indirekter freistoss

Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Deutsche Elf

Der Bewahrer des modernen Fußballs

Jan-Kristian Jessen | Mittwoch, 21. Juli 2010 29 Kommentare

Die Presse jubelt, die Zeit der Spekulationen ist vorbei: Joachim Löw hat seinen Vertrag bis 2012 verlängert, mit ihm bleiben auch Flick, Bierhoff und Köpke; Verlierer sind Sammer, Zwanziger und Ballack – oder nicht?

Löws Entscheidung, Bundestrainer zu bleiben, sei folgerichtig, schreibt Matthias Bossaller (Zeit Online). Er habe – im Gegensatz zum allgemeinen Trend – keinen guten Grund gehabt, aufzuhören: „Im Dutzend geben Politiker ihre Ämter ab, selbst DFB-Präsident Theo Zwanziger möchte sich zukünftig mehr um seine Verwandten kümmern. Bundestrainer Löw glücklicherweise nicht. Vielleicht wäre das etwas anderes gewesen, wenn er mit der Nationalelf den Weltmeistertitel gewonnen hätte. So aber, da Löw seine junge Mannschaft zwar schön geformt, aber längst noch nicht zur Perfektion gebracht hat, hätte ein Rücktritt seine eigene aufwändige Aufbauarbeit, die er seit 2004 betreibt, unglaubwürdig gemacht.“

Glaubt man Markus Völker von der taz, ist eingetreten, was zu erwarten war, nachdem Engländer, Argentinier und Australier den Deutschen mit offenem Mund beim Fußballspielen zuschauten und aus dem Staunen gar nicht mehr herauskamen: „Der 50-Jährige wollte nachdenken, seinen Infekt auskurieren und den Akku, der leer gewesen sei, wie er gestern auf einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main anlässlich der Vertragsverlängerung bekannte, aufladen. Glaubt man Löws Worten, der von ‚Impulsen’, ‚Akzenten’ und ‚Potenzialen’ sprach, dann hat er wieder so viel Energie wie ein Duracell-Hase im Trommelwahn.“

Wolfgang Hettfleisch (FR) ist froh, dass die Zeit der Deuter, die jede Geste der vermeintlichen Kontrahenten Löw und Zwanziger auf die Goldwaage gelegt hätten, nun vorbei ist: „Nun ist die logische, die einzig richtige Entscheidung getroffen worden. Auch, aber nicht nur, weil den fußballbegeisterten Massen der Rücktritt eines Trainers kaum zu vermitteln gewesen wäre, der ein junges Team formte, das die Welt in Staunen und Millionen Fans in Begeisterung versetzte. Der DFB-Präsident und der Bundestrainer müssen sich nicht lieben. Sie müssen einander respektieren und im Dienst der gemeinsamen Sache an einem Strang ziehen. Weder die eine noch die andere Seite erweckte am Dienstag in Frankfurt den Eindruck, damit ein Problem zu haben.“

Ein Blick zurück

Jörg Hahn von der FAZ erinnert an die düsteren Tage zu Jahresbeginn: „Was vor gut einem halben Jahr noch von größenwahnsinniger Boni-Banker-Mentalität bei Löw und Co. die Rede, als Details aus den schließlich gescheiterten und auf die Zeit nach der WM in Südafrika vertagten Vertragsverhandlungen – durch Indiskretionen – bekannt geworden, so konnte nun glaubhaft der Eindruck einer Einigung im Geist von Freundschaft und Fair Play vermittelt werden.“ Am Ende der Pressekonferenz habe niemand auf dem Podium so gewirkt, als wären für den neuen Zwei-Jahres-Vertrag Zugeständnisse oder gar Verrenkungen notwendig gewesen, die demnächst wieder als Ballast oder gar Sprengstoff für die Beziehung wirken könnten. Finanziell, administrativ und vor allem sportlich seien alle Reizthemen (gerade auch die Dissonanzen mit Sportdirektor Matthias Sammer) angesprochen und offenbar gelöst worden.

