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Internationaler Fußball

Lionel Messi in Paris – Die Weltauswahl ist fix

Kai Butterweck | Mittwoch, 11. August 2021 ohne Kommentar

Nach über zwanzig Jahren und 35 Titeln trennen sich die Wege von Lionel Messi und dem FC Barcelona. Der Superstar steht nun bei PSG unter Vertrag

Das Ende einer Ära – Lionel Messi verlässt den FC Barcelona. In Paris soll nun eine neue Ära beginnen. Dort herrscht zur Ankunft des Superstars Volksfeststimmung. Javier Cáceres (SZ) ist mittendrin: „In Paris zündeten Fans bei Messis Ankunft Böller am Flughafen und feierten ihn mit Sprechchören, als er sich an einem Fenster zeigte; vor dem Zugang zum Prinzenparkstadion wurde ein roter Teppich ausgerollt. Am Camp-Nou-Stadion in Barcelona schraubten sie derweil Werbeplakate ab, auf denen Messi in Überlebensgröße zu sehen ist. Oder besser: zu sehen war. Das kam einer plastischen Inszenierung der französischen Albträume aller Barcelona-Fans gleich. Denn seit Messis „C‘est fini“ vom Sonntag heißt es in der katalanischen Hauptstadt: „Bonjour tristesse“.“

Tom Vaagt (sportbuzzer.de) fasst sich an den Kopf: „Der Argentinier kommt zwar ablösefrei, soll in den kommenden beiden Jahren aber insgesamt rund 80 Millionen Euro verdienen. Bei all diesen Summen wird einem schwindelig. Und die immensen Zahlungen führen ein System ad absurdum, das eigentlich für Chancengleichheit sorgen sollte. Doch das Financial Fairplay der UEFA, nach dem – einfach ausgedrückt – kein Verein mehr ausgeben darf als er einnimmt, ist wirkungslos.

Schöngerechnete Konten

Julian Graeber (Tagesspiegel) schließt sich an: „Dass sich PSG dennoch Messis Gehalt in Höhe von geschätzten 40 Millionen Euro Netto leistet, zeigt einmal mehr, wie wirkungslos die Kontrollmechanismen des europäischen Fußballs sind – und das es dringend einheitliche Lösungen braucht. Denn im Zweifel fällt den Klubs schon ein Trick ein, wie die Zahlungen gestreckt oder die Konten schöngerechnet werden.“

Ein Tag vor der Vertragsunterzeichnung in Paris gibt Lionel Messi eine letzte Pressekonferenz im Barca-Ambiente. Florian Haupt (spiegel.de) spitzt die Ohren und macht große Augen: „Messi zeigte sich bei seiner letzten Pressekonferenz in Barcelona – gleichzeitig die erste seit sechs Jahren – so aufgewühlt und demütig, dass es für die Fans bei allem Schmerz auch einer Rückversicherung der Größe ihres Klubs gleichkam. Zusammen mit dem weniger emotionalen, aber ähnlich harmoniebetonten Auftritt von Präsident Joan Laporta am Freitag ergab sich so das Bild einer Trennung im Guten. Nicht wir haben’s verbockt, sondern die Umstände – so die gemeinsame Sprachregelung.“

Tobias Manzke (sportbuzzer.de) verteilt zum Barca-Abschied verbale Ohrfeigen: „Dass der Deal nicht zustande kommt, ist unglaublich schade für alle Fußballromantiker. Es ist diese Geschichte von dem zu klein geratenen Talent, das als 13-Jähriger aus Argentinien nach Barcelona kam, den Fans nie Dagewesenes präsentierte und das Spiel auf eine andere Ebene hob. Sein Name wird für immer mit dem FC Barcelona verbunden sein. Sein Abgang ist aber leider das Ergebnis eines völlig realitätsfernen Systems. An dem Messi und der FC Barcelona ihre Mitschuld tragen.“

Doppelt schweres Erbe

Tobias Nordmann (n-tv.de) ist froh, dass er nicht in der Haut von Barca-Präsident Joan Laporta steckt: „Grund für das schmerzhafte, aber irgendwie auch seltsame Ende einer Liebe ist tatsächlich die Schuldenkrise des Vereins, die durch die Pandemie und Misswirtschaft unter Bartomeu dramatische Züge annahm. Die Liga schrieb eine Gehaltsobergrenze vor. Ein neuer lukrativer Vertrag für Messi hätte das Financial-Fair-Play verletzt. Bartomeus Nachfolger Laporta, zu dem der kleine Argentinier ein offenbar sehr gutes Verhältnis hat, muss nun ein doppelt schweres Erbe verwalten: Die Mega-Schulden und das Ende eines Teams, das Europa verzaubert und den Fußball verändert hatte. Laporta muss eine Post-Messi-Ära erschaffen. Eine schlimmere Aufgabe kann es im Weltfußball wohl kaum geben.“

Hans-Günter Kellner (FAZ) schiebt das Thema Finanzen kurz beiseite: „Womöglich lag es aber auch gar nicht am Geld. Zu gut erinnern sich die Fans noch an die Kündigung, die Messi am 25. August vergangenen Jahres dem Klub per Fax zukommen ließ. Bei Barça gebe es schon lange kein sportliches Projekt mehr, begründete er damals in einem Interview, weshalb er seine sportliche Zukunft lieber woanders suchen wolle. Auch mit Ronald Koeman als neuem Trainer schien sich in dieser Saison daran wenig zu ändern. Barça gewann zwar den Königspokal, wurde in der Liga aber nur Dritter und schied in der Champions League schon im Achtelfinale aus. In der neuen Saison ist der bei Manchester City aussortierte Sergio Agüero die namhafteste Verstärkung, dafür wollte der Klub Antoine Griezmann an Atlético Madrid zurückgeben. Nach einer durchdachten Saisonplanung sah all das wohl auch für Messi nicht aus.“

Jörg Wolfrum (kicker.de) zeigt mit dem Finger in Richtung Barca-Chefetage: „Über eine Milliarde Euro Schulden sprechen für sich. Nicht alles lag an der Pandemie. Offenbar ist in den vergangenen Jahren dramatisch schlecht gewirtschaftet worden. Selbst der neue Barça-Vorstand unter dem seit dem Frühjahr amtierenden alten, neuen Präsidenten Joan Laporta musste zugeben, dass das Problem offenbar hausgemacht ist, siehe Gehaltskosten von bis zu 110 Prozent der Einnahmen. Barça gab also mehr aus, als es einnahm. Was natürlich nicht nur am Gehalt für Messi lag. Der gesamte Kader war überteuert.“

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