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Bundesliga

Bundesliga – Von Wiederbelebten und Tiefschläfern

Kai Butterweck | Montag, 24. Februar 2014 1 Kommentar

Während der HSV unter Neu-Coach Mirko Slomka den ersten Sieg nach sieben Pflichtspiel-Niederlagen feiert, geht die Talfahrt des VfB Stuttgart unbeirrt weiter. Auch in Leverkusen und in Gladbach schiebt die Belegschaft Frust

Nach einer monatelangen Durststrecke haucht Mirko Slomka dem totgesagten HSV wieder Leben ein. Während der anschließenden Pressekonferenz fühlt sich Saskia Aleythe (SZ) bestens unterhalten: „Wo zuletzt noch Bert van Marwijk mit bedröppelter Miene kauerte und von Pep Guardiola Mut zugesprochen bekam, thronte nun Mirko Slomka. Stolz, im fusselfreien dunkelblauen Sakko, lauschte er Jürgen Klopp. Der Dortmunder Trainer lobte seinen Gegner dafür, was er in den vergangenen sechs Tagen in Hamburg geleistet hat. Es fehlte nur noch bunter Konfettiregen, golden schimmerndes Sprühfeuerwerk und ein wenig Musik im Hintergrund, um den ersten großen Auftritt von Mirko Slomka in Hamburg kinotauglich zu untermalen.“

Hendrick Buchheister (Spiegel Online)applaudiert in Richtung HSV-Trainerbank: „Wenn man die Gründe erkunden möchte, warum der neue Trainer gleich im ersten Spiel einen bahnbrechenden Effekt auf das Auftreten seines Teams hatte, dann muss man bei der Aufstellung beginnen. Slomka hatte sechs Wechsel in der Startformation vorgenommen im Vergleich zum desaströsen 2:4 bei Eintracht Braunschweig am Wochenende zuvor. Vor allem einige Kämpfertypen nahm er in die Mannschaft: Milan Badelj, Petr Jiracek und den robusten Innenverteidiger Slobodan Rajkovic, der sein erstes Spiel in dieser Saison machte und bei jedem Ballgewinn mit Applaus bedacht wurde.“

Verunsicherte Profis stützt man durch simple Vorgaben

Peter Hess (FAZ) kratzt sich schmunzelnd am Kopf: „Slomka tat genau das Richtige, gegen den BVB mit acht Feldspielern zu beginnen, die eher defensiv als offensiv denken. So stabilisierte er die ganze Mannschaft. Er entband sie von der Aufgabe, etwas zu kreieren, sondern verpflichtete sie erst einmal nur, auf die Angriffe des Gegners zu reagieren. Verunsicherte Profis stützt man durch simple Vorgaben. Und dennoch – trotz aller Hamburger Vorsichtsmaßnahmen hätte Dortmund in Führung gehen können. Ob der HSV dann noch mal zurückgekommen wäre? Im Fußball können durch Maßnahmen nur Wahrscheinlichkeiten vergrößert oder verkleinert werden. Vollends zu erklären ist der Wahnsinn, wenn er denn eintritt, nicht.“

Auch Lutz Wöckener (Welt Online)lobt den neuen Mann am Spielfeldrand: „Anders als van Marwijk, der Situationen auf dem Feld stets fußballerisch lösen lassen wollte, verlangt Slomka zumindest bis zum Sommer klare, einfache Aktionen. Dass er seine erste Pressekonferenz im Trainingsshirt abhielt, war keineswegs zufällig. Er erleichterte es den Spielern, sich in der extremen Drucksituation des Abstiegskampfs auf die wesentlichen Dinge konzentrieren zu können. Die Folge: Zweikampfstärke und Durchsetzungsvermögen.“

Es ist eine Mär, das neue Besen automatisch besser kehren

Wöckeners Kollege Lars Wallrodt (Welt Online) hingegen traut dem Braten noch nicht: „Es ist also eine Mär, dass neue Besen automatisch besser kehren. 377 vorzeitige Trainerwechsel hat es in 50 Jahren Bundesliga gegeben. Oft verpuffte die Wirkung. Viermal kam es gar vor, dass Klubs vier Trainer in einer Saison zerschlissen, alle diese Vereine sind abgestiegen. 30-mal wurden Vereine von drei Trainern in einer Saison trainiert, elf davon stiegen ab, drei schafften es in die Relegation – was aus dem HSV wird, ist offen.“

Aussichtslose Apathie

Nach der Heimschlappe gegen Hertha BSC geht in Stuttgart die Angst um. Frieder Pfeiffer (Spiegel Online) blickt nach dem Spiel in haufenweise entsetzte VfB-Gesichter: „Schon jetzt ist die Angst in Stuttgart zu spüren, nach der Partie gegen Berlin näherte sich die Stimmung vor den Spielerkabinen einer aussichtslosen Apathie. Stürmer Cacau suchte mit leeren Augen Erklärungen auf den Bildschirmen über ihm, Verteidiger Antonio Rüdiger tat selbiges auf dem Boden. Das Resultat war identisch: ein leises Flüstern, lange Pausen, kurze Sätze.“

Panikknopf für Sami Hyypiä

Auch in Leverkusen ziehen nach der vierten Pflichtspiel-Niederlage in Serie immer dunklere Wolke auf. Benedikt Warmbrunn (SZ) verliert sich in Düsentrieb-Welten: „Manchmal wäre es äußerst praktisch, wenn das Leben ein Armaturenbrett wäre. Es gäbe einen Gute-Laune-Knopf, einen Ausschlafen-Knopf und vielleicht noch einen Anti-Mundgeruch-Knopf. Und Sami Hyypiä hätte einen Panikknopf. Den Panikknopf gäbe es natürlich nur exklusiv für Bundesliga-Trainer, es wäre ein fetter, roter Plastik-Buzzer, und keiner würde ihn gerne drücken. Auch nicht nach drei Niederlagen in Serie, in DFB-Pokal, Bundesliga, Champions League. Wie es Hyppiä zuletzt innerhalb von einer Woche erlebt hatte.“

Ein mutloser Haufen

In der Rückrundentabelle liegt Borussia Mönchengladbach derzeit auf einem Abstiegsplatz. Artur vom Stein (derwesten.de) weiß warum: „Aus einer mutigen Truppe, die einen flotten, schnellen, selbstbewussten Fußball aufführte, ist ein mutloser Haufen geworden, der auch gegen Hoffenheim irgendwann nur noch versuchte, ein Ergebnis zu verwalten. Dabei hätte es auch diesmal, wie schon vergangene Woche in Bremen, kaum ein Problem sein dürfen, drei Punkte zu holen. Aber da sowohl Patrick Herrmann wie auch Max Kruse und ansatzweise sogar Raffael ihrer Vorrundenform hinterher hecheln, schaffen es die Gladbacher nicht, einem Gegner „den Gnadenschuss zu geben“, wie es Tony Jantschke martialisch formulierte.“

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Kommentare

1 Kommentar zu “Bundesliga – Von Wiederbelebten und Tiefschläfern”

  1. WM 2014
    Mittwoch, 26. Februar 2014 um 13:53

    toller Einblick in die Fußball-Bundesliga 🙂

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