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Champions League

Durchwachsener Start für den BVB und Leverkusen

Kai Butterweck | Mittwoch, 14. September 2011 6 Kommentare

Während sich die Dortmunder im Spiel gegen den FC Arsenal am Ende wenigstens noch über einen Punkt freuen können, gehen die Leverkusener beim FC Chelsea leer aus. Außerdem: Bayerns Fluch, die Kehrseite der Medaille und Hilfe von Jogi

Marc Heinrich (FAZ.net) ärgert sich über mangelnde Dortmunder Durchschlagskraft: „Nach der Pause mussten sich die Dortmunder lange den Vorwurf gefallen lassen, aus ihrer optischen Überlegenheit viel zu wenig Ertrag zu schlagen. Sie drückten und drängten, schienen aber nicht mehr zum krönenden Abschluss zum kommen. Das änderte sich erst mit der Einwechslung des Kroaten Perisic, der erst kurz auf dem Fed stand, als er nach einem Freistoß einen Abpraller volley nahm und aus zwanzig Metern in den Winkel drosch. Es war die perfekte Schlusspointe am Ende eines aufregenden Abends, an dem für den BVB durchaus noch mehr drin gewesen wäre.“

Auch Felix Meininghaus (Tagesspiegel)sah den BVB im Vorteil: „Es war geradezu fahrlässig, wie die Gastgeber ihre frappierende Überlegenheit der Anfangs-Viertelstunde ungenutzt ließen. Kurz vor der Pause erteilte Robin van Persie den Dortmundern eine Lektion in Sachen Zielstrebigkeit. Als alle damit rechneten, dass Dortmunds Comeback in der Champions League missglücken würde, fasste sich Perisic in der 88. Minute ein Herz und hämmerte den Ball volley in die Maschen. Es war ein fulminanter Schlusspunkt eines durch und durch stimmungsvollen Abends.“

Dortmund agierte zu statisch

Jochen Tittmar und Markus Matjeschk (spox.com) analysieren den Abend im Signal Iduna Park: „Die im Spielaufbau lethargischen Gunners verzettelten sich meist in Einzelaktionen, die zu unnötigen Ballverlusten führten. Das eröffnete der Borussia Räume für glänzende Kontergelegenheiten, die jedoch allesamt zu überhastet abgeschlossen wurden. Im zweiten Durchgang besann sich Arsenal fast ausschließlich auf die Defensive. Oft war es Innenverteidiger Hummels, der tief in der gegnerischen Hälfte – allerdings meist glücklos – das Spiel eröffnen konnte. Dortmund agierte dabei jedoch zu statisch, teilweise fehlten im Offensivspiel erneut Timing und schlichtweg die Ideen.“

Leverkusen kann auf diesem Niveau bestehen

Christian Kamp (FAZ.net) zollt den Leverkusenern seinen Respekt: „Bayer-Torwart Bernd Leno bekam in seinem ersten Champions-League-Spiel reichlich Gelegenheit sich auszuzeichnen. Dennoch zeigte Bayer, dass es eine Mannschaft besitzt, die durchaus auf diesem Niveau bestehen kann. Im Spiel nach vorn sorgte vor allem Schürrle für reichlich Betrieb und hatte kurz nach Ballacks Großchance noch eine gute Gelegenheit. Doch weil es auch seinem Schuss an der nötigen Präzision fehlte, endete Bayers beste Phase ohne Erfolg. Kurz darauf schlug Chelsea zu.“

Für Daniel Theweleit (Berliner Zeitung) hätte die Partie auch anders ausgehen können:Es ist sicher Zufall gewesen, dass der vorentscheidende Treffer des FC Chelsea zum 1:0 ausgerechnet eine Minute nach der Auswechslung von Michael Ballack gefallen ist, und doch waren es Momente von großer Symbolkraft. Am Ende verlor Bayer Leverkusen nach einem weiteren Treffer durch Mata, doch die Mannschaft hatte eine ansehnliche Partie gespielt. Es waren Nuancen, die den Ausschlag gaben, doch ausgerechnet in ihrer stärksten Phase kassierte die Werkself das ärgerliche Gegentor. Ein typisches Zeichen von Unerfahrenheit, und Ballack ist ja bekanntlich der einzige Leverkusener der über nennenswerte Erfahrungen in der Königsklasse verfügt. Das war sicher einer der Gründe, warum der ehemalige Nationalspieler wieder mitwirken durfte.“

