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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Bundesliga

Corona versus Bundesliga – Alles neu macht der Mai?

Kai Butterweck | Mittwoch, 29. April 2020 ohne Kommentar

Die Presse beschäftigt sich intensiv mit der Debatte um die Wiederaufnahme des Bundesliga-Spielbetriebs

Darf die Liga trotz der Corona-Krise in den Geisterspiele-Modus schalten? Die Eintracht aus Frankfurt zieht sich aus der Debatte raus. Peter Penders (FAZ) findet das Verhalten der Hessen lobenswert: „Kein Vorstandsmitglied, kein Mitglied des Aufsichtsrates oder der sportlichen Leitung argumentiert beim Pro und Contra mit, niemand stellt Forderungen, niemand äußert auch nur Wünsche über die Feststellung hinaus: Wir sind prinzipiell auch für Geisterspiele. Wann der Zeitpunkt reif sei? Kein Kommentar. Man vertraue bei der Einschätzung den Experten. Dafür zeigt die Eintracht ihre Solidarität mit der Gesellschaft, indem sie sich einerseits punktgenau an alle Vorschriften hält, womit sie sich in der Trainingsgestaltung von einigen Konkurrenten unterscheidet. Andererseits engagiert sich der Verein mit Verve für soziale Zwecke. Dass Profis wie Kevin Trapp, David Abraham, Danny da Costa und Mijat Gacinovic bei Mitmenschen auftauchen, Empathie zeigen und Gutes tun, ist das Zeichen, dass die Eintracht verstanden hat. Es ist im Profifußball die Zeit zu geben, nicht zu nehmen.“

Leugner und Fanatiker

Thiemo Müller (kicker.de) steht auf der Seite der Geisterspiele-Befürworter: „Über die gesellschaftliche Bedeutung des Profifußballs wird derzeit heftig gestritten. Am wichtigsten scheint diese Debatte ausgerechnet aus der Perspektive derjenigen, die eine Relevanz des Fußballs mit aller Gewalt leugnen. Und die deshalb einen mitunter schon fanatisch anmutenden Kampf gegen eine baldige Saisonfortsetzung mit Geisterspielen führen. Etwa mit der Parole, man solle sich „lieber um kleine Gastronomen als um Millionäre kümmern“ oder mit der Petition „Coronatests für Pflegepersonal statt für Bundesligaprofis“. Das klingt richtig und wichtig. Aber es legt Zusammenhänge zugrunde, die völlig aus der Luft gegriffen sind.“

Stefan Döring (sportbuzzer.de) fordert Live-Berichterstattung via Free-TV: „Gesundheit ist tatsächlich ein wichtiger Punkt. Sollte die Liga den Re-Start hinlegen und die Spiele würden nur im Pay-TV zu sehen sein, würde es wohl in vielen Wohnzimmern zum Bundesliga-Rudel-Gucken kommen. Denn auch in der Krise ist der Fußball das liebste Hobby der Deutschen. Und wer will – sofern wirklich wieder gespielt wird – nicht wissen, wie sein Lieblingsverein gegen den Erzrivalen spielt? Oder wie es sich im Kampf um Europapokal und gegen den Abstieg schlägt? Dadurch würde allerdings das Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus wieder steigen. Alle Bemühungen und Entbehrungen der vergangenen Wochen wären umsonst gewesen.“

Etwas ermüdet vom Corona-Wahn gönnt sich Florian Haupt (Spiegel Online) eine Doku-Auszeit mit Andrés Iniesta: „Natürlich geht es in diesem Film auch um den virtuosen Mittelfeldspieler. Manche Wortbeiträge sind dabei origineller, als man es von solchen Dokus gewohnt ist: Wenn Pep Guardiola sein Spiel beispielsweise mit der Seduktion eines Toreros vergleicht, wenn Samuel Eto‘o ihn als Nationaltrainer Kameruns die WM gewinnen sieht oder Gianluigi Buffon gesteht, dass Verlieren gegen Iniesta nie ein Problem war, weil es sich irgendwie richtig anfühlte.“

Säuft die Liga ab?

Martin Einsiedler (Tagesspiegel) nimmt sich BVB-Marktschreier Hans-Joachim Watzke zur Brust: „Watzke will die Geisterspiele lieber heute als morgen. Sicher doch, am Bundesligabetrieb hängen viele tausend Arbeitsplätze. Diese sind aber auch deshalb in Gefahr, weil sich die Klubs seit vielen Jahren auf ein gefährliches Spiel eingelassen haben und sich von den Beratern horrende Spielergehälter haben abringen lassen. Zwar stieg der Umsatz dabei stetig, aber die Gewinne und Reserven der Vereine kaum bis gar nicht. Das rächt sich nun. Mal angenommen, die Bundesliga säuft tatsächlich ab, wie Watzke nun befürchtet. Wenn das zur Folge hätte, dass der Profifußball sich künftig auf gesunde Beine stellt, wäre der ach so wichtigen Nebensache sogar geholfen.“

Philipp Selldorf (SZ) schlägt den Kalender auf: „Der 9. Mai, den Laschet und Söder als denkbaren Termin einer Wiedereröffnung genannt hatten, ist gemäß dem politischen Fahrplan der nächsten beiden Wochen längst kein realistisches Datum mehr, er ist es aus sportlichen und organisatorischen Gründen eigentlich nie gewesen. Den Vereinen ist zunächst zumindest damit geholfen, dass sie durch die erfolgreichen Verhandlungen der DFL mit den Fernsehpartnern über eine partielle Vorschusszahlung auf die finale Rate aus den Fernsehgeldern mit der nötigen Liquidität versorgt werden. Das Wochenende um Samstag, den 23. Mai, könnte dann – wenn die Öffnung des Arbeitslebens in der Gesellschaft fortgeschritten wäre – der Zeitpunkt sein, an dem der Ball das erste Mal wieder rollen darf.“

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