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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Deutsche Elf

Gier

Oliver Fritsch | Freitag, 11. November 2005 Kommentare deaktiviert für Gier

Radikalkritik, Systemkritik – Martin Böttger (Freitag) empfiehlt Jürgen Klinsmann als Vorbild für Politiker: „Der 12. November wird für Klinsmann gewissermaßen das, was für Gerhard Schröder die NRW-Landtagswahl war. Das Ergebnis wird für ein knappes halbes Jahr die sportliche Stimmung im Vorfeld der Fußball-WM im nächsten Jahr bestimmen. Führen die Franzosen die Deutschen vor, werden Bild, BamS und Glotze, werden Bundesliga und Beckenbauer kräftig an Klinsmanns Stuhl sägen. Im Unterschied zu Schröder aber wird Klinsmann nicht den Löffel abgeben. In vielerlei Hinsicht macht Klinsmann den Politikern vor, wie man in diesem Land Reformen angehen muss. Nach der blamabel gestalteten EM 2004 erklärte er nicht etwa wie üblich in der Boulevardpresse, sondern in der SZ, wie er sich die Sache vorstellt: ‚Man muss den ganzen Laden auseinander nehmen.’ Gemeint war damit das korporatistische System von gemeinschaftlichem Alkoholmissbrauch, zu dem gehören: der DFB, die Manager und Trainer der Bundesliga und das, was einstmals Sportjournalisten waren, heute aber mehrheitlich Hofschranzen sind. Dieses von Milliarden-Einnahmen genährte Konglomerat aus Vereinen und Medien ist im Kleinen mit der gesellschaftlichen Klasse im Großen vergleichbar, die in unserem Land Politik und Ökonomie bestimmt. Beiden gemeinsam ist die allgemeine Miesepeterei und Larmoyanz über angeblich ‚nicht wettbewerbsfähige Zustände’ hierzulande, genauso wie der Neid auf ‚das Ausland’, in dem angeblich alles besser sei. Leider wandern die Herrschaften dennoch nicht aus. Denn sie meinen das nicht wirklich; es ist einfach ihre Art, die eigene Gier zu verschleiern.“

Bild der Stärke

Christof Kneer (SZ) wundert und freut sich über den Wandel des Mauerblümchen Miroslav Klose: „Klose ist ein frecher Bursche. Vor nicht allzu langer Zeit hätte man so einen Satz für ähnlich wahr gehalten wie die Behauptung, dass Mario Basler ein stilles Wasser ist. Aber es stimmt: Miroslav Klose, einst als stillstes aller Wasser bekannt, ist längst mit so viel Kohlensäure versetzt, dass man sich manchmal fast verschluckt. Wer Kloses Karriere verfolgt hat, konnte nicht wirklich damit rechnen, dass einmal ein offensiver Rhetoriker aus ihm werden würde. Das einzig scharf Konturierte an diesem Sportler waren seine Kopfbälle, und der Typ dahinter galt als freundlicher Schüchterling, der alle Bodenbeläge aller Presseräume aller Stadien kennt, weil er bei jeder Journalistenfrage verschämt parterre blickte. Es hat Phasen gegeben, da hat er einen ganzen Stammtisch zur Weißglut bringen können, wenn er mit hängenden Schultern hinnahm, wie Oliver Kahn mittels Torwarthandschuh seinen Naseninhalt ergründete. Aber das ist jetzt vorbei. Aus dem ehemals demütigen Miroslav Klose ist ein Mann geworden, der weiß, was er kann.“ Michael Ashelm (FAZ) fügt hinzu: „Wer ihn in diesen Tagen spielen sieht und sich anhört, was er sagt, erhält ein Bild der Stärke. Während die Form seiner Mitstreiter Kevin Kuranyi oder Lukas Podolski derzeit unkalkulierbar scheint, weist der Weg von Klose stetig nach oben. Er schießt nicht nur Tore, sondern kämpft genauso im Mittelfeld um den Ball und bringt seine Nebenleute in aussichtsreiche Position.“

Abwärtsspirale

Kevin Kuranyi, Typ der deutschen Elf – Christof Kneer (SZ) beschreibt seine Formkurve: „Kuranyi ist wirklich schwer auszurechnen zurzeit, und vielleicht ist es das, was ihn zum repräsentativen Spieler dieser Nationalelf macht. An ihm lassen sich wie an keinem anderen die Aufs und Abs dieser eigenartigen Auswahl nachvollziehen. (…) An Kuranyi lässt sich schlüssig jene Abwärtsspirale nachweisen, die seit dem Konföderationen-Pokal die ganze Elf erfasst hat. Wie viele seiner Kollegen hat er zwei Sommer durchgespielt, erst die EM 2004, dann den Confed-Cup, und irgendwo auf dieser Strecke hat ihn seine Frische verlassen.“

FR: Nationalelf plant einen mutigen Auftritt

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