Villarreals starke Offensive könnte ein echter Gradmesser sein

Der Rekordmeister aus München trifft in seinem ersten Spiel auf den FC Villarreal. Moritz Kielbassa (SZ) prophezeit den Bayern einen schweren Gang: „Brechen wollen die Bayern mit trüben Serien: Zehn Jahre liegt ihr letzter Sieg auf spanischem Boden zurück, in Madrid verloren sie zudem das 2010er-Finale. Und Heynckes hat Villarreal noch nie besiegt, kürzlich unterlag er mit Leverkusen in der Europa League. Villarreals starke Offensive könnte ein echter Gradmesser sein für die viel gelobte Bayern-Abwehr, die letztmals am 13. August in Wolfsburg eine nennenswerte Torchance gegen sich zuließ.“

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Ronald Reng (Berliner Zeitung) befasst sich mit dem Gegner der Bayern: „Elf Spieler und den Trainer Garrido beförderte Villarreal in den jüngsten zwei Jahren aus seiner Reserve-Elf in die erste Mannschaft. Der Verkauf ihrer Weltmeister Santi Cazorla und Joan Capdevila vor dieser Saison ist das Symbol des Umbruchs. Die großen Namen sind rar geworden in Villarreal. Die Siebenjährigen in Europa kennen allenfalls noch den Kapitän Marcos Senna und Stürmer Giuseppe Rossi. Doch das Uah! Uah! verstummt nicht. Die Pässen fließen weiter, jetzt, wo die Spieler Bruno Soriano oder Mario Gaspar heißen, eine Generation made in Villarreal. Es scheint unverändert ein Team auf der Höhe von Leverkusen, Lyon, Liverpool, Klasse 1b in Europa.“

Die Champions League macht viele nationale Ligen einseitiger

Christian Eichler (FAZ) beschäftigt sich mit den Schattenseiten der Champions League: „Der ökonomische Erfolg der Königsklasse ist auch eine Gefahr für den sportlichen Wettbewerb. Er macht viele nationale Ligen in Europa einseitiger, große wie in England ebenso wie kleine von Dänemark bis Griechenland. Wer es in die Champions League schafft, sichert sich einen finanziellen Vorsprung vor der nationalen Konkurrenz – schafft er es dadurch wieder und wieder, zementiert er den Vorsprung. So schuf der Wettbewerb ein Kastensystem im europäischen Fußball: ganz oben die, die regelmäßig Champions League spielen, dann lange nichts, dann die, die es ab und zu schaffen, dann lange nichts, dann die anderen.“

Auf lange Sicht muss die Bundesliga von der Nationalelf lernen

Oliver Fritsch (Zeit Online) weiß wie den deutschen Klubs geholfen werden kann: „Wenn nicht alles täuscht, haben sich die Verhältnisse zugunsten Deutschlands geändert. In Italien schwächeln die Großen, weil die Liga an Geldnot, Zuschauerverlust und einem ständigen Manipulationsverdacht leidet. Die Serie A verliert ab dem kommenden Jahr einen Startplatz an die Bundesliga. In Spanien haben alle Vereine den Anschluss an Barcelona und Madrid verloren. England schickt nur einen Favoriten, Manchester United, ins Rennen, auch wenn der Lokalrivale City dank der Millionen eines Scheichs wettbewerbsfähig geworden ist. Wie man einen sportlichen Rückstand aufholt, macht die Nationalmannschaft seit 2004 vor. Sie zählt, hinter Spanien, wieder zu den Großen. Das ist zum einen der reformierten Nachwuchsschule geschuldet, zum anderen neuen Methoden und taktischen Entwicklungen durch das Trainerteam. Auf lange Sicht muss die Bundesliga von der Nationalelf lernen.“

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Kommentare

6 Kommentare zu “Durchwachsener Start für den BVB und Leverkusen”

  1. Stevie
    Mittwoch, 14. September 2011 um 10:47

    … und weiter geht das muntere Ballack Bashing. Einer schreibt: „Es ist sicher Zufall gewesen, dass der vorentscheidende Treffer des FC Chelsea zum 1:0 ausgerechnet eine Minute nach der Auswechslung von Michael Ballack gefallen ist,…“ und SPON titelt: „Bayer unterliegt mit Ballack“.
    Im Pokal war es genau umgekehrt, da wurde Ballack eingewechselt und Lev verlor. Die Niederlage wurde aber nicht dem Zufall, sondern Ballack zugeschrieben.