Hahns Kollege Peter Penders (FAZ) blickt auf Löws Anfänge als Co-Trainer unter Jürgen Klinsmann zurück: „Als er vor sechs Jahren plötzlich als Assistent vorgestellt wurde, war Löw arbeitslos und in Deutschland fast schon vergessen. Den VfB Stuttgart hatte er in der Saison 1996/97 zwar zum Pokalsieg und ein Jahr später in das Europapokal-Finale geführt, auf die Bundesliga aber hatte das keinen großen Eindruck gemacht. (…) Als der Schwarzwälder im Sommer 2004 vom DFB verpflichtet wurde, verdankte er das vor allem den Absagen anderer. Wunschkandidat Holger Osieck konnte sich damals mit Klinsmann nicht einigen, Ralf Rangnick mochte kein Assistent sein. Löw schon.“ Mittlerweile sei die Nationalmannschaft ohne Löw so schwer vorstellbar wie Löw ohne blauen Pullover.

Sammer gestärkt und geschwächt

Doch wo es Gewinner gibt, sind die Verlierer meist nicht weit, weiß Mike Glindmeier von Spiegel Online: „Matthias Sammer ist einer. Der DFB-Sportdirektor, der sonst eher für laute Töne bekannt ist, hatte Löws Mannschaft eine positive Entwicklung attestiert und ganz nebenbei bemerkt, dass  ‚der Sportdirektor für die sportlich-strategische Ausrichtung im Verband zuständig sein muss’. Dieser Wunsch bleibt ihm allerdings auch künftig unerfüllt. Bierhoff gibt zwar die Verantwortung für den administrativen Bereich der U21-Juniorenauswahl an Sammer ab, doch wenn es um sportliche Fragen geht, ist Löw der starke Mann.“

Christof Kneer (SZ) kommentiert, dass Sammer den Machtkampf gewonnen und verloren habe: „Theo Zwanziger hat sich an der Quadratur des Kreises versuchen müssen, und man darf gespannt sein, wie ihm dieses unter geometrischen Gesichtspunkten ambitionierte Projekt gelingt. Er hatte allen Parteien den Zugriff auf die U21 zugesagt, was zu einer lustigen Arbeitsteilung geführt hatte: Bierhoff durfte sich für die administrative Seite zuständig fühlen, Löw für den Sport von der U21 aufwärts, Sammer für den Sport von der U21 abwärts.“ Nachdem Bierhoff nun seine administrativen Aufgaben abgegeben habe, gebe es nur noch zwei Köche am Herd: „Wenn U21-Trainer Rainer Adrion einen neuen Assistenten braucht, weiß er, dass er sich jetzt an Sammer wenden muss. Und Sammer weiß, dass Löw jeden Spieler für sein A-Team haben darf, den er will – ein Kompromiss, der allen Parteien ihr Gesicht lassen soll.“

Zwanziger zwischen allen Fronten

Thomas Kistner (SZ) bewertet, was die Entscheidung Löws für den DFB-Präsidenten bedeute: „Nun verkaufen Zwanziger und seine Kollegen an der DFB-Spitze ein Personalpaket als Traumlösung, das in Wahrheit ihre umfassende Niederlage dokumentiert – entsprechend bitter wirkten sie bei der offiziellen Verkündigung. Dass sie den ungeliebten Bierhoff bei Hofe halten müssen, der angeblich ja die Abspaltung des Nationalteams vom Dachverband betreibt – gut, das war mit dem Vordringen ins Halbfinale unvermeidlich geworden. Dass ihnen aber der eigene, schon gekündigte Angestellte Harald Stenger wieder aufgezwungen wurde, der nun vom Medienchef zum Sprecher des Nationalteams mutieren soll, zeigt, dass Zwanziger in allen strittigen Punkten zurückrudern musste.“ Die Nationalmannschaft sei autonomer geworden. Damit habe die DFB-Spitze einen hohen Preis bezahlt. Und weil auch Stenger an Bord bleibe, wurde der Absicht ein Riegel vorgeschoben, eigene Kommunikationsleute in Löws Festung zu schleusen.

Frank Hellmann (stern.de) hingegen gewinnt der Vertragsverlängerung auch für Zwanziger etwas Gutes ab: „Die nun vollzogene Verlängerung ‚zu moderaten Bedingungen, die für einen gemeinnützigen Verband absolut in Einklang zu bringen sind’ (Zwanziger), wird auch dem Präsidenten helfen. Das lässt sich für Zwanziger gut in seinem Verband verkaufen.“

Bleibt Ballack Kapitän?

