indirekter freistoss

Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Bundesliga

Das große Experiment

Kai Butterweck | Freitag, 15. Mai 2020 ohne Kommentar

Die Wiederaufnahme des Bundesliga-Spielbetriebs steht kurz bevor. Die Presse spaltet sich in zwei Lager

Am Wochenende rollt wieder der Ball. David Vorholt (dw.com) ist skeptisch: „Viel fehlt wohl nicht mehr, um auch die Bundesliga-Saison – wie in so vielen Sportarten in anderen Ländern im weltweiten Sport – doch noch platzen zu lassen. Es geht für die Bundesliga auch nicht darum, ein Milliardenpublikum zu erreichen und neue Vermarktungswege überall auf dem Globus zu erschließen. Sondern es sollte ihr ausschließlich darum gehen, unter Beweis zu stellen, dass das Konzept und die Regelungen kein Lippenbekenntnis für die Politik sind. Sollte sich dieser negative Eindruck weiter in der Öffentlichkeit, in der Politik und im globalen Sport verfestigen, wäre das für Liga und DFL ein irreparabler Imageschaden, dessen Folgen größer sein könnten, als die eines Saisonabbruchs.“

Die Welt starrt auf unser Land

Frank Schmiechen (stern.de) freut sich: „Am Wochenende wird es weltweit eine einzige relevante Liga im Profisport geben, die ihren Spielbetrieb durchführt. Zwar ohne Zuschauer vor Ort in den Stadien – aber immerhin. Die deutsche Bundesliga. Die ganze Welt starrt mit aufgerissenen Augen auf unser Land und fragt sich, wie wir das wieder hinbekommen haben. Wahrscheinlich wird sogar das Spiel Düsseldorf gegen Paderborn unfassbare Einschaltquoten haben, weil auch der sportbegeisterte Japaner endlich wieder einen rollenden Ball sehen möchte.“

Jan Göbel (spiegel.de) ist gespannt: „Der deutsche Profifußball drängt derzeit wie kaum eine andere Branche auf die Rückkehr zur Normalität. Er ist damit zu einem Symbol einer Entwicklung geworden, vor der vor wenigen Wochen noch gewarnt worden ist. Dass inzwischen wieder Tausende Menschen auf die Straßen gehen, um gegen Corona-Richtlinien zu demonstrieren, ist auch Teil dieser Entwicklung. Der Fußball hatte mit seinem Vorpreschen Erfolg, die Politik hat ihre Erlaubnis gegeben. Nun steht der Fußball auf einer Bühne, auf der er zeigen könnte, ob er wirklich gesellschaftliche Verantwortung übernehmen kann.“

Cathrin Gilbert (zeit.de) streckt beide Daumen nach oben: „Vielleicht wird es weitere Schwierigkeiten geben, wahrscheinlich sogar. Vielleicht wird das Hygienekonzept der DFL nur eine Halbwertszeit von wenigen Tagen haben. Vergebens wäre das Experiment trotzdem nicht gewesen, es handelt sich schließlich um eine Operation am offenen Herzen, noch dazu unter Beobachtung der Weltöffentlichkeit. Während sich andere Unternehmen im Verborgenen an der Wiedereingliederung ihrer Mitarbeiter versuchen, werden wir im Fußball beobachten können, welche Sollbruchstellen bei der Rückkehr entstehen.“

Vollkommen daneben

Schauspieler Matthias Brandt (Tagesspiegel) lässt die TV-Fernbedienung links liegen: „Ich finde diese Geisterspiele vollkommen daneben! Ich weiß, dass mein Verein, der mir mehr am Herzen liegt, als ich es mit Worten ausdrücken kann, das machen muss, weil er sonst pleite geht. Aber das ist es dann auch. Ich warte gewissermaßen drei Straßenecken weiter auf die Jungs, bis sie den Quatsch hinter sich gebracht haben. Ende Juni oder im Juli, vielleicht in zwei Wochen, wer weiß schon, wie lange das überhaupt gutgeht, werde ich dann zur Kenntnis nehmen, was bei der Aktion rausgekommen ist und damit umgehen. Das ist meine Haltung dazu.“

Der DFL-Notplan im Falle eines vorzeitigen Saisonabbruchs stößt nicht überall auf Begeisterung. Mathias Sonnenberg (weser-kurier.de) steht auf der Seite der Kritiker: „Warum sollte Werder Bremen einen Plan unterschreiben, der einen möglichen Abstieg besiegelt, obwohl noch fünf Spiele ausstehen könnten? Ein absurder Gedanke, getragen von der fixen Idee, das alles nur irgendwie über die Runden zu kriegen. Der Schaden aber, den der Fußball nimmt, wird von Tag zu Tag größer.“

Jan Christian Müller (FR) schließt sich an: „Es gibt in Coronazeiten keine Gerechtigkeit, so viel steht mal fest. Aber es sollte ein dringendes Anliegen sein, mögliche Ungerechtigkeiten zu minimieren. Das, was jetzt angedacht und zurecht unter den Klubs heftig umstritten ist, hat mit dem ohnehin abgeschmackten Begriff Solidarität gegenüber Schwächeren nicht einen Hauch zu tun. Und mit neuem Denken schon mal gar nicht.“

Rainer Franzke (kicker.de) plädiert für eine Aufstockung der Liga: „Aktuell wird auch der Fußball bei seinen Plänen und Entscheidungen von der weiteren Entwicklung der Pandemie getrieben. Und dabei liegen die Klubs im Streit. Die Aufstockung der Ligen wäre sportlich die fairste Lösung im Kampf um Auf- und gegen Abstieg, falls es zu einem Abbruch dieser Saison kommen sollte. Eben aus diesem Grund wäre ein „Ja“ zur Aufstockung für den Fall der Fälle die richtige Entscheidung.“

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