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Bundesliga

Die Kraft-Probe

Kai Butterweck | Donnerstag, 13. Januar 2011 44 Kommentare

In München wirbelt die überraschende Entscheidung von van Gaal hinsichtlich der Towart-Frage bei den Bayern viel Staub auf. Außerdem: Ballacks schwerer Stand in Leverkusen und Bremer Hilflosigkeit an der türkischen Riviera

Elisabeth Schlammerl (FAZ) beschäftigt sich mit vermeintlichen Hintergründen des Torwart-Wechsels: „Welche Vorzüge Kraft nun tatsächlich hat, verrät van Gaal nicht – auch Butt bekam darauf keine Antwort. Für van Gaal ist aber stets das Alter ein Argument. Kraft ist 22 Jahre alt, ihm gehört die Zukunft; der 36jährige Butt ist Vergangenheit. Es könnte aber auch ein bisschen mit dem Tauziehen um Manuel Neuer zu tun haben. Die Bosse würden den 24 Jahre alten Nationaltorhüter vom FC Schalke 04 im Sommer gerne nach München holen.Van Gaal hatte sich dazu bisher nicht geäußert, ob das auch sein Wunschspieler ist, sein Torwartwechsel könnte also auch Taktik sein, seine Art, sich gegen die Transferpolitik der Chefetage aufzulehnen. Kraft hatte bereits wissen lassen, dass er im Falle einer Verpflichtung Neuers, den Verein verlassen werde. Ein Teil der Fans jedenfalls würde lieber Kraft im Bayern-Tor sehen als Neuer – solange er gut hält.“

Machtspiel zwischen den Bossen und dem Trainer

Für Klaus Bellstedt (Stern.de) geht das Hierarchie-Duell bei den Verantwortlichen in die nächste Runde: „Natürlich ist das Ganze auch ein Machtspiel zwischen den Bossen und dem Trainer. Aber als solcher hat Louis van Gaal das Recht beweisen zu wollen, dass er Krafts Können richtig bewertet. Umso unerträglicher ist der Affentanz von Nerlinger und Co. Doch es steckt noch viel mehr dahinter. Van Gaals Entscheidung für Thomas Kraft könnte die Pläne des Vorstands durchkreuzen, unbedingt Manuel Neuer zu verpflichten. Spielt der hochtalentierte Kraft jetzt gut, dürfte sich a) der Nationaltorwart zweimal überlegen, ob er zu einem Klub wechselt, in dem er sich einem Konkurrenzkampf stellen muss. Und b) stellt sich die Frage: Brauchen die Bayern den teuren Neuer dann überhaupt? Die Fans machen ohnehin schon Stimmung pro Kraft. Van Gaal hätte die Monate lange Bagger-Arbeit des Vorstands in Sachen Neuer ad absurdum geführt und die Bosse wieder einmal bloßgestellt. Und das mag er ja am liebsten.“

Für Thomas Becker (FR) könnte van Gaals Entscheidung seine Zukunft als Trainer beim FC Bayern gefährden: „Es ist ihm bitter ernst. Wenn zum Rückrundenauftakt am Samstag beim VfL Wolfsburg tatsächlich Thomas Kraft, 22 Jahre, ins Tor eilt und nicht der bislang tadellose WM-Fahrer Jörg Butt, 36, dann wird es mal wieder einsamer geworden sein um den holländischen Sturkopf-Coach van Gaal. Allmählich wird die Zahl seiner Verbündeten beim FC Bayern immer übersichtlicher, vor allem in den oberen Klubetagen. Mit Präsident Uli Hoeneß und Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge war Mijnheer Eigenwillig ja schon mehr als einmal aneinandergeraten; einzig Sportdirektor Christian Nerlinger schien mit der sehr dominanten Art des Holländers umgehen zu können. Doch nach van Gaals neuerlichem Alleingang in Sachen Kraft ist nun auch dem langmütigen Nerlinger der Kragen geplatzt. Unmissverständlich sagte er, der Trainer riskiere mit dieser Personalie `sogar weitreichende Konsequenzen`, will sagen: den Rausschmiss. Wie Bauchmensch Hoeneß daheim in Bad Wiessee reagierte, kann man sich in etwa vorstellen. Nur gut, dass da oben auf dem Berg die nächsten Nachbarn recht weit weg sind. Van Gaal ist das alles egal.“

Van Gaal kann es locker mit seinen Vorgesetzten aufnehmen

Roland Zorn (FAZ) schwärmt von der Einzigartigkeit des Holländers: „Jede Personalie im Luxuskader des FC Bayern München ist spannend. Um so mehr, wenn es um eine Position geht, auf der nur einer von zwei Kandidaten spielen kann. Eine solche Entweder-Oder-Situation liebt Louis van Gaal, der Trainer des deutschen Fußballrekordmeisters. Er ist seit Jahrzehnten der erste Chefcoach der Bayern, der es in puncto Selbstbewusstsein und Selbstgewissheit locker mit sämtlichen Vorgesetzten aufnehmen kann. Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß oder den auch ohne Klubmandat noch immer einflussreichen Franz Beckenbauer überstimmt der niederländische Überzeugungstäter gern und ohne Skrupel, wenn es um seine Kernbefugnis geht.“

Andreas Burkert und Moritz Kielbassa (SZ) vernehmen bei einem Liga-Konkurrenten begeisternde Zustimmung für van Gaals Entscheidung: „Die Freude von Felix Magath über den überraschenden Münchner Torwartwechsel ist doppelbödig. Der Trainer von Schalke 04, damals in Diensten des FC Bayern, hatte Thomas Kraft einst zu den Profis geholt und ihn mit zarten 16 Jahren mitgenommen ins Trainingslager nach Dubai. Kraft, jetzt 22, ist die neue `Nummer Eins` der Bayern, als Erbe von Vorgängern wie Maier, Pfaff oder Kahn. Felix Magath, der ewig Listige, gratuliert dem Kollegen Louis van Gaal aber nicht nur deshalb zu der Wahl, weil Kraft seine Entdeckung war. Magath spekuliert darauf, dass Kraft in der Rückrunde überzeugt – und sich ein Ankauf von Schalkes Manuel Neuer erübrigt. Entsprechende hauspolitische Brisanz hat die Rochade bei den Bayern. Die sportliche Leitung war, milde formuliert, befremdet über van Gaals mutigen Entschluss, dem soliden Jörg Butt, 36, den jungen Herausforderer vorzuziehen. Doch natürlich ließ sich der meinungsstarke Trainer nicht abbringen von seinem Plan beim Treffen mit dem Vorstand am Montag, nach der Rückkehr aus dem Trainingscamp in Katar.“