  2. reflexo
    Mittwoch, 14. September 2011 um 10:59

    Ich glaub Ballack hat Tafelsilber gestohlen. Anders lässt sich das nicht erklären.

  3. Champions League: Chelsea stellt Leverkusen kalt – Financial Times Deutschland » News
    Mittwoch, 14. September 2011 um 11:34

    […] schlägt versöhnliche Töne anNordwest-ZeitungFOCUS Online -indirekter-freistoss.de -T-OnlineAlle 950 […]

  4. Hartei
    Mittwoch, 14. September 2011 um 11:45

    Ich kann die Meinung von Christian Eichler nicht teilen. Die CL League generiert unbestritten Millioneneinnahmen. Dass dies ursächlich sein soll für eine Dominanz der Teilnehmer in den nationalen Ligen halte ich für zu kurz gedacht.
    Dies will ich an 4 Beispielen verdeutlichen.

    1. Die Bundesliga
    CL-Teilnahmen von Bundesligisten können diesen finanziell Schaden. Der Kader wird teurer, Prämien gezahlt, die erneute Qualifikation verpasst und dannach findet ein schmerzhafter Gesundschrumpfungsprozess statt. Bayern München hat diese Sorge nicht, denn sie sind zur Über-Marke aufgestiegen. Ziehen andere Glücks?deals mit Nike oder Gazprom an Land, Bayern hat adidas, audi, telekom…

    2. Primera Division, Seria A
    Was haben die Topclubs dieser Liegen gemeinsam? Sie vermarkten sich selbst. Sie können das, weil sie genug Fans und nochmehr „Fans“ haben. Auch sie sind zu (globalen) Marken geworden

    3. Premier League
    Im Prinzip das gleiche. Zudem kommt das Investorenprinzip hinzu. ManCity investiert wie blöde und spielt in der CL, Liverpool hatte in den letzten 2 Jahren eine ausgeglichene Transferbilanz und ist raus aus der Verlosung.

    4. In kleineren Ligen fallen mir nur Mannschaften aus Ballungszentren als dominant auf

    Fazit:
    Die CL Einnahmen sind trotz ihrer Höhe nur Peanuts. Wer sich dauerhaft mit den Besten misst erlangt Prestige und dessen Wertschöpfungseffekt ist nicht aufzuwiegen. Wer mitmischen will brauch entweder einen Investor, ein gutes Geschäftsmodell (Udine, Porto) oder einfach eine unglaubliche Glückssträhne

  5. HUKL
    Mittwoch, 14. September 2011 um 13:41

    Ballack- und kein Ende.

    Nach den gestrigen durchwachsenen Ergebnissen in den beiden internationalen Vergleichen unserer Teilnehmer scheint unserem „Ex-Capitano“ Ballack wirklich Pech an den Füßen zu kleben – egal, was er macht oder auch nicht macht. Darf er doch mal ran, ändert sich das Ergebnis sofort kurz danach zum Nachteil seines Vereins. Das ist einfach pures Pech!

    Einen interessanten Hinweis gibt Oliver Fritsch (Zeit Online), der auch im „indirekten Freistoß“ sehr bekannt ist…
    Seiner Empfehlung, doch bei solchen und den nationalen Spielen zumindest teilweise die Taktik des Bundestrainers zu kopieren, sollte man hier und da ruhig einmal Folge leisten, auch, wenn andere Aktive im Dress stecken.

