Guardiola es einer ist, ihm die wichtigen Entscheidungen überlassen, oder will er eine starke sportliche Idee vorgeben, die ein Trainer umzusetzen hat? Der Verein braucht nicht nur einen neuen Trainer, sondern eine neue Identität.“

Wenn er diesmal scheitern sollte…

Peter Müller (derwesten.de) sorgt sich um den Ruf von Jupp Heynckes: „Es gab keinen besseren Zeitpunkt für den Übergang in den Ruhestand als den Sommer 2013 – direkt nach dem Gewinn von Champions League, Deutscher Meisterschaft und DFB-Pokal in einer Saison. Damit hatte sich Heynckes endgültig zur Legende gemacht. Wenn er diesmal scheitern sollte in diesem Münchener Gewirr aus Egoismen, Eitelkeiten und Eifersüchteleien, dann bliebe als letztes Bild das eines Verlierers. Und das wäre jammerschade.“

Markus Lotter (Berliner Zeitung) nimmt sich die Bayern-Führung zur Brust: „Was macht der FC Bayern eigentlich, wenn Heynckes dann doch mal Nein sagt oder sich gesundheitlich nicht mehr zum Nothelfen in der Lage sieht? Nun, auf diese Frage gibt es so leicht keine Antwort. Allerdings deutet sie auf eine fortwährende Problematik des Klubs hin. Zum einen fehlt den Bayern bei der Trainerwahl mitunter der Mut zum Ungewöhnlichen, was dazu führt, dass beim FC Bayern eigentlich nicht von einem Kandidatenkreis gesprochen werden kann. Zum anderen ist es ihnen in den vergangenen Jahren nicht gelungen, ehemalige Profis über eine Trainertätigkeit im Nachwuchsbereich an die ganz große Aufgabe heranzuführen.“

Es bröckelt im Bayern-Imperium

Wer hat denn nun das letzte Wort beim FCB? Momentan spricht Vieles für Uli Hoeneß. Peter Penders (FAZ) hat Karl-Heinz Rummenigge aber noch nicht abgeschrieben: „Vielleicht hat Rummenigge auch nicht aufgegeben, sondern wartet nur in aller Ruhe ab, bis der Kollege den Karren an die Wand fährt, bis es einigen dämmert, dass in diesen Zeiten modernere Strukturen nötig sind, als es das Patriarchat bietet. Vergangene Woche gab es erste Anzeichen, dass es bröckelt im Bayern-Imperium. Leichtfertig zu erzählen, schaut her, Pep Guardiola habe ich schon verraten, wer neuer Bayern-Trainer wird – das ist angesichts der Bedeutung dieser Personalie alles andere als seriös für einen Wirtschaftsbetrieb der Größe des FC Bayern. Man müsste erwarten, dass solche Entscheidungen kühl-kalkuliert fallen und mit weniger emotionalem Triumphgebaren begleitet sind. Und vor allem, dass dies unterlassen wird, wenn sie noch keineswegs wasserdicht sind.“

Markus Ehrlich (tz.de) is not amused: „Die Verpflichtung von Jupp Heynckes löst die Probleme des Rekordmeisters nicht, sie schiebt sie lediglich auf. Heynckes‘ kurze Amtszeit wird von Mutmaßungen über seinen Nachfolger bestimmt sein. Ruhiges Arbeiten sieht anders aus. Und das, wo Heynckes doch gerade dann am besten funktioniert, wenn er mit väterlicher Geduld und Behutsamkeit arbeiten darf. Das Maximum der vierten Heynckes-Ära in München: Klasse halten. Das bedeutet nicht, dass die Roten akut abstiegsgefährdet sind, sondern dass sie die Saison nur noch ohne größere Unfälle zu Ende bringen können. Heynckes muss zudem den Umbruch einleiten – natürlich in enger Abstimmung mit seinem Nachfolger, an dessen Verpflichtung seine Bosse freilich parallel tüfteln. Das heißt, Heynckes‘ langfristiger Gestaltungsspielraum ist quasi nicht existent, das degradiert ihn zum Platzhalter.“

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