Die Zeit läuft Michael Ballack davon

Richard Leipold (FAZ) sieht Michael Ballack in einer schwierigen Situation: „ Für Ballack ist der Kampf um den Ball auch ein Kampf gegen die Zeit. Wieder arbeitet er auf ein Comeback nach monatelanger Verletzungspause hin. Wieder hofft er, rechtzeitig zum Start fit zu sein. Mit 34 Jahren hat Ballack noch hohe Ziele. Dieser Mann will seine Laufbahn nicht einfach ausklingen lassen und im Vorbeigehen ein paar Millionen Euro einnehmen. Er will sein stets ausgeprägtes Ego pflegen und damit seinen Mannschaften helfen, wie er es immer getan hat, ob bei Vereinen wie Leverkusen, Bayern München oder Chelsea London. Aber die Zeit läuft ihm davon. Ballack macht dieses Geduldsspiel nicht zum ersten Mal mit, diesen Neustart, der immer auch Systemfragen aufwirft und jetzt, in seinem Alter, zusätzlich Hierarchiefragen. Auch hier bestehen zwei Möglichkeiten: Ballack könnte ein sich findendes, zuweilen ordentlich funktionierendes Gefüge um Rolfes durcheinanderbringen. Oder er könnte die Struktur der Mannschaft stärken, indem er, zumal in einer Rückrunde, von innen dem Team mehr abverlangt, als das Erreichte zu bewahren. Letztlich läuft es auf die Neuauflage der Frage hinaus: Wird Ballack noch gebraucht? Natürlich, schon aus Gründen der Werbung. Der Bayer-Konzern hat ein Gehalt von sechs Millionen Euro auch deshalb ermöglicht, weil er seiner talentierten, zuweilen unbedarften „Werkself“ ein internationales Flair verleihen und den Weg in die Champions League ebnen wollte.“

Fortsetzung der verheerenden Hinrunde

Olaf Dorow (Berliner Zeitung) macht sich Sorgen um die Bremer: „Werders Trainingslager an der türkischen Riviera, welches gestern zu Ende ging, verkam zu einer Fortsetzung der verheerenden Hinrunde. Mal abgesehen davon, dass viel trainiert und angekündigt wurde, deutete nichts auf die erhoffte Wende zum Guten hin. Falls jemand das immer noch nicht glauben mag: Werder, seit sechs Jahren ein Juwel der Liga, ist Tabellen-14., schoss dabei zwölf Tore weniger, als es kassierte, und ist sowohl im DFB-Pokal als auch im Europapokal ausgeschieden. Läuft es am Samstag gegen Hoffenheim schief, dann geht es ab dem 19. Spieltag ums Überleben in der Bundesliga. Werder tritt dann in Köln an. Werder ist eine Mannschaft geworden, in der sich der alternde Leitwolf Torsten Frings Sorgen macht und der Rest darauf vertraut, dass er gut ist. Oder sich wenigstens darauf verlässt, dass genug Gute da sind. Und die von Chefs geführt wird, die nun Einzigartiges schaffen müssen.“

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Kommentare

44 Kommentare zu “Die Kraft-Probe”

  1. augelibero
    Donnerstag, 13. Januar 2011 um 14:46

    Die aktuelle Debatte passt nicht zum Selbstverständnis des FC Bayern. Der Verein muss in der Tradition von Sepp Maier und Oliver Kahn darauf setzen, nun Manuel Neuer als Torwart zu verpflichten.
    Dass ein eigenes Talent die (noch vakante Lücke) des Weltbesten nicht füllen kann, sollten die Bayern aus dem Scheitern der (zweifelos begabten, aber überforderten) Jungtorhüter Junghans und Rensing wissen. Und die spielten hinter gestandenen Verteidigern – nicht wie nun Kraft hinter wackeligen Lehrlingen (Breno! Badstuber! Contento!), die einen Keeper mit Ausstrahlung und Ansprache erfordern. Alleine der Umstand, dass die Bayern ohne Kahn ein Vielfaches an Gegentoren aus Standard-Situationen bekommen, zeigt wie wichtig ein Torhüter für die Konzentration der Abwehr ist. Die Spiele Bayern-Stuttgart – nach Kahn und Lehmann – sind dafür Lehrbeispiele, die man im Trainerseminar vorführen sollte.

    Dass Kraft – wie van der Saar (allerdings erst zehn Jahre später) oder Valdez (ebenfalls nicht sofort) – als Entdeckung van Gaals einmal Weltformat erreicht, ist durchaus möglich und sollte als Option befördert werden. Man könnte ihn ja drei Jahre an einen ordentlichen Bundesliga-Verein verleihen – aber bitte nicht, wie Mats Hummel sehenden Auges verscherbeln und nachher auf die Zunge beißen!

    Letztlich geht es van Gaal offenbar nicht um sportliche Belange (warum sollte ein Trainer den Besten im Tor nicht wollen?), sondern um Ego und Macht. Auch hier staunt man, wie schnell die Bayern ihre eine bittere Lektion, diesmal aus der Roland-Berger-Fußballconsultant-Ära Klinsmann, schon wieder vergessen haben: Der Verein selbst muss immer größer als jeder Trainer oder Spieler sein. Wenn van Gaal damit nicht kann, geht seine Zeit zu Ende. Trotz guter Ansätze und zu Recht. Es gibt für ihn nur einen Weg, sich zu behaupten: Der Gewinn der Champions-League. Serien-Doubles – und das weiß man aus Zeiten von Ballack oder Magath und der zweiten Hitzfeld-Ära – machen den FC Bayern nicht satt.

  2. Martin
    Donnerstag, 13. Januar 2011 um 15:51

    Ich denke nicht, dass Manuel Neuer beim FC Bayern glücklich wird. Bei den Fans ist er nach einigen provokativen Aktionen unten durch und van Gaal möchte ihn auch nicht. Für Neuer wäre der Wechsel ins Ausland die bessere Option, für die Bayern ist Kraft die bessere Option.

  3. Ulfert
    Donnerstag, 13. Januar 2011 um 16:12

    „Die aktuelle Debatte passt nicht zum Selbstverständnis des FC Bayern. Der Verein muss in der Tradition von Sepp Maier und Oliver Kahn darauf setzen, nun Manuel Neuer als Torwart zu verpflichten.“

    Das Selbstverständnis der Bayern scheint auch zu beinhalten, durch „Werben“ und sonstiges mediales Gewitter die besten Spieler der Konkurrenten und somit auch die Konkurrenten zu zermürben und zu beschäftigen. Der Gustavo-Deal ist noch frisch. Da habe ich mich sowieso schon gefragt warum die Bayern sich die Anwesenheit des Mäzens bei den Gesprächen wünschen.

