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Bundesliga

Magath und Rangnick – zurück im Glück

Kai Butterweck | Samstag, 19. März 2011 Kommentare deaktiviert für Magath und Rangnick – zurück im Glück

Felix Magath kehrt zurück nach Wolfsburg und Ralf Rangnick übernimmt Schalke 04; die Entscheidungen dieser Woche schlagen in der Presse hohe Wellen

Markus Völker (taz) warnt den VfL vor zu viel Euphorie: „Am Donnerstag sagte Pierre Littbarski, Felix Magath habe den VfL Wolfsburg mehr oder weniger ruiniert. Er habe ihm zwar die Meisterschaft beschert, sie musste aber mit einer Auszehrung der Spieler und des Vereins teuer erkauft werden. Trotzdem kann man verstehen, warum die VW-Bosse Magaths Aura nicht widerstehen konnten. Magath ist so trickreich wie das tapfere Schneiderlein in den Werken der Brüder Grimm. Das Schneiderlein macht dem Riesen vor, es könne Wasser aus einem Stein pressen. Der Riese kapiert nicht, dass der kleine Mann nur Käse in der Hand hält, den er auswringt wie ein feuchtes Tuch. Der Trick mag einmal gelingen, aber ein zweites Mal?“

Ein logischer Schritt für alle Beteiligten

Peter Ahrens (Spiegel Online) beglückwünscht die Wiedervereinigten: „Die sofortige Rückkehr Magaths zu dem Verein, mit dem er 2009 den Meistertitel, mag durch die Schnelligkeit, mit der sie zustande kam, überraschen: Sie ist aber ein logischer Schritt für alle Beteiligten. Wie Magath auf Schalke vorging, wie er rabiat Widerstände aus dem Weg räumte und jegliche Vereinstradition missachtend seine Linie durchzuziehen suchte, dürften die VW-Manager eher anerkennend beobachtet haben. Magath denkt wie ein Unternehmer. Auf Schalke war sein Scheitern dadurch vorgezeichnet, in Wolfsburg wird seine Linie dagegen sehr geschätzt.“

Sven Goldmann (Tagesspiegel) kommt aus dem Staunen nicht mehr raus: „Magaths Comeback ist die nächste, die verrückteste Volte in einer an verrückten Trainer- und Funktionärsgeschichten reichen Saison der Fußball-Bundesliga. Van Gaal und Rangnick und Veh und Hoffmann und Kraus – alles schön und gut. Aber dass einer am Mittwoch  mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt wird und am Freitag eine neue Trainerkabine und einen neuen Schreibtisch bezieht, das dürfte kaum zu steigern sein.“

Felix Magath – eiskalt und skrupellos

Thomas Kilchenstein (FR) hält nicht viel von Magaths Arbeitsauffassung: „Felix Magath, man weiß es seit langem, betreibt seinen Trainerberuf als reines Geschäft − ohne viel Emotion, ohne eigenes Herzblut einzubringen, eiskalt und skrupellos. Er sieht sich selbst als reinen Projektleiter, als Chef einer stets befristeten Mission. Dafür baut er zuweilen ganze Klubs um, zerschlägt alte Hierarchien und Strukturen. Er schneidert sich, neuerdings mit weitreichenden Kompetenzen ausgestattet, den Klub auf den Leib. Dumm nur, wenn man sich vor der Zeit trennt. Dann bleibt − siehe Schalke 04 − verbrannte Erde zurück.“

Jürgen Schmieder (SZ) begrüßt Magaths Rückkehr: „Es ist die richtige Entscheidung, nicht jedem Trend zu folgen, der da ausgerufen wird. Sondern sich zurückzulehnen, erfolgreicher Zeiten zu gedenken – und sich vor Augen zu halten, dass nicht jeder Trainer des Jahres zu jedem Verein passt. Wolfsburgs Aufsichtsrats-Chef Francisco Garcia Sanz hat nun Felix Magath als Trainer und Geschäftsführer verpflichtet, weil Felix Magath als Trainer und Geschäftsführer in Wolfsburg prima funktioniert.“

Es sprechen mehr Gründe gegen als für Rangnick

Haruka Gruber (spox.com) erstickt die Schalker Hoffnung auf Besserung im Keim: „Von seiner Kompetenz abgesehen sprechen jedoch mehr Gründe gegen als für Rangnick. Angefangen beim Schalker Kader, der so gar nicht für sein Pressing-Dogma ausgelegt scheint: Rangnicks Philosophie erfordert Antrittsschnelligkeit, von Jefferson Farfan und Atsuto Uchida abgesehen weisen jedoch alle Stammspieler – zum Teil gravierende – Geschwindigkeitsdefizite auf. Hinzu kommen die zu erwartenden Spannungen mit Horst Heldt, dem neuen sportlichen Souverän: Nachdem Heldt von Magath zum Erfüllungsgehilfen degradiert wurde, sieht der Vorstand nun nach Monaten der Demütigung die Chance gekommen, sich als starker Mann zu positionieren.

Reinhard Schüßler (derwesten.de) verzehrt sich nach wiederkehrender Gemeinnützigkeit: „In seiner Einschätzung, Ralf Rangnick sei die bestmögliche Lösung, kann man Clemens Tönnies durchaus folgen, allerdings täte man sich leichter damit, hätte er vor zwei Jahren nicht dasselbe über Felix Magath gesagt. Die Hoffnung, dass sich der selbst in die Kritik geratene Aufsichtsrats-Chef nicht ein zweites Mal irrt, speist sich vor allem aus der Erfahrung, die der Klub mit beiden Trainern gemacht hat, und der damit verbundenen Vergleichsmöglichkeit. Ist doch Magaths größtes Defizit, das schon vor seinem Schalke-Engagement bekannt war, eine der Stärken Rangnicks: soziale Kompetenz.“

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