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Bundesliga

Hannover hat sich befreit, Mainz siegt clever, Podolski schwach, van Gaal klug

Frank Baade | Montag, 15. März 2010 1 Kommentar

Nach dem Auswärtssieg in Freiburg legt Hannover gegen Frankfurt nach, Mainz schlägt schwache Kölner mit einem noch schwächeren Podolski, van Gaal meckert wieder, Wolfsburg plagen Verlustängste

Selbstbewusst und offensiv wie lange nicht

Im Tagesspiegel lobt Christian Otto den Mann mit dem Silberblick: „Es spricht für den neuen Chefcoach, dass aus einem eben noch hoffnungslosen Fall wieder eine Mannschaft geworden ist, die an sich und den Klassenerhalt glaubt. Trotzdem: Angesichts eines sehr schweren Restprogramms wäre ein Verbleib auf dem Relegationsplatz schon ein Erfolg.“

Auch die SZ glaubt an den positiven Einfluss von Slomkas Wirken. Jörg Marwedel überlegt allerdings noch: „Womöglich muss man Slomka, der mit sechs Niederlagen gestartet war, nun ein Kompliment machen dafür, dass er jeden Stein umgedreht hat. Auch Psychologe Andreas Marlovits habe, so der Fußballlehrer, seinen Anteil an der Wende. Er hat, glaubt man Florian Fromlowitz, mit dafür gesorgt, dass der zwischenzeitlich in Frage gestellte Torwart wieder so selbstsicher auftreten kann, dass er ein wirklicher Rückhalt ist. Ein wenig haben natürlich auch die Frankfurter zum hannoverschen Festtag beigetragen. Zum einen, weil sie in den ersten 20 Minuten so passiv auftraten, als sei die Begegnung ein Aufwärmtest. Zum anderen, weil die berüchtigten Gelb-Spezialisten der Eintracht den Gastgebern in die Karten spielten.“ Teber und Franz mussten frühzeitig vom Platz.

Frank Heike (FAZ) sieht die Auswirkungen der Vorwoche: „Das 2:1 von Freiburg war ein Erfolg mit Langzeitwirkung: selbstbewusst und offensiv wie lange nicht begann Hannover gegen die Eintracht und kam gleich zu guten Möglichkeiten. Vor allem der bislang in diese Rückrunde eher unauffällige Arouna Koné zeigte eine starke Leistung.“

Wolfsburger Verlustängste

Der Wolfsburger Erfolg weckt ihnen unliebsame Geister, berichtet Ulrich Hartmann (SZ): „Erst jetzt, im nahenden Frühling, wächst beim VfL unter Lorenz-Günther Köstner die Hoffnung auf ein versöhnliches Ende der enttäuschenden Spielzeit. Das 4:0 bei Gladbach war der vierte Liga-Sieg nacheinander. In Wolfsburg offenbaren sich gerade in dieser Phase der fußballerischen Rekultivierung personelle Verlustängste. Die vier Tore zum in dieser Höhe verdienten Erfolg in Gladbach erzielten Zvjezdan Misimovic, Edin Dzeko und Christian Gentner, also die drei Spieler, über deren möglichen oder definitiven Weggang in Wolfsburg gerade geredet wird. ‚Jedes Wort‘ über einen möglichen Fortgang von Misimovic sei angesichts dessen bis 2013 gültigen Vertrags ‚zu viel‘, schimpft Hoeneß; derweil wären die Abwehrkräfte des Vereins bei einem 40-Millionen-Angebot für Dzeko wohl aufgebraucht.“

Roland Zorn bemerkt, dass der Gegner merkwürdig schläfrig aufgetreten sei (FAZ): „Nur zu Anfang der ersten Hälfte war den Wolfsburgern anzumerken, dass sie ein schweres Spiel und eine sechstausend Kilometer lange Flugreise in den Knochen hatten. Danach fragte sich so mancher unter den 39.000 Zuschauern im Borussia-Park, ob auch die im Niemandsland der Tabelle angesiedelten Gladbacher vor zwei Tagen irgendwo in Russland unterwegs waren. Leichtfüßiger, torgefährlicher, dynamischer waren die Wolfsburger, die unter Trainer Köstner wieder mehr und mehr in Schuss kommen. In Mönchengladbach bewies der VfL jedenfalls Klasse und Charakter zugleich.“