  4. augelibero
    Donnerstag, 13. Januar 2011 um 17:49

    Kraft ist die bessere Option, wenn er ein gestandener Torhüter ist. Was sagt man, wenn er demnächst gegen Inter Mailand die Bälle durchrutschen lässt und die haltlose Juniorenabwehr so versagt wie die „alten Krieger“ van Buyten und Demichelis im CL-Finale? Wenn man auf allen Positionen (Ribery, Robben, Schweinsteiger, Lahm und Co.) auf teure Topqualität setzt, muss dies gerade im Tor so sein – das Risiko ist andernfalls zu hoch.

    In Sachen Hopp: Da Hopp nicht nur der Mäzen, sondern frei nach Jean „Schäng“ Löring („Isch als Verein…“) die TSG Hoffenheim selbst ist, zeigt der Deal doch nur, was hinter dem Dorfverein steht. Hopp macht offenbar die Geschäfte und entscheidet über die großen Transfers – also war er der Ansprechpartner. Sicherlich auch bald für die endgültige Entscheidung zu Demba Ba. Man muss sich grundsätzlich beim Dorfverein keinen Illusionen hingeben, denn Hoffenheim hat weniger Eigengewächsen auf dem Platz als Bayern oder Barcelona. Romantik ist in diesem Fall deshalb nicht angebracht.

    Ebensowenig wie in Sachen „Unruhe reinbringen“: Hat nicht Schalke den Wolfsburger Meistertrainer Magath im Saisonfinale abgeworben? Und wie war das mit den – inzwischen auf Schalke in Ungnade gefallenen – ex-Frankfurtern Jones und Streit? Ja, Bayern bringt Unruhe rein. Andere schöpfen ihre (geringeren) Möglichkeiten aber auch gerne aus.

    Die Bundesliga ist ein Geschäft, das davon lebt, dass wir uns zwischen den 90 Minuten „aufm Platz“ über das Drumherum auseinandersetzen. Damit werden Abos verkauft, deshalb werden Werbungen geschaltet – und auch Klicks generiert. So wie jetzt!
    Grüße aus Berlin!

  5. Heffer
    Donnerstag, 13. Januar 2011 um 22:27

    „Was sagt man, wenn er demnächst gegen Inter Mailand die Bälle durchrutschen lässt und die haltlose Juniorenabwehr so versagt…“

    Was sagt man, wenn er gut hält? Wenn Breno an seine Leistungen in Nürnberg anknüpft?

    Und die Juniorenabwehr enthält mit Lahm einen erfahrenen Spieler. Zwei, wenn van Buyten noch aufläuft.

    Bis jetzt habe ich noch keinen guten sportlichen Grund gehört, warum van Gaal Kraft nicht ausprobieren soll. Wenn ers nicht schafft, dann steht bald wieder Butt im tor. Wenn aber schon, dann kriegt er ne Menge Selbstvertrauen und Erfahrung.
    Oben schrieb jemand, dass Butt klar der bessere sei; der van Gaal wird sich das vorher schon ein,zwei mal angeschaut haben, bevor er seine Entscheidung traf.

  6. anderl
    Freitag, 14. Januar 2011 um 04:17

    Ich finde das ja zum Brüllen komisch, dass hier ein Diskussion über einen Machtkampf zwischen LVG und dem Vorstand vom Zaun getreten wird. Lächerlicher geht es nicht mehr.

    Und Kraft ist nicht Rensing. Allein schon, dass er kritisch ogschaut werd und net hochgjubelt wie der ander.

  7. Madder than Jens
    Freitag, 14. Januar 2011 um 10:49

    Warum ist es „zum Brüllen lustig, dass hier eine Diskusion über einen Machtkampf Trainer – Vorstand vom Zaun getreten wird“, Anderl?!?
    Genau das ist es natürlich: Ein Vorstand entscheidet sich, einen Torwart für die nächsten zehn Jahre zu holen (Neuer). Und ein Trainer widersetzt sich dem, indem er im Alleingang einen anderen Torwart installiert.
    Wenn das kein Machtkampf ist, was dann?

  8. Kai Butterweck
    Freitag, 14. Januar 2011 um 13:52

    @Madder:
    definitiv auf den Punkt gebracht.

  9. augelibero
    Freitag, 14. Januar 2011 um 14:02

    Muss meinem Vorredner „Maddar than Jens“ beipflichten: Butt ist sportlich ein guter, aber kein überragender Torhüter – und nicht zufällig ein ewiger Zweiter. Er ist ein Stabilisator in der Mannschaft, aber kein Leader. Deshalb spricht nichts dagegen, dass van Gaal perspektivisch eine andere Lösung sucht. Und genau darin liegt die Machtprobe: Er spaltet und mobilisiert, um einen Wechsel (nurgottundvangaalwissenwarum) von Neuer zu verhindern. Wenn das Eigengewächs Kraft gut hält, kommt Druck aus der Kurve auf den Vorstand und Neuer überlegt es sich zweimal. Wenn nicht, ist bis dahin so viel Erde verbrannt, dass Neuer noch stärker ins Grübeln kommt. Deshalb der hastige Personalwechsel, im März wäre es zu spät!

    Mein Tip: van Gaal macht den Neuer-Deal kaputt – aus Arroganz und Hybris.

    Das Problem bei solchen Geschichten – immer wieder an Klinsmann denken – ist doch: Der Trainer scheitert, ist weg – aber der Verein bleibt auf dem Trümmerhaufen sitzen.

    Noch eine Bemerkung zu Breno und der Leistug in Nürnberg: Die war respektabel im Bundesliga-Abstiegskampf. Bei den Bayern muss aber mehr kommen. Die trotteligen Stolperer gegen Schalke und Stuttgart zeigen, dass Breno die Konzentration auf höchstem Niveau (z.B gegen Raul) nicht aufrecht erhalten kann. Damit errinnert er stark an Sammy Kuffour, der mit seinen großartigen Anlagen immer einen Olli Kahn im Kreuz brauchte, der ihn dirigiert. Schon interessant, dass Kuffour nach seiner Bayern-Zeit komplett in der Versenkung verschwunden ist…

    Wenn man über die Ansprüche der Bayern spricht, sollte man Vergleiche mit ManU, Real oder Milan wählen, bitte nicht Nürnberg, Bochum oder Frankfurt, man sollte Spieler nach ihrer Tauglichkeit für die Champions-League-Play-Offs, und nicht für die Bundesliga-Rückrunde bewerten. Und da ist die Qualität von Lahm die Mindestanforderung, nichts besonderes! Denn: Andere haben Maicon, Dani Alves und Co., also noch stärkere Verteidiger. Und die spielen neben Puyol oder Ferdinand – und nicht Breno und Badstuber.