Der dritte im Bunde der Verlierer könne Michael Ballack sein, schreibt Glindmeier (Spiegel Online): „Seine Position ist nach der öffentlichen Diskussion um das DFB-Kapitänsamt geschwächt. Auch, weil Löw seinen Ersatzkapitän Philipp Lahm nicht zurückpfiff, als dieser die Binde für sich reklamierte. (…) Ein Bekenntnis zu Ballack ist das nicht. Nicht ausgeschlossen also, dass am Ende doch noch ein Rücktritt beim DFB-Team stattfindet.“

Hellmann (stern.de) argumentiert in die gleiche Richtung: „Löw ließ an diesem sonnigen Dienstag keine sachdienlichen Hinweise aus, dass der Kapitän nicht mehr die dominierende Rolle der Vergangenheit spielen wird. Natürlich wolle er den 33-Jährigen schon beim nächsten Länderspiel – das Freundschaftsspiel am 11. August in Kopenhagen gegen Dänemark – im Kreise der DFB-Auswahl begrüßen, doch erst einmal solle der Neu-Leverkusener seine Verletzung‚’vollständig auskurieren und fit werden’. Dann wolle er mit Ballack sprechen. Dass Philipp Lahm dessen Kapitänsbinde eingefordert habe, findet Löw sogar legitim – die Klarstellung, dass der Neu-Leverkusener der Amtsinhaber bleibe, vermied der Bundestrainer wohl nicht ohne Grund. Im Grunde wäre es Löw nicht unrecht, würde Ballack den ohnehin arg ungeliebten Termin absagen.“

freistoss des tages

Die Presse jubelt, die Zeit der Spekulationen ist vorbei: Joachim Löw hat seinen Vertrag bis 2012 verlängert. Mit ihm bleiben auch Flick, Bierhoff und Köpke. Verlierer sind Sammer, Zwanziger und Ballack – oder nicht?

Kommentare

29 Kommentare zu “Der Bewahrer des modernen Fußballs”

  1. marlis K
    Mittwoch, 21. Juli 2010 um 14:28

    Zu Ballack: Ich finde Ballack wird zu wenig Respekt entgegengebracht vom Volke. Ich versteh nicht, dass ein Fussballspieler, der die letzten 10 Jahre geprägt hat, so schlecht behandelt wird u.dargestellt würde, als könne er keinen fussballspielen, geschweige denn eine mannschaft führen.
    Bei Chelsea war er sehr beliebt u. hat eine ganz gute Saison hinter sich,u.- wurde u.a. f. seine Selbstlosigkeit gelobt(Lampard den Raum freihalten).
    Lahm ist derjenige,der durch seine unpassende aussage (freiwillig gebe ich die Binde nicht zurück) f. Unruhe sorgte.
    In Löws Aussagen wird vllt auch zurviel reininterpretiert, da er erstmal abwarten möchte, wann ballack wieder richtig fit ist.
    das wird zu dem 1. Länderpsiel sicher noch nicht sein. Außerdem haben die beiden zusammen telefoniert u. da ging es sicher nicht nur um Ballacks Gesundheitszustand.

  2. Marlis k.
    Mittwoch, 21. Juli 2010 um 14:32

    Zu Ballack: Ich finde Ballack wird zu wenig Respekt entgegengebracht vom Volke. Ich versteh nicht, dass ein Fussballspieler, der die letzten 10 Jahre geprägt hat, so schlecht behandelt wird u.dargestellt würde, als könne er keinen fussballspielen, geschweige denn eine mannschaft führen.
    Bei Chelsea war er sehr beliebt u. hat eine ganz gute Saison hinter sich,u.- wurde u.a. f. seine Selbstlosigkeit gelobt(Lampard den Raum freihalten).
    Lahm ist derjenige,der durch seine unpassende aussage (freiwillig gebe ich die Binde nicht zurück) f. Unruhe sorgte.
    In Löws Aussagen wird vllt auch zurviel reininterpretiert, da er erstmal abwarten möchte, wann ballack wieder richtig fit ist.
    das wird zu dem 1. Länderpsiel sicher noch nicht sein. Außerdem haben die beiden zusammen telefoniert u. da ging es sicher nicht nur um Ballacks Gesundheitszustand./

  3. Marc
    Mittwoch, 21. Juli 2010 um 14:56

    Ob Ballack zum Verlierer der Verlängerung wird oder nicht, hängt in erster Linie von ihn selbst ab. Wie hat Otto Rehhagel einmal so schön gesagt, die Wahrheit liegt auf dem Platz.

