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Bundesliga

Nuri Sahin wechselt zu Real Madrid – der erste Kratzer am Meister-Lack

Kai Butterweck | Dienstag, 10. Mai 2011 16 Kommentare

Die Presse beschäftigt sich intensiv mit dem Wechsel von Nuri Sahin zu Real Madrid und schwankt zwischen Verständnis, Sorge und Hoffnung

Christof Kneer (SZ) erinnert en BVB an abschreckende Beispiele: „Die in der Bundesliga gedemütigten Rivalen wird es freuen, dass der Treueschwur der Dortmunder Meisterspieler nicht mal bis zum letzten Spieltag der Meistersaison gehalten hat. Diese Mannschaft wollte gemeinsam die Zukunft erobern und wird schon jetzt von der Gegenwart eingeholt. Dass Nuri Sahin sich in Madrid ein paar Sterntaler dazuverdienen will, darf als stellvertretend gelten für das, was dem BVB in der kommenden Saison bevorsteht. Die Dortmunder müssen nichts weniger schaffen, als ihr Märchen halbwegs unbeschädigt durch die Realität zu bugsieren. Sie werden nun erleben, was der VfB Stuttgart vor vier Jahren und der VfL Wolfsburg vor zwei Jahren erlebt haben: Die Spieler und deren Berater werden anspruchsvoller, der Kader wird teurer, die Doppelbelastung schlaucht, und in der Liga ist jeder Gegner meisterlich motiviert.“

Mehr als eine verlängerte Probezeit

Richard Leipold (FAZ) zeigt Verständnis: „Es war eines dieser Angebote, die man nicht ablehnen kann. Es kommt einem Naturgesetz des Fußballs gleich, dass ein Profi zusagt, wenn die `Königlichen` rufen, besonders wenn sein Vertrag einen Ausstieg zu Konditionen zulässt, die gemessen an Sahins Klasse moderat erscheinen. Bei Klubs wie Real Madrid ist schon mancher außerordentlich begabte Profi gescheitert – wie bei anderen bedeutenden Vereinen auch. Der Vertrag deutet aber darauf hin, dass beide Parteien mehr anstreben als eine verlängerte Probezeit. Die Zusammenarbeit ist auf sechs Jahre angelegt.“

Jan Reschke (Spiegel Online) wagt einen Blick in die Zukunft: „Beim Weltclub wird es für Sahin nicht einfach, die Konkurrenz ist mit Xabi Alonso, Lassana Diarra und Khedira groß. Aber auch sein Nachfolger bei Borussia Dortmund wird es schwer haben. Anwärter ist der 20 Jahre alte Nürnberger Ilkay Gündogan. Wie Sahin hat er türkische Wurzeln, gilt als extrem talentiert und ist mit seinen Fähigkeiten prädestiniert, den offensiven Part im defensiven Mittelfeld neben Sven Bender einzunehmen. Doch anders als zu Beginn von Sahins großer Zeit bei der Borussia steht der Club nun ganz oben. In der kommenden Saison werden europäische Top-Teams in der Champions League gegen Dortmund spielen. Die Erwartungshaltung wird eine andere sein.“

Die erste dunkle Wolke am strahlend blauen Himmel

Felix Meininghaus (FR) sorgt sich um den ersten Fleck auf der blütenweißen Dortmunder Weste: „Für den BVB ist der Verlust des Spielmachers in der defensiven Schaltzentrale ein herber Verlust. Mit dem Weggang von Nuri Sahin nach Madrid ist die erste dunkle Wolke am strahlend blauen Himmel über dem Dortmunder Fußball-Biotop aufgezogen. Immer wieder waren die romantischen Gedanken des Mythos des `Elf-Freunde-müsst-Ihr-sein` befeuert worden, der beim BVB seine Renaissance erlebe. Es wurde sogar von einer Absprache innerhalb der Mannschaft berichtet, in dieser Konstellation zusammenbleiben zu wollen. Der Weggang des besten Spielers bedeutet einen Rückschlag beim Bemühen, das Meisterensemble in Dortmund zu halten.“

