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Bundesliga

Bayern zerlegt HSV – Wer will noch mal, wer hat noch nicht?

Kai Butterweck | Montag, 16. Februar 2015 1 Kommentar

Der HSV kommt beim Rekordmeister böse unter die Räder. Außerdem: Frankfurt atmet auf, Leverkusen im Achterbahn-Modus und ein Wolfsburger Torgarant

In München kassiert der HSV die höchste Niederlage der Vereinsgeschichte. Matthias Linnenbrügger (Hamburger Morgenpost) geht auf Coach Joe Zinnbauer los: „Dass der Trainer vor dem Auftritt beim FC Bayern gleich zwei Positionen in der Viererkette veränderte, ist nicht nachzuvollziehen. Rechts spielte Ashton Götz für Heiko Westermann, der wiederum Slobodan Rajkovic im Zentrum ersetzte. Ohne Not riss der Hamburger Coach die zuvor sattelfeste Verteidigung auseinander. Ein Wechsel wäre dagegen nötig gewesen, diesen vollzog er jedoch nicht: Ronny Marcos, der zu Wochenbeginn noch mit einer Gehirnerschütterung im Krankenhaus lag, lief auf – und wurde von Arjen Robben schwindelig gespielt. Herr Zinnbauer, das war Harakiri!“

Sie hatten alle, ohne Ausnahme, versagt

Sebastian Winter (Spiegel Online) ist fassungslos: „Am Ende hatten die HSV-Profis nicht nur ein Spiel verloren. Sie hatten alle, ohne Ausnahme, versagt. Weil sie sich ohne Gegenwehr in diese historische Pleite fügten: Die höchste Bundesliganiederlage in der langen Geschichte des Gründungsmitglieds Hamburger SV.“

Auch Julien Wolff (Welt) schlägt die Hände vors Gesicht: „Das Debakel ist verbal nicht zu fassen und nicht zu bewältigen. Denn die Gründe dafür liegen so tief, dass sie nicht in einem eilig hingestammelten Beitrag in der Pressekonferenz erklärt werden können. Die Verunsicherung ist dem einst so stolzen HSV in die Genetik übergegangen. Zwei Siege am Stück hatten die Norddeutschen errungen zu Beginn der Rückrunde. Das hätte jedem anderen Klub wohl so viel Auftrieb verpasst. Doch der HSV ist ein spezieller Patient. Der Verein ist durch die Ereignisse der vergangenen Jahre, dem kontinuierlichen Abfall von einem Europapokalanwärter zu einem Abstiegskandidaten, dermaßen in seinen Grundfesten erschüttert worden, dass alle zarten Triebe eines Neuaufbaus stets bedroht sind vom vollständigen und sofortigen Zerfall.“

Eine beinahe schon rauschhafte Freude

Auf der Gegenseite herrscht natürlich eitel Sonnenschein. Maik Rosner (SZ) lehnt sich zurück und genießt: „Während der 90 Minuten war den Münchnern eine beinahe schon rauschhafte Freude am eigenen Spiel anzumerken gewesen, nach all den ziemlich schleppenden Auftritten zuvor in diesem Jahr. Das galt natürlich besonders für Arjen Robben, der wieder einmal herausragte und sogar während der genüsslich vollzogenen Demontage des HSV auch noch gerne Späße auf seine Kosten zuließ. Wie in jener Szene, als Bastian Schweinsteiger ihm den rechten Schuh streichelte.“

Sebastian Winter (Spiegel Online) blickt voller Vorfreude in die Zukunft: „Nach Wochen voller Kritik am durchwachsenen Start der Bayern in die Rückrunde haben die Münchner nun ein deutliches Zeichen an die Konkurrenz gesandt. Für Guardiola ist die wichtigste Erkenntnis aus dem Hamburg-Spiel, dass er nun wieder mehr Alternativen hat – selbst wenn ein Spieler wie Alonso fehlt. Badstuber und Rafinha fügten sich problemlos in die Dreierkette ein, aus der Dante wegen zuletzt eher schwacher Leistungen herausgefallen ist. Ribéry zeigte nach der Verletzungspause sofort wieder seinen Spielwitz. Und Schweinsteiger spielte einige exzellente, öffnende Pässe. Das schnelle Aufbauspiel, die guten Ideen, die Überraschungsmomente in der Offensive: All das hat den Bayern zuletzt gefehlt.“

Ein Freudentaumel in rot und schwarz

Nach dem Sieg gegen Schalke nehmen die Frankfurter wieder Tuchfühlung zu den oberen Tabellenplätzen auf. Thomas Kilchenstein und Ingo Durstewitz (FR) applaudieren den jubelnden Verantwortlichen: „Nach dem mit Schwerstarbeit errungenen, aber nicht mal unverdienten Sieg gegen den FC Schalke 04 war die Erleichterung im Frankfurter Lager mit Händen zu greifen. Die Spieler führten auf dem Feld wahre Veitstänze auf. Torwart Kevin Trapp, einer von zwei  Matchwinnern, sprang erst Alexander Madlung an, dann schnappte er sich Lucas Piazon, den anderen Matchwinner, und drückte ihn fest an seine Brust. Es war ein Freudentaumel in schwarz und rot. Drinnen, im Bauch der Arena, strahlte Sportdirektor Bruno Hübner wie das berühmte Honigkuchenpferd.“

Das Leverkusener Spiel ist seltsam

In Leverkusen geht es derzeit rauf und runter. Nach dem Spektakel gegen Wolfsburg geht Daniel Theweleit (Spiegel Online) auf Spurensuche: „Das Leverkusener Spiel ist seltsam, es kann phlegmatisch sein, wie in der ersten Halbzeit, oder hoch emotional und mitreißend, wie in der zweiten. Bei der packenden Aufholjagd erzielte allein Son drei Tore, Karim Bellarabi traf zum zwischenzeitlichen 4:4. Allerdings: Ruhe, Vernunft, Besonnenheit und beharrliche Kontrolle fehlen dem Team zurzeit. Es sind Qualitäten, die der vor einem Jahr entlassene Trainer Sami Hyypiä in den Vordergrund gestellt hatte. Unter Schmidt spielt die Mannschaft attraktiver, doch die obengenannten Tugenden sind verloren gegangen.“

Christian Otto (Welt) erfreut sich an den derzeitigen Auftritten von VfL-Stürmer Bas Dost: „Das Beste an diesem Typen ist: Er bewahrt sich mitten in dem Trubel, der gerade um ihn entsteht, eine gewisse Gelassenheit und Distanz zum Geschehen. Er räumt ein, dass vieles an seiner Spielweise komisch aussieht. Der Mann mit den Plattfüßen läuft nicht besonders viel, wenn er als einzige Sturmspitze aufgeboten wird. Sein Körperhaltung signalisiert oft: Selber schuld, Jungs. Wenn ich von euch den Ball nicht bekomme, kann ich kein Tor schießen. Die Botschaft ist vor allem bei seinen Kollegen Kevin De Bruyne, Andre Schürrle, Ricardo Rodriguez und Vieirinha angekommen. Sie versorgen ihn mit scharfen Hereingaben am Fließband und können danach im Grunde gleich zum Gratulieren weiterlaufen.“

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Kommentare

1 Kommentar zu “Bayern zerlegt HSV – Wer will noch mal, wer hat noch nicht?”

  1. #Link11: Derbysieger, Derbysieger, Hey, Hey! | Fokus Fussball
    Montag, 16. Februar 2015 um 12:24

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