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Bundesliga

Marco Reus – Wie eine Antilope im Löwengehege

Kai Butterweck | Montag, 24. November 2014 4 Kommentare

Zum dritten Mal in diesem Jahr wird Marco Reus mit einer Trage vom Spielfeld getragen. Die Presse fordert härtere Strafen zum Schutze der Liga-Künstler. Außerdem: Bremen am Boden, München marschiert weiter und Freudentänze in Frankfurt

Die Hinrunde ist für Dortmunds Nationalspieler Marco Reus beendet. Nach einem harten Tackling des Paderborners Marvin Bakalorz wird der Dortmunder Offensiv-Star mit einem Außenbandriss im Sprunggelenk vom Platz getragen. Roland Zorn (FAZ) appelliert an die Grobmotoriker der Liga: „Der Augenblick, der das bis dahin von der Borussia noch leidlich kontrollierte Spiel zur Nebensache machte, war ein Moment, der eigentlich alle Gegenspieler, die es mit einem Wirbelwind à la Reus zu tun bekommen, zum Innehalten bringen sollte. Zu offenkundig wurde dabei, wie rücksichtslos dabei spielerisch weniger begabte Naturen den Künstlern ihres Genres bei Gelegenheit zusetzen.“

Martin Volkmar (sport1.de) fordert härtere Strafen: „Eine  Rote Karte wäre bei solchen Attacken speziell gegen Schlüsselspieler zwingend geboten, um ein abschreckendes Exempel zu statuieren. Denn dann würde sich jeder Gegenspieler gut überlegen, ob er mit einer unnötigen Attacke einen Platzverweis riskiert.“

Was spricht gegen die Einführung eines Videobeweises?

Frank Lamers (derwesten.de) hat einen Vorschlag: „Was spricht zum Beispiel gegen die Einführung eines Videobeweises nur für die Fälle brutalen Einsteigens? Die Bilder sind vorhanden, ein bewertender Extra-Schiedsrichter ließe sich finden. Spontan würde das für mehr Gerechtigkeit beim Kartenverteilen sorgen. Langfristig würde es das Verhalten in Zweikämpfen modifizieren. Sogar irgendwie zum Wohle des puren Spiels – weil zum Wohle eines Typen wie Reus.“

Michael Horeni (FAZ) rät dem verletzten Dortmunder zu einem Wechsel in sicherere Gefilde: „Die Chance, besser und länger in einer Branche zu funktionieren, die in bisher nicht gekanntem Maß Raubbau mit der Gesundheit von Spielern treibt, dürfte in München jedenfalls größer als in Dortmund sein. Auch wenn die Bayern eine ähnlich erschreckende Verletztenliste aufweisen, in diesen Tagen kamen die Langzeitausfälle Lahm und Alaba hinzu, reduzieren die schonendere Spielweise und die größeren finanziellen Möglichkeiten zumindest die Gefahren der alltäglichen Abnutzung. Das ist nicht wenig.“

Thomas Klein (dw.de) schlägt nicht nur wegen des erneuten Ausfalls des Dortmunder Stürmers die Hände vors Gesicht: „Die Mannschaft schafft es im Moment nicht die nötige Konstanz in ihr Spiel zu bekommen. Dass sie es besser können, haben die Dortmunder mehrfach in der Champions League unter Beweis gestellt – umso schwieriger ist es, eine passende Erklärung für die zwei BVB-Gesichter zu finden. Auch für Klopp, der zunehmend ratlos wirkt. Eine Lösung der Probleme scheint in weiter Ferne. Der BVB wirkt mit der aktuellen Situation schlichtweg überfordert! Der Trainer muss seine Mannschaft schnellstmöglich wachrütteln, sonst droht den Dortmundern eine ganz bittere Saison.“

Angsthasenfußball

Auch in Bremen wollen die dunklen Wolken nicht abziehen. Selbst gegen erschreckend schwache Hamburger ziehen die Mannen von Trainer Viktor Skribnik am Ende den Kürzeren. Ralf Lorenzen (taz) erzürnt sich über literweise Angstschweiß: „Während der HSV durch den Sieg im Prestige-Duell wichtiges Selbstbewusstsein für die nächsten Spiele tanken konnte, bedeutet die Niederlage für Werder einen kräftigen Rückschlag. Angeblich mit breiter Brust angereist, agierten sie viel zu ängstlich, um sich einen Punkt zu verdienen. Dass sie trotz Angsthasenfußballs zwei Tore gegen den schwächsten Angriff der Liga kassierten, wird die Diskussion um die Bremer Abwehrschwäche neu befeuern.“

