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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Deutsche Elf

Keine andere Mannschaft in Europa spielt zurzeit einen besseren Fußball

Oliver Fritsch | Montag, 26. März 2007 Kommentare deaktiviert für Keine andere Mannschaft in Europa spielt zurzeit einen besseren Fußball

Nach dem 2:1 in Tschechien umarmen die Journalisten die deutsche Elf und ihren Trainer

Marko Schumacher (Stuttgarter Zeitung) sucht nach einem Vergleich, um die Stärke der deutschen Elf zu beschreiben: „Keine andere Mannschaft in Europa spielt zurzeit einen besseren Fußball als die deutsche, keine andere absolviert ihre Qualifikation mit solcher Entschlossenheit und Souveränität, keine andere hat den Übergang von der WM in den grauen Alltag so reibungslos bewältigt.“ Matti Lieske (Berliner Zeitung) kommt um ein Lob nicht umhin: „Sich bei einem großen Turnier in einen Rausch zu spielen, kann auch limitierten Teams gelingen. Das haben die Griechen gezeigt. Das Niveau im Alltag zu halten und immer wieder zu bestätigen, ist erheblich schwieriger. Auch das haben die Griechen vorgeführt. Die deutsche Mannschaft besitzt Stabilität und Qualität, vor allem, weil sie stärker ist als ihre Einzelteile. Spätestens mit dem eindrucksvollen Sieg in Tschechien hat sie sich endgültig allen Respekt zurück erobert, den sie nach 1998 eingebüßt hatte.“

Andreas Rüttenauer (taz) richtet das Licht auf Joachim Löw: „Das Team ist gewiß nicht die beste Nationalmannschaft, die je für Deutschland unterwegs war. Es dürfte aber kaum eine gegeben haben, die besser vorbereitet wurde. Der Bundestrainer hat eine Idee vom Spiel und es gelingt ihm, diese den Spielern beizubringen. Die Deutschen spielen Fußball. Das ist schön. Ihr Trainer hat es ihnen beigebracht.“

Hochkompetenter Fußball-Lehrer

Christof Kneer (SZ) analysiert Arbeit und Stil Löws: „Vor drei, vier Jahren hätte die Nationalelf eher keine Chance gehabt gegen die ausländerlastigen Bundesliga-Spitzenteams – in der Kürze seiner Amtszeit hat es Löw bereits geschafft, daß die Nationalmannschaft wieder die beste Elf im Land ist. Löw ist ein Trainer für die Langstrecke, er ist kein heißer Sprinter wie Klinsmann. Seine Nationalelf spielt längst nicht mehr diesen feurigen Klinsmann-Fußball, sie überfällt die Gegner nicht mehr. Für das mit Erwartungen überladene Heimturnier war ein tauglicher Stil, und es darf weiter als Klinsmanns Verdienst gelten, daß er dem deutschen Fußball auf und abseits des Rasens eine radikale Offensive verschrieb. Löw aber ist kein Fundi, er ist bekennender Realo, er hat sich die Mannschaft auf seine Weise untertan gemacht. Er hat aus der Emotionself, die ihm der Vorgänger hinterlassen hat, eine Fußballmannschaft gemacht.“

Michael Horeni (FAZ) hat die Debatte um das allgemeine Niveau des deutschen Fußballtrainings im Sinn und betont und hofft auf die Vorbildfunktion des Nationaltrainers: „Das Innovationszentrum des deutschen Fußballs liegt bei der Nationalmannschaft – und da ihr nun als ein Anführer zudem ein hochkompetenter Fußball-Lehrer mit großer Integrations- und Kommunikationskraft vorsteht, lenkt das den Blick immer stärker auf die sachliche Ebene. Wer glaubte, daß Leistungssteigerungen und Entwicklungssprünge nur etwas mit Motivation für ein Ereignis wie die Weltmeisterschaft zu tun hatten, sieht sich nun getäuscht. Daß sich durch kluge Arbeit Spieler und Mannschaft weiterentwickeln können, ist im Sport zwar eine banale, in der Bundesliga aber vielfach noch immer erstaunliche Erkenntnis. Es ist auch nicht alles eine Frage des Geldes, sondern auch der Kompetenz. Die Autorität von Löw ist im deutschen Fußball mit diesem Sieg beträchtlich gewachsen – und es ist gut, daß damit auch wieder die Grundlagenarbeit im Showgeschäft Fußball in den Blick kommt.“

Wir knien in Andacht nieder

Oskar Beck (Welt) fällt Trainer und Mannschaft, einfach allen, um den Hals: „Jetzt, wo das Elend weicht, können wir es ja zugeben – gräßlich waren sie, diese schauderhaften Jahre, in denen unsere Spielkunst die Schwindsucht hatte und Berti Vogts behauptete, der Deutsche als solcher bewege sich nun einmal wie ein Kühlschrank. Was haben wir gelitten. Wie haben wir uns geschämt. (…) Lehmann, Lahm, Mertesacker, Metzelder, Jansen, Frings, Ballack, Schneider, Schweinsteiger, Kuranyi, Podolski. Wir knien in Andacht nieder.“

Volk ohne Raumdeckung hat ein Ohr für die Nebentöne: „Ansonsten zeigt sich der Erfolg der europäischen Idee an dem Umstand, daß die deutschen Fans in Prag ‚Auswärtssieg, Auswärtssieg!!‘ skandierten. Subtiler und zugleich glaubwürdiger hätte sich nicht zum Ausdruck bringen lassen, daß niemand mehr Anspruch auf die sudetendeutschen Gebiete erhebt. Eine schöne Geste, passend zum EU-Gipfel in Berlin.“

NZZ: Die DFB-Mannschaft bittet zum Diktat
„Deutschland zum Fußballzwerg geschrumpft“ (FAZ) – Rückblick: die Presseschau nach dem 1:4 in Italien im März 2006

0:1 durch Kuranyi

0:2 durch Kuranyi

1:2 durch Baros

Alle Tore aus den deutschen Länderspielen nach der WM

FAZ: Trainer McLaren verhöhnt – England ohne Tore und ohne Seele

BLZ: Spanien erleidet einen 2:1-Sieg gegen Dänemark

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