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Bundesliga

David Wagner und Achim Beierlorzer müssen die Koffer packen – Mainz und Schalke versinken im Chaos

Kai Butterweck | Dienstag, 29. September 2020 ohne Kommentar

Nach gerade mal zwei Spieltagen zieht man auf Schalke (David Wagner) und in Mainz (Achim Beierlorzer) die Trainer-Reißleine

David Wagner ist nicht mehr Trainer von Schalke 04. Aaron Knopp (rp-online.de) blickt sorgenvoll in die Zukunft: „Wagners Entlassung war unausweichlich, löst aber kein Problem. Schalke ist dermaßen pleite, dass ein teurer Trainerwechsel trotz besseren Wissens schlicht nicht vorgesehen war. Die Entlassung selbst und gleichsam ihr Zeitpunkt offenbaren also das ganze Ausmaß der Verzweiflung. Die wichtigste Qualifikation von Wagners Nachfolger wird zunächst sein, nicht David Wagner zu heißen. Eine Lichtgestalt vom Zuschnitt Ralf Rangnicks verbieten die Finanzen. Dass der Neue der Mannschaft ihren schlimmen Fußball, der sich regelrecht in die Klub-DNA gefressen hat und die obendrein notorische Charakterschwäche austreibt, wagt ernsthaft kaum noch jemand anzunehmen.“

Schalke fehlen alle Hebel

Jan Wochner (sportschau.de) beschäftigt sich mit einem desaströsen Gesamtpaket: „Die sportliche Misere ist bei weitem nicht Schalkes einziges Problem. Der Verein hat noch viel mehr Probleme. Fast 200 Millionen Euro Schulden, dazu kommt die Bürgschaft beim Land NRW, die der Verein kürzlich beantragen musste. Bald wird auch noch die Rückzahlung für eine millionenschwere Fan-Anleihe fällig. Heißt im Klartext: Schalke fehlen alle Hebel, um sich aus der Abwärtsspirale zu befreien. In jeder Hinsicht. Es fehlt das Geld, es fehlt eine funktionierende Mannschaft auf dem Platz und ein Ansatz, die wirtschaftlichen Probleme in absehbarer Zeit in den Griff zu bekommen. Schalke sucht in diesen Tagen also nicht nur einen neuen Trainer.“

Heiko Ostendorp (sportbuzzer.de) ist gespannt: Schneiders Mammutaufgabe besteht nun darin, einen Trainer zu installieren, der nicht nur bezahlbar ist und den Klassenerhalt schafft, sondern auch die Werte des stolzen Klubs endlich wieder glaubwürdig vorlebt und die Anhänger mitnimmt. Vor allem aber muss er erstmal jemanden finden, der sich den Klub in der derzeitigen Lage freiwillig antut.“

Der Klub taumelt geradezu

Marcus Bark (spiegel.de) schließt sich an: „Wer Schalkes neuer Cheftrainer wird, das könnte diesmal noch wichtiger sein als das bei Trainerfragen ohnehin der Fall ist. Der Klub ist angeschlagen, er taumelt geradezu. Finanziell ist kaum Spielraum für Verpflichtungen, die den Kader verbessern. Es braucht einen Coach, dem es gelingt, die vorhandene Qualität zum Vorschein zu bringen. Der Talente entwickelt, Marktwerte steigert, dafür sorgt, dass es wieder Spaß macht, Schalke Fußball spielen zu sehen.“

Daniel Theweleit (taz) nennt Schuldige beim Namen: „Der furchtbare Gesamtzustand, in dem der Klub sich befindet, hat viele Väter. Der im Frühsommer zurückgetretene Aufsichtsratschef Clemens Tönnies trägt den wohl größten Teil der Verantwortung. Aber auch die ehemaligen Manager Horst Heldt und Christian Heidel haben keine Substanz hinterlassen.“

Philipp Selldorf (SZ) will nicht mit Jochen Schneider tauschen: „Dem Sportvorstand braucht jetzt wohl niemand mehr zu sagen, dass es ein folgenschwerer Fehler war, gegen alle nahezu logischen Einwände an Wagner festzuhalten. Ein starker Torwart, ein bissfester Verteidiger und ein treffsicherer Stürmer sind unentbehrlich für ein Profiteam – aber der wichtigste Mann ist der Trainer. Deshalb steckt Schneider nun in ernsten Schwierigkeiten, denn er muss unter der Last der Ereignisse unter Zeitdruck einen neuen Coach beschaffen, der im laufenden Betrieb ein demoralisiertes, desorientiertes Team in wettbewerbsfähige Form bringen muss.“

Ende mit Ansage

Auch in Mainz steht man nach der Entlassung von Achim Beierlorzer vor wegweisenden Wochen. Michael Ebert (kicker.de) blickt zurück: „Der Trainingsboykott war das Ergebnis einer Gesamtsituation, die sich in den vergangenen Monaten hochgeschaukelt hat. Seit längerem beschleicht die Spieler das Gefühl, der Trainer hole nicht genug aus der Mannschaft heraus. Die Mannschaftsmitglieder kritisierten das intern und forderten bessere Handlungsanweisungen – wirklich darauf eingegangen ist Beierlorzer nicht. Mit einer gewissen Sturheit zog der Franke seinen Stoff weiter durch und spürte dabei nicht, wie immer mehr Profis von ihm abrückten.“

Michael Meister (merkurist.de) stellt den Nachfolger vor: „Der bisherige Co-Trainer Jan-Moritz Lichte soll den FSV interimsweise übernehmen und mit dem Team wieder in die Erfolgsspur finden. Als Trainer wechselte Lichte zur Saison 2011/2012 vom SC Paderborn zum FC Sankt Pauli. Die Internetseite „Blog trifft Ball“ bezeichnete den 40-Jährigen damals schon als „stillen Strategen“. Aufgrund seiner guten Arbeit wurden auch die Bosse von Bundesligist Bayer Leverkusen auf Lichte aufmerksam und holten den damals 32-Jährigen als Co-Trainer. Nach zwei Jahren übernahm Lichte schließlich zur Saison 2014/2015 den Co-Trainer-Job bei Hannover 96, wo er in der darauf folgenden Spielzeit die Nachwuchsabteilung übernahm. Lichte ist bisher also der klassische zweite Mann gewesen.“

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