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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Deutsche Elf

Das neue Gesicht

Jan-Carl Ronnecker | Dienstag, 29. Juni 2010 Kommentare deaktiviert für Das neue Gesicht

Deutschland erntet jetzt die Früchte seiner Jugendarbeit und wird dafür beneidet, der Bundestrainer habe vieles richtig gemacht – bei der Spielerauswahl und in Taktikfragen

Thomas Hummel (sueddeutsche.de) freut sich, dass Joachim Löws Taktik passgenau aufgegangen ist: „Ob dies auch ein Sieg über Fabio Capello sei, wurde Joachim Löw nach dem Achtelfinalsieg über England gefragt. Der Bundestrainer antwortete mit einem automatisierten ‚Nein!‘, dann schnupfte er einmal und blickte etwas verschämt auf den Boden. Ein bisschen war dem 50-Jährigen anzumerken, dass ihm diese Frage schmeichelte, denn immerhin gilt Fabio Capello als Könner. Löw lobte ihn als ‚hervorragenden Trainer‘ – um anschließend zu erklären, wie er Capellos englische Mannschaft zerlegt hatte. Seine Spieler sollten den Engländern hinten das Spiel überlassen, weil diese damit Probleme hätten. Klose sollte John Terry herauslocken, um Lücken in der Abwehr zu schaffen, wohin dann Özil, Müller oder Podolski stoßen sollten. Die Engländer würden irgendwann ungeduldig werden und die Ordnung verlieren. ‚Wir haben sie kalt erwischt, von Anfang an.‘“

Zeit der Rumpelfüße ist vorbei

Auch für seine Spielerauswahl bekommt der Bundestrainer von Michael Rosentritt (Tagesspiegel) lobende Worte, der neben der fußballerischen jetzt auch auf die mentale Stärke vertraut: „Joachim Löw ist mit einer interessanten, aber auch experimentellen Ansammlung talentierter Spieler an den Start gegangen, er hat sich von Ausfällen und Rückschlägen nicht beirren lassen. Löw hat nicht gezweifelt. Seine Überzeugung liegt in der fußballerischen Qualität seiner Spieler begründet. Auch Philipp Lahm hat mehrfach betont, dass er die fußballerisch beste Mannschaft als Kapitän anführe, in der er gespielt hat. Gerade bei großen Turnieren aber hat sich gezeigt, dass Talent und fußballerische Qualität nicht zwangsläufig reichen. Eine große Mannschaft muss auch beweisen, dass sie einen erfahrenen, individuell hochwertigen Gegner wie England auseinander nehmen kann. Nur so wird aus Glauben an die eigene Stärke Gewissheit.“

Die neue Qualität und Tiefe der deutsch Fußballressourcen komme nicht von ungefähr, erinnert Michael Ashelm (faz.net): „Als der Mittelfeldmann Sami Khedira am Montag gefragt wurde, wodurch sich der dynamische Fußball dieser neuen deutschen Machart auszeichne, sagte er: ‚Wir sind technisch und taktisch top ausgebildet und nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz gut geschult.‘ Die Aussage des Deutsch-Tunesiers aus Stuttgart gibt den Hinweis auf einen der Hintergründe dieses Erfolgs. Als Khedira gerade mal 13 Jahre alt war, schuf der Deutsche Fußball-Bund eines der engmaschigsten Netze, um Fußballtalente früher zu erkennen und zu fördern. Über das ganze Land wurden Stützpunkte verteilt, in denen starke junge Spieler neben der Vereinsarbeit eine besondere Ausbildung erfahren sollten. Der frühere DFB-Präsident Mayer-Vorfelder hatte das aufwendige Programm im Jahr 2000, als Folge der desaströsen EM, auf den Weg gebracht, das auch von einigen heute aktuellen Nationalspielern durchlaufen wurde. So gesehen schloss sich am Sonntag in der Kabine der deutschen Elf auch ein Kreis, als Mayer-Vorfelder auf die neue Generation traf.“

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