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Bundesliga

Uwe Rapolder, Jürgen Klopp und Ralf Rangnick

Oliver Fritsch | Samstag, 27. November 2004 Kommentare deaktiviert für Uwe Rapolder, Jürgen Klopp und Ralf Rangnick

Uwe Rapolder, Jürgen Klopp und Ralf Rangnick, „Trainer neuen Typs“ (BLZ ) – brasilianische Achse in Schalke (SZ) – „die Bochumer finden sich in einer Situation wieder, die sie gut kennen, aber nicht erwartet haben: der Verein kämpft gegen den Abstieg, der Trainer gegen das Image, kein Garant für dauerhaften Erfolg zu sein“ (FAZ) – Volker Finkes „Ideologie“ (SZ) wird durch den Abstiegskampf geprüft

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Trainer neuen Typs

Generation Konzept und System – Christof Kneer (BLZ 27.11.) beschreibt das neue Trainerprofil: “Man kann Uwe Rapolder im Moment nur schwer entgehen. Der Fußball sucht sich gern neue Moden, und gerade ist der Trainer des Aufsteigers Arminia Bielefeld dran. Er ist jetzt der dritte Trainerheld der Saison, nach Jürgen Klopp und Ralf Rangnick. Aber wenn man sich diese drei Typen bei Lichte besieht, wird aus der Mode ein Trend: Es kommt gerade eine neue Trainergeneration über die Liga, und vielleicht hat man das nie so gut begriffen wie am Ende jener Woche, in der mit Eduard Geyer der letzte aus der Ära der Brachialpoeten entsorgt worden ist. Seit es diese Trainer gibt, kommt man sich viel besser vor als Fußballfan. Fußball klingt jetzt nicht mehr nach Proletariat, Fußball klingt jetzt nach Wissenschaft. Rapolder kann herrlich über horizontale und vertikale Linien referieren, und Rangnick sagt so oft „Konzept“ und „System“, dass man mitunter vergisst, dass dazwischen noch ein Ball herumspringt. Man hat die Trainer neuen Typs lange skeptisch beäugt im Land der Tugenden, man hat Rangnick einen Professor genannt und Rapolder einen Wanderprediger. Man hat sie für Trainerprüfungsbestnotenabsolventen gehalten, für Streber, die niemals Bundesligaspieler waren. Aber inzwischen hat man gelernt, dass ihr Fußball viel spaßiger aussieht als er klingt. Sie lassen Fußball in starren Systemen spielen, aber der Fußball erstarrt nicht dabei.“

Wolfsburg produziert Fußballfans

Wolfsburg schafft Tradition und Nachhaltigkeit – Steffen Hudemann (Tsp 27.11.) berichtet: „Der Klub steht erst am Anfang. Trotz des Erfolges war die Arena in dieser Saison noch nie ausverkauft. „Vor zehn Jahren waren die Jungs in Wolfsburg Bayern- oder Dortmund-Fans“, sagt der Fanbeauftragte Holger Ballwanz. „Die Identifikation mit dem Klub ist noch in der Wachstumsphase.“ Und die versucht der Klub zu lenken. Fan wird man als Kind oder Jugendlicher, deshalb wirbt der VfL in Grundschulen und Kindergärten. Im Stadion gibt es einen Familienblock mit Spielplatz. Während die Eltern das Spiel verfolgen, spielen die Kleinen unter der Aufsicht zweier Erzieherinnen. Meist dauert es nicht lange, bis die Kinder selbst im Block sitzen wollen. Wenn sie älter sind, wechseln die Kinder in den Wölfi-Block, einen Bereich in der Stehplatzkurve, in den nur hinein darf, wer kleiner als 1,50 Meter ist. So versperrt den Kindern niemand den Blick. Wolfsburg produziert Fußballfans. Kinder bringen Eltern mit, und Kinder werden irgendwann selbst zu Eltern, so lautet das Kalkül. Dennoch wird sich der Verein nie ganz von Volkswagen emanzipieren. Die Stadt hat 120 000 Einwohner und 50 000 Arbeitsplätze im Werk, die Zulieferfirmen nicht eingerechnet. Wolfsburg ist eine Stadt, die in drei Schichten lebt. Sollte sich der VfL für die Champions League qualifizieren, wird es Schwierigkeiten geben, weil die Spätschicht nicht ins Stadion kann. Doch die Verantwortlichen registrieren, dass der Klub Anhänger über die Stadtgrenzen hinaus gewinnt. Es gibt Fanklubgründungen in ganz Deutschland.“

