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Bundesliga

Schalke 04 – Der Pott kocht

Kai Butterweck | Freitag, 23. August 2013 2 Kommentare

Ideenlosigkeit auf dem Rasen und Chaos auf den Rängen: Auf Schalke geht es derzeit drunter und drüber. Außerdem: Hamburger Erholungsmodelle, massenhaft Berliner Beine, gastfreundliche Frankfurter und überteuerte Reisen in die BayArena

Nach dem Bundesliga-Fehlstart und dem mageren Unentschieden gegen Paok Saloniki – inklusive umstrittenen Polizeieinsatz in der Fankurve – brennt auf Schalke der Baum. Reinhard Schüssler (derwesten.de) sucht abseits des Rasens nach Schuldigen: „Man mag zu Jens Keller und den Medien-Reflexen stehen wie man will: Nach der spielerisch enttäuschenden, wenn auch dank glücklicher Umstände versöhnlich beendeten Rückrunde hat die Vereinsführung mit der Vertragsverlängerung des von Anfang an umstrittenen Trainers billigend in Kauf genommen, dass bei einem Holperstart prompt auch wieder der Coach im Fokus stehen würde. Auf Schalke ist in diesen Tagen oft von Qualität die Rede – vorhandener oder mangelnder. So oder so darf die Diskussion nicht auf die Mannschaft beschränkt bleiben. Sie muss auch die gesamte sportliche Leitung und die Vereinsführung mit einbeziehen. Neuerdings auch die Einsatzleitung der örtlichen Polizei.“

Bemüht, aber verkrampft

Oliver Müller (Welt Online) zeigt sich wenig überrascht über den tristen Schalker Champions League-Auftritt: „Möglicherweise war dies nach den Nackenschlägen zu Saisonbeginn nicht anders zu erwarten. Der Mannschaft fehlt es derzeit nicht nur an defensiver Stabilität. Es fehlt auch an zündenden Ideen, an Risikobereitschaft im Spiel nach vorn. Bemüht, aber verkrampft – gewillt, aber ideenlos und ängstlich war der königsblaue Auftritt. Eine klares Indiz dafür, dass der schwache Start in die Bundesligasaison mit nur einem Punkt und sieben Gegentoren aus zwei Spielen die Psyche der Spieler nachhaltiger belastet hat als erwartet. Und zwar mehr als es sich die Schalker selbst eingestehen wollten.“

Frank Lamers (derwesten.de) macht Jens Keller Druck: „Der Klub kämpft um Millioneneinnahmen. Die Fans wirken mit ihren Pfiffen wie ein Verstärker der Verunsicherung ihrer Akteure. Seltsam. Weil diese Ungeduld und Unnachsichtigkeit aber einfach vorhanden ist, muss Keller in der Liga bei Hannover punkten und danach gegen Saloniki die Königsklasse erreichen. Alles andere würde bedeuten: neuer Trainer, egal, dass das Team gezeigt hat, dass es will und kann, egal, dass sich gerade keine Alternative aufdrängt.“

Es macht derzeit keinen Spaß, Thorsten Fink zu sein

Auch beim HSV verlief die Woche nach der bitteren Hoffenheim-Pleite alles andere als rund – statt sich zu regenerieren, düsten zwei Profis mal eben für einen Kurztrip in den Süden. Lars Wallrodt (Welt Online) schüttelt fassungslos den Kopf: „Abwehrspieler Dennis Aogo wurde nur wenige Stunden nach Finks Order (zwei Tage frei)auf dem Hamburger Flughafen gesichtet, wo er eine Maschine Richtung Mallorca bestieg. Und auch Aogos Kollege Tomás Rincón, das kam nun heraus, flog für einen Kurzurlaub auf die Ferieninsel. Es macht derzeit keinen Spaß, Thorsten Fink zu sein. Okay, er ist Bundesliga-Trainer, das können neben ihm nur 17 andere Menschen auf diesem Erdball von sich behaupten. Andererseits ist er Trainer des Hamburger SV, das relativiert die Sache schon wieder. Denn mit dem HSV ist es ja wie mit Helmut Berger: Er sah früher toll aus und nervt heute nur noch. Besagter Fink müht sich seit bald zwei Jahren, dem greisen Bundesliga-Dino wieder ein bisschen Rouge auf die Wangen zu schminken. Doch bislang verläuft das Make-up ständig.“

Jan Christian Müller (FR) nimmt sich Torsten Fink zur Brust: „Wie klug Finks „Aktion“ war, den Profis trotz der verheerenden Niederlage frei zu geben, dürfte zumindest von Sportchef Oliver Kreuzer wie auch von Präsident Karl-Edgar Jarchow bezweifelt werden. Beide äußerten sich spürbar zurückhaltend dazu. Es ließ sich unschwer erahnen, was sie darüber dachten. Objektiv gab es keinen Grund, nach dem zweiten Spieltag, in dem Mechanismen auch bei erfolgreichen Mannschaften nie und nimmer perfekt greifen können, für einen derart langen Zeitraum frei zu geben, statt im Training an Details zu arbeiten. Mit Aogo hat Fink nun ein Bauernopfer ausgemacht. In Wahrheit hat dieses Bauernopfer mit seinem Insel-Ausflug nur deutlich gemacht, wie fahrlässig es war, den Spielern im Vorfeld des Auswärtsspiels bei Hertha BSC zwei Nächte ohne frühes Aufstehen zu gönnen.“