Man interessiert sich nicht einmal mehr für sie

Ganz oben zieht der FC Bayern weiter unbeirrt seine Bahnen. Thomas Hummel (SZ) verabschiedet den Rest der Liga: „Die Liga hat sich damit abgefunden, dass Platz eins vergeben ist. Nie wurde das so deutlich wie an diesem zwölften Spieltag: Die Mannschaften auf Platz zwei, drei, vier und fünf haben allesamt verloren. Der FC Bayern ist der Bundesliga dramatisch weit entwachsen. Man interessiert sich nicht einmal mehr für sie.“

Sie kombinierten und zelebrierten Fußball

Eintracht Frankfurt sorgt für eine der dicksten Überraschungen des Spieltags. Gegen schwächelnde Gladbacher finden die Hessen wieder in die Erfolgsspur zurück. Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein (FR) sind begeistert: „Es dauerte nicht lange, bis sich die Gäste aus dem Klammergriff befreiten und ihrerseits das Heft des Handelns in die Hand nahmen. Wie die Eintracht sich befreite, das war das Besondere an diesem wundersamen Nachmittag. Denn die Hessen suchten ihr Heil nicht nur in der Offensive, nein, sie kehrten zurück zu ihren Wurzeln, zu den Tugenden, die sie einst stark gemacht hatten: Sie spielten wieder Fußball, sie ließen den Ball laufen, spielten direkt, schnell, rasant, aber auch mal quer oder zurück, sie kombinierten und zelebrierten Fußball, es war eine Augenweide oder aber auch zum Augenreiben, wenn man die teilweise desaströsen Auftritte in den zurückliegenden Wochen als Maßstab nimmt.“

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Kommentare

4 Kommentare zu “Marco Reus – Wie eine Antilope im Löwengehege”

  1. Pumukel
    Montag, 24. November 2014 um 16:22

    Fragen werfen sich mir auf: Welcher Löwe duldet eine Antilope in seinem Gehege? Sollen wir die vom Aussterben bedrohte Antilope schützen? Was sucht die Antilope im Gehege? Bzw. warum tänzelt sie so nah und leichtfüßig um LEO herum? Wo ist der Jäger?
    Danke für die gelungene Überschrift.

  2. der Bolzplatz
    Dienstag, 25. November 2014 um 11:53

    Glückwunsch zu diesem gelungenen Beitrag und der tollen Überschrift. Es wird aufjeden Fall schwierig eine Regel zu finden, die die sogenannten „Stars“ schützt, denn ab wann ist man überhaupt ein Star. Eine knifflige Situation für die es meines Erachtens keine Lösung gibt.

    Viele Grüße das Bolzplatz-Team 🙂
    schau vorbei unter http://www.derbolzplatz.de 😉

  3. Pumukel
    Dienstag, 25. November 2014 um 17:43

    Marco Reus und meine zugegeben etwas gewagte Aussage über seine Verletzung

    (Bitte bei anderer Meinung einfach stehen lassen, nicht ärgern, einfach eigene Meinung sagen.)

    Ich persönlich glaube nicht an das zufällige Auftreten von Verletzungen. Verletzungen passieren nicht einfach so. Sie entstehen in der Vergangenheit und ergeben sich, sie münden, wie ein Fluss im Meer, in der Gegenwart. Anders gesagt: wer Konflikte nicht verarbeitet, bastelt, ohne es zu bemerken, an einem riesigen Pulverfass. Er sucht sich irgendwann ein psychologisches Ventil und trägt den Konflikt über ein Foul, das er unbewusst sucht, auf schmerzhafte Weise aus.
    Reus hat eben diese Konflikte auch, und sie entstehen bei ihm meiner Ansicht nach durch sein unentschlossenes Verhalten in diesem Wechsel-Theater-Hin-und-her. Schweig ich über meinen kommenden Wechsel zu den Bayern, dann wird es allmählich unruhig beim BVB, rede ich, dann ist vom Shitstorm bis zur Verbannung auf die Bank alles drin! In meinen Augen ist aber genau dieses Offenhalten der Situation das große Problem. Gerade die Fans, natürlich auch der Verein selbst, erwarten von ihm eine deutlichere Positionierung. Das spürt er auch selbst. Aber er weicht der Lage aus. Und dann ist er nicht voll bei der Sache im Spiel. Er jubelt verhalten, sieht Gefahren nicht kommen,
    sucht sie vielleicht sogar, um sich selbst aus der Schusslinie zu nehmen, weil ihm der Mut fehlt, es direkt zu tun.

    !

  4. Chrisjo
    Freitag, 28. November 2014 um 17:33

    Lasse ich als Teilerklaerung gelten. Andere: Reus ist einfach vom Körperbau her nicht robust, sondern filigran, verletzlich. Erinnert sich noch einer an Dorfner von den Bayern? Ähnlicher Fall. Noch eine andere Erklaerung: Er weckt Aggressionen in den Gegenspielern, weil er sie so alt aussehen lässt.

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