Brasiliansche Achse

Christoph Biermann (SZ 27.11.) beleuchtet die Rekrutierungspraxis von Schalke 04: „Drei Brasilianer bilden die zentrale Achse des neuen Schalke und sind wesentlich daran beteiligt, dass der Klub ganz weit oben steht. Bordon bildet den Sockel der Abwehr, Lincoln ist Schwungrad im Mittelfeld und Ailton der – noch nicht ganz auf Hochtouren laufende – Torproduzent in der vordersten Reihe. „Wir werden auf dem südamerikanischen Markt nicht mehr sichten“, sagt Assauer trotzdem. Brasilianer müssen seiner Ansicht nach ihre Eingewöhnungszeit in Europa bereits hinter sich haben, wie es bei den drei Zugängen aus Stuttgart, Kaiserslautern und Bremen der Fall ist. Dabei hätte Schalke durchaus ein Vorreiter bei der Eingliederung von brasilianischen Profis sein können. Bereits im Frühjahr 1975 wollte der Vereinspräsident Günter Siebert den Nationalspieler Francisco Marinho verpflichten. Der blonde Stürmer von Botafogo Rio de Janeiro wurde in Gelsenkirchen sogar Zeuge, wie über seine Verpflichtung demokratisch entschieden werden sollte. Beim Spiel gegen den FC Bayern ließ Siebert 70 000 Stimmzettel an die Fans verteilen, auf denen sie ihre Zustimmung kundtun sollten sowie ihre eventuelle Bereitschaft, bei den folgenden Heimspielen einen Zuschlag zur Finanzierung des Transfers zu bezahlen. Wie entschieden wurde, konnte nie ermittelt werden, weil die Stimmzettel auf dem Müll landeten. Die Vorstandskollegen stoppten Siebert, und vielleicht stand Brasilien bei Schalke auch deshalb lange für Unseriöses.“

Geisterbahn des Fußballs

Richard Leipold (FAZ 27.11.) schildert den Abschwung Bochums: “Am Horizont erscheinen wieder böse Geister – jene Hausgenossen, die der VfL Bochum und Peter Neururer schon vertrieben zu haben glaubten. Gerade erst hat der Revierklub die erfolgreichste Saison seiner Vereinsgeschichte hinter sich, da gerät das scheinbar solide Aufbauwerk wieder ins Wanken, womöglich sogar aus den Fugen. Die Bochumer finden sich in einer Situation wieder, die sie gut kennen, aber nicht erwartet haben: Der Verein kämpft gegen den Abstieg, der Trainer gegen das Image, kein Garant für dauerhaften Erfolg zu sein. (…) Aus dem schmucken Wolkenkuckucksheim an der Castroper Straße ist wieder eine Geisterbahn des Fußballs geworden, in deren Dunkel es den Profis schwerfällt, den Ausgang zu finden. Nicht einmal Neururer, der notorische Optimist, vermag dem Trauma entgegenzuwirken.“

Manchmal steigt ein Ausbildungsverein eben ab

Volker Finke bestimmt nach wie vor Leitbild und Sprache in Freiburg – Andreas Burkert (SZ 27.11.): “Wenn der Abstiegskampf begonnen hat, wird in Freiburg sogar über ihn diskutiert. Finke ahnt das, seitdem er sich letztens in seinem Strandkorb, in dem er die Heimspiele verfolgt, hat umdrehen müssen, wie er betont. Denn da habe eine Frau von der Tribüne gebrüllt, der Verein solle „endlich Schulden machen und vernünftige Spieler holen!“ Finke erzählt das beim Pressegespräch mit den örtlichen Journalisten, das eher einer munteren Podiumsdiskussion gleicht. Weil sich Finke gerne wortreich verteidigt. Die Worte der Frau auf der Tribüne gibt er nicht nur wieder; er schreit sie durch den Raum, sein sonnengebräuntes Gesicht läuft dabei ulihoeneßrot an, und er wirft dazu erregt die Arme hoch. So ist der Finke, sagen die Freiburger. Steckt voller Energie. Auch jetzt, wenn über die Freiburger Fußballideologie diskutiert wird. Über Finkes Ideologie. (…) So viel ist mit ihm verbunden, dort, wo er Schöpfer von allem ist. Im übertragenen Sinn besitzt er hier fast alles. Wie in der Werbung: mein Personal, meine Philosophie, mein Verein. Er hat beim SC nie in teure Beine investieren lassen. Sondern in das Internat samt Fußballschule im Möslestadion, mehr als zehn Millionen Euro. Ein Förderverein und die neue Achim-Stocker-Stiftung sollen den Status des SC als Ausbildungsverein sichern, „eine andere Nische können wir nicht besetzen“, sagt Finke. Und manchmal steigt ein Ausbildungsverein eben ab.“

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