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Bundesliga

Union Berlin – Dussel oder Pioniere?

Kai Butterweck | Montag, 13. Juli 2020 ohne Kommentar

Das von Union Berlin vorgelegte Konzept zur Beendigung des Geisperspielbetriebs in der Alten Försterei stößt in der Presse auf wenig Begeisterung

Mit Hilfe von Vorfeld-Corona-Tests will Union Berlin zum Bundesligastart wieder vor vollen Försterei-Rängen kicken. Sebastian Harfst (sportbuzzer.de) zeigt mit beiden Daumen nach unten: „Der Plan des 1. FC Union Berlin sollte schnell wieder im Papierkorb verschwinden. 22 000 Menschen sollen sich vor dem Besuch eines Bundesliga-Spiels testen lassen? Welch eine absurde Überhöhung des Systems Profifußball, frech vorgetragen von dem Klub, der sich gern damit rühmt, ein bisschen anders zu sein.“

Keine Chancengleichheit

Andreas Kornes (augsburger-allgemeine.de) stapelt Fragezeichen: „Was, wenn sich der Besucher erst testen lässt und dann ansteckt? Oder das Ergebnis fehlerhaft ist? Dann stünde er mit seinem veralteten und/oder falschen Testergebnis virenschleudernd in einer Menschenmasse. Oder was passiert, wenn andere Bundesliga-Klubs nicht in der Lage sind, ebenfalls Massentests durchzuführen? Dortmund zum Beispiel bräuchte 81.000 davon, der FC Bayern 75.000. Mit Chancengleichheit hätte das dann nichts mehr zu tun – die DFL wird das nicht tolerieren.“

Philipp Köster (stern.de) schließt sich an: „Man muss kein Mediziner, kein Virologe oder Epidemiologe sein, um zu erahnen, dass das ein völlig unverantwortliches Risiko für die Zuschauer ist. Und da sind praktische Fragen noch nicht einmal thematisiert: Wie das wohl wird, wenn Union am Freitagabend spielt und sich Anhänger aus Wriezen oder Finsterwalde einen Urlaubstag nehmen müssen, um sich rechtzeitig testen zu lassen? Und müssen die Fans dann unterschreiben, dass sie sich auf eigene Gefahr ins Stadion begeben, oder übernimmt der Klub auch das Risiko, falls es im Stadion zu Infektionen kommt?“

Claus Vetter (Tagesspiegel) schüttelt ebenfalls den Kopf: „Union definiert sich über seine Anhänger, seine volle Alte Försterei. Der Verzicht auf ein großes Stück der eigenen Identität ist hart, er ist aber auch für viele andere Menschen im Lande in der Krise hart. Vielleicht sollte der 1. FC Union nicht immer auf eine Sonderstellung pochen, erst recht nicht in Zeiten, in der viele Menschen verzichten müssen, Betriebe eingehen, sich die Welt nachhaltig verändert. Sehr wahrscheinlich wird sie das auch in Köpenick machen.“

Mut und Trotzigkeit könnten belohnt werden

Robert Matiebel (bz-berlin.de) hingegen applaudiert: „Ein gewagtes Projekt, aber der Mut und die große Portion Trotzigkeit könnten belohnt werden. Technisch ist fast alles machbar. Union könnte damit zum Pionier und Vorreiter in der Bundesliga werden.“

Mathias Bunkus (berliner-kurier.de) ist gespannt: „Die Debatte ist da! Und das knapp zehn Wochen vor dem Ligastart im September. Damit hat der 1. FC Union schon mal etwas erreicht mit seinem Vorstoß, dass alle Stadien künftig wieder ausgelastet werden sollen, wenn die ganzen Besucher zuvor auf Corona getestet worden sind. Nicht nur der Fußball, auch die ganzen Event- und Konzertveranstalter schauen gespannt auf den Ausgang der Diskussion. Prominente Unterstützung haben die Eisernen schon mal bei Deutschlands höchstem Fußballchef gefunden. „Mein Traum wäre es“, sagte DFB-Präsident Fritz Keller, „über Testungen vielleicht irgendwann ein volles Stadion zu bekommen.“ Genau das wollen die Köpenicker. So schnell wie möglich.“

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