  4. marlis K
    Mittwoch, 21. Juli 2010 um 15:06

    Der Beweis liegt auf dem Platz.. naja, das konnte man bei Klose u. poldi vor der WM auch nicht gerade behaupten.
    Aber ich denke da Ballack sich abrackert ohne ende, wird er sicher wieder fit u. gestärkt zurückkommen u. es allen beweisen.

  5. reteef
    Mittwoch, 21. Juli 2010 um 16:45

    „Freiwillig gebe ich die Binde nicht zurück.“ Hat Lahm das so gesagt? Ich habe eher was im Ohr wie: Ich würde die Binde gerne behalten. Das erste wäre wirklich eher so was wie eine Kampfansage an Ballack, das zweite vielleicht eher auf sich selbst bezogen…

  6. marlis K
    Mittwoch, 21. Juli 2010 um 17:03

    Im zweiten Interview hat er das gesagt.
    Er meinte zwar auch: Wenn der Trainer Michael Ballack die Binde wieder zurückgibt, ist es auch ok. Aber freiwillig gebe ich sie dem Trainer sicher nicht zurück.
    Und das,obwohl es vom Mannschaftsrat so beschlossen ist, dass Lahm WM-Kapitän ist u. Ballack DFB-kapitän.
    Das hat Bierhoff auf einer PK gesagt.

  7. Lena
    Mittwoch, 21. Juli 2010 um 22:42

    Ballack ist zu alt im Hinblick auf die EM. Der Fussball auf seiner Position ist ungemein anstrengend, 13 km und mehr, ständige Zweikämpfe, Schnelligkeit, schnelle Regeneration, ne, das wird nichts mehr. Wir haben eine junge Mannschaft, die in der Vergangenheit nicht unbedingt glücklich war mit Heroen Frings und Ballack. Ich denke, Ballack sollte sich auf Bayer Leverkusen konzentrieren, er kann sicherlich noch helfen in der Nationalmannschaft, aber der Leitwolf ist passe. Ich sehe auch gerade beim besten Willen keinen Platz für ihn. Weder Schweinsteiger noch Khedira noch Kroos sind schlechter als er.

    (Satire Mod)
    In Chelsea haben sie ihm keinen 2 Jahresvertrag angeboten. Warum wohl? Hat er doch dem hervorragenden Mittelfeld-Ass der Engländer den Rücken so schön frei gehalten. Echt erstaunlich, dass die das nicht würdigen. Da wäre ich doch auch der Meinung, dass dem Sherpa vom Lampard unbedingt das Kapitänsamt der deutschen Nationalmannschaft gehört, weil der Lampard spielt ja auch in der englischen Nationalmannschaft und ist bei Nike unter Vertrag. Ein Galaktischer also.
    (/Satire Mod)

  8. marlis K
    Donnerstag, 22. Juli 2010 um 09:39

    Die Khediras u. Özils sind schneller weg vom Fenster als man denkt, wenn sie zu Vereinen wie Real Madrid oder Inter wechseln,das hat man ja bei Metze u. Odonkor gesehen 2006.
    Warum sollte Ballack nicht mehr soviel laufen können? Blödsinn, der hatte bei Chelsea bis zum Schluss die größte Laufleistung absolviert.

  9. Nixwisser
    Donnerstag, 22. Juli 2010 um 11:54

    Die Kapitänsfrage ist ein Sturm im Wasserglas. Daß beide das wollen ist gut und wenn jemand das öffentlich sagt, ist’s imho auch o.k. Löw wird’s entscheiden und damit ist die Sache erledigt. Das Ding wird von den Medien extrem gepusht und zu einem Yellow-Press-Thema gehypt. Von Bild, Sport1 und Konsorten kann man nichts anderes erwarten. Daß „Seriöse“ auch auf den Zug springen, ist enttäuschend.

    Ballack ist im Moment der Verlierer, weil er dummerweise nicht dabei war. Er kann nichts dafür und es ist sein persönliches Pech. Aber er hat die Chance zurück zu kommen. Es liegt an ihm. Daß Ballack grundsätzlich nicht mehr für diese Mannschaft geeignet ist, kann man so nicht stehen lassen. Seine Spielweise – so wie wir sie kennen – läßt das zwar vermuten. Doch von wem hätten wir denn erwartet, daß er so spielt, wie er bei der WM gespielt hat? Die Jungs haben uns fast alle positiv überrascht. Und diese „Metamorphose“ muß man Ballack auch zugestehen.