Frank Lamers (derwesten.de) bedauert den Wechsel: „Als Verlierer steht eindeutig der BVB da. Ein 22-Jähriger, der in der eigenen Krippe heranreifte, verlässt den Verein nach seiner bisher besten Spielzeit. Was aber ist Nuri Sahin? Ein Fußballer, der die Möglichkeit erhält, seinen Traum mit Leben zu füllen? Oder ein Fußballer, den dieser Traum im Mix mit Beratereifer und Luxusgehaltsaussicht auf einen Holz-(Bank-)Weg führt? Wer weiß. Erst die Zukunft wird’s zeigen. Und deshalb sollte man Sahin auch erst gratulieren, wenn die Zukunft gezeigt haben sollte, dass sein Schritt für ihn ein guter war. Bis dahin gilt: Er hat sich aus einer schönen Mannschaft herausgerissen.“

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Kommentare

16 Kommentare zu “Nuri Sahin wechselt zu Real Madrid – der erste Kratzer am Meister-Lack”

  1. Guenni Sauer
    Dienstag, 10. Mai 2011 um 12:27

    Ist das jugendlicher Leichtsinn oder der Lockruf des Mammons. In Dortmund hatte er im Verein seine Nebenleute und alles war aufeinander abgestimmt. Hat ihm keiner gesagt, das Madrid nur aus Individualisten besteht. Jeder will dort glänzen. Hat er dabei bedacht das dort ein Özil schon mächtige Vorteile hat. Anerkennung in der Mannschaft und schon mehr Soielpraxis in der Mannschaft. Ich glaube kaum das er ihn verdrängen wird und kann. Sehr Schade für uns Fans und dem BVB. Alles Gute und nicht nur auf der Bank und der Tribüne. Es wird sich zeigen. Ach noch eins, BVB kann nächste Saison wieder Meister werden, Madrid wird hinter Barcelona immer Zweiter.

  2. lateral
    Dienstag, 10. Mai 2011 um 13:15

    Das ist wirklich dumm von Sahin: Sein direkter Konkurrent ist Senor-bei-Real-immer-gesetzt Xabi Alonso… In seinem Alter hätte er ruhig noch zwei, drei Jahre Bundesliga dranhängen können. Für Dortmund ist das der denkbar ungünstigste Abgang – ohne Sahin hat dem BVB immer erkennbar der strukturierte Wirbel gefehlt.

  3. breeze
    Dienstag, 10. Mai 2011 um 13:39

    Es ist wirklich ärgerlich, dass Sahin wechselt. Ich traue ihm zu, sich durchzusetzen. Trotzdem wäre es nächstes Jahr auch in Dortmund zu einer neuen Art der Bewährung gekommen. Champions League spielen und in der Bundesliga gegen hochmotivierte Gegner ankommen.
    Und außerdem meinte er noch vor wenigen Wochen, dass die Fans ja wüssten, wie er sich entscheiden würde.
    So sehr man die Entscheidung nachvollziehen kann, so sehr wurmt es einen als Fan, dass er vorher noch so einen Spruch gemacht hat.

    Die hauptsächlich treibende Kraft sehe ich bei dem Wechsel in Sahins Berater, Reza Fazeli.
    So selten auch ein Angebot von Real Madrid kommt, so sehr hat sich Sahin doch offensichtlich auch in Dortmund wohl gefühlt. Was man von der Pressekonferenz gehört hat, fiel ihm die Bekanntgabe des Wechsels alles andere als leicht. Zusammen mit der oben zitierten Aussage von Sahin wird sein Sinneswandel innerhalb der letzten paar Wochen deutlich. Und ganz ohne Einfluss von außen kommt so ein schneller und grundsätzlicher Sinneswandel eher selten.

  4. Marvin Nash
    Dienstag, 10. Mai 2011 um 14:23

    @Guenni: Sahin ist kein Konkurrent für Özil, weil sie andere Positionen spielen.

    Ich glaube nicht, dass Sahin sich dort durchsetzen kann. Er hat es nicht einmal in der türkischen Nationalmannschaft geschafft. Bei Dortmund ist das Spiel auf ihn ausgerichtet. Er hat mit Bender einen fantastischen Zuarbeiter. Ich tippe, dass er spätestens nach 1,5 Jahren wieder wechseln wird.

  5. Heffer
    Dienstag, 10. Mai 2011 um 14:34

    Dass es in einer jungen Mannschaft eher zu einem Gemeinschaftsgefühl kommen kann leuchtet mir ein, aber gibt es irgendwelche belegbaren Zitate dafür, dass man sich ewige Treue geschworen hat.