    Klingt zwar hart, ist aber so. Das realisieren wir dann im April, vergessen es schon im Mai, freue und auf die nächste Saioson mit großen Zielen im Juni und tasten uns dann ab Juli wieder Monat für Monat an die Realität heran – bis wieder April wird und wir erkennen, dass in Spanien und England weniger Mittelmaß, aber mehr Qualität ist.

  10. Marvin Nash
    Freitag, 14. Januar 2011 um 16:09

    Der Prophet im eigenen Land ist nichts wert.

    Leider bei Fußballern auch oft so. Schweinsteiger musste auch erst von der ganzen Welt gelobt werden, damit in Deutschland alle merken, dass wir einen der Top 3 ZMs haben.

    Danie Alves ist sicherlich nicht besser als Lahm und Badstuber ist eins der größten IV-Talente der Welt, der sich vor niemandem verstecken muss. Dass er noch nicht die Erfahrung von Ferdinand oder Puyol aufweist, ist klar.

    Bayern hat nur zwei Positionen in der Abwehr, die nicht tauglich für die CL-Playoffs sind. LV und der IV neben Badstuber. Dieser ist in meinen Augen jetzt schon so gut, wie ein Vidic oder ein Pepe. Hat das Positionsspiel, die Schnelligkeit und auch die Technik, die einen modernen IV ausmacht. Aber hier sehen sicher auch einige einen Hummels besser, der Badstuber in der Nationalmannschaft nie verdrängen wird und da geh ich jede Wette ein.

  11. MS
    Freitag, 14. Januar 2011 um 16:16

    Möglicherweise braucht vG nicht den weltbesten Torhüter aus‘m Pott, sondern misst anderen Baustellen einen höheren Stellenwert zu. Vllt. möchte er lieber einen Weltklasse-Stürmer haben oder noch einen anderen anständigen Ersatz für van Bommel, falls er Gustavo lieber nach links stellen möchte. Der Schotter wäre jedenfalls da, wenn der Wechsel zu Kraft klappt – Verzicht auf Neuer, stattdessen jemanden vom Kaliber „Ronaldo“, auf welcher Position auch immer.

    Ist nicht immer auf Anhieb nachvollziehbar, was der vG da macht, aber letzte Saison und die zuletzt erkennbare Tendenz in dieser Saison geben ihm mMn. recht.

    Vielleicht ist es aber auch einfach nur ganz billig: Kraft hat sich schlicht besser im Training präsentiert.

  12. augelibero
    Freitag, 14. Januar 2011 um 16:28

    Badstuer, so gut wie Pepe oder Vidic? Lieber Marvin, ich glaube du hast die Spiele gegen ManU (CL-Viertelfinale) und Serbien(WM) nicht berücksichtigt. Badstuer hat zweifellos Talent, das beweist sich aber nicht durch ein Kopfballtor gegen Aserbaidschan oder ein Lob von Jogi Löw im Schwarzwälder Boten, sondern in CL- und WM-Spielen… Badstuber kann ein Guter werden, ist es aber noch nicht.

    Und für alle Ronaldo-Fans: Er entscheidet nett Spiele, aber keine Meisterschaften.

  13. Marvin Nash
    Freitag, 14. Januar 2011 um 16:52

    Lieber augelibero, ich rede von ihm als IV und ich habe ihn mit IVs verglichen. Dass Dir nur Spiele einfallen, wo er als LV gespielt hat, ist auch wieder ein Indiz für seine ungeheure Stärke als IV. Und wo Du das Serbien-Spiel gerade erwähnst. In diesem Spiel wurde Vidic (auf seiner Stammposition) mindestens genauso die Grenzen von unserer Offensive aufgezeigt und er hat einen kapitalen Bock geschossen.

    Dass Badstuber sowohl bei Bayern und auch in der Nationalelf auf LV gestellt wird, zeigt doch nur seine fußballerischen Fähigkeiten. Er spielt da positionsfremd, weil es keinen besseren zu dem Zeitpunkt gab. Und Bayern hat ganz schön viele beeindruckende Spiele mit ihm als LV gezeigt letzte Saison. Dass es da auf allerhöchstem Niveau (CL-Playoffs/WM) nicht reicht, ist klar.

    Aus dem gleichen Grund wurde immer auf Schweinsteiger rumgehackt. Er ist so gut, dass er alle Positionen im Mittelfeld spielen kann. Dass er als Außenbahnspieler nicht weltklasse ist, ist klar. Immerhin war er gut genug, um bei Bayern und der Nationalelf immer zu spielen. Aber dann wurde trotzdem auf ihm rumgehackt.

  14. Thor
    Freitag, 14. Januar 2011 um 18:03

    „Der Verein muss in der Tradition von Sepp Maier und Oliver Kahn darauf setzen, nun Manuel Neuer als Torwart zu verpflichten.
    Dass ein eigenes Talent die (…) Lücke (…) nicht füllen kann, sollten die Bayern (…) wissen.“

    Genau. Ein eignes Talent fördern, so ein Schwachsinn.
    Es ist mir aber leider im Moment entfallen: Von welchem Weltverein haben die Bayern den ungeheuer erfahrenen Maier Sepp damals verpflichtet?

  15. augelibero
    Freitag, 14. Januar 2011 um 18:45

    Lieber Thor: Als Sepp Maier anfing spielte der FC Bayern in der 2. Liga. Übrigens: Maier verpatze in jungen Jahren Berichten zufolge so manches Europapokalmatch. Zum Weltbesten wurde er erst nach ein paar Jahren als Nummer 1 in den 70er. Beantwortet das Deine Frage?

    Deshalb: Lasst den Kraft doch zwei oder drei Jahre leihweise irgendwo in der Bundesliga spielen – und dann schaun mer mal. Ohne Frage: Er hat’s verdient. Nichts gegen Talente, im Gegenteil: Sie müssen unter Anleitung reifen können. Schweinsteiger hat auch nicht auf der wichtigesten Position angefangen, sondern sich im Schatten von Effenberg, Ballack und van Bommel entwickeln können. Der Durchbruch als Weltklassespieler kam – nach Auf und Abs – im sechsten oder siebten Profijahr. Und nicht im zweiten.

    So sehe ich es auch bei Badstuber, der in vielem an Thomas Helmer erinnert. Marvin, hast vollkommen recht mit dem Hinweis, dass Badstuber in seinen schwachen Spielen auf Links gespielt hat. Habe auch keinen Zweifel, dass er eine große Karriere machen kann.
    Aber: Internationale Klasse hat er noch nicht in großen Spielen und über Zeit nachweisen können. Und wenn alle da hinten noch in der Lehre sind, wird es leider nichts mit höheren Zielen. Daher mein Tip: Mit der aktuellen van Gaal-Politik ist maximal Platz 3 in der Bundesliga drin, in der CL kommt spätestens im Viertelfinale das Aus.