Abgerechnet wird zum Schluss

Jens Kirschneck (11Freunde) kann die ganze Hysterie nach zwei Spieltagen nicht nachvollziehen: „Wie aber kommt es, dass Fußballfans immer häufiger vergessen, dass ein Spiel 90 Minuten dauert und das Jahr 34 Spieltage hat? Vielleicht ist es tatsächlich so, dass solch eine Saison, ein sperriges, langwieriges Etwas mit Höhen und Tiefen, viel Langeweile und plötzlichen Momenten der Hochspannung, nicht mehr in die moderne Zeit passt. Weil man sie – Achtung, kulturkritische Anmerkung! – nicht durch einen schnellen Blick auf das Smartphone erfassen kann, sondern in Echtzeit erleben muss. Dabei ist das doch eigentlich das Geile am Fußball: Abgerechnet wird zum Schluss und die Oper ist erst vorbei, wenn die fette Dame gesungen hat.“

Unfehlbarer Fußballfachmann

In Berlin legt Trainer Jos Luhukay viel Wert auf personelle Abwechslung. Stefan Hermanns (Tagesspiegel) ist beeindruckt: „Herthas Trainer Luhukay hat sich in der vergangenen Saison den Ruf einer gewissen Unfehlbarkeit in Fußballfachfragen erworben. Sämtliche Prognosen, die er im Laufe des Jahres aufgestellt hatte, sollten sich irgendwann als zutreffend herausstellen. In diesen Tagen hat Luhukay diesen Ruf noch einmal gefestigt. Er rede nicht so gerne über eine erste Elf, hatte er vor dem Start in die neue Saison gesagt; alle Spieler seien wichtig und würden auf Dauer zu ihren Einsätzen kommen. Die Wirklichkeit gibt ihm schon jetzt Recht: Von allen 18 Bundesligisten hat Hertha an den ersten beiden Spieltagen gemeinsam mit Borussia Dortmund die meisten Spieler (18) eingesetzt.“

Abseits des Platzes dämpfen Lolita-Gerüchte die Stimmung in der Hauptstadt. Bei Christoph Cöln (Welt Online) machen sich Sorgen breit: „Die Affäre könnte für Hertha BSC ein schwerer Rückschlag sein, stört sie doch die wiedergewonnene Harmonie am Olympiastadion. Nach turbulenten Jahren mit Trainerentlassungen, Führungschaos und dem Abstieg in die Zweite Liga hat sich der Hauptstadtklub gerade berappelt. Trainer Jos Luhukay baute sein Team behutsam auf, gab den verunsicherten Hertha-Kickern Selbstbewusstsein und verhalf ihnen zu starken Leistungen auf dem Platz. Dass der Mannschaftsgeist auch abseits des Platzes so ausgeprägt gewesen sein könnte, würde Luhukay sich wohl nicht träumen lassen.“

Potential hinzugewonnen

Marc Heinrich (FAZ) freut sich über den Frankfurter Neuzugang Vaclav Kadlec: „Die Voraussetzungen für Kadlec, seiner Karriere in Frankfurt weiteren Schwung zu verleihen, sind vorhanden: Hier trifft er mit Veh auf einen Coach, der nicht erst in den beiden Jahren bei der Eintracht bewiesen hat, dass er im Umgang mit aufstrebenden Profis ein Händchen besitzt, wie in Stuttgart mit Gomez, Khedira und Hitzlsperger oder Son beim Hamburger SV. Mit Kadlec hat die Eintracht Potential hinzugewonnen. Auf die Schnelle besteht gerade nach dem Liga-Fehlstart zu rosaroten Träumen kein Anlass. Zum Schwarzmalen aber auch nicht.“

Schlechtes Vorbild

André Schahidi (RP Online) erzürnt sich über teure Ticketpreise in Leverkusen: „Auf dem Platz wird es vielleicht eng, dafür könnte es auf den Rängen einige Lücken geben. 2500 Tickets für das Auswärtsspiel hat Borussia an ihre Anhänger verkauft – ein Kontingent von 450 Karten ist jedoch bis auf sieben zurück nach Leverkusen gegangen. Der stolze Preis: 67 Euro pro Ticket. Die Gladbacher Fans haben das Pech, zur teuersten Ticket-Kategorie in Leverkusen zu gehören. Fans der TSG Hoffenheim zahlen bei ihrem Gastspiel für einen Sitzplatz nur rund ein Drittel. Bayer Leverkusen ist in vielerlei Hinsicht ein Vorbild für Borussia – was die Preisgestaltung der Tickets angeht, jedoch nicht.“

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Kommentare

2 Kommentare zu “Schalke 04 – Der Pott kocht”

  1. woki
    Freitag, 23. August 2013 um 10:29

    hallo,
    nun
    ist das nicht ein bischen viel der Ehre ?
    den S 04
    gleich zu setzen mit
    dem – Pott – = Ruhrgebiet ? !!!

    Da gehören m.E. noch einige andere Vereine mit dazu .
    Glückauf

  2. Schalke 04 – Der Pott kocht – indirekter-freistoss.de | News von Parken-oder-Hotel-am-Flughafen
    Freitag, 23. August 2013 um 13:29

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