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Bundesliga

Javier Martínez – ein Spanier in Lederhosen

Kai Butterweck | Freitag, 31. August 2012 Kommentare deaktiviert für Javier Martínez – ein Spanier in Lederhosen

Die Presse beschäftigt sich eingehend mit  Javier Martínez, dem teuersten Bundesliga-Neuzugang aller Zeiten.

Klaus Höltzenbein (SZ) fasst sich beim Blick auf den Ablöse-Scheck an den Kopf: „Der FC Bayern wollte Martínez, Martínez wollte zum FC Bayern; nur Bilbao wollte ihn jetzt nicht abgeben, auch deshalb hatte der Klub dem Spieler die absurd hoch erscheinende Ablöse von 40 Millionen Euro im Vertrag festgeschrieben. Gedacht war dies eigentlich als abschreckende Maßnahme, nicht einkalkuliert war offenbar, dass die Realität so schnell die Absurdität überholt. Denn inzwischen finden sich Scheichs und Oligarchen mit eigenem Zirkus oder Klubs wie der FC Bayern, die bereit sind, Preise weit jenseits des als fair empfundenen Marktwertes zu bezahlen.“

Damit alles funktioniert und sich gut anfühlt

Tobias Escher (Zeit Online) spricht von einer „Zäsur“ im deutschen Fußballgeschäft: „Bisher hießen die teuersten Transfers Edin Dzeko, Mario Gomez oder Franck Ribery – allesamt offensive Spieler, denen man ein gutes Spiel attestiert, wenn sie möglichst viele Tore schießen und Tricks vollführen. Mit Martínez führt nun ein defensiver Mittelfeldspieler die Rangliste an, der im Bestfall in 90 Minuten gar nicht in Erscheinung tritt, sondern seine Aufgaben geräuschlos erledigt. Die Transferkultur hat sich verändert – nicht mehr die spektakulärsten Spieler kosten am meisten, sondern jene, die dafür sorgen, dass alles irgendwie funktioniert und sich gut anfühlt.“

Friedhelm Körner (RP Online) beruhigt die Konkurrenz aus Dortmund: „Nach zwei Spielzeiten ohne große Titel sind die Bayern nervös geworden. Deshalb klotzen sie, um den Kader entscheidend zu verbessern und wieder Erfolge zu erzwingen. Zu wundern brauchen sie sich jedoch nicht, sollte sich der Rivale aus Dortmund mit seiner klugen Personalpolitik, weit entfernt von einer Transferdimension à la Bayern, auch in dieser Saison als Meister behaupten.“

Ein großes Risiko

Auch Peter Wenig (Hamburger Abendblatt) legt die Stirn in Sorgenfalten: „Für die Bayern bedeutet der Wechsel dennoch ein großes Risiko. Der Rekordmeister ist im defensiven Mittelfeld mit Spielern wie Bastian Schweinsteiger, Luiz Gustavo, Anatoli Timoschtschuk oder Toni Kroos höchst veritabel besetzt – der Konkurrenzkampf wird gnadenlos. Zudem bleibt offen, wie ein junger Profi wie Martinez, der noch nie in der Champions League gespielt hat, den durch die Ablöse ausgelösten Erwartungsdruck verkraften wird.“

Maik Rosner (FR) sitzt bei der Präsentation des Spaniers in der ersten Reihe: „Sympathisch, bescheiden, ohne Allüren hat sich Martínez vorgestellt, nicht wie ein kickender Popstar, für den man ihn wegen der höchsten Ablösesumme in der Geschichte des deutschen Fußballs halten könnte. Eher bodenständig wirkt er. Dass er selbst einmal als Unterwäschemodel posiert hat, dass seine Freundin Maria Imizcoz, 21, hauptberuflich modelt – all das passt eigentlich in das Klischee eines Fußball-Jungstars. Er mag auch Autos, spielt gerne Playstation, hört R’n’B und Rap. Bekannt klingt das, doch ein bisschen anders scheint es bei Martínez schon zu sein.“

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