    Wie groß der Unterschied zwischen Bundesliga und Europa ist, sehen wir bei der – von mir begeistert beobachteten – Mannschaft von Borussia Dortmund: Dem letzten Aufbäumen einer abgezockten Oldietruppe (Sevilla) konnte sie nicht standhalten. Für Dortmund ist es dennoch zweifellos der richtige Weg: Sie kommen aus dem betonierten Mittelmaß und sind nun ein Musterbeispiel für jeden Bundesligaverein. Bei den Bayern zählt aber jede Saison – und nicht wie bei Stuttgart, Schalke oder Bremen jede dritte oder vierte.

    Um aber eines bei aller Kritik klar zu stellen: van Gaal ist ein exzellenter Trainer und Fachmann, nur führen bei ihm Ego und Hybris immer wieder zum Scheitern. Schaut Euch mal seine wechselhafte Trainerkarriere an: große Erfolge mit Ajax, bei Barcelona verfelte er die intenationalen Ziele und als holländischer Nationaltrainer verpasste er sogar die WW 2002 (gegen Irland! mit fünf Mittelstürmern und ohne Torchancen, erbärmlich wie die Vogts_Elf gegen Bulgarien 1994).

    Wie gesagt: Wenn er die CL gewinnt, wiederrufe ich gerne. Seine Aufbauleistung bei den jungen Spielern ist zu schätzen, aber Bayern-Trainer werden nur nach einem Kriterim gemessen: Titel – und zwar vor allem internationale. Wer kennt denn noch den zweifachen deutschen Meister Pal Czernai?

  16. Thor
    Samstag, 15. Januar 2011 um 00:50

    „Lieber Thor: Als Sepp Maier anfing spielte der FC Bayern in der 2. Liga. Übrigens: Maier verpatze in jungen Jahren Berichten zufolge so manches Europapokalmatch. Zum Weltbesten wurde er erst nach ein paar Jahren als Nummer 1 in den 70er. Beantwortet das Deine Frage?“

    Lieber augelibero, es eröffnet einfach eine neue Frage.
    Nämlich warum du Dich in deinem Eröffnungspost bezüglich des Wunschs die aktuelle #1 der Nationalmannschaft zu kaufen ausdrücklich und namentlich auf den Sepp beziehst. Denn, ich weiß nicht ob Du’s weisst, aber:
    Als Sepp Maier anfing spielte der FC Bayern in der 2. Liga. Maier verpatze dabei in jungen Jahren Berichten zufolge so manches Europapokalmatch. Zum Weltbesten wurde er erst nach ein paar Jahren als Nummer 1 in den 70er.

    Aber vielleicht hinkt ja der Vergleich mit Maier einfach. Ich habe den Vergleich allerdings nicht ins Spiel gebracht…

  17. anderl
    Samstag, 15. Januar 2011 um 02:04

    @ madder than Jens et al (Kraft, LvG,Bayern-vorstand)
    Ich bin begeistert, welche ausgedachten Dinge hier als Fakten verkauft werden!

    Auf die Idee, dass der Mann einfach den besseren Keeper im Kasten stehen haben will, kommt keiner. Weil die Presse ja die Mülltonnen auf die Hauptstraßen geschoben hat und mit Brechstangen darauf herumdrischt. Nur weil es alle Spatzen von den Dächern pfeifen, ist es nicht richtig.

  18. Ulfert
    Samstag, 15. Januar 2011 um 04:07

    @anderl: Und der Jan Ullrich hat nie gedopt, ist ja schließlich auch nicht bewiesen^^

  19. anderl
    Samstag, 15. Januar 2011 um 10:39

    @Ulfert: Der Ulrich tut hier nichts zur Sache. Hier werden Annahmen gemacht und verknüpft. Annahme eins: Manuel Neuer hat schon einen Vertrag mit den Bayern. Louis van Gaal hat einen sturen Dickkopf und will dem Vorstand beweisen, dass er klüger ist. Dritte Annahme: Kraft ist schlechter als Butt.
    Warum nicht das offensichtliche?
    Kraft ist besser als Butt, der Bayernvorstand hat einfach die Hosen wegen Rensing voll.
    Unglaublich, wie die Zukunftsorientierung des Herrn van Gaal runtergeredet wird.
    Naja, geilt euch mal weiter am gelben Druckwerk auf. Wenn ihr sonst keine Probleme habt.

  20. Heffer
    Samstag, 15. Januar 2011 um 14:04

    Was mich am meisten stört ist diese Schablone, in die man Entscheidungen zu pressen versucht.

    Die Bayern mit ihrem Selbstverständnis, die in ihrer Tradition dies und das so zu machen haben.
    Das einzige, was man sicher sagen kann, ist dass die Bayern in Deutschland immer alles gewinnen und in Europa auch eine Rolle mitspielen wollen.

    sonst nix.

    Der Rest ist alles Geschwätz.

    Und wie ich weiter oben schon beklagt habe: Wo ist denn der sportliche Grund, warum Butt besser sein soll als Kraft? (bzw andersherum)

  21. Ulfert
    Samstag, 15. Januar 2011 um 21:42

    @anderl: Niemand behauptet dass Neuer unterschrieben habe, und niemand behauptet dass Kraft schlechter sei als Butt. Lediglich der mittlere Punkt kommt zum Tragen, und er äußert sich in der Art und Weise wie vG sich äußert, und wie die Oberen sich äußern. Die Frage stellt sich nunmal: Warum der Wechsel, und warum jetzt? Ein Interpretation ist die der Provokation, und sie ist scheinbar gut genug getarnt dass sie nicht jeder sieht/sehen mag/kommentieren mag. Sie lässt den Chefs grade noch genug Raum um sich auf sportliche Gründe zurück zu ziehen, falls man keinen offenen Krach haben will.

    Daher auch mein Vergleich mit Ullrich: Es gibt immer Leute die Sachen nicht sehen wollen, das heißt aber nicht dass sie nicht da sind. Ein harmonisches Verhältnis zwischen vG und dem Vorstand halte ich so wahrscheinlich wie die sportliche Unbeflecktheit Ullrichs.

  22. anderl
    Sonntag, 16. Januar 2011 um 13:30

    @ulfert:
    Jan Ullrich HAT gedopt. Aber er hat niemanden betrogen. Im Radsportsystem.

    Was LvG und Vorstand betrifft: Wer sagt denn, dass die zusammen Blümchen zupfen? Niemand: Aber dass die Zeitungen wie über Wikileaks berichten, dass grenzt an grenzenloser Lächerlichkeit.
    Haben wir keine anderen Probleme in diesem Land?

