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Bundesliga

Magaths Ziel in Schalke: Unsterblichkeit

Oliver Fritsch | Donnerstag, 7. Mai 2009 2 Kommentare

Unterschiedliche Deutungen und Wertungen über Felix Magaths Wechsel von Wolfsburg nach Schalke

Markus Lotter (Berliner Zeitung) führt Felix Magaths Wechsel nach Schalke auf dessen realistische Selbsteinschätzung zurück: „Magath ist mit seiner Methodik und seiner umstrittenen Personalführung ein Trainer mit Grenzen. Und eben nicht ein Trainer mit einer tiefgreifenden Philosophie, die sich auf Mannschaft und Verein überträgt, die Nachhaltigkeit schafft, wo das Tagesgeschäft Fußball mit seiner Willkür tobt. Magath war und ist immer noch der Feuerwehrmann, der mit anständiger Basisarbeit schnell zu Erfolg kommt. Auch beim FC Bayern wirkte er gewaltig. Dort allerdings verpasste er den rechten Zeitpunkt, wurde nach zwei erfolgreichen Jahren von den Kluboberen der Bayern in ihrer ureigenen nüchternen Art geschasst. Das soll ihm nie mehr passieren.“

Stefan Hermanns (Tagesspiegel) verweist auf die besonderen Schalker Reize: „Warum tut Magath sich das an? Weil er genau das will. Weil er die Tradition liebt mit allen Gefahren und Nebenwirkungen. Weil er eine öffentliche Resonanz auf seine Arbeit braucht, selbst wenn es eine negative ist. Felix Magath, dieser angeblich so kühle Taktiker, ist immer noch vor allem eins: ein großer Fußballromantiker. Und wo könnte er mehr Romantik bekommen als bei Schalke 04?“

Philipp Selldorf (SZ) stimmt ein: „Beim VfL kann Magath zwar etwas Einzigartiges vollbringen, aber in Schalke kann er, wenn sich die geheimen Wünsche der Beteiligten erfüllen, unsterblich werden.“

Klima königsblauer Dauererregung

Markus Völker
(taz) formuliert große Zweifel am Sinn des Ganzen: „Alles war bereitet für ein nachhaltiges Arbeiten. Umfassende Kompetenzen hatte er als Trainer und Manager in Personalunion. Mit VW-Millionen durfte er einen Kader zusammenbauen, der sich prächtig in der Liga bewährte. Sogar Meister können die Wolfsburger ja noch werden. Wolfsburg, dieses industrielle Konstrukt, das Eisenhüttenstadt der BRD, lag Magath zu Füßen. Nach dem Gewinn der Meisterschale hätten sie ihm auf ein Schild gehoben, der VW-Konzern hätte womöglich eine Sonderedition ‚Felix’ seines geländegängigen Flaggschiffs herausgebracht. Magath wäre zum berühmtesten Wolfsburger aufgestiegen. Schalke mag mehr Geschichte und Glamour haben, auch ist der Export von Magaths Machtfülle nach Gelsenkirchen nicht zu verachten, aber kann das Modell Magath in einem Klima königsblauer Dauererregung überleben?“

Die SZ zitiert Schalke-Chef Clemens Tönnies, der sich vor sechs Wochen auf Magaths Bauernhof in Wörlitz an der Elbe übernachtet habe: „So etwas habe ich lange nicht mehr erlebt. Haben Sie schon mal beim Zähneputzen gefroren?“ Die SZ schreibt: „Über Felix Magaths unerbittliche Härte gibt es viele Legenden, aber das hat man bisher nicht gewusst, dass er nicht mal das Badezimmer für seine Gäste beheizt.“

Tönnies sagt, er habe Magath über die emotionale Schiene gewonnen. Wie könnte dieser Dialog ausgefallen sein?

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Kommentare

2 Kommentare zu “Magaths Ziel in Schalke: Unsterblichkeit”

  1. Tobi
    Donnerstag, 7. Mai 2009 um 13:57

    Ich denke, dass an allen Vermutungen was dran ist – was soll in Wolfsburg noch gross kommen? Ob es diese Saison mit der Meisterschaft klappt oder nicht, so eine Saison wird es nicht nochmal geben. Die grossen Klubs klopfen bei den besten Spielern an, die anderen Mannschaften spielen naechste Saison ganz anders gegen Wolfsburg und die 5-6 anderen Titelkandidaten werden hoffentlich nicht mehr soviel Mist bauen wie diese Saison (und an eine besonders gutes Abschneiden in der Champions League kann ich irgendwie auch nicht glauben).

    Mal abgesehen davon weiss Felix Magath wohl auch, dass nach einem Sieg gegen Arminia Bielefeld auf Schalke mehr gefeiert wird als nach dem Gewinn der Champions League in Wolfsburg. Er konnte sich entscheiden, ob er als jemand in die Geschichte eingeht, der clever mit der Kohle von VW umgehen kann, oder ob er ein grosses Risiko eingeht mit der Chance auf alle Ewigkeiten als Volksheld auf Haenden durch das Ruhrgebiet (vielleicht nicht gerade durch Dortmund) getragen zu werden. Ich wuesste, was ich an seiner Stelle machen wuerde – egal wieviel Geld es wo gibt. (Und das, obwohl ich Schalke eigentlich nicht mal mag…)

  2. Ingrid
    Freitag, 8. Mai 2009 um 23:10

    Beitrag von mir gelöscht, da bei falschem Thema geschrieben

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