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Bundesliga

Von „Opfern“, Undurchschaubaren und Fremdgängern

Kai Butterweck | Montag, 19. November 2012 1 Kommentar

Der FC Bayern kommt in Nürnberg nicht über ein Unentschieden hinaus. Außerdem: Ratlosigkeit auf Schalke, neue Wege in Leverkusen und Kuriositäten in Mainz

Nach dem Punktverlust in Nürnberg präsentieren sich die Bayern als schlechte Verlierer. Christian Eichler (FAZ) fordert mehr Gelassenheit: „Nach 15 Siegen in 17 Partien, ließ das erste Saison-Remis eine Dünnhäutigkeit erkennen wie seit dem „Finale dahoam“ nicht mehr. Im Mai scheiterten die Bayern daran, dass sie anders als das alte Schlachtross Drogba nicht über die nervliche Stärke verfügten, im hitzigsten Duell eiskalt zu bleiben. Erst ein halbes Jahr später sind sie nun einer halbwegs vergleichbaren Prüfung in Frusttoleranz unterzogen worden. Das Resultat: Gelassenheit geht anders. Wie sähe das erst ohne acht Punkte Vorsprung aus? Der faktische Abstand der Bayern zur Konkurrenz ist sogar gewachsen. Der gefühlte ist geschrumpft. Der Trip in den Abstiegskampf hat sie zu Antastbaren gemacht.“

Es fehlt der Türöffnermoment

Saskia Aleythe (SZ) erklärt den Münchener „Opfern“ woran es wirklich gelegen hat: „Es soll in dieser Saison bereits Spiele gegeben haben, bei denen die Bayern fünf Tore in einer Halbzeit schossen – das gelang gegen Nürnberg mitnichten. Abermals zeigte sich, wie sehr die Bayern an normalen Tagen auf Franck Ribéry angewiesen sind. Mit ihm gelingen viele Spielzüge federleicht, ohne seine Ideen und flotten Dribblings fehlt häufig der Türöffnermoment.“

Der harte Boden der Realität

Durch die Niederlage in Leverkusen hat Schalke die große Chance vertan, bis auf fünf Punkte an die Bayern heranzukommen. Tim Schulze (stern.de) zuckt ratlos mit den Schultern: „In der Bundesliga sind es viele starke Leistungen mit dem Höhepunkte des Derbysiegs in Dortmund, die die Schalker Seele beglückten. Auf der anderen Seite stehen Leistungseinbrüche wie jetzt gegen Leverkusen oder unkluges, taktisches Verhalten wie bei der Niederlage in Hoffenheim vor zwei Wochen. Sie holen den Club und sein Umfeld regelmäßig auf den harten Boden der Realität zurück.“

Daniel Theweleit (taz.de) lobt die Leverkusener: „Leverkusen hat sich ein neues Profil verschafft. Bayer agiert defensiver und physischer. Sie  ackern, kämpfen und rennen in der Defensive, und sie lieben es, ihre Gegner mit schnellen Gegenangriffen zu überfallen. Und sie haben genau die richtigen Spieler für ihr Spielkonzept, das mehr und mehr dem Vertikalfußball von Klubs wie Hannover oder Dortmund ähnelt.“

Ein Torwart Rechtsaußen mit dem Ball am Fuß im Abseits!

Jan Christian Müller (Berliner Zeitung) amüsiert sich über die letzten Minuten im Mainzer Stadion am Bruchweg: „Tuchel geriet am Spielfeldrand mehrfach zu einem wahren Irrwisch, weit, weit weg vom Ruhepuls, wenn seine Spieler in der Schlussphase mal wieder nicht den richtigen Schlüssel fanden, um den Hamburger Safe zu knacken. In der letzten Minute der Nachspielzeit hielt es angesichts der kollektiven Harmlosigkeit vor ihm sogar Torwart Christian Wetklo nicht mehr in seinem Strafraum, also rannte der lange Kerl bei der letzten Ecke nach vorne, der Ball wurde vom HSV geklärt und von einem Mainzer Spieler wieder abgefangen. Als der Ball dann zu Wetklo gelangte, befand sich dieser auf Rechtsaußenposition im Abseits. Man muss sich das mal vorstellen: Ein Torwart Rechtsaußen mit dem Ball am Fuß im Abseits! Vermutlich hat es das in der nunmehr bald 50-jährigen Bundesligahistorie noch nie gegeben.“

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Kommentare

1 Kommentar zu “Von „Opfern“, Undurchschaubaren und Fremdgängern”

  1. pope jp
    Montag, 19. November 2012 um 13:13

    „…die letzten Minuten im Mainzer Stadion am Bruchweg“?

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