Neben dem Spiel und neben sich

Einen Totalverriss des Auftretens von Lukas Podolski liefert Bastian Steineck (FAZ): „Er gibt sich als zeternder Meckerhansl, der sich wild gestikulierend über fehlende Abspiele beschwert und frustriert auf der Stelle hüpft. Die Kölner Nummer 10 ist gegen Mainz keine Anspielstation, kein Spielmacher und auch kein Stoßstürmer. Podolski steht neben dem Spiel und neben sich, trabt über den Platz und bietet sich nicht an. Eine Bindung zur Mannschaft schafft er nicht. Nicht einmal als Freistoßschütze darf sich Podolski gegen die Mainzer beweisen.“

Jan C. Müller (Berliner Zeitung) lobt dagegen ausdrücklich die Arbeit eines Mainzer Bundesliganeulings: „Dieser junge, pfiffige und intelligente Trainer Thomas Tuchel hat es geschafft, aus einer für Bundesligaverhältnisse individuell unterdurchschnittlich besetzten Mannschaft eine Elf zu basteln, die technisch und taktisch auf allerhöchstem Niveau spielen kann, sich ständig aber auch im Grenzbereich bewegt – und mitsamt dem Chefcoach selbst auch regelmäßig darüber hinaus. Bei allem berechtigten Lob – der Grat, auf dem sich Tuchel und sein Team bewegen, ist schmal. Nach der aus objektiver Sicht unzweifelhaften Schiedsrichterentscheidung schafften es die nörgelnden Spieler und ihr lamentierender Trainer, den mit sechs Einsätzen noch recht unerfahrenen Referee derart zu verunsichern, dass er seine Linie verlor. Immerhin war der kurz vor Schluss auf die Tribüne verbannte Tuchel so selbstkritisch zuzugeben, er habe am Spielfeldrand ‚zu theatralisch‘ agiert. (…) Ein Unentschieden wäre für die lust- und konzeptlosen Kölner freilich des Guten zu viel gewesen. Viel zu viel.“

Die Freiburger Lage wird prekär

Christoph Ruf sorgt sich um die in München unterlegenen Freiburger (taz): „Die ersten 60 Minuten hatte der Gast aus Freiburg das Spiel bestimmt und lag durch das Tor von Cedrick Makiadi lange in Führung. Man hatte munter kombiniert, ohne hinten allzu viele gefährliche Situationen zuzulassen. Doch da nach dem Robben-Freistoß passierte, was seit Menschengedenken fast immer passiert, wenn der FC Bayern erst einmal ins Rollen kommt – der Niederländer traf kurz vor Schluss per Elfmeter zum 2:1 –, wird die Lage beim SCF allmählich prekär. Das nächste Heimspiel gegen Mainz wird intern als so wichtig gewertet, dass sich Robin Dutt nach dem Spiel über eine weitere Schiedsrichterentscheidung echauffierte. Stürmer Mo Idrissou hatte nämlich kurz vor Schluss noch die Gelbe Karte für ein ‚Allerweltsfoul‘ (Dutt) gesehen und wird gegen die Rheinhessen fehlen. In einer Mannschaft, die sich mit nichts schwerer tut als mit dem Toreschießen, hat es tatsächlich eine gewisse Tragweite, wenn der erfolgreichste Torschütze ausfällt. Auch wenn der mit bislang fünf erzielten Treffern im bundesweiten Vergleich doch eher dürftig abschneidet.“

In der FR berichtet jener Christoph Ruf von neuerlicher Journalistenschelte durch Louis van Gaal. Insbesondere deutsche Journalisten würden fälschlich davon ausgehen, dass ein Spieler, der ein Tor erzielt hat, auch immer gut gespielt haben müsse. Dem sei natürlich nicht so, und der Stein des Anstoßes, Arjen Robben, wisse selbst, dass er in der ersten Halbzeit nicht gut gespielt habe. Und jetzt auch die deutschen Journalisten.

In erster Linie Willensstärke und Widerstandskraft

Richard Leipold (Tagesspiegel) weiß, dass die ständigen Vergleiche der Schalker mit der Wolfsburger Vorjahreslage hinken: „Der Vergleich drängt sich zwar auf, regt aber auch zum Widerspruch in Magaths Sinne an. Die Niedersachsen zeigten im Angriff eine Klasse, von der die Schalker des Bundesligajahrgangs 2010 noch ein beträchtliches Stück entfernt sind. Die westfälische Erfolgsformel ist in erster Linie über Willensstärke und Widerstandskraft definiert. Je weiter das Spiel nach vorn verlagert wird, desto deutlicher tritt der chronische Mangel an Kreativität hervor. Auch deshalb betonte Magath den Faktor Glück nach dem achten Heimsieg in Serie besonders.“

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Kommentare

1 Kommentar zu “Hannover hat sich befreit, Mainz siegt clever, Podolski schwach, van Gaal klug”

  1. Mainz - Blog - 15 Mar 2010
    Dienstag, 16. März 2010 um 10:24

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