  23. Ulfert
    Sonntag, 16. Januar 2011 um 15:16

    Ich höre selten Kritik von Bayernfans oder Bayern-Offiziellen daran, wenn sie über den grünen Klee gelobt und gehyped werden, selbst wenn es ungerechtfertigt ist. Das ist häufig genug der Fall, Gelegenheiten gabs und gibt es dazu genug. Da stellen sich dann aber alle Beteiligten gerne hin und sagen „Wir sind halt die Bayern, wir sind wichtig und wir sind toll.“. Jetzt, in einer schwierigen Phase, mit einem schwierigen Trainer, der gegen den Vorstand stänkert, sich hinzustellen und zu sagen „Ist ja nur Fußball, kümmert euch lieber um die wirklich wichtigen Sachen“ ist an Lächerlichkeit und Hilflosigkeit nicht zu überbieten. Außer vllt durch die Behauptung Jan Ullrich hätte niemanden betrogen, da gehören nämlich ein paar Millionen Zuschauer zu den Beteiligten 😉

  24. Oliver Fritsch
    Sonntag, 16. Januar 2011 um 19:44

    Ich wäre mal gespannt, wie ein Kader aussehen würde, der von Karl-Heinz Rummenigge zusammengestellt wäre.

  25. anderl
    Sonntag, 16. Januar 2011 um 21:27

    Mich interessiert der Sport und nicht das Gewäsch drum rum. Ich sage dasselbe, wenn der Schaaf von Werder Bremen aus nichtigen Gründen plötzlich völlig inkompetent sein soll.

    Trainer, der gegen den Vorstand stänkert? Wo hast ist das her?

    Jan Ullrich hat IM SYSTEM RADSPORT niemanden betrogen. DAS ist richtig. Deswegen habe ich es auch so geschrieben. Im übrigen sind alle Zuschauer einfach nur naiv (sanft ausgedrückt), wenn sie nach den 2000er Jahren noch an dopingfreien Radsport glaubten.

    Wahrscheinlich glauben auch noch viele an dopingfreien Fussball!!! Muahahahaha

  26. Ulfert
    Sonntag, 16. Januar 2011 um 22:21

    Das „System Radsport“ beinhaltet die Zuschauer, TV-Anstalten und sonstigen Berichterstatter, weil es das „System“ ohne Zuschauer nicht gäbe. Also ist DAS nicht richtig 😉

    Im übrigen sind alle Zuschauer einfach nur naiv (sanft ausgedrückt), wenn sie nach den bisherigen Vorkommnissen zwischen LvG und dem Vorstand noch an _rein_ sportliche Gründe für den Torwartwechsel glaubten.

    Ich würde den letzten Satz einschränken und behaupten, ich halte die Leute für naiv, denn die absolute reine Wahrheit kenne ich nicht, sondern nur ein paar wenige Fakten und meine Meinung die ich daraus bilde. Wenn Sie (anderl) das ganze Gewäsch nicht interessiert, dann lassen Sie uns doch wenigstens den Spaß uns damit zu unterhalten. Dafür dass es Sie nicht interessiert versuchen Sie aber doch recht eifrig das klein zu reden 🙂

    @Oliver: In der Tat wäre das interessant. Gab es denn Spieler die er zuletzt hätte kaufen wollen (aber es nicht getan hat weil vG sie nicht wollte)? Abgesehen von Neuer? 🙂

  27. Thor
    Sonntag, 16. Januar 2011 um 22:53

    2007 hat Adler Butt verdrängt, weil Trainer Skibbe (oder sein Torwarttrainer http://www.goalkeeping.com/Ruediger-Vollborn.794.0.html) ihn für besser befand.
    2011 hat Kraft Butt verdrängt, weil Trainer van Gaal (oder sein Torwartttrainer http://www.tz-online.de/sport/fussball/fc-bayern/frans-hoek-torwarttrainer-fc-bayern-850834.html) ihn für besser befand.
    That’s it.

  28. Oliver Fritsch
    Montag, 17. Januar 2011 um 10:45

    Rummenigge soll die Anlaufstelle für Spieler (gewesen) sein, die unzufrieden waren. Zum Beispiel für Luca Toni, wenn sich Klinsmann erdreistete, ihn in der 75. Minute auszuwechseln. Van Gaal hat Toni dann einfach aussortiert.

    Es gibt ein paar herrliche Anekdoten, wie LvG mit dem Vorstand umspringt. Die würden sogar anderl interessieren.

  29. anderl
    Montag, 17. Januar 2011 um 13:04

    @ Oliver Fritsch: Raus damit! 😉

    @ Ulfert:
    1.Sie haben recht. Wenn mich das Gewäsch nicht interessiert, dann sollte ich die Wäsche denen überlassen, denen es Spass macht. Seh ich ein. Mir stört es nur, dass so etwas geschieht, weswegen ich gegenreden will/muss.

    2. Bezug Ulrich: Wir können lange darüber diskutieren, wer was wie zum System Radsport gehört. Aber ist es nicht so, dass der Betrug beim Doping daraus resultiert, dass sich ein Sportler damit Vorteile gegenüber den anderen Sportlern verschafft? Und wenn alle dopen? Wenn das die Grundvoraussetzung ist, um diesen Sport auf diesem Niveau zu betreiben? Ist das dann noch Betrug? Oder ist es Betrug an der Erwartungshaltung des Zuschauers?

    Herr Ullrich bezieht sein Un/Rechtsbewusstsein aus dem System Radsport in dem er aufgezogen worden ist. Primär sind das für mich: Die Sportler und ihre Betreuer. Und für Ulle wird es nicht anders sein.

    Was mich bei der Geschichte mit Jan Ullrich besonders anwidert: Zuerst wird er gefeiert, dann fertig gemacht. Nachdem er fertig gemacht wurde, ergötzt man sich an dem kaputten Menschen. Keiner fragt sich nur eine Sekunde: Warum tu ich das? Warum habe ich nicht nachgedacht? Hätte ich das nicht begreifen müssen? Ich glaube, dass gerade die Sportjournalisten schizophren handeln, die ihn erst hochjubelten und dann runterschrieben. Amnesie nenne ich so was.

    3. LvG und Bayernvorstand: Wenn es denn solche Ereignisse gibt, die der Herr Fritsch oder andere Journalisten auf Grund journalistischer Sorgfaltspflicht oder gegenseitiger Fütterung sicher nicht preisgeben, dann muss das nicht essentiell etwas mit dem Torwartwechsel zu tun haben. Und die Leute, die behaupten, es gäbe solche Ereignisse, brauchen sich nicht zu wundern, dass ihnen der Medienkonsument den Vogel zeigt, wenn sie so etwas behaupten. Denn dieser Medienkonsument bekommt ja nichts davon mitgeteilt.

