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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

EM 2020

Euro 2020 – Bunte Wut

Kai Butterweck | Mittwoch, 23. Juni 2021 ohne Kommentar

Die UEFA hat den Antrag, die Münchner Allianz-Arena in Regenbogenfarben leuchten zu lassen, abgelehnt. Die Presse ist empört

Keine Regenbogen-Arena in München: Die UEFA zeigt mit beiden Daumen nach unten. Georg Restle (sportschau.de) ist außer sich vor Wut und Enttäuschung: „Respekt? Toleranz? Ach nö! Jedenfalls nicht, wenn‘s das Geschäft versaut. Apropos: Euren Hauptsponsor aus Katar wolltet Ihr ganz sicher auch nicht vergrätzen. Schließlich steht da ja noch eine WM vor der Tür. Und da kommen Regenbögen auch nicht so gut an. Ich sag’s mal schlicht: Eure Alibi-Kampagnen für Diversität und Toleranz könnt Ihr Euch – mit Verlaub – sonst wohin stecken.“

Für Transparenz, Gleichberechtigung und Vielfalt

Christian Ewers (stern.de) schlägt die Hände vors Gesicht: „Die Uefa wähnt sich in einer Position der Stärke. Sie glaubt offenbar, das Publikum würde über ihr schäbiges und erpresserisches Verhalten hinwegsehen – am Ende interessierten sich die Fans ja doch nur für spannenden Spiele und schöne Tore. Aber das stimmt nicht. Die Menschen sind feinfühliger geworden, sie gehen nicht nur für den Klimaschutz auf die Straße, sondern auch für Transparenz, Gleichberechtigung und Vielfalt. So, wie sich die Uefa in diesen Wochen bei der Europameisterschaft präsentiert, wirkt sie gegenwartsblind. Sie wird sich radikal erneuern müssen, um eine Zukunft zu haben.“

Mathias Brüggmann (handelsblatt.com) stapelt Fragezeichen: „Warum hat der Münchener Stadtrat bei der Uefa überhaupt angefragt? Warum lässt ein deutsches Stadtparlament, eine stolze bayerische Landesregierung, letztendlich sogar die ganze deutsche Politik zu, dass für die Zeit einer Fußball-Europameisterschaft die Regeln der Uefa über dem nationalen Recht der Bundesrepublik Deutschland stehen? Dies ist inakzeptabel.“

Wem tut’s weh?

Pit Gottschalk (sport1.de) stellt die ungarische Politik an den Pranger: „Man fragt sich: Wem tut’s eigentlich weh, wenn die Allianz Arena in den Regenbogenfarben leuchtet? Nicht der Nationalmannschaft. Nicht dem DFB. Nicht dem Gegner. Nicht der UEFA. Sondern nur: der ungarischen Regierung. Und das allein, weil die Politik der ungarischen Regierung alle europäischen Grundwerte mit Füßen tritt.“

Christian Spiller (Zeit Online) ist fassungslos: „Es überrascht nicht, dass die Uefa alles tut, um ihre Interessen zu schützen, die geschäftlicher Natur sind. Es überrascht nur, wie offensichtlich sie es tut und wie egal ihr die öffentliche Rezeption ihrer Entscheidungen zu sein scheint.“

Flagge zeigen

Claus Vetter (Tagesspiegel) nimmt die Fans mit ins Boot: „Das Spiel von München ist nun aber auch eine Chance, diesem Fußball der Widersprüche zu helfen. Seinen Kollaps in Fragen der Integrität zu verhindern. Dagegen können die Fans aufstehen. Im Stadion und drumherum. Dann wird es die Welt sehen, dann muss auch Katar wissen, was auf den Staat als Ausrichter der WM zukommt. Und das Land wird gezwungen sein, über Änderungen nachzudenken. Jetzt geht es darum, Flagge zu zeigen gegen die, deren System so verkorkst ist, dass sie ungebremst auf ihr Ende zurasen. Denn von der Uefa kommt kein ehrliches Signal mehr, der Verband rationalisiert sich gerade weg.“

Tobias Nordmann und Torben Siemer (n-tv.de) kommen mit dem Rotstiftmarkieren kaum noch hinterher: „Die Liste der Wunderlichkeit ist allein bei dieser Fußball-Europameisterschaft ewig lang. Sie fängt bei der Sturheit an, den Ausrichterstädten Zuschauergarantien in den jeweiligen Stadien abzuverlangen, den Druck zu erhöhen, als die meisten Länder im verzweifelten Kampf gegen die dritte Corona-Welle waren. Es geht weiter über die Absurdität, die Spiele der Gruppe E in St. Petersburg und Sevilla austragen zu lassen. Beide Städte sind 4500 Kilometer voneinander entfernt. Ein Arschtritt für alle, die den Kampf für das Klima ernst nehmen.“

Gibt es jetzt Menschenrechte nach Kassenlage?

Nikolaus Blome (rtl.de) hält dagegen: „Was erlaubt sich die UEFA, bei Grundrechten auf ihr Vermarktungsrecht bei einer Fußball-EM zu pochen und die Regenbogenfarben zu verbieten? Geht es denen eigentlich nur noch ums Geld? Gibt es jetzt Menschenrechte nach Kassenlage? Da sollte Deutschland nicht mitmachen. Da sollte vor allem der Münchner Stadtrat nicht mitmachen. Mal ehrlich: Der Fußball kann nicht alles auf einmal zum Guten richten in der Welt. Aber der Fußball kann jetzt einen Schritt in die richtige Richtung tun. Und das Stadion gefälligst leuchten lassen.“

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