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Bundesliga

Dieter Hecking – Vom König zum Depp

Kai Butterweck | Dienstag, 18. Oktober 2016 3 Kommentare

Mit Dieter Hecking muss bereits der dritte Bundesliga-Trainer in der noch jungen Saison vorzeitig die Koffer packen

Der VfL Wolfsburg trennt sich von Dieter Hecking. Nach der Schlappe gegen Leipzig zieht Klaus Allofs die Reißleine. Javier Cáceres (SZ) nimmt sich den VfL-Geschäftsführer zur Brust: „Allofs ist maßgeblich verantwortlich für den bislang gescheiterten Umbau des Teams, der nach den Abgängen von Naldo, Dante, Schürrle und Kruse nötig wurde. In Hecking ist Allofs‘ letzter Schutzschild weg. Nur: In der Führungsetage des VfL sitzt quasi niemand mit Fachkompetenz. Bei VW gilt, dass die Investition in den Fußball nur Sinn ergibt, wenn der Klub international von sich Reden macht. Aber davon ist der VfL so weit entfernt wie der Mond, der Sonntag über dem Stadion in voller Pracht schien.“

Die üblichen Verdächtigen dürften nicht infrage kommen

Peter Unfried (taz) zieht beim Sondieren des Trainer-Marktes die Augenbrauen zusammen: „Falls Ismaël nicht der neueste Fall eines reüssierenden Coaches aus der eigenen Schule ist, stellt sich die Frage, welchen Trainer man derzeit überhaupt kriegen könnte, der kurzfristig die Kurve kriegt, um mittelfristig mit Allofs die stockende Stil- und Identitätsentwicklung des Clubs im Land und der autokaufenden Welt weiterzubringen. Die üblichen Verdächtigen dürften nicht infrage kommen.“

Hendrik Buchheister (Spiegel Online) blickt zurück: „De Bruyne war der Hauptdarsteller der Wolfsburger Erfolgssaison 2014/2015 mit dem Pokalsieg, der Vizemeisterschaft und dem Einzug in die Champions League. Er steuerte das Umschaltspiel, der VfL war von seinen Künsten abhängig. Wie groß diese Abhängigkeit war, zeigte sich nach De Bruynes Weggang zu Manchester City im Sommer des vergangenen Jahres. Und genau diese Abhängigkeit wurde Hecking im Nachhinein zum Verhängnis. Der Trainer hat es nicht geschafft, den Verlust des besten Mannes mit guter Trainerarbeit aufzufangen. Oder, um es in der Fachsprache auszudrücken: Er hat es nicht geschafft, der Mannschaft eine Handschrift zu geben.“

Ein rasanter Absturz

Frank Hellmann (FR) schüttelt den Kopf: „Wohl nirgendwo sonst verwelkt der Lorbeer so schnell wie als Fußballlehrer eines Bundesligisten. Aktuellstes Beispiel ist nun Dieter Hecking, der am Montagvormittag zwar noch das Training beim VfL Wolfsburg leiten durfte, aber am Nachmittag bereits kein Trainer mehr war. Bitter für einen, der noch 2015 nach Vizemeisterschaft und Pokalsieg zum Trainer des Jahres gekürt wurde. Ein rasanter Absturz, der parallel zur tabellarischen Entwicklung verlaufen ist. Wenn der VfL-Macher Allofs in einer vertrackten Gemengelage beim Werksklub zunächst erklärte, ein Trainerwechsel sei immer auch ein Mangel an anderen Ideen, dann hat er fraglos recht.“

Axel Lukacsek (thüringer-allgemeine.de) nimmt einen VfL-Stürmer in die Verantwortung: „Zu den Verlierern gehört aber auch ein anderer. Mario Gomez, zuletzt noch bei Besiktas Istanbul unter Vertrag, kickt seit dem 2. Spieltag in Wolfsburg mit. Und die Bilanz des Nationalstürmers seitdem? Null Treffer! Als Torschützenkönig in der Türkei war Gomez in die Bundesliga zurückgekehrt. Gewiss, Glück und Pech liegen manchmal dicht beieinander. Das zeigen ja auch die drei Spiele, die für den VfL in dieser Serie torlos endeten. Aber diese trostlose Ausbeute hat in Wolfsburg selbst die treuesten Fans nun auf die Palme gebracht. Ein Nationalspieler wie Gomez kann mit seinen Toren eine ganze Mannschaft mitreißen – oder eben auch nicht.“

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Kommentare

3 Kommentare zu “Dieter Hecking – Vom König zum Depp”

  1. Van Kuchen
    Dienstag, 18. Oktober 2016 um 18:51

    Zum Einen finde ich es normal, daß ein Verein, der in der einen Saison oben steht, sich auch mal unten wiederfinden kann. Insbesondere, wenn der Erfolg schon einige Jahre angehalten hat.
    Jedoch Klaus Allofs zu beobachten, der bereits in Bremen verantwortlich war für – m.M. – sowohl Aufstieg, als auch Niedergang, finde ich interessant.
    Es hieß, daß er dort öfter im Casino zu sehen war, als am Fußballplatz.
    Es scheint, das Jahrelanger Erfolg auch konstante Arbeit erfordert und es sich sofort rächt, wenn nicht dran geblieben wird.

  2. Charly
    Mittwoch, 19. Oktober 2016 um 19:14

    „Es hieß …“. Wo? Etwa in übereinstimmenden Medienberichten aus Syke und Wolfsburg?

    Im Casino Royal ist übrigens alles egal.
    Das wusste schon der Happel Ernst, Meister aller Disziplinen.

    Klaus Allofs hat jedoch andere Hobbys.
    Und auf der Turf, da gibt`s koa Sünd, wie ein altes norddeutsches Sprichwort sagt.

  3. Charly
    Mittwoch, 19. Oktober 2016 um 19:32

    Vom König zum Depp?
    Eigentlich war/ist Dieter Hecking beides nicht, obwohl die beigefügte photografische Momentaufnahme uns unbeholfenen Lesern das Drama zu verstehen helfen soll, während erfahrene Medienkonsumenten die jämmerlich Absicht dahinter innerhalb eine Minisekunde entlarven.

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