    4.) Zum Doping im Fussball: Die bekannten Fakten sprechen für sich. Ich habe die in den Medien zugänglichen Dinge gesehen und gelesen. Für mich resultiert daraus die Erkenntnis, dass in jeglichem Spitzensport gedopt wird. Die seltsamen Aussagen des Kaisers, das allgemeine Schweigen der Sportjournalisten, gerade im Bezug auf Fussball(das Nationalheiligtum Europas), und das Aus des Herrn Neururer als Trainer nach seiner Captagonaussage (und der Verletzung einer Omertá) sind für mich nur bestätigende Indizien. Schlagende Beweise war für mich die Fuentesaffäre mit den „huch!“ verschwundenen Listen mit den Spielern von Barca und Real, sowie die Ereignisse um Juventus Turin. Den Kahnausraster in der CL bei der Dopingprobe könnte ich gerade noch mit „Adrenalin a la Kahn“ abtun.

    PS: Was mich zum Reden bringt ist das Schweigen der Journalisten.

  30. Ulfert
    Montag, 17. Januar 2011 um 13:48

    Zu Ullrich: Ich sehe den Betrug hauptsächlich in der Täuschung der Medien und Zuschauer, denn dadurch hat der Kerl ja gute Verträge und Geld eingenommen. Nur wegen der Preisgelder wird das wohl niemand machen. Und eben aus diesem Grund sind die Medien und die Zuschauer eben auch Teil des Systems, die zu Doping führen.

    Den Umgang mit solchen Fällen finde ich auch nicht schön, das fängt aber imho schon beim Hochjubeln an. Wer als Heilsbringer einer Sportart gefeiert wird (zumindest in D), der KANN garnicht die Erwartungen erfüllen.

    Das Geld wäre dann auch der Übergang zu Fußball: Auch hier geht es um seeeehr viel Geld, daher ist die Motivation zu dopen vorhanden.

    zu LvG und dem Vorstand: Es gibt doch Medien die berichten, siehe oben 😉

    P.S.: Weil es so schön passt:
    „Die Kraft-Probe kann für van Gaal zum Eigentor werden, denn Nerlinger droht im Namen der FCB-Führungsriege mit „weitreichenden Konsequenzen“, sollte das Experiment im Bayern-Tor scheitern.“ (aus http://bundesliga.t-online.de/fc-bayern-van-gaal-riskiert-den-bruch-mit-bayern-bossen/id_43961944/index)

    Dem Niederländer ist klar: „Falls es schiefgeht, bin ich schuld. Aber wenn sie dann einen sehr guten Trainer entlassen wollen, ist das ihre Sache.“ (aus http://www.kicker.de/news/fussball/547261/artikel_Kraftprotz-oder-halbe-Portion.html)

  31. Madder than Jens
    Montag, 17. Januar 2011 um 16:15

    Interessante Argumentationskette: Thomas Kraft – Jan Ullrich – Doping in Fußball. Und Killerkalle Rummenigge mittendrin!
    Weiter so.
    Nur eines finde ich – bei allem Spaß, den dieser thread macht – doch ein klein wenig gewagt:
    Dass Neururers Schwierigkeiten, irgendeinen Job zu finden, mit seinen Dopingäußerungen in Zusammenhang stehen. Könnte das – ganz vielleicht, eventuell – nicht auch daran liegen, dass es heute Trainer wie Tuchel, Dutt, Stanislawski, Schaefer et all gibt, deren Fachwissen sich anders als bei Neururer nicht mehr nur auf das Eckballtraining beschränkt?

  32. Oliver Fritsch
    Montag, 17. Januar 2011 um 17:24

    @anderl: Man kann nicht immer alles schreiben und erzählen, was man weiß. Ist leider so in dem Job, das ist der Deal mit der Macht. Die Geschichten wurden mir nun mal im Vertrauen erzählt. Aber sie verstärken das Bild, dass dort Groß-Egos am Werk sind. Und dass es um Macht geht. Van Gaal jedenfalls macht sich nicht so klein wie Hitzfeld.

    @Madder than Jens: Auch Rengs Enke gelesen?

  33. Marvin Nash
    Montag, 17. Januar 2011 um 21:09

    Nur ein Torwart-Thema kann Fußball-Deutschland so bewegen. Allein 31 Kommentare beim IF 😉 .

  34. augelibero
    Montag, 17. Januar 2011 um 22:46

    auch wenn die debatte schon einen schritt weiter (und zwei zur seite) ist…

    lieber thor: der vergleich mit maier zielte nicht darauf, dass maier zum zeitpunkt als er nr. 1 wurde der weltbeste war, sondern, dass man seine nachfolge mit einem talent versucht hat. es geht also nicht um seinen start, sondern seine NACHFOLGE. das ist der punkt. und ich erinnerte an die völlig missratene nachfolge von oliver kahn, der als alter keeper mit der gleichen abwehr einen rekord ausstellte, die bereits im folgenden jahr zu schießbude wurde – und es seit her ist. unter klinsmann, unter van gaal. bereits in der letzten saison, noch schlimmer in dieser.

    zu butt und kraft: das talent von kraft steht außer frage, aber die bayern brauchen hinten etwas erfahrung. die haben weder die verteidigerlehrlinge noch der anfängerkeeper.
    einen keeper mit ausstrahlung sollten sie kaufen, kaliber: kahn, maier, pfaff, lehmann und co.
    das wäre manuel neuer.

    zur abwehr, wie letzte woche schon fast vorhergesehen: das gegentor von wolfburg hatte sich in den minuten vorher bereits angekündigt. vor schweinsteigers aussetzer hatten bayern-verteidiger bereits zweimal (schlecht) versucht, flach aus der abwehr heraus zu spielen anstatt einfach zu klären. die mannschaft in der verteidigung zu führen, ist eine qualität von weltklassekeeper (dazu kann kraft zweifellos einmal werden).

    zu badstuber (gegen wolfsbrug bereits an seine DERZEITIGEN grenzen gestossen) und breno (demichelis und kuffour lassen grüfen: ein nickerchen ist immer dabei) im besonderen:
    das problem von breno hat man – wie angekündigt – gesehen: er hat abgeschaltet als er schweinsteiger im ballbesitz wähnte – ein kleiner schritt hätte genügt, um die flanke zur ecke zu klären. aber breno ist im kopf zu langsam, wenn etwas neues passiert sogar überfordert. er kann (sehr gut) klare aufgaben lösen.

    das tor geht natürlich auf schweisteigers kappe, aber ausbügeln können kaliber wie breno nicht. und deshalb fehlt immer nur eine kleinigkeit, die zu der nachhaltigen schwäche führt. es ist kein seuchenjahr, es fehlt an der qualität. van gaals ist zweifellos ein guter ausbilder, aber bayern möchte – und vor alemm: muss – nicht erst (vielleicht) in zwei jahren etwas davon haben.

    fortsetzung folgt.

    ps. was macht eigentlich jan ulrich?

