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Deutsche Elf

Hilflos

Oliver Fritsch | Montag, 10. Oktober 2005 Kommentare deaktiviert für Hilflos

1:2 in der Türkei, ein schlechtes Spiel und viel Kritik für Jürgen Klinsmann – Stefan Hermanns (Tsp 10.10.) prüft sie: „Es ist ein Trend, Klinsmann für alles Schlechte verantwortlich zu machen. Deshalb ist es ein wenig paradox, dass man ihm nach dieser Niederlage wenig vorwerfen kann. Er hat die Aufstellung nicht wieder scheinbar unmotiviert durcheinander gewürfelt, sondern die vermeintlich beste Mannschaft aufgeboten, sogar Oliver Kahn, Franz Beckenbauers Lieblingstorwart, musste diesmal nicht Golf spielen. Es scheint also, als ob die Mannschaft diesmal nicht so leicht aus der Sache rauskommt. Es zählte bisher zu Klinsmanns Prinzipien, im Schlechten immer noch das Gute herauszustreichen, was ihm den Vorwurf eingebracht hat, ein Schönredner zu sein. Vor diesem Hintergrund fiel die Analyse des Trainerstabs diesmal erstaunlich realistisch aus: „Wir waren mit der ersten Halbzeit sehr unzufrieden und auch verärgert“, sagte Klinsmann. An Klinsmanns Taktik hatte es nicht gelegen, dass sich die Türken in der ersten Halbzeit Chance um Chance erspielten, eher an ihrer praktischen Umsetzung. Es war erschreckend, wie hilflos die deutsche Mannschaft dem taktischen Konzept des Gegners begegnete.“

Mangel

Michael Horeni (FAZ 10.10.) nennt das Defizit der deutschen Elf: „Die Verantwortung, die Mannschaft zu führen, hängt derzeit allein an Michael Ballack, und wenn er wie gegen die Türkei fehlt – oder sich wie in den Spielen zuvor nicht in Bestform befindet –, wankt die deutsche Mannschaft bedenklich. An solchen Tagen schlägt dann auch der Mangel an Profis im sogenannten besten Fußballalter ungebremst durch. Die Generation der Vierundzwanzig- bis Achtundzwanzigjährigen ist für die Nationalmannschaft eine weitgehend verlorene Generation. Um die jungen Spieler dagegen muß sich niemand sorgen. Ihre Zeit wird kommen – auch wenn die Fußballnation derzeit viel zuviel Verantwortung bei ihnen ablädt.“

Ohne Effekt

Philipp Selldorf (SZ 10.10.) sucht nach Gründen für den Leistungsschwund: „Vieles liegt im Argen acht Monate vor dem WM-Start, man weiß gar nicht mehr genau, wo man anfangen soll. Vielleicht beim Konföderationen-Pokal im Juni? Dort standen Klinsmann und seine Mannschaft so sehr unter Bestätigungsdruck, dass sie dafür ihre letzten Energien geopfert haben. Jetzt bezahlen sie den Preis, was zum einen in der grassierenden Formschwäche der Nationalspieler und zum anderen in der auffallend träge gestarteten Bundesligasaison Ausdruck findet. Klinsmanns missionarisch vorgebrachte Order an seine Spieler, ständig am körperlichen und geistigen Fortschritt zu arbeiten, lässt keinen Effekt erkennen.“

Murren

Jan Christian Müller (FR 10.1.0.) erörtert die Kritik an Klinsmann aus der Liga: „Klinsmann und Löw nehmen weit weniger Rücksicht auf die Situation eines Nationalspielers, als dies Rudi Völler und sein Assistent Michael Skibbe getan haben. Völler akzeptierte ohne hörbares Murren, dass für Testländerspiel bis zu 14 Spieler aus mehr oder weniger fadenscheinigen Gründen absagten, um sich für anstehende Aufgaben in den Klubs zu schonen. Das Trainingsprogramm des Tandems Völler/Skibbe erinnerte eher an Koronarsport. Klinsmann und Löw haben von Beginn an deutlich gemacht, dass ähnliche Reha-Übungen für überlastete Profis nicht ihrer Philosophie entsprechen. Im Hinblick auf das Turnier 2006 haben sie damit zwar richtig gehandelt. Unter Berücksichtigung der Vereinsinteressen aber nicht. Damit das hörbare Murren nicht in einem Aufstand mündet, werden sie Kompromisse eingehen müssen. Sonst werden die mächtigen Manager mit den Muskeln spielen und die Gefolgschaft verwehren.“

FAZ: deutsche Gespenster des Scheiterns – Kritik an und von Klinsmann
FR: Kritik –Vereinsmanager fordern eine Aussprache mit Klinsmann
WamS: Solidarität der Vereine mit dem Bundestrainer stößt an Grenzen
BLZ: Unbarmherzig wie nie zuvor seziert Klinsmann das Spiel
SZ: Kritik an Torsten Frings

Bildstrecke, faz.net

FTD: das türkische Scouting-System in Deutschland

FAS-Interview mit Christoph Metzelder

FR: Bayer Leverkusen – Michael Skibbe, eine Notlösung?

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