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Bundesliga

Ballacks vermeintlicher Rückschritt, Heldts neue Rolle als Wasserträger

Matthias Nedoklan | Freitag, 25. Juni 2010 2 Kommentare

Die Bundesliga sorgt mit zwei spaktakulären Wechseln für Aufsehen. Während sich die Presse über Ballacks Rückkehr freut, sorgt der Neu-Schalker Horst Heldt für Diskussionsstoff

Jürgen Schmieder (SZ) lobt die Rückkehr von Michael Ballack nach  Leverkusen. „Er tut dies offensichtlich nicht nur aus sportlichen Gründen. Mit Rudi Völler verbindet Michael Ballack eine tiefe Freundschaft. Auch Ballacks Ehefrau Simone dürfte bei der Entscheidung eine nicht unwichtige Rolle gespielt haben. Sie soll eine Rückkehr nach Deutschland einem Engagement in Spanien vorgezogen haben – auch wegen der drei Söhne. Dass Bayer Leverkusen von der Verpflichtung Michael Ballacks profitieren wird, steht außer Frage. Gerade die vergangene Saison zeigte, dass der jugendhaften Elf ein Spieler mit der Erfahrung des 33-Jährigen helfen kann.“ Der Rückschritt vom englischen Spitzenclub zum deutschen Europa-League-Teilnehmer sei eine Investition in die Zukunft. „Er wäre nicht der erste Fußballer, dem ein vermeintlicher Rückschritt zum Ende ein würdiges Ende der Karriere bereitet. Rudi Völler hat es ihm vorgemacht.“

Leverkusen: Ende der fehlenden Führungsstärke?

Auch Richard Leipold (FAZ.net) freut sich über die Rückkehr des beliebtesten deutschen Spielers in die Bundesliga. „Für Ballack bietet sich mit dem Wechsel nach Leverkusen die Chance, sich auch gegen Ende seiner Karriere bei einem vielbeachteten Bundesligaklub wieder für die Nationalelf zu empfehlen, falls er das anstrebt.“ Von dem Transfer verspricht sich nicht nur Coach Jupp Heynckes viel: „Leverkusen hatte in der vergangenen Saison mit Leverkusen lange an der Spitze gestanden, in der Rückrunde aber die Meisterschaft und die Qualifikation für die Champions League verpasst, weil es offenbar an Substanz und vor allem an Führungsstärke innerhalb der Mannschaft fehlte. Diese Lücke soll der Rückkehrer nun füllen.“

Karlheinz Wagner (FR) empfindet den Ballack-Wechsel vor allem als Aufwertung der Marke Bayer Leverkusen. „Was wirkt wie ein Rückfall in die Geldkoffer-Zeiten des Werksklubs ist ironischerweise genau das. ‚Die Ballack-Verpflichtung können wir aus Haushaltsmitteln nicht stemmen‘, gibt Holzhäuser zu, der Bayer-Konzern habe das Interesse an Ballack aber von Beginn an geteilt und getragen. Und so muss der Klub die Millionen nicht aus dem laufenden Etat bereit stellen, sondern die Bayer AG investiert in den Image-Faktor Ballack. ‚Es gibt in Deutschland drei Spieler mit einem rundum positiven Image‘, sagt Holzhäuser und zählt auf: ‚Beckenbauer, Völler und Ballack. Beckenbauer bekommen wir nicht‘. Völler haben sie schon.“

Stift bleibt Stift

Thomas Haid (StuttgarterZeitung) verabschiedet VfB-Manager Horst Heldt  mit markigen Worten nach Gelsenkirchen. „Der Lehrling macht eine Ausbildung. Wenn diese vorbei ist, rückt er auf und wird als vollwertige Arbeitskraft übernommen. Aber er wird das Gefühl nicht los: Stift bleibt Stift. Er fühlt sich nicht anerkannt und kündigt, um die Stelle wechseln zu können. In diesem Fall ist Horst Heldt der Stift und der VfB die Firma.“ Der Zweifel an Heldt bleibt, trotz Meisterschaft 2007: „Schalke hat kein Geld und zahlt trotzdem hohe Gehälter. Deshalb gibt es einen riesigen Schuldenberg. Zudem wäre Heldt nur der Wasserträger von Magath. In Stuttgart ist er der Sportchef. Wenigstens hätte er auch auf Schalke einen Sitz im Vorstand. In dieser Funktion muss er eigentlich eine Bilanz lesen können. Ob er sich die auf Schalke vor seiner Entscheidung angeschaut hat, ist angesichts der deprimierenden roten Zahlen ungewiss. Oder ist ihm das gar nicht aufgefallen? So oder so ist der bevorstehende Abgang keine Heldentat.“

Nachfolger Fredi Bobic?

