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Bundesliga

Jahrhunderttrainer Huub Stevens – Titel ohne Wert

Kai Butterweck | Montag, 17. Dezember 2012 1 Kommentar

Die Presse beschäftigt sich intensiv mit der Entlassung von Schalke-Coach Huub Stevens

Jan Christian Müller (Berliner Zeitung) führt Schalke-Manager Horst Heldt auf brüchiges Eis: „Das Team, das zuletzt nicht mehr wie ein Team auftrat, benötigt also tatsächlich dringend einen Impuls von außen. Wobei Zweifel angebracht erscheinen, ob der beim VfB Stuttgart vor zwei Jahren als Cheftrainer bereits nach zwei Monaten durchgefallenen bisherige Schalker B-Jugendcoach Jens Keller dafür der richtige Mann sein kann. Dass Horst Heldt es den mit den Jugendlichen durchaus erfolgreichen Keller tatsächlich zutraut, die verunsicherte Profimannschaft zumindest bis zum Ende der Saison zu führen, ist kühn.“

Ein Beleg für die Schnelllebigkeit des Geschäfts

Reinhard Schüssler (derwesten.de) schüttelt fassungslos mit dem Kopf: „Ist es wirklich erst zwei Monate her, dass Schalke 04 innerhalb von vier Tagen mit Siegen über Borussia Dortmund und den FC Arsenal für Furore sorgte? Und gerade mal sechs Wochen, dass über den besten Bundesligastart der Königsblauen seit 41 Jahren berichtet wurde? Seitdem geriet der Klub mit nur zwei Punkten aus sechs sieglosen Spielen in eine bedenkliche Abwärtsspirale. Die Konsequenz daraus – Huub Stevens’ Entlassung zwei Tage vor dem letzten Pflichtspiel des Jahres – belegt die Schnelllebigkeit dieses Geschäfts.“

Kollege Peter Müller (derwesten.de) stellt sich hinter die Vereinsführung: „Es ist eine Menge schiefgelaufen, eine solche Misserfolgsserie entsteht nie nur aus einem Grund. Auch im Zwischenmenschlichen soll es Differenzen gegeben haben, man hatte nicht mehr das Gefühl, dass dieser Trainer aus dieser Mannschaft noch alles herauszuholen vermochte. Am Ende ist es aber nebensächlich, dass der Niederländer ein Virtuose in der Interpretation von Übellaunigkeit war, am Ende zählen nur die Ergebnisse. Und deshalb ist diese Trennung vom Trainer ein Klassiker: Wie sonst hätte die verzweifelte Klubführung eingreifen können?“

Resigniert und überdrüssig

Für Philipp Selldorf (SZ) kommt die Entscheidung alles andere als überraschend: „Stevens‘ hohes Ansehen in Schalke, seine alten Verdienste und die jüngeren Erfolge seit der Übernahme des Postens im September 2011 waren nicht erst seit Samstag nebensächlich geworden. Der Niederländer wirkte resigniert und seiner Aufgabe überdrüssig, ein strategisches Konzept und ein phantasiereiches Spiel hat am Samstag bloß die Mannschaft aus Freiburg geboten.“

Richard Leipold (FAZ) blickt zurück: „Als die Mannschaft sich anschickte, ins Bundesliga-Mittelmaß zurückzufallen, verwandelte Stevens sich zurück in den knurrigen, knorrigen Zeitgenossen, dem es letztlich doch schwerfällt zu verstehen, dass Fußball ein Unterhaltungsgeschäft ist, in dem es nicht nur darauf ankommt, eine klare Linie autoritär zu vermitteln, sondern die Autorität mit einem gewissen Charme zu verknüpfen, gerade wenn es nicht so läuft wie gewünscht. Gelungen ist ihm das nicht. Er hat versucht sich zu ändern, es aber nicht geschafft.“

Stevens hat es versäumt, Alternativen zu finden

Jürgen Beckgerd (wn.de) applaudiert in Richtung Schalker VIP-Tribüne: „Das Team droht in der Tat im Niemandsland der Tabelle zu versinken – ein finanzielles Desaster für den verschuldeten Club  wäre die Folge. Das Publikum reagiert zunehmend gereizt – der Kader hat seine Qualität zuletzt nicht mehr gezeigt. Im Gegenteil. Richtig ist auch, dass der Trainer nicht auf dem Platz steht, wenn die Mannschaft so fehler- und bisweilen stümperhaft wie zuletzt agiert. Wie immer trägt das Team seine Schuld, vielleicht deutlich mehr als der Coach. Der hat es jedoch versäumt, Alternativen zu finden. Dass sich das Team entwickelt habe, geschweige denn besser geworden wäre, das werden auch bekennende Stevens-Befürworter nicht belegen können.“

Martin Volkmar (sport1.de) stellt sich hingegen schützend vor den Holländer: „Abgesehen von den letzten vier Wochen hat Stevens fast alles richtig gemacht und eine ambitionierte und enorm junge Mannschaft aufgebaut. Und selbst nach dem jüngsten Absturz ist hinter dem enteilten Herbstmeister FC Bayern in der Tabelle noch alles möglich. Doch auf Schalke ist die Erwartungshaltung der Fans offensichtlich nicht mehr kompatibel mit der Realität, das zeigte nicht erst die fehlende Unterstützung gegen Freiburg. Und Ruhe war auch in der Vereinsführung noch nie eine königsblaue Tugend. Das bekam nun auch Stevens schmerzlich zu spüren.“

Auf Schalke hat keiner einen Plan

Tim Schulze (stern.de) legt die Stirn in Sorgenfalten: „Jetzt steht Schalke – wieder einmal – vor einem Neuanfang. Den soll Jens Keller garantieren. Keller ist auf seiner bisher einzigen Trainerstation in der Bundesliga beim VfB Stuttgart gescheitert. Ob es eine gute Idee ist, dem Stevens-Nachfolger gleich eine Job-Garantie bis zum Saisonende zu geben, darf bezweifelt werden. Schalke und die Champions League könnten eine Nummer zu groß sein für den unerfahrenen Coach. Aber es scheint so, dass sie auf Schalke ohnehin keinen Plan haben. Huub Stevens hat das den Job gekostet.“

Stefan Osterhaus (NZZ Online) nimmt sich Manager Horst Heldt zur Brust: „Horst Heldt kann seine schwache Bilanz mit dem Rauswurf Stevens‘ ein wenig übertünchen. Heldt ist ein blendender Kommunikator, doch wer seine Leistung anschaut, der wird es schwer haben, den Manager als Spitzenkraft zu werten. Zuletzt funktionierte wenig – einmal abgesehen von der Verpflichtung des Mönchengladbachers Neustädter, der in Gelsenkirchen glänzend aufspielt. Schalke 04, noch immer hoch verschuldet, kann sich Fehlkäufe nicht leisten. Das gilt auch und vor allem für den Trainer und nicht zuletzt auch für den Posten des Managers.“

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Kommentare

1 Kommentar zu “Jahrhunderttrainer Huub Stevens – Titel ohne Wert”

  1. Manfred
    Donnerstag, 20. Dezember 2012 um 08:43

    Mannmannmann, ein Glück hat Schalke ja jetzt das Pokalspiel gegen Mainz gewonnen, das wäre ja mit Stevens garantiert 1:4 oder so ausgegangen. Alles richtig gemacht, gell?

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