  10. Oliver Fritsch
    Donnerstag, 22. Juli 2010 um 12:01

    Medienthema? Das schätze ich anders ein. Bei der Kapitänsbinde geht es um sehr viel Prestige, das ist den Jungs wichtig – und seien es noch so sehr Anhänger einer flachen Hierarchie. Selbst Schweinsteiger mischt da mit.

    Und die Ballack-Rückkehr birgt Spannung und Konflikt. Nicht nur für Medien, auch in der Mannschaft. Schweinsteiger beispielsweise scheint, vorsichtig gesagt, kein Ballack-Fan zu sein.

  11. Nixwisser
    Donnerstag, 22. Juli 2010 um 14:20

    Die O-Töne, die ich von Lahm dazu gehört habe, waren selbstbewußt, aber imho keine offene Kampfansage an Ballack. Und ob Schweinsteiger oder Ballack Chef im Ring werden, wird sich zeigen. Daß die Wiedersehensfreude aus Schweinsteigers Sicht überschaubar ist, liegt auf der Hand. Man könnte im Moment den Eindruck bekommen, daß Ballack die Mannschaft nicht weiter bringt, das stimmt schon. Doch ich vertraue bei diesem „Problem“ auf Löw. Er hat just eben gezeigt, daß er eine Vorstellung von Team und Spiel hat. Er scheut im Falle eines Falles auch nicht vor unpopulären Entscheidungen zurück. Das hat er bewiesen und das ist auch gut so. Die Verdienste von gestern sind eben von gestern und Gnadenbrot gibt’s nur auf der Ponyfarm. Das wäre auch das letzte, was Ballack wollte.

  12. Kai
    Donnerstag, 22. Juli 2010 um 14:27

    @marlis K gebe ich Recht: Ballack wird zu wenig Wertschätzung entgegen gebracht. In Spielen wie gegen Serbien oder Spanien hätte man einen Kämpfer mit Übersicht neben Schweinsteiger gut gebrauchen können.

    Lahm kann das nicht leisten. 1. vom Typ her und 2. gibt seine Position das nicht her.

    Allerdings muss Ballack akzeptieren, dass er kein Alleinherrscher mehr ist.

    Es müssen Taten statt Worten folgen, nicht wie bei Frings. Wenn er Leistung bringt, muss er spielen und dann ergibt sich seine Rolle bei Jogi automatisch.

    Schweinsteiger ist der Leader und brauch dafür keine Binde… Auf dem Platz zählt das Ding nämlich nichts…

  13. reteef
    Donnerstag, 22. Juli 2010 um 15:19

    Lahm und Ballack hätten wahrscheinlich grundlegend andere Ansätze bei der Ausübung des „Amtes“, aber ich finde schon, dass Lahm prinzipiell schon Argumente auf seiner Seite hat.

    Gegen Spanien hätte Ballack eventuell schon was bewirken können. Er hatte mit Chelsea ja auch schon Barcelona am Rande eines Ausscheidens aus der CL. Auch traue ich ihm zu, dass es vielleicht den Mittelweg aus dem deutschen und dem niederländischen Ansatz hätte finden können und mit einer im Rahmen der Regeln bleibenden Härte den Spaniern einen Strich durchs Kurzpassspiel hätte machen können.
    Khedira hat da zwar eine Menge Potential, konnte das aber (bei dieser WM) meiner Meinung nach noch nicht entscheidend einbringen. Gut zu wissen, das man so jemanden im Nationalteam hat.

    Bei den Auswirkungen der „Binde“ auf dem Platz denke ich schon, dass ein anerkannter Spieler dadurch in seiner Autorität noch vom Trainer bestärkt und in die Verantwortung genommen wird. Da gibt es also wahrscheinlich schon psychologische Auswirkungen im Team auf dem Platz.

  14. marlis K
    Donnerstag, 22. Juli 2010 um 16:24

    Nochwas zu Schweinsteiger: Er sagte im o-Ton:
    zwei Kapitäne sind einer zuviel u. für mich ist Michael Ballack der Kapitän u. der wird auch wieder die binde tragen.