    Für jeden Leser ist deshalb die Link von OF am
    09.09.11 über die „Taktik-Bilanz“ nach dem kürzlichen Polen-Länderspiel leicht ver-ständlich gewesen. Da wurde z. B. bemerkt,
    dass Müller, der Elfmeterherausholer, unbeteiligt agierte, aber dabei flüssig spielte. Das Wirken als schleichender Akteur war seine Stärke. Rolfes hatte Probleme, seine eigenen Gedanken zum Spiel mit Hilfe seines Körpers umzusetzen.Er stieß oftmals vertikal nach vorn…Klose gestaltete durch seine Beweglichkeit und durch das Verlassen des Sturmzentrums förmlich die Partie noch positiv,
    weil dadurch die gegnerischen Innenverteidiger
    angesaugt wurden und seine anderen Kollegen
    in die dadurch entstandenen Lücken preschen konnten. Für den kleinen Kroos ist eine neue Positon entstanden: Zwischenspieler. Früher, als zum Einwurf (mit gestreckten Armen über den Kopf) und bei den Abstößen und Eckbällen immer der gleiche Ball genommen wurde, nannte man diese Position noch Außenläufer. Schlaue Reporter sehen in diesem Bereich auch den Posten der „6″ oder „Doppel -6″ im System, obwohl heute die Rückennummern keinerlei Anhaltspunkte auf eventuelle beliebte Aufenthaltspunkte während des Spieles hinweisen, doch von einer „5″ noch nichts zu hören war. Weil eben dieser Wahlmünchener von der Ostseeküste das Spiel lieber vor sich hat (wer eigentlich will es andersrum?), vermissste der Leser den Ausdruck vom Deep-Lying Playmaker, da dieser für die „10″ zu langsam sei. Kroos entgeht häufig den engen Räumen, dadurch erhöht sich im Mittelfeld die Feuididät. Seine Schnittstellenpässe gewinnen immer mehr an Bedeutung, weil ein diagonal einlaufender Wittger im Angriffszentrum eine zusätzliche Gefahr schafft.

    Zum Schluss der Facheinschätzung ist festgestellt worden, dass es gilt, das fluide Spiel unserer Nationalmannschaft zukünftig noch besser im Zentrum zur Gänze auf den Rasen zu bringen.

    Alle Bundesligatrainer, die möglichst noch lange in dieser Saison Verantwortung im jeweiligen Verein tragen dürfen und nicht (wie gestern erstmals geschehen) Opfer einer besonderen Personalpolitik werden, sollten diese wichtigen Hinweise, ausgedrückt mit einfachen Worten durch unsere nationalen Fachexperten, dringend beachten!

  6. breeze
    Mittwoch, 14. September 2011 um 17:13

    @Hartei:

    Wo sind denn die Lisbon Lions von heute, die den dekadenten Champions League Stammgästen mal kräftig in die Suppe spucken?

    Natürlich kann sich die Champions League als Aufputschmittel mit üblem Kater entpuppen. Aber die Stammvereine sind doch ohne Zweifel allen anderen Vereinen Lichtjahre voraus.

    Woher kriegen denn die Bayern ihre ganzen tollen Werbeverträge? Weil sie immer Mittwochs zur besten Fernsehzeit gegen Manchester United und Inter Mailand spielen. Das will man halt sehen. Und davon profitiert der Verein doppelt: Höhere Aufmerksamkeit, ergo teurere Werbung plus ne ganze Stange Geld von der UEFA.

    http://www.handelsblatt.com/sport/fussball/nachrichten/champions-league-als-goldgrube-fuer-die-bayern/3387084.html

    Davon kann man sich dann bald einen Robbery für die Ersatzbank holen.

    Die Champions League ist in meinen Augen einfach ein Grundübel des Europäischen Fußballs. Diese Konzentration an Geld lässt kaum noch eine Überraschung zu und zerstört auch die nationalen Ligen. Von den kleineren Ligen gar nicht erst zu reden.
    Was ist denn mit Steaua Bukarest, RKV Mechelen, Ipswich Town oder IFK Göteborg?

    Alles Europapokalsieger in den 80ern. Welche überraschung bietet einem die Champions league denn? Keine. Dafür aber große Namen. Und das zieht. Leider auch bei mir. Wayne Rooney und Wesley Sneijder guckt man halt ganz gerne bei der Arbeit zu.

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