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Bundesliga

Schmutzige Trennung auf Schalke

Kai Butterweck | Donnerstag, 17. März 2011 4 Kommentare

Die Presse beschäftigt sich intensiv mit der vorzeitigen Entlassung von Felix Magath auf Schalke

Peter Ahrens (Spiegel Online) warnt die Schalker vor einem weiteren Trainer-Fiasko: „Rangnick ist wieder einer, der die Deutungshoheit über den Fußball für sich reklamiert. Noch einer, der möglichst viele Kompetenzen bei sich vereinigen möchte und der es hasst, wenn ihm von der Vereinsführung dabei Beschränkungen auferlegt werden. Im Grunde ist Rangnick, die Light-Version von Felix Magath. Am Ende war er bei den Fans beliebt. Mit der Vereinsführung unter Präsident Günther Rehberg hatte er sich jedoch überworfen.“

Wie schwer wiegen die Vorwürfe gegen Magath?

Philipp Selldorf (SZ) wundert sich über Magaths Kündigung: „Es ist in dieser Form im Bundesligageschäft noch nie passiert, dass ein hochbezahlter Fußballmanager die Kündigung einreicht und auf seine Ansprüche verzichtet, nachdem ihn sein Verein vor die Tür gesetzt hat. Dass er aus Kränkung über die schlechte Behandlung gehandelt hat, ist jedoch nicht sehr glaubhaft. Zurück bleibt der Verdacht, dass Schalkes Vorwürfe gegen Magath so schwer wiegen, dass dieser die Geschichte lieber schnell beendet, als sie womöglich vor Gericht zu verfolgen. Aber warum hat er dann nicht dem diskreten Vergleich zugestimmt, den der Verein ihm angetragen hatte? Jetzt ist die Sache öffentlich geworden.“

Lars Wallrodt und Oliver Müller (Welt Online) beschäftigen sich mit Zahlen: „Magath hatte in dieser Saison ein Transferminus von rund 18 Millionen Euro gemacht und diese mit den Zusatzeinnahmen aus der Champions League gerechtfertigt. Außerdem soll der Spieleretat  von 55 auf 70 Millionen Euro angewachsen sein.  Dass diese Zahlen den Aufsichtsrat überraschen, lässt diverse Schlüsse zu: Entweder hat Magath bewusst an dem Gremium vorbeigewirtschaftet – in diesem Fall stellt sich die Zusatzfrage, ob Sportdirektor Horst Heldt und Finanzvorstand Peter Peters ebenfalls nichts davon gewusst haben. Oder die Kontrolleure sind ihrer Funktion nur lax nachgekommen. Bei Ausgaben von über 300.000 Euro schreibt die Satzung vor, dass die Genehmigung des Aufsichtsrats eingeholt werden muss. Offenbar hat der Klub in dieser Klausel einen Ansatz gefunden, um Magath keine Abfindung zahlen zu müssen: Es handelt sich um rund zwölf Millionen Euro.“

Keine Ruhe unter Tönnies

Daniel Theweleit (taz) kritisiert Schalke-Boss Clemens Tönnies: „Zu einer Ära der Ruhe hat er dem Klub nie verholfen, seit er 1994 das Amt des Aufsichtsrats übernahm. Vielleicht liegt das auch daran, dass er stets beteuert, Geheimnisse für sich zu behalten, um dann doch immer fast alles zu verraten.“

Carlos Ubina (Stuttgarter Zeitung) freut sich für Horst Heldt: „Nun schlägt also Heldts Stunde, weil die Schalker nach dem gescheiterten Feldversuch zu einem bewährten Führungsmodell zurückkehren – und das ist gut so. Der 41-Jährige ist der neue starke Mann, der zunächst einen neuen Trainer präsentieren soll. Übung hat er darin, denn schon beim VfB musste Heldt öfters nach einem Coach fahnden. Er hat clevere Lösungen gefunden: Mit Heldt als Manager ist der VfB zweimal in die Champions League eingezogen.“

Gerade noch rechtzeitig die Reißleine gezogen

Thomas Kilchenstein (FR) begrüßt die Trennung: „Dass Felix Magath kein pflegeleichter Typ ist, dass er schwergängig im Umgang mit Menschen ist, zynisch, unnahbar, brutal − all das ist doch seit Jahren bekannt. Bei den Knappen hat er es sich am Ende mit allen verdorben. Auf Schalke, mit knapp 250 Millionen Euro in der Kreide, ist der gebürtige Aschaffenburger letztlich über finanzielle Unregelmäßigkeiten gestolpert, nicht in erster Linie wegen `sozialer Inkompetenz`. Die Zeit der Alleinherrscher ist abgelaufen. Clemens Tönnies hat die Reißleine gezogen, noch rechtzeitig.“

Stefan Osterhaus (NZZ Online) steht Magath zur Seite: „Der bissige Tonfall der Auseinandersetzung verdeutlicht, dass sich hier eine schmutzige Trennung anbahnt. Doch alles andere wäre in diesem Klub, der mit seinen Trainern in der Vergangenheit nach Gutsherrenart verfuhr, überraschend gewesen. Für Magath steht zudem der Ruf innerhalb der Branche auf dem Spiel. Der Vorwurf des unsauberen Wirtschaftens wiegt deutlich schwerer als der eine oder andere Fehleinkauf, den er tätigte.“

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Kommentare

4 Kommentare zu “Schmutzige Trennung auf Schalke”

  1. Manfred
    Donnerstag, 17. März 2011 um 13:56

    Ich muß doch mal loben, Herr Butterweck: eine derart feinsinnige Ironie bei der heutigen Zusammenstellung des in die diversen Zeitungen Erbrochenen hätte ich nicht erwartet. Den Höhepunkt des groben Unfugs direkt an den Anfang zu stellen – ich weiß nicht, aber als Einstieg in die versammelte Hirnlosigkeit direkt mal jemanden zu Wort kommen zu lassen, der den potentiellen neune Trainer mindestens nicht mag, das hat schon was.
    Und die Ironie, mit der der Beitrag von Herrn Ubina eingeleitet wird – Chapeau.

    Und den Focus aus den Augen zu verlieren verdient ein Sonderlob 😉

  2. Kai Butterweck
    Donnerstag, 17. März 2011 um 14:35

    Besten Dank, das muss ich erst einmal sacken lassen:;

  3. Madder than Jens
    Donnerstag, 17. März 2011 um 14:39

    Horst Heldt ist ein Angsthase.

  4. gecko
    Donnerstag, 17. März 2011 um 16:59

    die ahrens artikel sind immer so unsäglich. der einzige der immer ähnlich viel müll verzapft ist lars wallrodt.

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