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Bundesliga

Sympathieverlierer und Gernegroß

Oliver Fritsch | Montag, 4. April 2005 Kommentare deaktiviert für Sympathieverlierer und Gernegroß

Gerd Schneider (FAZ 4.4.) kommentiert den 27. Spieltag – mit Blick auf Stuttgart und Wolfsburg: „Matthias Sammer hat den einst „jungen Wilden“ mit preußischer Gründlichkeit die Flausen und den Spieltrieb ausgetrieben. Jetzt verhindert der VfB erfolgreich mit System. Aber mit Schönheit und Faszination hat der neue Stuttgarter Stil nichts mehr zu tun. Sammer gewinnt Punkte und verspielt die Sympathien, die der VfB unter Magath erwarb. (…) Die Kunst ist, das Kapital im Fußballgeschäft so einzusetzen, daß die Gleichung Geld gleich Erfolg auch aufgeht – siehe Wolfsburg. Beim VW-Konzern widersetzen sie sich offenbar der Einsicht, daß bloße Investitionen gerade im Fußball nicht automatisch zu den gewünschten Ergebnissen führen. Da gehört schon bißchen mehr dazu, als forsch die Zielvorgabe Champions League in die Welt zu setzen und einen Manager zu verpflichten, dessen einzige Qualifikation es ist, mal bei den Bayern gespielt zu haben. Dabei läßt sich gerade am Exempel Bayern München studieren, daß dauerhafter Erfolg viel mit Kontinuität in den Führungspositionen zu tun hat. Solange sich in Wolfsburg diese Überzeugung nicht durchsetzt, wird der VfL der bleiben, zu dem er in den letzten Jahren geworden ist: ein Gernegroß.“

Frank Heike (FAZ 4.4.) hat den VfB Stuttgart anders in Erinnerung: „Es ist ein unansehnlicher Fußball, den die Schwaben seit Wochen erfolgreich vorführen. Mit nur einer Spitze und doppelter Absicherung vor der Viererkette hat der VfB 16 Punkte aus den vergangenen sechs Spielen geholt. Schön ist, was erfolgreich ist (…) Wenn es stimmt, daß man vorne Spiele, hinten die Titel gewinnt, gibt es seit Samstag einen dritten aussichtsreichen Kandidaten um die deutsche Meisterschaft.“

Aus einem kicker-Interview mit Fabian Ernst
kicker: Es fällt auf, dass die Spitzenspiele sich in dieser Serie auf schwachem Niveau eingependelt haben. Woran liegt das? Ernst: An den Bayern. kicker: Wie bitte? Ernst: Das können Sie ruhig schreiben. Mit Bayern ist ein hochklassiges Spiel unmöglich. Sie haben spielerisch noch nicht überzeugt.

So viel Aufregung wie ein Abend in der Sauna

Andreas Burkert (SZ 4.4.) erlebt einen Münchner Spaziergang: „Die Partie bescherte Uli Hoeneß so viel Aufregung wie ein Abend in der Sauna. Das 3:0 bei den Gastgebern, von denen es heißt, sie hätten noch im November die Tabelle angeführt, verlangte den Münchnern so wenig Energie und Kreativität ab wie selten zuvor.“

Wie können die das wagen?

Peter Penders (FAZ 4.4.) schreibt Bayer Leverkusen ins Stammbuch: „Die große Kunst der erfolgreichen Vereine liegt nicht darin, gegen gleich starke Gegner zu gewinnen, sondern gegen die Kleinen nicht zu verlieren. Das ist um so schwerer, desto überlegener man sich fühlt. Den so selbstgefälligen wie leidenschaftslosen Auftritt seiner Mannschaft brachte Augenthaler anhand der Gelben Karte, die sich sein Mittelfeldstratege Robson Ponte kurz vor Spielende einhandelte, auf den Punkt. Nach einem geahndeten, aber belanglosen Foul des Bielefelders Rüdiger Kauf lamentierte der Brasilianer so lange, bis es Schiedsrichter Peter Sippel reichte. „Wir, die großen Leverkusener, werden attackiert von den kleinen Bielefeldern“, sagte Augenthaler und versuchte, sich in die verschrobene Gedankenwelt seines Personals zu versetzen: „Wie können die das wagen?“ Bayer beschäftigt viele Spieler, die eine Menge toller Dinge mit dem Ball anstellen können. So einen wie Kauf aber wird Augenthaler vermutlich nicht finden, wenn er die eigenen Reihen absucht. Kauf ist so lästig wie eine hartnäckige Magen-Darm-Grippe – immer wenn man glaubt, das Schlimmste sei überstanden, geht es wieder von vorne los. Den Pontes dieser Welt aber nimmt man so die Lust am Spiel, denn wirklich ausgespielt ist ein solcher Gegner nie. Kaum ist man an ihm vorbei, steht er schon wieder vor einem.“

Besinnung auf alte Werte

Hansa Rostock ist wieder im Geschäft – Ronny Blaschke (SZ 4.4.): „Der FC Hansa spielte endlich effektiv, machte sich unabhängig von Pech und vom Schiedsrichter, den angeblich häufigsten Ärgernissen dieser Saison. Die Mannschaft versuchte sich nicht an Dingen, die sie nicht beherrscht. Wenn es eines Beweises bedarf, dass die Bundesliga ein Tagesgeschäft mit widersinnigen Trends ist, dann hat ihn Rostock erbracht. Zehn Punkte hat der FC Hansa aus den vergangenen fünf Spielen erkämpft, im Ostseestadion ist er nun seit mehr als vier Monaten unbesiegt. Ob die Besinnung auf alte Werte zu spät kommt? Die Antwort wird das Auswärtsspiel in Nürnberg geben.“

Trainerstimmen zum Spieltag, sueddeutsche.de

Europas Fußball vom Wochenende, NZZ

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