    „Es wurde sogar von einer Absprache innerhalb der Mannschaft berichtet, in dieser Konstellation zusammenbleiben zu wollen“ reicht mir so nicht aus.

    Ohne Belege für sowas scheint es mir, dass sich die Medien wieder einmal mit der Zerstörung einer selbstgeschaffenen Narrative beschäftigen.

  6. H.S. Otto
    Dienstag, 10. Mai 2011 um 15:57

    Meister werden ist nicht schwer, Meister sein dagegen sehr. CL spielen könnte er in Dortmund als Leader. Sahin will nun nicht mehr mit dem BVB alt werden, degradiert sich vom Meister zum Mitläufer. Er konnte beim BVB glänzen, weil ihm andere den Rücken freigehalten haben. Seine Nervenstärke wurde erst wieder bei den verballerten Elmetern offenbar. Schlecht beraten ignoriert er Beispiele wie Metzelder und setzt seine Zukunft aufs Spiel.

  7. Ulfert
    Dienstag, 10. Mai 2011 um 17:56

    „Meister werden ist nicht schwer, Meister sein dagegen sehr.“

    10 cent ins Phrasenschwein.

    „CL spielen könnte er in Dortmund als Leader.“

    Ja, also bevor er bei Real mit anderen Stars CL spielt…

    „Sahin will nun nicht mehr mit dem BVB alt werden“

    Wollte er das denn vorher?

    „degradiert sich vom Meister zum Mitläufer.“

    Ein Mitläufer unter anderen Meistern.

    „Er konnte beim BVB glänzen, weil ihm andere den Rücken freigehalten haben.“

    Solche Leute soll es bei anderen Vereinen auch geben.

    „Seine Nervenstärke wurde erst wieder bei den verballerten Elmetern offenbar.“

    Wer einen Elfmeter verschossen hat darf nie wieder den Verein wechseln! Und schon garnicht zu Real!

    „Schlecht beraten ignoriert er Beispiele wie Metzelder und setzt seine Zukunft aufs Spiel.“

    Gut beraten folgt er Beispielen wie Özil und Khedira und wagt den großen Schritt auf der Karriereleiter. Und wenn es nicht funktioniert, geht er halt (wie Metzelder) wieder einen Schritt runter.

  8. Alfonso
    Dienstag, 10. Mai 2011 um 19:34

    ich bin gerade über die Auffrischprämie gestolpert.
    Habt ihr davon schon gehört? Da gibt’s u.a. 250 NIKE-Trikotsätze zu gewinnen und als Hauptpreis ein Freundschaftsspiel gegen Werder plus 50.000 EUR für euren Verein.
    Find ich ganz cool, weil man dafür nur ein kurzes Video mit Fußballtricks oder bekannten Fußballszenen drehen muss. Über Facebook werden bis zum 31.5.11 die besten Videos gevotet.
    Wen die Aktion interessiert, der findet hier weitere Infos: http://bit.ly/auffrischpraemie

  9. Hans Meiser
    Dienstag, 10. Mai 2011 um 23:56

    Es schon bemerkenswert. Da wechselt der wohl beste Spieler der bald abgeschlossenen Bundesligasaison zu Real Madrid und alle meckern, niemand traut ihm den Schritt zu. Was ist die deutsche Belletage doch eine Stümperliga …

    Ein ganz merkwürdiges Charakteristikum der deutschen Fußballnation ist das. Natürlich wird Sahin es schwer haben. Aber ebenso natürlich hat er die Klasse für Real. Er wird seine Möglichkeiten und Einsatzzeiten bekommen.

  10. Jan
    Mittwoch, 11. Mai 2011 um 12:00

    Ich glaube nicht, dass ihm niemand den Schritt zutraut wie Sie sagen. Die nötige Qualität bringt er mit 22 Jahren und der Erfahrung von sechs Bundesligaspielzeiten sicher mit. Der Tenor in den Medien ist doch eher, dass sein Weggang aus dem Dortmund-Biotop bedauert/kritisiert wird – natürlich auch von seiten der BVB-Fans.
    Ich denke ebenfalls, dass sein Berater ein gehöriges Wort mitgeredet hat in der Sache. Schade.

