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Internationaler Fußball

Das große Messi-Beben

Kai Butterweck | Donnerstag, 27. August 2020 ohne Kommentar

Das (wahrscheinliche) Ende der Beziehung zwischen Lionel Messi und dem FC Barcelona schlägt in der Presse erwartungsgemäß hohe Wellen

Lionel Messi hat um die Auflösung seines Vertrags beim FC Barcelona gebeten. Sebastian Stier (Zeit Online) blickt zurück: „Die Geschichte von Lionel Messi und dem FC Barcelona begann vor zwanzig Jahren auf einem speziellen Stück Papier, da ist es nur konsequent, dass sie nun auf einem ebenso speziellen endet. Damals, im Dezember 2000, unterzeichnete Carles Rexach, zu dieser Zeit Sportdirektor des FC Barcelona, eine Absichtserklärung, dass der Club den 13 Jahre alten Lionel Messi verpflichten werde. Auf einer Serviette. Die Serviette liegt heute in einem Safe in Barcelona. Ihr Besitzer Horacio Gaggioli, der Spielerberater, der den Wechsel einfädelte, sagte vor einigen Jahren, er möchte sie dem Museum des FC Barcelona übergeben, wenn Messi seine Karriere bei den Katalanen beendet. Dieser Tag ist nun in Sichtweite.“

Florian Haupt (Welt) stellt der Barca-Chefetage ein Armutszeugnis aus: „Nun also das vermeintlich Undenkbare – und Barça steht mal wieder als Verein da, bei dem die Dinge schlecht gemacht werden: Jemandem das mit Abstand höchste Gehalt der Fußballgeschichte zu zahlen und ihm trotzdem eine einseitige Ausstiegsklausel zuzugestehen, muss man erst mal hinbekommen. Dass so ein Fax nicht mal einen halben Tag geheim bleibt, auch.“

Jeder Deal ist möglich

Frank Jansen (Tagesspiegel) schlägt die Hände vors Gesicht: „Messi soll nach Medienberichten bei Barça mehr als 70 Millionen im Jahr verdienen. Das werden selbst ManCity und Inter Mailand kaum zahlen. Und 700 Millionen Ablöse schon gar nicht. Vielleicht werden auch Spieler getauscht. Jeder Deal ist möglich. Und Messi könnte versuchen, Bartomeu zu zermürben. Der Megastar soll angekündigt haben, nicht mehr beim Training zu erscheinen. Ein wochenlanges Gezerre dürfte Messi Sympathien kosten. In den Foren der Culers gibt es schon Stimmen, die sich ein neues Barça vorstellen können. Ohne Messi.“

Roman Gerth (sportbuzzer.de) kratzt an Messis Rückgrat: „Der Vizeweltmeister von 2014 will mit allen Mitteln verhindern, dass die spätestens nach dem 2:8-Desaster gegen den FC Bayern am Boden zerstörten Katalanen seinen Karriere-Herbst nachhaltig beschädigen. Messi hätte den Neuaufbau unter Klub-Legende Ronald Koeman anführen können, der nach dem Trauma im Champions-League-Viertelfinale gegen den späteren Sieger aus München das Zepter von Quique Setién übernahm. Barça wollte seinen „Zauberfloh“ gern behalten, der noch im Achtelfinale gegen Neapel seine ganze Klasse gezeigt hatte. Allein: Dem besten Fußballer dieses Jahrtausends ist das neue Barça zu heikel.“

Ein echter Anführer war er nie

Marco Alles (thueringer-allgemeine.de) ist enttäuscht: „Dass Messi in Barcas größter Krise der jüngeren Vergangenheit jedoch nicht die Ärmel hochkrempelt und anpackt, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen, sagt einiges über den Menschen hinter dem wohl weltbesten Kicker aus. Trotz aller Genialität am Ball – ein echter Anführer war er nie. Ei­ner, der andere mitreißt oder auch mal verbal attackiert, wird er nie sein.“

Carsten Arndt (sport1.de) springt vor Freude im Dreieck: „Wer hat sich nicht schon mal die Frage gestellt, ob und wie der vielleicht begnadetste Fußballer der Geschichte in einem anderen Umfeld mit anderen Mitspielern funktionieren würde? Ob er ähnlich dominant auftreten und jedes Team auf ein neues Level heben könnte? Seite an Seite mit Neymar bei PSG? Ein Monster-Duo mit seinem größten Rivalen Cristiano Ronaldo bei Juventus? Oder vielleicht die große Herausforderung Manchester United? Bei aller Romantik: Welchem Fußball-Fan läuft bei dieser Vorstellung nicht das Wasser im Mund zusammen?“

Oliver Maywurm (spox.com) holt den Erste-Hilfe-Koffer: „Auch wenn natürlich niemand Messi gleichwertig ersetzen kann, bedeutet dessen Abschied dennoch eine Chance für andere. Die künftig wichtiger werden, die ohne diesen Ausnahmekönner, auf den man sich (fast) immer verlassen konnte, mehr Verantwortung übernehmen müssen. Koeman ist der, der das Pflaster, das das lädierte Barca zusammenhält, das sie in den letzten Jahren nur ganz allmählich entfernen wollten und wahrscheinlich bis hin zu Messis Karriereende so weiter gemacht hätten, nun wohl in einem Zug abreißt. Sodass es nicht mehr nur ein bisschen wehtut, sondern höllisch. Aber eben auch nur kurz statt ständig.“

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