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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

EM 2020

Euro 2020 – Der Countdown läuft

Kai Butterweck | Donnerstag, 10. Juni 2021 ohne Kommentar

Kurz vor dem EM-Start beschäftigt sich die Presse mit Stimmungslagen, TV-Angeboten und herausfordernden Puzzle-Spielereien

Ein Tag vor Beginn der Euro 2020 können es die Fans kaum erwarten. Oder doch nicht? Tammo Blomberg (Zeit Online) tappt bei der Vorfreude-Suche im Dunkeln: „Das Hauptgesprächsthema an der Supermarktkasse und beim Spaziergang waren über Monate hinweg die Pandemie, die Maßnahmen; sicher nicht der Fußball, geschweige denn das nächste Deutschlandspiel. Mittlerweile reden wir zum Glück häufiger über Impftermine als über Lockdownregeln. Aber von der Leichtigkeit, die bei einem solchen Turnier mitschwingt, ist das Land weit entfernt.“

Tagebuchführer Jan Christian Müller (FR Online) sitzt dem DFB-Tross im Nacken: „Ehe es auf nach Herzogenaurach ging, war noch ein PCR-Test notwendig, der mich ins wunderschöne Dietzenbach brachte. Die Testung verlangt der DFB, um in Herzogenaurach aufs Gelände von Adidas zum Training der Nationalmannschaft zu gelangen. Jedenfalls: Auf dem Weg nach Dietzenbach, wo es einen sehr gut organisierten Drive-in-Testcenter direkt am Freischwimmbad gibt, stand doch tatsächlich ein PKW am Straßenrand, der eine Deutschland-Fahne trug. Wer es nicht glauben mag: Das Foto beweist es. Ich schwöre, dass es sich bei dem Wagen mit Fähnchen nicht um eine Inszenierung handelt.“

Berechtigte Skepsis

Wie weit kommen die Mannen von Jogi Löw? Stefan Hermanns (Tagesspiegel) ist gespannt: „Zweifel haben die Nationalmannschaft schon häufiger zu großen Turnieren begleitet. Besonders groß waren sie vor den Weltmeisterschaften 2002 und 2006. Am Ende wurde es Platz zwei und Platz drei. Aber völlig aus der Luft gegriffen ist die Skepsis nicht. Die vergangenen Monate wirken noch nach: das deprimierende 0:6 gegen Spanien im vergangenen November zum Beispiel. Oder auch das blamable 1:2 gegen Nordmazedonien, ein Land, von dem manche Fußballfans vermutlich nicht einmal wussten, dass es überhaupt existiert.“

Christof Kneer (SZ) schließt sich an: „Man mag dem Bundestrainer wünschen, dass sie ihm auch ein Puzzlezimmer ins EM-Quartier gebaut haben, denn noch nie in seiner Amtszeit ist er mit einem derart unfertigen Gesamtbild in eine Turnierkampagne gestartet. Selbst jetzt, eine dreiviertel Woche vor dem ersten Spiel, ist das große Puzzeln noch nicht abgeschlossen. Immer noch liegen Teile rum. Man hat das Gefühl, noch nie hing alles so sehr mit allem zusammen wie diesmal.“

Das nimmt den Spaß am Profi-Sport

Einige Spiele der EM 2021 werden nur im Streaming-TV live zu sehen sein. Antonio Komes (focus.de) platzt vor Wut: „Es kann nicht sein, dass wir uns vor jedem Turnier, jeder Saison, jedem Event schlaumachen müssen, welche Abonnements wir wie lange brauchen. Das nimmt den Spaß am Profi-Sport. Und sorgt dafür, dass er zunehmend einer elitären Gruppe vorbehalten bleibt. Eine elitäre Gruppe, die es sich leisten kann, ins Stadion zu gehen oder zig Dienste zu abonnieren.“

In der Rubrik „EM-Vorschau“ beschäftigt sich Tobias Nordmann (n-tv.de) mit der Gruppe D: „Wenn Sie jemand sind, der die Überraschung scheut, dann schauen Sie doch einfach Österreich gegen die Niederlande. Die meisten Spieler aus dem Alpenland kennen Sie vermutlich aus der Bundesliga. Aus durchaus tragenden Rollen. Hier ist das Potenzial von unbekannten Dingen übermannt zu werden eher gering. Bei den Niederländern werden Sie möglich ein paar Spieler weniger kennen, aber man weiß auch so, was einen erwartet: technisch schöner, offensiver Fußball. Und mit Wout Weghorst, auch das weiß man, steht vorne drin ein Mann, der die Schönheit der Ballzirkulation mit gnadenloser Abschlussstärke veredeln kann. „

Frank und frei

Patrick Strasser (sportbuzzer.de) freut sich auf Robin Gosens: „Der 26-Jährige hat sich als Linksaußen etabliert. Bei seinem ersten Länderspieltor gegen die Letten ging ihm wie er frank und frei formulierte „so richtig einer ab“. Während des Trainingslagers in Seefeld betonte er, man müsse sich bei den Übungseinheiten „auch mal auf die Eier gehen und dem anderen sagen, dass er Sülze spielt“. Seit dem Abschied von Lukas Podolski aus der Nationalelf hat man solch eine Wortwahl nicht mehr gehört bei den PR-mäßig durchgestylten Nationalspielern. Geradeaus, schlagfertig, authentisch – das ist Gosens.

 

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