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Deutsche Elf

Schwerste Niederlage für Sportdirektor Sammer

Jens Behler | Dienstag, 24. August 2010 3 Kommentare

Trotz vergeigter EM-Qualifikation darf U21-Nationacoach Rainer Adrion seinen Vertrag bis 2011 erfüllen. Für die Presse ist der große Gewinner jedoch Jogi Löw

Philipp Selldorf (SZ) sieht ein Ende des lange schwelenden Machtkampfes zwischen Sammer und Löw – mit dem Bundestrainer als Sieger. Großen Anteil daran hat die Verbandsspitze: „Das Treffen in Frankfurt markiert einen weiteren Versuch, eine produktive Kommunikation zwischen Sammer und Löw in Gang zu setzen. Die beiden sollen laut Verbandsführung demnächst ‚zu weiteren Gesprächen mit Adrion zusammenkommen‘. Außerdem, hieß es, ‚wurde erneut festgestellt, dass Bundestrainer Löw den U21-Trainer benennen kann und dies – wie auch bisher – in enger Abstimmung mit Sportdirektor Sammer tun wird‘. Zwar konnte von einer engen Abstimmung bisher eher weniger die Rede sein, aber man gibt beim DFB die Hoffnung nicht auf. Wobei sich Sammer damit abfinden muss, dass Zwanziger künftig zu seinem Wort stehen will, das er jüngst bei Löws Vertragsverlängerung gegeben hatte: ‚Chef in allen sportlichen Fragen ist der Bundestrainer‘ – mit dieser am Montag unterstrichenen Aussage sind die Verhältnisse eindeutig definiert.“

Michael Horeni (FAZ) sorgt sich hingegen um die Zukunft von Matthias Sammer beim DFB: „Es ist die schwerste Niederlage für Sammer nach mehr als vier Jahren im Amt des Sportdirektors. Löw machte mit dem Beharren auf seinem Machtwort deutlich, dass Sammer beim DFB nur wie ein prominenter Jugendwart fungiert, vollständig verantwortlich allein für Fünfzehn- bis Neunzehnjährige. Mit dem Ehrgeiz, der Sammer treibt, und den Ambitionen, die er hegt, ist dieses nun wiederum ganz klar begrenzte Jobprofil eigentlich nicht zu vereinbaren. Sammers Anspruch ist es, die gesamte Fußballrichtung im DFB vorzugeben – was auch der Aufgabe eines Sportdirektors entspräche. Von dieser Aufgabe aber ist er ähnlich weit entfernt wie vom Posten des Bundestrainers. Die Zukunftsfrage lautet daher: Wo liegen für Sportdirektor Sammer beim Deutschen Fußball-Bund überhaupt noch Aufgaben und Ziele?“

Bierhoff steht auf Atomstrom

Neben der Causa Adrion beschäftigte den DFB gestern jedoch noch eine weitere Angelegenheit, wie Matti Lieske (BLZ) berichtet. Oliver Bierhoff, Teammanager der Nationalmannschaft, hatte sich neben anderen wichtigen Personen aus der Wirtschaft per Zeitungsanzeige gegen einen Atomausstieg ausgesprochen: „Natürlich hat der 42-Jährige das Recht auf seine Meinung und darauf, diese zu äußern. Doch die Initiatoren der Anzeige waren ganz eindeutig nicht an der Meinung des Privatmannes Bierhoff interessiert, sondern an der des DFB-Teammanagers. Die Bereitwilligkeit, mit der dieser ihnen auf den Leim ging, zeigt, dass er nach wie vor freudvoll in jedes sich bietende Fettnäpfchen tritt. Seinen fast schon verlorenen Job beim DFB hatte Oliver Bierhoff nach der WM im Schlepptau von Bundestrainer Joachim Löw und dank der großartigen Auftritte des Teams in Südafrika gerade noch behalten dürfen. Allzu oft sollte er seine Vorgesetzten aber besser nicht in die Lage bringen, den DFB gegen unbedachte Vorstöße seinerseits in Schutz nehmen zu müssen.“

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Kommentare

3 Kommentare zu “Schwerste Niederlage für Sportdirektor Sammer”

  1. Peter
    Mittwoch, 25. August 2010 um 07:17

    Warum kloppen sich alle um die Deutungshoheit dieses „politischen“ Amtes?
    Mein Gott!
    Gibt es denn keine sportlichen Gründe für das frühe Ausscheiden der deutschen Jungnationalspieler? Oder liegt es vielleicht daran, dass der Jahrgang sehr jung ist und die besten von ihnen längst bei Jogi weilen?
    Hatte Hrubesch vielleicht einfach ein bestimmtes Glück? Vielleicht ist die gewesene Generation einfach eine Truppe auf dem Zenit gewesen?

    Das wäre interessant zu diskutieren, aber nicht diese Scheindiskussion.

  2. Oliver Fritsch
    Mittwoch, 25. August 2010 um 07:33

    Ja, sportliche Debatten sind immer interessant, Peter. Politische aber auch. Das ist ein ganz klarer Machtkampf zwischen Löw und Sammer. Da scheinen sich beim DFB zwei Lager zu bilden.

  3. Peter
    Mittwoch, 25. August 2010 um 11:19

    Ihrer Meinung nach, Oliver, ist also die sportpolitische Debatte an dieser Stelle interessanter als die sportliche?

    Wäre dann, grob gesagt, der derzeitige Richtungsstreit: Allgemein fähige Spieler (Sammer) vs. systemadäquat ausgebildete Spieler (Löw)? Gute allgemein systemfähige Spieler (Löw-Fraktion) vs. erfolgreiche Jugendnationalmannschaften um jeden Preis (Sammer)?

    In dem Sinne wäre ein wiederum eine sportpolitische Debatte für mich interessant!

    Denn ich will geilen Fussball sehen, Personen sind mir egal.

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