    Also von Ballack-Gegner keine Spur.
    ÖZil u. auch Kießling haben sich positiv ausgesprochen.
    Nach der EM hatte sich Ballack ja auch kommunikativer gezeigt u. wurde vonLöw als vorbildlicher Kapitän gelobt, der auf die Jungen Spieler zugeht usw.
    Ballack ist im übrigen anpassungsfähig genug, um sich in die Mannschaft einzufügen.
    Wer weiß wie die Jungs gespielt hätten,wenn da kein Özil, mÜller u. Klose in Topform gewesen wären. Das ist doch das Gesamtpaket, ob mit oder ohne Ballack. Gegen Serbien hätten wir mit Ballack jedenfalls gewonnen (Elfmeter)

  15. Oliver Fritsch
    Donnerstag, 22. Juli 2010 um 17:37

    Na ja, wenn Ballack jetzt Kapitän bleibt, steigen die Chancen Schweinsteigers, in zwei Jahren sein Nachfolger zu werden. Bleibt es bei Lahm, sinken sie gegen 0.

    Außerdem gibt es wie in der Politik eine Vorder- und eine Hinterbühne. Und nach allem, was ich von Kollegen weiß, hat Schweinsteiger während der WM in Vieraugengesprächen nicht sehr hinterm Berg gehalten.

    Aber mein Einwand zielte auf die Forderung, dieses Thema dem Boulevard zu überlassen. Ich werde mich sicher nicht daran halten. Es sei denn, man überzeugt mich mit Argumenten.

  16. MS
    Donnerstag, 22. Juli 2010 um 17:56

    Völlig ironiefrei: Danke für das Seminar „Große Politik“, Oliver.

  17. Lena
    Donnerstag, 22. Juli 2010 um 22:30

    Jetzt werden die Weichen für die nächste EM in zwei (!) Jahren gestellt. Ballack wäre dann 35. Das ist auf seiner Position ZU ALT. Es hat noch NIE eine Mannschaft mit einem so alten Mittelfeldspieler im Team irgendwas gewonnen. Das wissen die auch in Chelsea, deshalb KEIN 2 Jahresvertrag. Und jetzt heißt es, dass Nationalteam weiter zu formen, zu verbessern und zusammen wachsen zu lassen und NICHT RÜCKSICHT AUF ALTE KAMERADEN zu nehmen, deren Verdienste im Fall Ballack wirklich enorm sind, aber nochmal nicht erster halt ich nicht aus. Wundert es denn niemanden, dass er nicht mal Kapitän von Bayer Leverkusen wird? Der Heynkes weiß schon, was er tut.

    PS: Meine Mutter meinte neulich, der Ballack wäre so ein netter, seriöser Fussballspieler, so wie früher der Bierhoff gewesen sei… Was Deowerbung so alles bewirken kann *ggg. Ich schwör der wird Manager von Bayer und Rudis Nachfolger.

  18. Sabine
    Freitag, 23. Juli 2010 um 08:04

    Nein, es wundert mich nicht, dass Ballack nicht Kapitän bei LEV wird. Es gibt nun mal keinen Grund, den aktuellen abzusetzen, nur weil da ein neuer kommt, der zufälligerweise Kapitän in der NM ist.

    Abgesehen davon, teile ich die meinung, dass Ballack, den ich sonst für nicht sonderlich sympathisch halte, hier zu wenig Respekt entgegengebracht wurde. Um die Kapitänsfrage zu klären, wäre nach dem Turnier immer noch genug Zeit gewesen – auch für Lahm.

  19. Kai
    Freitag, 23. Juli 2010 um 08:30

    @Lena: Das Alter spielt keine Rolle. Solange die Leistung stimmt. (Das gilt für zu jung & zu alt!)
    Giovanni van Bronckhorst -Kapitän der Niederlander. Und weiß Gott kein schlechter.

    @Sabine: Das Aufmüpfige gehört doch jetzt zu Lahms Rolle. Er will als seriöser und gradliniger Leader wahrgenommen werden. Und nicht als der kleine nette Philipp.

    Deswegen solche Interviews, wie zu Beginn der Saison bei Bayern und die Medien-Posse um die Binde.

    Problem ist nur, dass das alles sehr aufgesetzt wirkt, sodass ich ihm das nicht abkaufe.