Auch Klaus Schlütter (Welt) sieht im Wechsel des Stuttgarters finanzielles Interesse. „Mit Christian Gentner kommt nur ein gestandener Neuer, sonst sollen junge und „billige“ Spieler die entstandenen Lücken füllen. Da kam für Heldt das neuerliche Angebot gerade recht. Zumal er auf Schalke doppelt so viel verdienen kann wie beim VfB, rund drei Millionen Euro.“ Für die Nachfolge gibt es zwei Kandidaten mit Stallgeruch: „Ex-Stürmer Fredi Bobic (38), der mit Krassimir Balakov und Giovane Elber einst das berühmte „Magische Dreieck“ bildete, und Andreas Müller (48). Der ehemalige Schalker Manager, der am 9. März beurlaubt wurde, ging aus der VfB-Jugend hervor und bestritt 111 Bundesliga-Spiele, bevor er über Hannover 1988 zu den Königsblauen wechselte.“

Kommentare

2 Kommentare zu “Ballacks vermeintlicher Rückschritt, Heldts neue Rolle als Wasserträger”

  1. Manuela
    Freitag, 25. Juni 2010 um 22:12

    Jetzt noch Andy Müller nach Stuttgart und alles wäre perfekt.

    Das Gejammere der Stuttgarter Hofberichterstatter ist jedenfalls unerträglich. Bis gestern war Heldt der beste Manager der Welt und jetzt auf einmal der Bad Boy.

    Offenkundig weint man ihm doch einige Tränen nach in Stuttgart. Zu spät, die Wertschätzung hätte man ihm früher entgegenbringen sollen.

    Und jetzt wäre ein bisschen mehr Selbstkritik in Stuttgart angebracht, sonst findet man kaum einen halbwegs gleichwertigen Ersatz für Heldt.

  2. FanM
    Montag, 28. Juni 2010 um 13:53

    Man muss nur einmal rekapitulieren gegen welche (Wind-)Mühlen Horst Heldt beim VfB immer und immer wieder ankämpfen musste: zuletzt bei der verzögerten (fast verhinderten!) Vertragsverlängerung von Cacau. Sogar den Meistertrainer Armin Veh konnte Heldt nur gegen Widerstände durchsetzen; Veh wurde vom Aufsichtsrat Hundt sogar lapidar als „Übergangslösung“ bezeichnet. Bei Babbel z.B. hatte man das Gefühl, dass Heldt schon viel früher die Reißleine ziehen wollte, aber daran von den VfB-Alpha-Tieren Hundt und Staudt gehindert wurde.
    Die Herren Dieter Hundt (VfB-Aufsichtsrat und Arbeitgeberpräsident) und Erwin Staudt (VfB-Präsident) wollen immer nur für die Erfolge (z.B. auch für die tolle Transferbilanz des VfB in den letzten Jahren, für die in erster Linie Heldt verantwortlich war!) zuständig sein und schickten ansonsten Heldt nach vorne, wenn´s mal nicht so lief.
    Wenn Hundt und Staudt sich nicht endlich einmal selbst zurücknehmen und alle auch im Umfeld des VfB (dazu gehören auch die ausgemachten VfB-Hofberichterstatter, Fans usw.) immer nur die Schuld bei anderen suchen, dann muss man kein Prophet sein um vorauszusagen, dass der VfB keinen Nachfolger mit dem Format eines Horst Heldt finden wird. Kein wirklich guter und gefragter Manager wird es sich – wie Heldt auch – antun unter solchen Umständen und Bedingungen unter Staudt und Hundt zu arbeiten.

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