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Bundesliga

FC Bayern – Geschenke, die keiner will

Kai Butterweck | Montag, 7. April 2014 Kommentare deaktiviert für FC Bayern – Geschenke, die keiner will

Mit einer B-Elf fängt sich der FC Bayern in Augsburg die erste Niederlage nach 53 Spielen ein. Die Liga ist empört. Außerdem: Sami Hyypiä muss in Leverkusen seine Koffer packen

Die Unbesiegbar-Serie der Bayern ist gerissen. Allerdings stand in Augsburg „nur“ eine B-Elf auf dem Platz. Lars Wallrodt (Welt Online)ist erzürnt: „Grundsätzlich darf Guardiola natürlich aufstellen, wen er will, und wenn er lustig ist, kann er auch Mario Mandzukic ins Tor stellen und Manuel Neuer in den Sturm. De facto allerdings war seine Aufstellung gegen Augsburg ein Schlag ins Gesicht der Konkurrenz und der Bundesliga. Sie symbolisiert, wie egal dem FC Bayern die Punktspiele mittlerweile sind – oder sollten wir sagen: wie lästig? Der Branchenprimus wird sich überlegen müssen, wie oft er sich solche Aufstellungen wird leisten können. Degradiert er die Liga zum eigenen Wellnessbereich und Füllstoff zwischen den Champions-League-Spielen, wird er sich über kurz oder lang selbst schaden.“

Peter Penders (FAZ) wundert sich über den Bayern-Coach: „Guardiola hat recht ungeschickt formuliert, worauf er den Fokus in den kommenden Wochen zu legen gedenkt. Der Hinweis, die Bundesliga sei beendet, klingt erstaunlich flapsig für einen so ernsthaften Trainer, der wissen muss, dass dies nicht gut ankommen kann bei der Konkurrenz. Doch aus Sicht des Spaniers ist seine Aufstellung für das Spiel gegen Augsburg eine logische Konsequenz angesichts der kommenden Aufgaben und den verletzt oder gesperrt fehlenden Spielern gewesen.“

Die Bayern haben nirgendwo eine Verpflichtungserklärung unterschrieben

Jan Christian Müller (FR) versteht den ganzen Trubel nicht: „Sollte Mainz 05 den FC Augsburg noch an sich vorbei ziehen lassen und so die Qualifikation zur Europa League verpassen, wären die Mainzer dafür selbst verantwortlich, nicht die Bayern. Sollten Braunschweig, Bremen, der HSV oder Stuttgart absteigen, weil der Meister sich gegen einen von ihnen eine Blöße gegeben hätte, wäre das aus Sicht des betroffenen Absteigers zwar bedauerlich. Aber die Bayern haben nirgendwo eine Verpflichtungserklärung unterschrieben, stets mit ihrer besten Elf anzutreten und keine Spiele mehr verlieren zu dürfen. Darauf hat niemand einen moralischen Anspruch.“

Ralf Birkhan (derwesten.de) stellt sich ebenfalls auf die Seite der Münchner: „Der Egoismus hat in der Bundesliga seinen festen Platz. Ob man das nun gut findet oder nicht. Die Bayern haben die Meisterschaft abgehakt, ihre neuen Ziele heißen DFB-Pokal und Champions League. Also schont Guardiola seine Stars. Schließlich wird es in einem Rückblick nie heißen: Die Bayern haben in der Bundesliga auch noch in Augsburg gewonnen. Im Rückblick wird es immer nur heißen: Die müden Bayern haben gegen Manchester verloren und damit den Traum vom erneuten Triple vergeigt. Das will Guardiola verhindern. Dafür bezahlt ihn der Verein mehr als gut. Aus dieser Sicht hat er nur eins gemacht: richtig gehandelt.“

Leverkusen braucht eine Strukturveränderung

Nach der Niederlage in Hamburg trennt sich Bayer 04 Leverkusen von Trainer Sami Hyypiä. Philip Sagioglou (Welt Online) nimmt den Coach in Schutz: „Es ist zu einfach, die Schuld für die Misere allein beim Trainer zu suchen. Derart ideen- und leidenschaftslose Auftritte, wie sie das Team zuletzt reihenweise dargeboten hat, hat es bei Bayer lange nicht gegeben. Hyypiäs ehemaliger Partner Lewandowski soll die Mannschaft nun wieder auf Champions-League-Kurs führen, doch damit ist es, wie Insider meinen, nicht getan. Leverkusen brauche eine Strukturveränderung, von der Besetzung des Kaders bis hin zur Vereinsführung. Für den Trainerneuling Hyypiä waren das zu viele Baustellen, als dass er sie auf Dauer allein hätte bewältigen können.“

Stefan Klüttermann (RP Online) blickt gespannt in die Zukunft: „Die vergangenen Tage hatten im Umfeld die zarte Hoffnung genährt, dass die Verantwortlichen sich selbst wie auch die komfortzonen-verwöhnten Profis stärker in die Verantwortung für das Gesamtkonstrukt einer Saison nehmen werden. Die kommenden Wochen werden nun zeigen, ob die dahingehenden Aussagen Substanz und Nachhaltigkeit besitzen oder ob man bei Bayer wieder in bekannte bequeme Muster verfällt. Wer immer nun ab Sommer den Trainerposten in Leverkusen übernimmt, ein Armin Veh vielleicht oder ein Markus Weinzierl, er könnte von diesem Umdenken profitieren. Ansonsten ist auch er dann irgendwann wieder der Dumme. Und entlassen.“

Ohne Not und wider aller Vernunft

Karlheinz Wagner (ksta.de) nimmt sich die Bayer-Führung zur Brust: „Dass Bayer 04 jetzt Lewandowski zurückholt um zu retten, was nur vielleicht noch zu retten ist, ist natürlich richtig. Es ist aber ebenso natürlich das Eingeständnis des nächsten verheerenden Planungsfehlers an entscheidender Stelle:  Lewandowski hätte spätestens nach dem höchst bedenklichen Ausscheiden im DFB-Pokal gegen den Zweitligisten Kaiserslautern zurückkehren müssen an Hyypiäs Seite. Und vielleicht hätte niemand je entlassen werden müssen. Doch statt so den ersten Fehler zu korrigieren, wurde lieber ein zweiter gemacht: Freiwillig, ohne Not und wider alle Vernunft. Das ist Führungsschwäche.“

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