    Anerkennung bekommt man durch Leistung siehe Schweinsteiger und nicht durch die Presse (siehe Hr. Matthäus.

  20. prazzomoto
    Freitag, 23. Juli 2010 um 12:33

    Lahm ist ein kleiner Wicht, der eher als Klassensprecher, denn als Kapitän durchgeht.
    Seine Kommentare zum Kapitänsamt waren unangemessen im Tonfall und im Zeitpunkt, passen aber zum Bild, was ich von ihm habe. Genau wie seine Kommentare nach dem Australien- („Wir wollen den Gegner spielerisch demütigen“) und nach dem Englandspiel („Wir müssen noch einen Großen schlagen, England ist keine große Mannschaft“).

    Es ist sehr bezeichnend und definitiv nicht das erste mal, dass Philipp Lahm immer dann ein wenig übers Ziel hinausschiesst, wenn er Oberwasser verspürt. Dann vergreift er sich im Maß und im Ton.

    Typischer Fall von Napoleon-Komplex 🙂

  21. Manfred
    Freitag, 23. Juli 2010 um 16:51

    Mag sein, prazzomoto, besonders viel halte ich auch nicht von der geradezu ekligen Anbiederei bei der BLÖD, aber England ist nun wahrlich keine große Mannschaft, da stimme ich ihm vorbehaltlos zu.

  22. prazzomoto
    Freitag, 23. Juli 2010 um 17:05

    Er hatte sicherlich nicht unrecht, aber die Art und Weise, wie naseweis der Kleine immer nach Siegen aufmüpfig wird – das geht mir schon ganz schön gewaltig auf den Wecker. Man konnte die Aussage auch anders formulieren, ohne noch mal so plump auf den Gegner, der eh schon am Boden war, zu treten. Aber eben das kann der Klassensprecher eben nicht.

    Ich weiss auch nicht warum, aber irgendwie würde mir Arne Friedrich als Kapitän gefallen.

  23. Marvin Nash
    Freitag, 23. Juli 2010 um 17:34

    Ich vermute ja, dass Löws Bedingung für seine Verlängerung ein Rücktritt von Zwanziger war.

    Wer vergleicht hier einen ständig verletzten Metze und einen ebenso ständig verletzten und fussballerisch beschränkten Odonkor mit Özil und Khedira, zwei der absolut grössten Talente der Welt auf ihrer Position?

    Ich bin auch gespannt, wie es mit Ballack ausgeht. Ich habe Schweinsteigers Äusserungen aber auch so gesehen, dass seine Chancen auf das Amt steigen, wenn Ballack erstmal wieder Kapitän wird. Andererseits hat er das Amt nicht nötig. Jeder hat gesehen, dass er der Kopf dieser Mannschaft ist und Lahm dafür einfach nicht der Typ ist. Aber bei Bayern ist er ja auch so geil auf die Binde. Drängt sich ja schon lange auf. Liegt wahrscheinlich an seiner Körpergrösse, dass er so stark nach sowas strebt.

  24. Peter
    Freitag, 23. Juli 2010 um 18:53

    @Marvin Nash
    Den Vergleich vom Dauerverletzten Metzelder und dem Sprinttalent Odonkor mit Özil und Khedira verstehe ich auch nicht.

    Aber hier geht es ja nicht um Argumente, sondern um Napoleonkomplexe, Klassensprechertum und Aufmüpfigkeit.

    Seltsam ists alle mal: Da hat einer die Eier in der Hose, England als das zu bezeichnen, was es ist (Keine große Mannschaft = nicht Weltspitze). Dann ist er aufmüpfig. Hätte Ballack das gesagt, dann hätten alle mit dem Alphatier getrommelt.

    War ja klar, dass nach dieser WM die Nörgelei weiter geht.

    Meine bescheidene Meinung zu Ballack:
    Kapitänsbinde weg, in den Dienst der Mannschaft stellen (also nicht den Frings spielen).

    Peter

  25. Humbug
    Freitag, 23. Juli 2010 um 19:52

    Sehe ich auch so. Ballack war und wäre auch noch ein guter Kaptitän aber wir haben einen wichtigen Wandel in der Nationalmannschaft.

    U21-Weltmeister werden fester Bestandteil, die jungen aber altgedienten Spieler sind die Konstante und nach dem der WM geht es nunmal direkt schon Richtung EM.