  35. anderl
    Dienstag, 18. Januar 2011 um 06:32

    @madder than jens:
    Fachlich gesehen könnte das mit Neururer sogar stimmen.
    Und trotzdem bleibe ich dabei: Das Schweigen daraufhin war beredsamer als jegliches Dementi. Abgesehen von der kaiserlichen Blase.

    @o.fritsch:
    glaube ich ihnen gerne. Deswegen habe ich es auch so geschrieben.

    @augelibero:
    traurig, dass der gemeine Bayernfan dem FC Bayern keine Entwicklung zugesteht. Talente bitte ja, aber nicht in meinem Verein, wir müssen Erfolg haben. Das ist dann das, was in der Wirtschaft die Quartalszahlen anrichten. Nachhaltig wird nicht gearbeitet.

  36. augelibero
    Dienstag, 18. Januar 2011 um 11:49

    @anderl: danke füpr die zuspitzung, daran kann man es deutlich machen. talente: ja, aber nicht nur. weil: talente brauchen gefestigtes umfeld um reifen zu können. sonst: zu kaltes wasser. gerade auf höchstem niveau.

    und nochmals: schätze van gaals arbeit mit den jungen spielern sehr. müller, kroos, contento und co. sind eine freude. die buli und cl sind aber keine ausbildungsprogramme, sondern wettbewerbe. die kunst ist es, titel zu gewinnen. und dafür braucht es eine mischung. man kann auch einen jungen keeper ins tor stellen, wenn die abwehr davor felsenfest ist.

    weiß noch jemand, hinter welchem bollwerk neuer angefangen hat? hier die namen: bordon, kristajic, raffinha und westermann. felsenfest! und nicht so eine lehrlingscombo wie jetzt bei den bayern.

    also: talente – bitte ja. erfolge: müssen sein. deshalb: auf die mischung achten.

  37. anderl
    Dienstag, 18. Januar 2011 um 13:02

    @augelibero:
    Wenn man das so auffasst, dann ist es eine derbe Kritik an der Transferpolitik der Bayern der letzten Jahre, was die Abwehr betrifft. Dort gibt es nur einen NICHTlehrling: Lahm. ABER…schlimmer als die Fastnachtsveranstaltungen von Demichelis und van Buyten kann es auch nicht mehr werden. Für einen jecken Spaß war Lucio auch immmer zu haben.
    Was ich sagen will: Neben diesen Leuten möchte doch bitte kein junger Verteidiger ins kalte Wasser geschmissen werden.
    Kritikpunkt also: Es fehlt in der Bayernabwehr ein guter gestandener Innenverteidiger.

  38. augelibero
    Dienstag, 18. Januar 2011 um 13:20

    zu anderl: Das sehe ich alles ganz genauso. Die Hoffnungen ruhen nun auch Gustavo…

  39. anderl
    Dienstag, 18. Januar 2011 um 14:14

    @augelibero
    ein sehr erfahrener Haudegen..

  40. Madder than Jens
    Dienstag, 18. Januar 2011 um 15:58

    Ja, @ Oliver Fritsch, ich habe die Enke-Biographie gelesen (und war überwältigt). Aber was hat das jetzt mit diesem thread zu tun? (Außer dass bei der Argumentationskette Kraft – Ullrich – Doping – Killerkalle – Bayern-Abwehr – Gustavo alles das nächste Thema sein kann!!!)

    Ne schöne Gruß!

  41. Ulfert
    Dienstag, 18. Januar 2011 um 16:18

    Ich gebe zu, der Jan Ullrich-Vergleich war wirklich off-topic. Ich hatte ihn gebracht in der Hoffnung auf common sense und einen schönen Vergleich, aber selbst darüber scheint man diskutieren zu können 🙂

    @augelibero+anderl: Wird Gustavo dann IV spielen? Laut transfermarkt.de ist er zwar Defensiv-Allrounder, aber eigentlich Mittelfeld. Wenn ich mir die Analysen der Hoffenheim-Spiele der Hinrunde auf bundesliga.de angucke hat Gustavo auch meist zentrales defensives Mittelfeld gespielt. Zudem würde ich ihn nach 2,5 Jahren erste Liga mit Hoffenheim nicht als „sehr erfahren“ bezeichnen, international hat er noch nie gespielt. Und er hat in der ersten Liga immer in dem Umfeld gespielt das er bei weniger Druck in der zweiten Liga kennengelernt hat.

    Nicht falsch verstehen – ich denke dass Gustavo den Bayern helfen kann und wird. Ihn in dieser Saison schon als Stabilisator zu erwarten halte ich aber für sehr optimistisch, zumal es für ihn im Achtelfinale der CL zur Premiere kommen könnte – nicht gerade ein leichter Einstieg.

  42. Alex
    Dienstag, 18. Januar 2011 um 16:48

    Ich habe das Gefühl, dass die Bayern die aktuelle Saison schon als Vorbereitung für die nächste Saison nutzen. In der Liga muss der 2. Platz als Ziel angesehen werden, alles andere wäre unrealistisch.
    Und für die CL ist der aktuelle Kader (zumal mit den häufigen Verletzungen von Ribery und Robben) einfach zu schwach.

    Einem Kraft nun ein halbes Jahr zu geben, in dem er reifen und lernen kann halte ich für durchaus nachvollziehbar in der aktuellen Situation. Dann macht auch der beschleunigte Gustavo-Wechsel Sinn, da man diesen bis zum Sommer sicher in das Team integrieren kann.

    Mit dem Geld, das man durch den nicht erfolgten Neuer-Wechsel spart kann man dann noch die Schwachpunkte in der Defensive beheben.

    vG will mit dem TW-Wechsel sicher auch der Führungsriege seine Macht beweisen. Aber er würde sicher auch gerne 20 Mio in einen Spieler investieren, den er braucht und nicht in einen Torwart, den er meint anderweitig besetzen zu können.

  43. anderl
    Samstag, 22. Januar 2011 um 12:51

    @ulfert
    das mit der Erfahrung des Herrn Gustavo konnten sie doch nur als Ironie verstehen, oder?

  44. Ulfert
    Samstag, 22. Januar 2011 um 12:57

    @anderl: offensichtlich nicht, also danke für den Hinweis 🙂

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