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Bundesliga

BVB – Wie aus einem Guss

Kai Butterweck | Montag, 25. Januar 2016 Kommentare deaktiviert für BVB – Wie aus einem Guss

Daueransage oder Momentaufnahme? Borussia Dortmund präsentiert sich zum Rückrundenstart in bestechender Form. Außerdem: Aufbruchsstimmung in Frankfurt und Stuttgart und geknickte Häupter in Gelsenkirchen

Der BVB zeigt in Gladbach die bisher beste Saisonleistung. Kommt Tuchels Ensemble noch einmal an die Bayern ran? Wohl kaum. Freddie Röckenhaus (SZ) spendet dennoch Beifall: „Dortmund kann sich damit trösten, dass Thomas Tuchel beim BVB in nur einem halben Jahr verschüttete kreative Kräfte wecken konnte. Aus der Pressingmaschine Kloppscher Prägung ist eine Mannschaft geworden, die erwachsener auftritt, die ihre individuelle Überlegenheit nun ausspielt, die den Ball am liebsten selbst in den eigenen Reihen hält – und das Pressing nur noch als Variante im Repertoire hat.“

Eine gewisse Souveränität

Tobias Jochheim und Christian Spiller (Zeit Online) sind ebenfalls begeistert: „Unter Thomas Tuchel tritt der BVB noch immer mitreißend auf, aber erwachsener, er kann, wenn nötig, auch mal den Fuß vom Gas nehmen. Beim 3:1 in Gladbach jedenfalls war eine gewisse Souveränität zu erkennen, nur Pierre-Emerick Aubameyang blieb noch in der Winterpause.“

Daniel Theweleit (Spiegel Online) klatscht mit Marco Reus ab: „Die Dribblings seiner besten Tage erlebten auch in Mönchengladbach keine Renaissance. Aber viele Beobachter haben das Gefühl, dass die Karriere dieses vom Pech verfolgten Hochbegabten, der immer noch keinen Titel gewonnen hat, in diesem Jahr endlich gekrönt werden könnte. Bei der EM mit der Nationalmannschaft und vielleicht mit dem BVB in der Europa League oder im DFB-Pokal. Statt zu grübeln und zu zögern, handelt Reus nämlich wieder.“

Mit Ballbesitz und endlosen Passstafetten gegen tief stehende Gegner

Oliver Müller (Welt) lüftet das Erfolgsrezept der Borussen: „Die Dortmunder deuteten an, dass die 38 Punkte, die sie in der Hinrunde geholt hatten, nicht unbedingt das Rückrundenlimit für eine Mannschaft sein müssen, die mittlerweile in der Lage ist, sich auf die unterschiedlichsten Gegner einzustellen. Mit Ballbesitzspiel und scheinbar endlosen Passstafetten agiert der BVB gegen tief stehende Teams und wartet geduldig auf eine Lücke. Aggressiv anrennenden Teams ziehen die Dortmunder mit schnellem Umschaltspiel den Zahn.“

Ivo Hrstic (Sport1.de) verschickt Glückwunschsträuße an drei Auserwählte: „Besonders beeindruckt hat mich die Leistung der Dortmunder Nationalspieler Mats Hummels, Ilkay Gündogan und Marco Reus. Hummels überzeugt durch Leistung und nicht durch Worte, ein starkes Stellungsspiel und eine sehr gute Zweikampfquote von 70 Prozent sprechen in Gladbach für den Abwehrchef. Gündogan denkt und lenkt das Spiel der Borussia, und Reus hat seine Torgefahr und Leichtigkeit wiedergewonnen.“

Mehr Ruhe und Pragmatismus auf der Bank

Auch der VfB Stuttgart präsentiert sich zu Beginn der Rückrunde von seiner Schokoladenseite. Christian Eichler (FAZ) ist hin und weg: „So erwachsen wie zu Beginn der Rückrunde hat man den VfB Stuttgart in dieser Saison noch nicht gesehen. Den Fehler, alles völlig neu machen zu wollen, wie es Alexander Zorniger tat, wiederholt Jürgen Kramny nicht. Beim 3:1 in Köln zeigte sein Team die auch in der Vorrunde zu sehende offensive Spielweise – aber ohne das defensive Harakiri des Vorgängers. Man habe „mehr Ordnung auf dem Platz“, sagt Kramny. Und, wie zu sehen war, auch mehr Ruhe und Pragmatismus auf der Bank.“

Marko Schumacher (Stuttgarter Zeitung) hält sich bei Spielen mit Stuttgarter Beteiligung nur noch fünf Minuten die Hände vors Gesicht: „Es ist nicht so, dass es jetzt keine Sorgen mehr gäbe, auch wenn die Stuttgarter wettbewerbs- und jahresübergreifend seit inzwischen fünf Spielen ungeschlagen sind. Streng verweist Christian Gentner auf die letzten fünf Spielminuten in Köln, in denen der Gegner zu mehr Torchancen kam als in den 85 Minuten zuvor. In dieser Phase kehrte es wieder zurück, das alte VfB-Kopfproblem, das darin besteht, dass es die Mannschaft gerne gemütlich auslaufen lässt, wenn sie glaubt, schon etwas erreicht zu haben.“

Meier bleibt die Frankfurter Lebensversicherung

In Frankfurt wird Alexander Meier wieder einmal auf Händen getragen. Thomas Kilchenstein und Ingo Durstewitz (FR) packen gerne mit an: „Es ist kein Zufall, dass der Norddeutsche, längst in Frankfurt assimiliert, regelmäßig zweistellig trifft, mal 17, 16 oder, wie letztes Jahr, 19 Treffer macht und sich damit die Torjägerkanone holt. Das ist gar nicht hoch genug zu bewerten, weil Meier in einer Mittelklassemannschaft spielt, die in den letzten Jahren die meiste Zeit gegen den Abstieg gekämpft hat. Ihm werden die Bälle nicht perfekt aufgelegt, er spielt nicht mit den besten Mitspielern zusammen. Nein, Alex Meier muss aus den wenigen Gelegenheiten das Beste machen – und das macht er. Meier ist und bleibt die Frankfurter Lebensversicherung.“

Ein schwacher Trost

In Gelsenkirchen hingegen wird nach der Heimschlappe gegen Werder Bremen Trübsal geblasen. Manfred Hendriock (derwesten.de) macht vor allem der Schalker Offensive Vorwürfe: „Ein schwacher Trost, dass die Leistung in den ersten 35 Minuten gegen Bremen wirklich gut war. Ein großes Problem indes könnte es werden, dass die Chancenverwertung nicht besser wird – im Gegenteil. An einem guten Tag hätte Klaas-Jan Huntelaar zu seinen besten Zeiten am Sonntag gegen Bremen wahrscheinlich einen Hattrick binnen sechs Minuten erzielt. Langsam wird es Zeit, dass die guten Zeiten vom “Hunter” zurückkommen – sonst hat Schalke ein Problem.“

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