    Und als guter Käpptn, der er ist, sollte Ballack auch wissen wann es für die Mannschaft perspektivisch am besten ist, einen anderen vor zu lassen.
    Spielen und „wichtig-sein“ sollte er auch ohne die Binde des Spielführers können.

  26. laterneversooner
    Samstag, 24. Juli 2010 um 00:00

    Irgendwie kristallisiert sich inzwischen beim Studium diverser Ballack-Lahm-Diskussionen heraus, dass es sich nicht um eine Könnens-, Alters- oder Größensfrage handelt (lapidar nebenbeigesagt würde Ballack bei diesem Vergleich locker 3:0 gewinnen, wobei ich -entgegen allen anderen hier- die Größe da rein charakterlich festmachen würde und somit locker im Vorbeigehen meine nachfolgende These untermauern würde), sondern eher um eine seit dem „Phänomen Beckham“ vorhandene männlich-weibliche. Woher kommt bloß diese eklatante „Wallachbissigkeit“ des geneigten deutschen Fußballbetrachters?

    und @Lena: Großbuchstaben in Rudeln gelten zwar in gewissen Kreisen als wahrheitsbildend und furchteinflößend, in der Virtualität des Internets verhallen sie aber meist wie Schall, Rauch & ein etwas zu großbuchstabiger, äh, großspuriger Umgang mit der so gar nicht vorherzusagenden Zukunft…

  27. Lena
    Samstag, 24. Juli 2010 um 13:47

    @laterneversooner: ok. Großbuchstaben zugegeben. Damit bin ich an anderer Stelle infiziert worden, also Vorsicht, ist ansteckend…

    Sonst aber leider gar nichts untermauert. Schade, hatte vielversprechend begonnen…

  28. marlis K
    Samstag, 24. Juli 2010 um 14:35

    Ich denke, dass Ballack die Binde auch nicht so wichtig ist, das hat er bei Chelsea ja auch gesagt. Er kann ja auch ohne Binde „führen“,das gehört zu seinem Charakter.
    Aber hier geht es mehr um Respekt u. hätte Lahm sich nicht so geäußert,wäre nichts passiert in der Kapitämsdiskussion. Ich stimme auch zu,dass Lahm „anders“ ist,als er in den medien erscheint.Wieso hat Lahm bei seiner Hochezeitsfeier,die ja so privat u.familiär gehalten werden sollte, Autogrammkarten neben sich in der Hochzeitskutsche liegen?? Das fand ich schon sehr befremdend.
    Dann kommt noch dazu, dass während der Wm eigetnlich nur Schweinsteiger gelobt wurde f. sein Chefsein im Mittelfeld u. er führe die Mannschaft usw. Dann hat Schweinsteiger noch Ballack unterstützt, das wurmt den Lahm sicherlich alles.
    Schweinsteiger hat ja sogar mit Lahm über dessen Aussage zur Kapitänsbinde gesprochen u. öffentlich gesagt,dass er Philipp nicht verstehe,dass er sich so äußer.
    Ich finde es nur schade,dass Löw alles legitim findet.
    Ballack kann am wenigsten dafür u. wird als Bösewicht dargestellt. Das ist alles sehr prophan.

  29. Peter
    Sonntag, 25. Juli 2010 um 13:05

    Ich glaube, dass der Löw die Stimmungen in seiner Mannschaft sehr gut mitbekommt. Und im Moment moderiert er das ganze nach außen hin recht unaufgeregt und nur die Medien machen ein großes Trara daraus. Glücklicherweise hat es Jogi Löw noch nie interessiert, welcher Wind da im Blätterwald rauscht.
    Oder vermisst noch immer jemand Kuranyi bei der NM?

    wg Ballack:
    Ballack habe ich bis zur WM für unersetzlich gehalten. (Über einen möglichen Erfolg gegen Spanien zu räsonieren, halte ich für absurd)
    Vielleicht ist der Erfolg der Mannschaft einer besonderen Dynamik geschuldet.
    Ich denke aber, dass diese Dynamik sich gerade ohne Ballack entwickelt hat. Und deswegen wir sich Ballack da hineinfügen müssen.
    So „ungerecht“ das sein mag, aber was passiert, wenn nur die 11 besten aufgestellt werden und Charaktere der Mannschaft unbeachtet bleiben? Das geht nicht gut!
    Siehe Real Madrid

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