    @Heffer:

    „Großkreutz hat berichtet, dass die Jugendgruppe ihre füllige Besonderheit nicht nur empfinde, sondern auch schon über einen Bestandsgarantie für sich selbst geplaudert habe: „Wir haben schon gesagt, dass wir zusammen bleiben wollen.““
    http://bit.ly/iTkPFx

  11. random1
    Mittwoch, 11. Mai 2011 um 12:17

    Özil hatte in seiner ersten Saison das ‚Glück‘ dass Kaka quasi durchgängig verletzt war, und deswegen die Planstelle 10er für ihn frei war. Khedira spielt den defensiven 6er zusammen mit dem offensiveren Alonso, und stand dort quasi immer nur in Konkurrenz zu Diarra, der zwar ein guter Spieler, aber kein Superstar ist.

    Sahin wird allerdings ganz offensichtlich als Backup für Alonso geholt, eine Kombination Alonso / Sahin gegen Barca zu spielen… halte ich für gewagt. Als 8er oder 10er ist er bei weitem nicht so gut, siehe vergangene Spielzeiten in Dortmund.

    So sehr ich es ihm gönnen würde, wenn Alonso gesund und in aktueller Form bleibt, ist für Sahin kein Platz im A-Team. Gerade deswegen verstehe ich den Wechsel wirklich nicht. Es macht aktuell sportlich keinen Sinn, monetär vermutlich auch nicht, und den BVB / die Bundesliga in der CL schwächt es schon.

  12. Marvin Nash
    Mittwoch, 11. Mai 2011 um 15:00

    Gibt es eigentlich eine Quelle zu diesem onimösen „Treueschwur“, den alle zitieren? Mag ja mal jemand gesagt haben, dass die Mannschaft zusammenbleiben will, aber an viel mehr kann ich mich nicht erinnern. Aber in den letzten Treueschwur Tagen zitiert das irgendwie jeder.

  13. breeze
    Mittwoch, 11. Mai 2011 um 15:25

    Guck dir mal Jans Post an. Zwei über dir.

  14. Ulfert
    Mittwoch, 11. Mai 2011 um 15:38

    „Großkreutz hat berichtet, dass die Jugendgruppe ihre füllige Besonderheit nicht nur empfinde, sondern auch schon über einen Bestandsgarantie für sich selbst geplaudert habe: „Wir haben schon gesagt, dass wir zusammen bleiben wollen.““

    Ich halte solche Aussagen für unrealistisch.

    Auch bei Werder war 2004 die Stimmung super, und es war Einklang und Harmonie. Dennoch sind Ailton und Krstajic gegangen, und das Leben ging weiter.

  15. Hans Meiser
    Mittwoch, 11. Mai 2011 um 20:14

    Soweit ich das aus der Entfernung einschätzen kann, muss nicht Sahin um seinen Platz bangen, sondern Khedira. Zumindest, wenn Sahin seine Form von vor der Verletzung wiederfindet. Ich sehe auch nicht, wieso man nicht mit Alonso/Sahin gegen Barca spielen könne. Beide sind defensiv stark genug, vom Vorwärtsgang ganz zu schweigen. Gerade mit den schnellen Ronaldo/di Maria auf den offensiven Außen sehe ich da massig spielerische Möglichkeiten, die auch Barcelona in Not bringen können.

    Wer meint, Khedira habe den defensiven Sechser gemimt, hat wohl nicht viele Partien von Real verfolgt. Khedira hat im Wechsel mit Alonso diese Saison keine bedeutend andere Rolle gespielt als Sahin in Dortmund.

  16. Intensivpflege
    Donnerstag, 12. Mai 2011 um 17:30

    Es wird momentan einfach viel zu viel über Nuris Wechsel statt der anstehenden Meisterschaftsfeier berichtet. Das Thema sollte man so langsam ruhen lassen. Nuri ist weg, Ilkay kommt. Es wird sicherlich einiges an Zeit brauchen, bis der Neuzugang eine Stammkraft wird. Das gilt m.M. nach auch für Nuri bei Real. Aber eines möchte ich doch unterstreichen.

    Felix Meininghaus hat es auf den Punkt gebracht…Das ist definitv ein „herber“ Schlag für den BVB.

    Wünsche dennoch beiden Spielern viel Erfolg in Ihrem neuen Verein.

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